Freitag, 26. Dezember 2008

La noche buena

Die „schöne“ Nacht, wie der Heilige Abend auf Spanisch heißt. War zwar nicht besonders weihnachtlich, dafür hat es hier 30 Grad zu viel, aber doch ein ganz eigenes Erlebnis:

Bis Mittag war arbeiten angesagt, am Nachmittag ein bisschen ausrasten und dann um neun begann die Messe in der Kirche. Für diesen besonderen Anlass hab ich mir sogar eine frische Hose und ein Hemd angezogen, mich gewaschen, was ich öfter tue, und rasiert. Und dann ab in die Kirche. Mein Hund wollte unbedingt mit und ich habe draußen gewartet zuerst, weil er nicht weggehen wollt und ich nicht mit ihm in die Kirche. Als er dann kurz weg war, habe ich es doch in die Kirche geschafft. In der Kirche waren die Bänke ausnahmsweise im Kreis aufgestellt, in der Mitte führten Kinder der Pfarre gerade ein Krippenspiel auf. Bei der Szene, wo Maria und Josef gerade Herberge suchen und abgewiesen werden, sehe ich plötzlich, und hab es kaum glauben können, wie ein schwarzer Hund mit gesenktem Kopf und aufgestelltem Schweif zwischen den Kindern rennt – richtig, das ist meiner. Er hat dann ein paar Runden gedreht und wir Zivis haben uns vor Lachen kaum mehr halten können, der Hund verließ die Kirche dann aber nur um noch zwei mal zurückzukommen um mich zu suchen. Bei dem Krippenspiel und der darauffolgenden Messe spielte eine „Band“, also einer mit einer Gitarre und eine Frau hat dazu gesungen. Die Gitarre war so grässlich verstimmt und die Sängerin hat das mit Abstand schrecklichste „Stille Nacht“, das ich je gehört habe gesungen. Einfach so unvorstellbar falsch, ich habe gelitten bei dem Gesang. Das Lied, das am besten funktioniert hat, war das „Nuestro Padre“ (Vaterunser, eh klar), das nach der Melodie von „Sound of Silence“ von „Simon and Garfunkel“ (glaub ich) gesungen wird. Beim spanischen Vaterunser steig ich ein bisschen aus, deswegen hab ich „Sound of Silence“ dazugesungen. Danach kam aber das allerschlimmste Lied. Ein spanisches Weihnachtslied, das ich zufällig aus dem Spanischunterricht kenn, weil das irgendwie im Spanischbuch ist. Das Lied ist nicht so schlecht, aber die Sängerin hat mit dem Schlusston des vorigen Liedes begonnen, der Gitarrist kurze Zeit später in einer anderen Tonart. Danach durften wir wilde Modulationen durch alle Moll-Tonarten erleben, bis sie sich bei der dritten Strophe auf eine geeinigt zu haben schienen.

Dann war die Messe aus und ich ging gemeinsam mit Carlos, seiner Familie und Mario zum Haus der Eltern von Carlos Frau. Das Haus ist ziemlich am Ende von Pedro Carbo, wir sind also sehr lange gegangen. Beim Haus angekommen stellte sich heraus, dass der Schwiegervater von Carlos der ist, der immer die Wasserrechnungen austrägt und sich auch um die anderen Probleme kümmert von denen es in der pedrocarbensischen Wasserversorgung genügend gibt(Meine Probleme mit der Wassergenossenschaft habe ich, im vorletzten oder vorvorletzten Eintrag schon geschildert). So, das war schon mal ein ziemlich großer Zufall. Nachdem Mario und ich schon am festlich gedeckten Tisch Platz genommen haben brauchten wir nicht lange, um aus den Erzählungen des Schwiegervaters nicht irgendwie sinnvolle Informationen zu erhalten, sehr wohl merkten wir aber, dass er schon mittelschwer betrunken war. Im Hintergrund hatte er volle Lautstärke ecuadorianische Volksmusik laufen und, als wäre das nicht genug, spielte die Beleuchtungskette des Plastikbaumes auch noch abwechselnd „Jingle Bells“, „Santa Claus is coming to town“ und andere amerikanische Lieder in schrecklichen Piepstönen und noch dazu saufalsch. Danach kam das Essen. Wirklich gut, das hat mir echt geschmeckt. Es gab 2 Sorten von gegrilltem Fleisch, dazu gegrillte Stücke von sowas ähnlichem wie Speck und Extrawurst (so was ähnliches, nicht zu vergleichen mit österreichischer Fleischqualität), Erdäpfel, Bohnen, Reis, Salat und zum Trinken natürlich Cola, Bier und Champan, aufgezuckerter Sekt. Beim Essen erzählte uns der Schwiegervater, dass es wieder gefälschten Schnaps gibt, weil die vierte Flasche, die er mit seinen Freunden heute getrunken hat, hat anders geschmeckt. Naja. Aber gefälschter Schnaps ist wirklich im Umlauf, da muss man schon aufpassen. Als er kurz nicht da war, um seine Musik lauter zu drehen, entschuldigten sich die anderen (es waren die ganzen Söhne und Töchter und Enkelkinder, 12 Leute insgesamt, dort) für ihn und sagten, das ist jedes Jahr so, dass er beim Essen schon angsoffen ist. Die Bescherung danach war auch ganz nett irgendwie, die Ecuadorianer spielen gern dieses Engerl-Bengerl-Spiel, wo man Namen zieht, und dem, dessen Namen man zieht, dem muss man was schenken. Ich mag das Spiel nicht, aber man spart wirklich Geld damit. Gut, weil ich erst ein paar Tage vor Weihnachten dorthin eingeladen war, habe ich keinen Namen mehr bekommen, ich habe dafür, eine Tafel Milka und zwei Packerl Manner-Schnitten mitgebracht, darüber haben sie sich auch ziemlich gefreut und ich hab dann von Carlos und seiner Familie ein Ecuador-Armband und eine Halskette bekommen. Vor der Geschenkübergabe haben wir noch zu singen versucht, zuerst „Stille Nacht“ im Duo (Mario & Ich), danach „Noche de paz“ mit allen. Eine echt Herausforderung, wenn im Vordergrund der Christbaum grauslige Melodien von sich gibt und daneben die Stereo-Anlage läuft, die der Schwiegervater dann doch wenigstens leiser gedreht hat, ganz abdrehen kommt sowieso nicht in Frage.

Ich merke gerade, dass sich mein Bericht liest, als wäre das alles eine furchtbare Katastrophe gewesen. Nein, das stimmt nicht, ich habe zwar ehrlich nicht übertrieben, aber mir hat der Abend trotzdem gefallen, wir haben Spaß gehabt und es war wieder ein tolles Erlebnis und eine Erfahrung. Und bei Weihnachten bei 30 Grad, ganz anders als die 20 Weihnachten davor, fällt es auch leichter, Weihnachten anders zu akzeptieren und sich darüber zu freuen, was man trotzdem hat.

Heute, am 25., der eigentliche Weihnachtsfeiertag waren wir zu Mittag in Sabanilla zum Essen eingeladen (Mittag verschob sich wegen der langen „Noche buena“ auf drei Uhr nachmittags), danach ging es um fünf zu der Geschenkeverteilung. Wir spielten gemeinsam mit den Ecuadorianern dieses Engerl-Bengerl-Spiel, wobei ich einen Namen zog, den ich nicht kannte. Egal, ich habe ihr einfach eine Halskette und ein Armband, verpacktin ein Schachterl, alles Produkte vom CAAM,geschenkt, ich hoffe, das ist auch gut angekommen. Als wir dann gehen wollten, sahen wir, dass der „Wäschemann“ (der, der gegen geringe Bezahlung immer die Wäsche von uns Zivis wäscht) gegenüber wohnt und er lud uns noch zu sich ein. Schnell zauberte er zwei Flaschen Schnaps herbei und zeigte uns seine Salsa-Videos. Dabei war es ihm sehr wichtig, dass seine Videos keine Raubkopien sind, sondern die Kopien von Originalen. Sein Sohn arbeitet auf der Bahía, dem größten (Schwarz-)Markt für Filme, Musik, Computerprogramme und allen möglichen Ramsch in Guayaquil. Normalerweise sind die DVDs und CDs einfach irgendwie zusammenkopiert, oft im MP3-Format, weil die Leute Musik meistens mit DVD-Playern abspielen. Seine Videos waren allerdings Kopien von Originalen, darauf ist er stolz. Und natürlich konnten wir nicht gehen, bevor nicht der letzte Tropfen Schnaps weg war. Nicht so schlimm, der Zuckerrohrschnaps (Caña) trinkt sich sehr leicht. (...)

Na gut. Ich wünsche euch allen noch eine schöne Festzeit!

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Weihnachten

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Ein paar Eindrücke, wie es kurz vor Weihnachten in und um Pedro Carbo aussieht

 

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Im Botanischen Garten (Jardín Botanico in Estacada)

 

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Ausblick von meinem Fenster auf die Nachbarhäuser

 

QUE PASEN UNA FELIZ NAVIDAD!

Frohe Weihnachten!

 

 

Samstag, 20. Dezember 2008

Es weihnachtet überhaupt nicht

Was werde ich zu Weihnachten machen? Also ganz sicher weiß ich es noch nicht, aber ich bin gestern Abend von Carlos, dem Buchhalter des CAAM, eingeladen worden, Weihnachten mit ihm und seiner Familie zu feiern. Das heißt eigentlich, nach der zweistündigen Messe, die um 9 am Abend beginnt, noch zu ihnen mit zum Essen und so weiter gehen. Und “Fin de Año/Año Nuevo” werden wir vielleicht in Montanita verbringen, dort gibt es halt viele Lokale und Möglichkeiten, zu feiern, ich war noch nie dort. So viel zu meinen Plänen.

Im CAAM haben wir eine relativ stressige Woche hinter uns, da am Mittwoch die „Asamblea“ (Generalversammlung), die alle drei Monate abgehalten wird am Programm stand. Die diesmalige stand unter dem Motto „Día de Integración“ (Integrationstag?), da ging es vor allem darum, die Gemeinschaft zwischen den Mitgliedern zu stärken, da Vereinsleben und gemeinnütziges Arbeiten hier in Ecuador ziemlich unbekannt sind. Die Asamblea konnten wir im benachbarten Ort „Estacada“ abhalten, weil ein Tischler und Mitglied des CAAM ein Bett gespendet hat, das wir unter den Mitgliedern verlost haben, durch den Verkauf der Lose konnten wir für alle ein Mittagessen und kleine Geschenke kaufen. In „La Estacada“ entsteht derzeit auf zwei Grundstücken (eines gehört dem CRESEM, das andere dem CAAM) ein „Jardín Botanico“ (Botanischer Garten), der hier vor allem als Wochenendausflugsziel für die lokale Bevölkerung gedacht ist, aber vielleicht auch Touristen anlocken soll. Momentan sieht er eher nicht so gut aus, da wir am Ende der Trockenzeit sind und es seit Monaten nicht richtig geregnet hat und große Teile des Gartens durch Unvorsichtigkeit der Nachbarn, die ihre Felder und ihren Müll einfach abbrennen, abgebrannt sind. Aber all das soll dazu beitragen, in Zukunft das Bewusstsein der Leute, dass die Natur um sie herum viel wert ist, zu stärken.
Am Montag habe ich, wie einmal in jedem Monat, in der Früh auf meinem Schreibtisch schon die Wasserrechnung für das vergangene Monat gefunden. Schon bei der letzten ist mir aufgefallen, dass wir sehr viel bezahlen, habe mir aber gedacht, das wird sein, weil wir jetzt auch das Nachbarhaus, das dem CAAM gehört und vermietet ist, mit Wasser mitversorgen, weil es dort keinen Tank gibt. Ohne Tank geht es fast nicht, da oft nur in der Nacht Wasser aus den Leitungen in den Tank kommt und das man dann am Tag verbrauchen kann. Jedenfalls steht auf der Rechnung statt den normalen zwei Dollarn, die man fast pauschal zahlt weil sich das nie viel ändert, elf Dollar. Auf der Rechnung ausgewiesen waren als „Consumo actual“ (Konsum) zwei Dollar und als „Deuda de antes“ (Schuld von früher) die neun Dollar, die ich im November bezahlt hab. In der folgenden Recherche in meiner Buchhaltung fand ich heraus, dass wir seit vier Monaten immer zu viel gezahlt haben, da uns die Wassergenossenschaft den Betrag, den wir im Vormonat bezahlt haben, immer als Schuld dazuverrechnet haben und somit haben sich die Werte alle summiert und wir haben insgesamt fast zehn Dollar zu viel bezahlt. Zehn Dollar ist für Europäer jetzt nicht viel, aber zum Vergleich: Um zehn Dollar können wir hier einen Arbeiter einen ganzen Tag bezahlen und da sind zehn Dollar schon gut bezahlt. Für uns gab es jetzt mehrere Möglichkeiten, warum unsere Zahlungen nicht registriert wurden, es hätte auch sein können, dass sich der Präsident, bei dem ich immer persönlich gezahlt habe, sich das Geld in seine eigene Tasche gesteckt hat. Natürlich hat mich das alles sehr geärgert, vor allem, dass mir das über Monate hinweg nicht aufgefallen ist. Nach einigen Versuchen habe ich schließlich den Präsidenten in seiner Firma angetroffen und mit ihm vereinbart, dass wir bis Mai keine Rechnungen zahlen müssen, das entspricht ungefähr dem Guthaben, das wir jetzt bei ihnen haben. Ich hoffe, er erinnert sich auch später noch daran, da er, wenn ich komme und irgendwas will, immer gleich ganz überschwänglich zusagt und mir das nicht immer ganz geheuer ist. Wir werden sehen, Geld wird er von uns die nächsten 5 Monate keines sehen.
Am Montagabend kamen auch die Eltern vom Jakob an. Ohne Gepäck, das war schon fast vorherzusehen, da sie mit Delta Airlines über Atlanta geflogen sind. Drei Tage später sind zwei von fünf Gepäckstücken aufgetaucht, eines davon war ein Koffer mit Paketen für uns Zivis, so haben sie gestern mit wenig Gepäck zu ihrer Reise nach Galapagos aufbrechen müssen. Also sollte jemand einen Flug nach Südamerika mit Delta Airlines über Atlanta buchen wollen, würde ich abraten, da ich bis jetzt zwei von zwei Besuchergruppen ihr Gepäck mit Delta verloren haben.
Heute am frühen Morgen hat es ziemlich viel geregnet, das Ende der Trockenzeit ist schon fast erreicht, hoffentlich kommt heuer kein „El Niño“, dieses Wetterphänomen ist früher alle 5 Jahre ungefähr aufgetreten, angeblich durch den Klimawandel oder durch Zufall ist es die lezten Jahre öfter aufgetreten und hat zum Beispiel das letzte Jahr große Überschwemmungen und schwere Schäden in der Landwirtschaft angerichtet. Warum heißt es „El Niño“? (Das ñ spricht man „nj“ aus, für alle Interessierten... ;) ) Weil es zu Weihnachten kommt und Niño heißt Kind. Ja, zu Weihnachten ging es einmal vor langer Zeit um ein Kind und nicht um den alten Fetten, der sich weder rasieren noch seine Haare schneiden kann und den ganzen Tag im Bademantel herumrennt.

In Ecuador isst man zu Weihnachten „Pan de Pascua“ (Pan heißt Brot und Pascua heißt Ostern, laut Wörterbuch nennt man auch die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig Pascua.) Dieses „Pan de Pascua“ ist ähnlich wie Striezel, nur ist der Teig süßer und es sind Rosinen und kandierte Früchte drinnen.

Na gut, genug für heute.

Liebe Grüße, ich hoffe, ich kann mich zu Weihnachten einmal melden, weil ich nicht vor Weihnachten schon frohe selbige wünschen will. Das hab ich noch nie mögen.

 

 

 

 

Samstag, 13. Dezember 2008

Que viva la vida

Und wieder eine Woche vergangen. Ich werde öfters gefragt, wie ich die Zeit so verbringe, deswegen will ich hier einmal näher darauf eingehen: Also mein Tag beginnt mit dem Läuten des Weckers. Meistens schlafe ich danach noch eine halbe Stunde bis acht Uhr. Dann heißt es aber Aufstehen, weil im Haus schon reger Betrieb herrscht, bevor ich aber einsatzbereit bin, brauche ich aber noch einen ordentlichen Kaffee. Saisonbedingt gibt es jetzt immer eine Mango dazu, die sich in der Nacht vom Baum verabschiedet hat. Dann beginnt auch gleich die Arbeit; Berichte machen, Belege ordnen, Kassa verwalten oder was gerade so anfällt. Gegen zwölf oder halb eins beginnt dann die Mittagspause, die ich mit Essen verbringe. Dafür geht man am Besten einfach zu einem sogenannten „Comedor“ (von „comer“ – essen), das sind kleine Lokale, die sich auf Mittagessen, sogenannte „Almuerzos“, bestehend aus Suppe und Hauptspeise („Segundo“) spezialisiert haben und man sitzt auf einfachen Plastiksesseln direkt neben der Hauptstraße. Zur Auswahl gibt es, wenn noch alles da ist in unserem „Stammcomedor“, zwei Suppen und zwei Hauptspeisen. Natürlich immer mit halbem Teller voll Reis und fast immer Fleisch ODER Hendl, weil „pollo“ (Hendl) ist nicht gleich „carne“ (Fleisch), manchmal auch „pescado“ (Fisch). Das ganze kostet $ 1,50 für Suppe, Segundo und ein Glas „Jugo“ (Saft). Falls wir noch Verlangen nach einem „postre“ (Nachspeise) verspüren, kaufen wir um 50 Centavos noch einen „batido“ (Milchshake – auf „deutsch“), sehr kalorienhaltig, sehr süß, aber einmalig gut. Unter der oft unerträglich heißen Sonne geht es dann zurück in den Schatten vor dem Computer. Ja, die Sonne ist oft so heiß, dass das zumindest mir richtig auf der Haut brennt, einiges stärker als in Österreich im Hochsommer. Die Arbeit geht dann oft bis es finster wird und noch länger, weil wir oft erst am Abend, wenn die meisten Leute wieder weg sind, Zeit finden, um gemeinsam noch Sachen zu besprechen oder Fehler in der Buchhaltung zu beheben. Und so ein heißer Tag findet sein Ende nicht selten bei einem verdienten kühlen Bier am Kiosko, natürlich nur, um den verlorenen Schweiß des ganzen Tages mit den wertvollen Inhaltsstoffen dieses köstlichen Getränks zu ersetzen. Oft kommt man dann auch ins Gespräch mit Einheimischen, erfährt Neues, zB, wer ermordet wurde und warum, oder, dass wieder ein Bus überfallen wurde oder, dass ein anderer wieder einmal einen schweren Verkehrsunfall verursacht hat, weil sie alle wie die Berserker fahren, damit sie als erster im nächsten Ort sind und die Fahrgäste mitnehmen dürfen. Dazu muss man erklären, dass im öffentlichen Verkehr, wie in so vielen Bereichen, der pure Kapitalismus herrscht, die Strecke zwischen Pedro Carbo und Guayaquil wird von sechs oder sieben Firmen bedient, die sich gegenseitig oft Wettrennen liefern. Die meisten Busse allerdings fahren dann nach Pedro Carbo noch bis nach Manta oder Portoviejo (noch einmal drei Stunden) und sie unterscheiden sich voneinander vor allem in der Qualität der Busse und in der Geschwindigkeit. Wenn man nach Guayaquil fährt erlebt man nicht selten, dass der Bus, in dem man sitzt, mit letzter Kraft und Anstrengung einen anderen überholt, nur damit er früher im nächsten Ort ist, wo er Passagiere, die den Bus durch einfaches Winken mit der Hand anhalten können, schnell einsammelt um dann wieder Vollgas zu geben. Aussteigen kann man auch fast überall, wo man will, der Bus bleibt dann stehen, oder oft auch nicht. Wenn man zB alleine fährt, kommt es oft vor, dass der Bus zum Ein- und Aussteigen nur langsam wird und man dann auf- oder abspringt. Klingt gefährlich – ist es auch. Und man darf sich auch nicht wundern, wenn man im Bus neben jemandem sitzt, der zwei Hühner in der Hand hat.
In unserer Österreicherkolonie haben wir für drei Wochen Zuwachs bekommen. Am Montag kam Mario an, ein Optiker, der aber für den Augustin (Zeitung) arbeitet und momentan Chorleiter oder Gründer des Augustin-Chores namens „Stimmgewitter“ (glaub ich) ist, die jetzt schon ein oder zwei CDs haben. Und am Montag kommt Jakobs Familie. Mario wird in der Clinica eine Optikerwerkstätte einrichten und ein oder zwei Ecuadorianer auf diesen Job einschulen.
Ich hoffe, es geht euch allen gut!
Liebe Grüße

Montag, 8. Dezember 2008

Advent, Advent,…


Tausende Lichter brennen. Seit ein paar Wochen gibt es in ganz Pedro Carbo Weihnachtsdekoration. Das heißt Plastiktannen mit bunten blinkenden Lichtern und Plastikschnee, beleuchtete Plastikschnee- und Weihnachtsmänner und das alles bei 30 °C. Da sieht man, dass der Weihnachtskapitalismus von Nordamerika hier 1:1 übernommen wird. Ohne Nachfragen. Wenn das Weihnachten ist, wäre es besser, wir würden es lassen. Aber irgendwie ist es auch typisch ecuadorianisch, einfach kopiert von wo anders, weil die Amerikaner sind ja alle so reich und diese Kultur ist ja das allerbeste. Immer wenn ich das Gefühl habe, wieder ein bisschen mehr von der Mentalität und Kultur der Leute hier verstanden habe, gibt es kurz darauf Erlebnisse, wo es mir wieder einfährt, dass ich gar nichts verstanden habe, dass es nicht so leicht zu durchschauen ist und ich glaube, so geht es auch anderen Ausländern, die schon länger sind. Eine fremde Kultur kennenlernen, das klingt immer so schön als Motiv für Auslandsjahre, man kann sie kennenlernen, aber sie so voll und ganz zu verstehen würde glaube ich viele, viele Jahre dauern. Weil eine fremde Kultur, eine andere Mentalität ist nicht etwas, dass man mit seiner eigenen Denkweise begreifen kann, diese Sachen sitzen viel tiefer.


 

Zu meiner Woche:


 

Eigentlich war ich viel unterwegs, am Dienstag in Portoviejo um das Regionalbüro des FEPP kennenzulernen und für einen kleinen Gedankenaustausch mit der dortigen Buchhalterin, am Mittwoch habe ich ein Paket vom Hauptpostamt in Guayaquil abgeholt. Und am Montag schon habe ich ein anderes bekommen, momentan habe ich also genug Speck- und Wurstvorräte, danke an Oma und Opa und meine Eltern bzw Brüder für die zwei Pakete. Am Freitag musste ich dann unerwartet wieder einen halben Tag nach Guayaquil fahren, weil bei der letzten Papaya-Lieferung der Zuständige Bauer nur das Original der Factura mitgenommen hat, zum korrekten Ausfüllen der Factura braucht man aber auch den Durchschlag. Klingt ziemlich bürokratisch, ist es auch. Jedenfalls mussten wir das am Freitag erledigen, da wir die Rechnung schon für November deklariert haben und sie unbedingt brauchten, jetzt bin ich wegen dem einen Zettel eine Stunde mit dem Bus in die Stadt gefahren, hab die Firma gesucht, auch gleich gefunden und hab das Doppel der Factura abgegeben und ausgefüllt wieder mitgenommen. War auch irgendwie interessant, die Firma ein bisschen kennenzulernen. Natürlich war das alles abgesichert, überall stehen Sicherheitsleute mit unübersehbar großen Revolvern am Gürtel, das hat aber den Vorteil, dass sie einem alle Türen aufhalten. Diese Firma, Tropifrutas, verarbeitet Papaya, Mango, Maracuya und Bananen. Wenn man über das Firmengelände geht, riecht es zuerst ganz herrlich nach Maracuya und Bananen, dann plötzlich nach Chlor und dann nach Komposthaufen. Auch interessant irgendwie, der Kontrast. Und am Samstag fuhren wir zur Eröffnungsfeier der Olimpiadas Especiales. Das sind so olympische Spiele für Kinder oder Jugendliche mit Behinderungen. Diese Feier war ganz groß aufgezogen, wurde schon wochenlang im Fernsehen sogar beworben und aus dem ganzen Land kommen Delegationen von Sportlern, so auch vom CRESEM, mit ihren Trainern, David und Jakob. Also da war dann echt viel Show, ziemlich professionell, ich habe aber manchmal den Eindruck gehabt, dass es ein bisschen was von "Licht ins Dunkel" hat, so vor Weihnachten, schnell was für die armen Kinder tun, damit man sie dann danach wieder 11 Monate ruhigen Gewissens ignorieren kann, überspitzt formuliert. Nein, ich glaube, das trifft auf "Licht ins Dunkel" sicher viel mehr zu, wenn ich mir ansehe,mit welcher Begeisterung da gestern manche dabei waren. Ich glaube diese Olimpiadas geben den Kindern schon extrem viel von dem, was sie oft im alltäglichen Leben hier nicht bekommen, zB Anerkennung.


 

Das Spenden ist ja in Österreich immer so ein bisschen ein Ablasshandel. Man spendet zwar einmal 50 € für ein Entwicklungsprojekt, geht danach aber zum Hofer und kauft Mangos, die von Kindern gepflückt werden, tankt sein Auto, für dessen Benzin quadratkilometerweise Regenwald zerstört und ganze Flüsse vergiftet werden. Keiner von uns kann ohne Benzin Auto fahren und keiner wird diese Missstände alleine ändern können, aber was wir können ist, bewusster zu sein, was wir konsumieren, nachdenken, woher kommt das. Wenn ich hier in Pedro Carbo eine Mango esse, weiß ich, dass die zB vom Baum vor dem Haus kommt. Was die Mango beim Hofer schon für Blödsinn mitgemacht hat, ... naja, ich weiß es nicht. Nebenbei erwähnt sind die Mangos hier um Häuser besser als beim Hofer... Ich mag jetzt keinem ein schlechtes Gewissen ein- oder das Spenden ausreden. Spendengelder sind wichtig, ohne Spenden würde es hier in Pedro Carbo kein CRESEM oder kein CAAM geben. Das CRESEM erwartet heuer wieder, wie jedes Jahr, ein Defizit von 20.000 $, das aus Spendengeldern gedeckt werden muss. Ich selbst habe das bis vor zwei Wochen nicht gewusst, dass das Finanzloch so gigantisch ist. Vom Staat ist hier wenig Unterstützung zu erwarten und in Kürze wird ein Teil des CRESEM II - Gebäude an eine Bank vermietet werden, die so an die 800 $ monatliche Miete zahlen wird, das entspricht ungefähr 3 Lehrergehältern. Trotzdem wird auch weiterhin sehr viel Geld fehlen.


 

Genug gejammert.


 

Mir geht es gut, obwohl ich angeblich abgenommen habe. Ich gewöhne mich schön langsam an Reisberge, manchmal esse ich sogar schon alles auf vom Essen. Trotzdem ist ein gscheites Wurstbrot immer noch besser. ;-)


 

Liebe Grüße

Sonntag, 30. November 2008

Samstag, 29. November 2008

Tod und Leben - Liebe und Hiebe

Es gibt in Pedro Carbo eine Ferreteria (Eisenwarenhandlung) dessen Besitzer von uns immer "Papa Noel" (Weihnachtsmann) genannt wird, weil er einer der reichsten Männer in Pedro Carbo ist und uns von seinen Reisen (erst kürzlich war er zwei Wochen lang in 6 verschiedenen Ländern in Europa unterwegs) immer Geschenke, vor allem Gewand und Schlüsselanhänger, mitbringt. Wir sind auch gute Kunden. Diese Woche ist seine Oma (oder ist es seine Mutter, ich weiß es nicht genau), die 84 Jahre alt war gestorben. Eigentlich recht plötzlich, weil ich sie vorletzte Woche noch im Geschäft getroffen und mit ihr geredet habe. Sie ist auch nur gestorben, weil sie die Stufen runtergeflogen ist. Jedenfalls ist so ein Begräbnis hier schon ein besonderes Ereignis. Das Begräbnis ist heute um 3 Uhr Nachmittag und schon gestern Abend haben sich alle Leute, die die Verstorbene gekannt haben, und das sind nicht wenig, in und vor dem Haus, das gleich neben dem CRESEM auf der vierspurigen Hauptstraße von Pedro Carbo ist, versammelt. So viele Leute, dass die meiste Zeit eine der beiden Fahrbahnen total blockiert war. Da sitzen die Leute auf Hockern, reden miteinander über die Verstorbene oder beten oder sitzen einfach nur da. Und das fast die ganze Nacht, ein Kommen und Gehen, und irgendwie gefällt mir das, weil jemand gestorben ist, blockieren sie die halbe Straße. Auch die Prozessionen auf den Friedhof gehen dann immer über die Straße und Busse, Lastwagen und Mopeds müssen warten. Einmal hab ich aus dem Bus heraus gesehen, wie in Guayaquil so ein Begräbniszug sogar auf der achtspurigen Autobahn gegangen ist.
Ja, Tod und Leben liegen hier oft eng beinander, so viele Mütter mit kleinen Kindern sieht man hier, doch auch wöchentlich sieht man mehrmals Begräbnisse, hört von Morden, bekommt Geschichten erzählt von Frauen, denen von 12 Kindern 2 gestorben sind, aber das erzählen sie, wie wenn es normal wäre. Man muss auch ein anderes Verhältnis zum Tod haben, wenn man so große Familien hat, wo es schon sein kann, dass jedes Monat jemand in der Familie stirbt. Dafür bekommen die Frauen auch schon oft mit 18 die ersten Kinder und sind mit 25 schon dreifache Mütter. Ja, mit 16 das erste Kind zu haben ist in Pedro Carbo keine Seltenheit und kommt wahrscheinlich von der fehlenden Aufklärung. Von den CRESEM-Zivis weiß ich, dass sie versucht haben, Sexualerziehung im CRESEM durchzusetzen, die sich aber auf Wunsch der Direktorin darauf beschränkt, dass man Sex erst während der Ehe praktizieren sollte. Nur daran hält sich sicher keiner, wenn man ihnen aber erklären könnte, wie Verhütungsmittel und der Schutz gegen AIDS richtig funktionieren, wäre hier sicher wesentlich mehr getan.
Die katholische Kirche hat in Pedro Carbo sehr viel bewirkt, Hut ab, das muss man schon sagen, was aber die sexuelle Aufklärung betrifft, und ich bin mir sicher, dass es genügend Erwachsene gibt, die keine Ahnung haben (woher auch), so wurde dieses Thema von der Kirche jahrzehnte- oder jahrhundertelang einfach unter den Kirchenteppich gekehrt.
Mittlerweile denke ich auch schon etwas anders über das Thema, weil wie weit sind wir schon in Europa mit unserer Einstellung? 1,3 (ungefähr glaube ich) Kinder pro Frau, Kinder werden als Karrierehindernis, als finanzielle Belastung angesehen. Erstens finde ich das unheimlich egoistisch und zweitens schadet es sicher der Gesellschaft. Wenn ich jetzt nach Österreich kommen würde, würde mir die Umgebung sicher total kinderfeindlich vorkommen. Wenn man hier in Ecuador in ein Haus eingeladen ist, zwei oder mehr Kinder rennen immer herum und sorgen für allgemeine Erheiterung, vom Urgroßvater abwärts spielen alle mit den Kindern und jeder ist so unheimlich stolz auf seinen Nachwuchs. Und was hat man in der Pension von einem tollen Job, den man davor gehabt hat? Die Familie aber bleibt.

Letzte Woche kam ein Ehepaar, ich schätze beide so um die 40, ins CAAM und verlangten nach Yadira. Yadira ist eine Kollegin von mir, die eigentlich für das FEPP arbeitet, aber an einem Kurs über Frauenrechte teilgenommen hat und immer wieder Opfern von Gewalt hilft. Das Ehepaar erzählte ihr dann, dass er, der Mann, am Vortag mit der 14-jährigen Tochter unterwegs war, er war ein bisschen betrunken (wie leider viele hier) und dann wurde er überfallen und betäubt (wie weit wirklich, weiß ich nicht, er war ja auch betrunken, aber es kann schon seint) und die Tochter entführt. Er hat den Entführer aber gesehen, der schon öfter junge Mädchen entführt, in seinem Haus eingesperrt und vergewaltigt hat. Die Polizei hat daraufhin nichts unternommen, deswegen sind sie zur Yadira gekommen. Die ist dann mit ihnen noch einmal zur Polizei (ihr Vater ist auch Polizist) und sie hat dann den Polizeichef dazu überredet, doch mit ihnen gemeinsam zum Haus des Entführers zu fahren, alleine hätten sie sich das nicht getraut, verstehe ich auch. Beim Haus,angekommen war der Entführer samt Tochter aber schon weg und ich weiß nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist, aber laut Manuel ist die Tochter wahrscheinlich immer noch in der Gewalt des Entführers und was er mit ihr anstellt, kann man sich denken.
Passend dazu hatten wir am Tag darauf den "Día de la no-violencia contra la mujer" (Tag der Nicht-Gewalt an Frauen) mit einer kleinen Veranstaltung im CAAM, einem Mittagessen und einem anschließenden Marsch, in der Mittagshitze mit Transparenten und Polizeischutz durch die Hauptstraße von Pedro Carbo.

Leider muss man sagen, dass die Fälle von Gewalt, die bei uns gemeldet werden, sicher weniger als die Spitze des Eisberges sind.

Aber jetzt was anderes:

Weil mich immer wieder Leute fragen: Meinen Tieren geht es so weit gut, der Hund wurde gestern von einem Fahrzeug, ich weiß nicht welches, glaub ein Trici, fast überfahren, irgendwie hat es ihn auf die Seite gestoßen und er dürft mitn Kopf über den Asphalt radiert sein, weil er ein paar kleine Wunden hat, wir haben sie sofort eingesprüht, und so tief sind sie nicht, also nehme ich an, dass er keine Maden mehr bekommen wird. Aber er ist gut drauf und das ist schon mal ein gutes Zeichen. Und weil er immer sieht, dass die Katze mir auf den Schoß hupft, hat er das auch probiert, hupft mir einfach auf den Schoß, nur ist er ein bisschen schwerer, größer und dreckiger, also hab ich ihn wieder runterhauen müssen. In der Nacht, so fern er zu Hause ist, beschützt er mich auch, das ist hier gar nicht so schlecht, weil ich ja alleine in dem Haus wohne.

Ich habe das alles in der Oficina (Büro) vom CAAM geschrieben, es ist hier so heiß, dass ich mir mein T-Shirt ausziehen muss, weil mans sonst nicht aushält. Ich habe gehört, in Österreich schneit es schon. Kaum vorzustellen bei 30 Grad im Schatten, den es bei senkrechter Sonneneinstrahlung kaum gibt.


Samstag, 22. November 2008

¡Dale Barcelona!

Wieder Samstagnachmittag, die Zeit, wo ich mir immer eine Stunde Zeit nehme, um etwas in meinen Blog zu schreiben. An Eindrücken und Erlebnissen, die ich erzählen könnte, mangelt es mir nicht, eher an der Entscheidungskraft, was ich schreiben soll und was nicht und wie ich es schreiben soll. Egal, ich fange einfach an: Letzten Sonntag waren wir, wie angekündigt, auf einem Fußballmatch. Schon am Samstag haben sich Jakob und ich in Guayaquil auf der Bahía (großer Markt mit viel Gewand, wie am Jahrmarkt in Hollabrunn, mit Fußballleiberln und auch tonnenweise illegal kopierte Filme, Audio-CDs und alle erdenklichen Computerprogramme) und haben uns die "Camisetas" (Leiberl auf Deutsch, ähh – Österreichisch) von Barcelona gekauft. Barcelona ist doch in Spanien, oder? Richtig, aber der wichtigste Verein von Guayaquil heißt auch Barcelona (nebenbei gibt es auch eine Stadt in Ecuador, die Barcelona heißt, hat aber mit der Mannschaft nichts zu tun) und hat sogar das selbe Wappen, spielt aber statt in Rot-Blau in Gelb-Schwarz (Farben von "Pilsener"-Bier und "Banco Pichincha", die Hauptsponsoren). Und diese Mannschaft genießt in Guayaquil und Umgebung einen derartigen Kultstatus, den man sich in Europa kaum vorstellen kann. Zurück zum Einkauf: Nach harten und zähen Verhandlungen haben wir schließlich ein Leiberl und ein Kapperl um zusammen 11 Dollar bekommen. (also für jeden von uns zwei jeweils ein Leiberl und ein Kapperl um 11 Dollar pro Person) Durchs Verhandeln haben wir uns sicher jeder 15 Dollar erspart. Und am Sonntag gings dann mit dem Bus nach Guayaquil, wo wir im Haus der Familie von Stefans Freundin ein Mittagessen bekommen haben und danach sind wir mit einigen von ihnen zum Stadion mitgefahren. Weil wir schon eineinhalb Stunden vor Anpfiff dort waren, und Karten (um 25 Dollar) für die bessere Tribüne hatten, war das Hineinkommen kein Problem. Der Großteil der ca 70 000 Zuseher in dem Stadion, das 90 000 Leute fasst, kam erst später. Das Match war eigentlich nicht so toll, eher die Stimmung unter den Fans, das ist schon irgendwie mitreißend. Überhaupt wie dann Barcelona durch einen Elfer das 1:0 gegen Deportivo Quito geschossen hat. Leider hat Quito dann in der zweiten Hälfte (oder wann wars, ich kann mich nicht mehr erinnern…) den Ausgleich gemacht und somit ging es unentschieden aus. Schade, denn hätte Barcelona gewonnen, wären sie kurz vor Ende der Meisterschaft schon praktisch uneinholbar vorangelegen. Auch ohne Sieg durften wir bei der Rückfahrt Teil eines unvergleichlich südländischen und ausgelassenen Verkehrschaos sein. Morgen Sonntag ist das nächste Match und ich glaube fest, dass "wir" Meister werden.

Die Arbeitswoche war davon geprägt, dass wir für ein Monat 4 Praktikanten aus dem größten "Colegio" (höhere Schule) von Pedro Carbo haben. Die sind zwar im dortigen Computerzweig, die Schule hat aber angeblich nur 2 Computer für über 1000 Schüler. Wie gut die Informatik- und Maschinschreibkenntnisse der Praktikanten demnach sind, kann man sich vorstellen.

Freitagabend waren wir wieder einmal bei unserem Stamm-Kiosk "Florcita", nach seiner Besitzerin, die auf den klingenden Namen "Flor Maria Guevara" hört. Deswegen ist sie für uns unser "Che" (Che heißt nicht mehr als Kumpel oder Genosse oder sowas). Als der Nachbarskiosk um 11 Uhr zusperrte und unsere Florcita auch schön langsam begann, zusammenzuräumen, torkelte auf einmal mein Nachbar mit einem anderen zu uns herüber. Naja, dass er betrunken war, brauch ich jetzt nicht mehr erwähnen, trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, mit uns noch 2 Bier zu trinken. Wobei das Biertrinken hier ja ganz anders funktioniert als in Österreich. In Österreich hat jeder seine Flasche oder sein Krügerl. Hier in Ecuador bestellt man eine Flasche und teilt sie dann auf mehrere ziemlich kleine Plastikbecher auf. Manchmal gibt es auch nur einen Plastikbecher, aus dem trinken halt alle mal der Reihe nach. Wir haben dann mit ihm noch ein bisschen geredet, es hat sich herausgestellt, dass der andere Mann sein Bruder ist, der jetzt bei ihm arbeitet. Er ist nämlich "Vulcanizadora", von denen gibt es sehr viele in Ecuador. Und dafür gibt es auf Deutsch keine bessere Bezeichnung als "Rafnschuasta" oder Reifenschuster auf Hochdeutsch. Bei dem stehen immer die richtig großen LKWs und Busse Schlange, weil sie anscheinend aufgrund der schlechten Straßen oder der Schlechten Qualität der Reifen sehr oft Reifenpannen haben. Manchmal wuchtet er auch die Reifen, das macht er dann mit einem riesigen Vorschlaghammer, er haut einfach auf den Reifen, so dass ich davon aufwache, wenn er es in der Früh macht, aber anscheinend, funktioniert das. Naja zurück zu unserem Kiosk. Die Florcita will dann auch schon gehen und lässt den Rollladen runter. Mein "Vecino" (Nachbar) will aber nicht wahrhaben, dass der Abend schon vorbei ist und fragt mich, wo wir jetzt weitertrinken können. Ich sag ihm, dass ich eigentlich nicht will, weil ich schon 2 Bier getrunken habe und keines mehr mag. Aber leicht schräg gegenüber hat noch was offen und wir einigen uns halt, dass wir noch ein einziges Bier gemeinsam dort trinken gehen. Er freut sich und schwingt sich auf sein Motorrad, fährt mit dem Motorrad über die Straße, wir waren zu Fuß fast schneller, aber er hat dafür nicht gehen müssen. Dort war es dann eigentlich ganz lustig. Wir haben auch noch getanzt, am Gehsteig von Pedro Carbo, aber als er dann immer weiter Bier bestellt hat, haben wir die "Notbremse" gezogen und haben uns verabschiedet. Trotzdem, heute in der Früh um 9 (bisschen später als sonst) hat mein Nachbar gearbeitet. Was aber heute gefehlt hat, was er sonst jeden Samstag hat, war die Musik. Wie ich vom Mittagessen heimgekommen bin, hab ich auch erfahren warum: Der Vecino, sein Bruder und seine zwei Kinder, die immer ins CAAM zum Spielen und Hund-und-Katz-Ärgern kommen, haben mich freudig begrüßt und er redet ganz ungeniert vor seinen Kindern mit mir, wies mir geht, ob ich auch einen "Chuchaqui" (weiß nicht, wie mans schreibt, heißt Kater, das Wort kommt angeblich aus den Quichua, das die Inka glaub ich gesprochen haben) hab, weil er hat schon den ganzen Tag Kopf weh. Ach, wie müssen die Kinder doch stolz sein auf ihren Papa.

Na gut, mein Blogeintrag erreicht schon bald wieder die Länge meiner Deutschmatura, jetzt sollte ich aufhören.

Lasst mir den Schnee schön grüßen und wenn euch kalt ist, denkt daran, dass bei 30 Grad schwitzen auch nicht immer angenehm ist.

Samstag, 15. November 2008

Daunehaun

Am Freitag kam am Abend im CAAM eine Frau vom "Registro Social" vorbei, die für offizielle Zwecke alle Grundstücke und Häuser abklappert, um die Leute zu registrieren und was auf den Grundstücken los ist. Sie hat gesagt, das ist für zukünftige Projekte oder so, ich hab nicht alles verstanden, als ich ihr dann klarmachen konnte, dass hier momentan nur ich lebe und das auch nur mehr für achteinhalb Monate, hat sie mir ein Pickerl auf das Haus gepickt, wo "rechazo" (was so viel wie, zurückgewiesen oder abgelehnt heißt) draufsteht. Nicht, dass mich das Pickerl sonderlich stören würde. Aber die Frau hat, bevor sie das Pickerl noch möglichst unpassend auf die Wand des CAAM platzieren konnte, diese Folie oder Papier, das man abzieht, damit das Pickerl auf der Rückseite auch pickt einfach in das Blumenbeet fallen lassen, wo aber einen Meter daneben der Karton steht, in dem wir immer brav den anfallenden Müll vor dem Haus sammeln. Sie ist dann auch ziemlich schnell wieder gegangen und ich war irgendwie momentan so "baff" (mir fällt grad kein anderes Wort dazu ein), dass ich nichts sagen konnte. Nicht, dass dieses kleine Teilchen Papier unsere Rosen oder den ají-Strauch umbringen würde. Aber diese Egalheit, mit der sie es einfach fallen lässt. Und wie kommt sie dazu, es auf einem fremden Grundstück einfach wegzuwerfen? So gedankenlos sie es weggehaut hat, um so mehr hat es mich irgendwie plötzlich berührt und ist auf irgendwas in mir gestoßen, was man in Österreich zum Glück von frühester Kindheit an lernt oder lernen sollte; nämlich seinen Mist ordentlich zu entsorgen! Ich kann es schwer erklären, es ist hier einfach normal, alles wegzuwerfen, egal wohin. Papierbecher und Plastiksackerl aus dem Bus, Servietten auf die Straße, Flaschen sowieso, und was man zu Hause an Müll sammelt verbrennt man möglichst nahe am Nachbarsgrundstück. Nicht erst einmal kam ich am Vormittag in mein Zimmer und fand es total verraucht vor, weil durch die offenen Wände der Rauch von Nachbars Müllverbrennung wunderbar hereinzieht. Zum Glück ist der Rauch dadurch auch so schnell wieder weg, wie er gekommen ist, aber am Freitag zum Beispiel hing während des ganzen Vormittages über der Brücke und der Hauptstraße bis zur Clinica eine blaue Rauchwolke, weil auf der "Bachgstettn" zum Río Pedro Carbo anscheinend der ganze Müll verbrannt ist. Dass Müll beim Verbrennen bestialisch stinkt, ist wohl jedem klar.
Jetzt aber möchte ich mich hier offiziell für ein Paket bedanken, das anscheinend direkt vom Bundesheer den Weg nach Pedro Carbo (eigentlich nach Guayaquil, bis Pedro Carbo müssen wir immer selber nachhelfen...) geschafft hat. Danke, Michi und Christian (oder soll ich "Rekruten Ernst und Sigl" schreiben? - nein, für mich seid ihr noch Menschen ;) )
Diese Woche verlief eher ruhig im CAAM, Donnerstag abends war aber plötzlich kein Wasser mehr im Tank. Unsere Wasserversorgung steht immer auf unsicheren Beinen, ich brauch ja auch nicht erwähnen, dass das Wasser zwar gut schmeckt (unabsichtlich einmal getrunken, nix passiert) aber absolut nicht für den Verzehr geeignet ist. Weil im Wassersystem von Pedro Carbo zu wenig Druck herrscht, bekommt das CAAM und ander Häuser nur während der Nacht Wasser, wenn die Wasserfirma (oder eigentlich ist das so eine Art Genossenschaft) ander Stadtteile abdrehen kann. In der Nacht soll sich dann unser Tank auffüllen, der unter dem Haus ist. Wenn wir Strom haben, was meistens der Fall ist, pumpt dann eine Pumpe das Wasser in unsere Leitungen und erzeugt so den nötigen Druck. Wenn aber kein Strom da ist, gibts auch kein fließendes Wasser. Erinnert mich an die USA, wo wir 4 Tage mit diesem Phänomen leben durften. Wenn aber zwei Tage kein Wasser kommt, wird der Tank langsam leer und wenn man das nicht rechtzeitig bemerkt und man nicht daheim ist, wenn die Pumpe plötzlich ins Leere pumpt und sich überhitzt, könnte dadurch leicht unser wunderschönes Holzhaus abbrennen. Na gut, jedenfalls bin ich dann in der Früh zu dem Chef der Wassergenossenschaft, der hauptberuflich eine Maismühle betreibt, gegangen und der hat mich nur gesehen und schon gewusst, dass ich, wie immer, wegen des Wassers oder eben wegen des Nichtvorhandenseins von Wasser komme.Er hat mich dann mit einem anderen mitgeschickt, der hat mir auf dem Weg die Eigenheiten des pedrocarbensischen Wassersystems erklärt und ich hab erfahren, wo ich nur mit einer Kombizange einen Teil von Pedro Carbo vom Wasser abschneiden könnte. Ohne Schloss oder Deckel davor. Das war gleich gegenüber vom CAAM und als wir schauen wollten, ob jetzt Wasser in unseren Tank kommt, haben wir bemerkt, dass vor dem Gartenzaun des CAAMs eine riesige Lacke steht, nahe des Wasserzählers. In der Mitte ist das Wasser richtig herausgesprudelt und wir haben mit bloßen Händen hinuntergraben könne, weil die Erde schon so weich war. Beim Wasserschlauch angekommen sahen wir, dass aus dem Verbindungsstück zwischen Hauptleitung und unserer Abzweigung Wasser raussprudelt und das wahrscheinlich der Grund für das Fehlen des Wassers war. Er hat das dann mit einem Gummiband oder so etwas ähnlichem abgedichtet, einigermaßen, so dass halt wieder Wasser kommt zu uns, aber sicher noch die Hälfte (zu unserem Glück vor dem Zähler) verloren geht. Er hat gemeint, er kennt wen, der das reparieren kann, wann er den denn schicken soll, fragt er mich dann, am Montag oder Dienstag? Ich sage darauf, es wär mir schon sehr recht, wenn der heute noch kommen könnte, schließlich gehen da täglich sicher hunderte Liter von Wasser verloren. Er meint, gut das wird er machen. Naja, bis jetzt war noch niemand da. Und solang wir ein bisschen Wasser bekommen, ist es eigentlich ihr Problem.
Uns geht es allen gut, meinen Tieren auch. Die Katze hat sich verletzt am Fuß, rennt aber schon wieder und ist der Alleinunterhalter für wartende Kunden der Caja. Gesund bleiben Hund und Katz durch Speckschwarten aus Österreich. Das ist am Abend immer wie eine kleine Zermonie. Ich esse Speck, die Katze miaut mich lautstark an, weil sie weiß, dass der gut ist und kratzt schon an meinen Beinen und der Hund sitzt daneben schaut mich an, legt den Kopf schief, setzt seinen "Dackelblick" auf und wedelt mit dem Schwanz. Und wenn ich der Katze seiner Meinung nach zu viel gebe, legt er sich auf den Boden und ist beleidigt. Die beiden wachsen einem echt ans Herz. Auch wenn Tiere nie einen Menschen ersetzen können, so sind sie doch auch lustige und interessante Weggefährten. Aber halt keine Menschen. Außerdem leisten sie auch wertvolle Dienste. Hund und Katz streiten sich fast um das sauer gewordene Jogurt oder der Hund schleckt Jogurtgläser aus, die Katze ist fast stecken geblieben in einem. Das war lustig. Und um das Speckschwartl, dass ich eh nicht essen kann, reißen sie sich auch.
Kurze Vorschau: Am Sonntag werden wir ein Fußballmatch in Guayaquil anschauen. 25 $ Eintritt für FC Barcelona gegen Weißichnicht. Auf jeden Fall ist Barcelona ein Club aus Guayaquil, der genauso heißt, wie der in Spanien, und das Wappen ist auch das selbe. Es gibt zwar eine Stadt hier, die Barcelona heißt, die ist aber nicht in Guayaquil (eh klar...). FC Barcelona ist hier ungefähr fünf mal wichtiger als für einen Rapid in Wien und in dem Spiel am Sonntag wird sich entscheiden, ob sie Meister werden. Mir ist es ehrlich gesagt egal, aber ich möchte mal ein Fußballmatch in Ecuador erleben. Ich war in Österreich noch nie im Stadion, hatte auch nie das Bedürfnis, aber ich hab auch nie viel Speck gegessen. Aber ja, das ist was anderes.

Leider hab ich diesmal nicht geschafft, die Fotos auf flickr zu laden, was eigentlich einfacher sein sollte als hier. Naja, wenn der Computer nicht will, will er halt nicht. Und die Beschreibungen sind durcheinander. Ich gebs auf. Suchraetsel: Welche Beschreibung gehoert zu welchem Bild? das foerdert das kreative Denken.
Bis zum naechsten Mal!

Ein Bild aus Cuenca, wo man sieht, wie bei einem Umzug die Buergermeister oder Vertreter der Gemeinde oder sowas als Empfang zwei gegrillte Meerschweinchen bekommen.
Eine "Reina" aus einem Stadtteil von Cuenca, Reina heisst Koenigin und das soll die Schoenheitskoenigin sein. Naja.
Eine "Reina" fehlte und David hat sich raufgesetzt...
Ein Haus...
Militaerparade. Mir hat nur der, der sich als Christbaum verkleidet hat, so gefallen. Schaut natuerlicher aus, als die Plastickbaeume, die man jetzt schon ueberall kaufen kann.
Ja, die chicas... von einer Militaerschule und mit zwei wollten wir ein Foto machen und dann wollten alle Fotos mit uns haben. Mich hats nicht gestoert, weil ich gerne fotografiere.
Eine Pflanze, die ich auf einer Finca fotografiert habe
Die Sau in Estacada
Trockenzeit
Besprechung mit PPD
Noch aus Cuenca. Flo vor einer Wand.

Sonntag, 9. November 2008

¿Qué cuenta el Klaus?

Eigentlich würde ich jetzt gerne Fotos ins Internet stellen. Leider aber ist das Internet hier in Pedro Carbo so langsam, dass ich warte, bis ich nach Guayaquil komme um die Fotos vom Ausflug nach Cuenca und vom Besuch des UNDP ins Internet stelle. Das UNDP ist das United Nations Development Programme, also ein Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und die haben wiederum das „Programa de pequeñas donaciones“, das Programm der kleinen Spenden. Das CAAM hat sich dafür beworben und wurde vorausgewählt. Deshalb kam am Donnerstag eine Delegation von 2 Personen aus Quito, die sich das CAAM und seine Aktivitäten näher angeschaut haben. Während der Manuel die zwei vom Flughafen in Guayaquil abgeholt hat, haben wir im CAAM alles geputzt und alles zusammengeräumt (Ich bin mir sicher, dass ich den nächsten 2 Wochen nichts mehr finden werde, so wie jedes mal, wenn wichtiger Besuch kommt und alle den Putzfimmel bekommen, bis ich wieder mein geordnetes Chaos am Schreibtisch und in seiner Umgebung hergestellt habe). Nein, das hat schon auch was Gutes an sich gehabt. Ich habe mir vorgenommen, die Buchhaltung bis zu diesem Besuch auf den aktuellen Stand zu bekommen und das habe ich geschafft. Auch wenn ich einige Ausgaben und Einnahmen nur nach den Aufzeichnungen im Kassabuch verbucht habe, weil es keine Belege mehr gab, aber ich kann nicht ewig den Belegen hinterherlaufen, wenn ich sie eh nicht bekomme. Sorry an alle HAK Schüler bzw Lehrer, die das vielleicht lesen, natürlich gilt für euch weiterhin: KEINE BUCHUNG OHNE BELEG! Auf jeden Fall haben wir den Zweien vom PPD das CAAM, den jardín botánico (botanischer Garten) in Estacada neben Pedro Carbo und zwei Fincas in „Valle de la Virgen“ (Tal der Jungfrau – toller Name fuer einen Ort… wir sagen immer „Virgen de la Valle“ – Jungfrau im Tal) besichtigt. Auch davon gäbe es tolle Fotos. Zum Schluss haben wir noch eine Abschlussbesprechung gehabt und sie haben uns gesagt, was wir verbessern sollten an unserer Projektbeschreibung. Das Projekt wäre wirklich sehr wichtig, weil es für das CAAM etwa 50.000 $ an Förderungen bringen würde. Natürlich ist da jeder Dollar zweckgebunden, aber trotzdem lassen sich damit einige Vorhaben leichter durchführen, wenn man bedenkt, dass die momentane Bilanzsumme (alles Vermögen – Geld, Haus, Grundstück, Forderungen,…) des CAAM bei ca 49.000 $ liegt. Also bitte Daumen drücken.
Letztes Wochenende waren wir in Cuenca, einer größeren Stadt in den Anden, wo am Montag ein großes Fest war, weil der 3.11. der Unabhängigkeitstag von Cuenca ist. Irgendwie haben die Städte hier alle unterschiedliche Unabhängigkeitstage, je nachdem, wann sie sich halt von den Spaniern befreit haben. Unabhängigkeitsfeier heißt immer: viele Paraden, Musik, Wahl der „Reina“ (Königin – in Cuenca hat jedes Stadtviertel seine Schönheitskönigin gewählt, unter denen dann die Reina von Cuenca gekrönt wird), und viel viel viel Militärparaden, Militärmusik, Militärschulen marschieren auch mit, Flieger fliegen drüber und machen so Kunststücke. Militär ist hier schon sehr präsent immer. Es hat auch mehr Ansehen und Rechte als in Österreich. Ob das gut ist? Es ist schon krank irgendwie, man sieht da die Panzer, Kanonen und bis an die Zähne bewaffnete Soldaten auf Autos vorbeifahren und irgendwie kommt es einem dann und man denkt sich: „He, was soll das eigentlich? Das sind lauter sauteure Geräte, die den einzigen Zweck haben, Menschen zu töten.“ Ja klar, wozu sonst gibt es Waffen. Aber ist das normal? Ich meine, macht sich da noch irgendwer Gedanken darüber, oder akzeptiert man, dass ganze Industriesektoren vom Morden leben? Akzeptiert man Kriege und Gewalt auf der Welt, wie man es seit frühester Kindheit im Fernsehen gesehen hat? Wenn ich daran denke, was ich als kleines Kind in den Nachrichten gesehen habe, fallen mir eigentlich immer fast nur die Balkankriege ein. Welche genau das waren, weiß ich nicht mehr, aber man bekommt halt schon als Kind mit, dass Gewalt und Mord in dieser Welt einfach normal sind.
Wieder bin ich einmal vom Thema weggekommen. Aber ich denke so viel nach in letzter Zeit und ich muss meine Gedanken irgendwie mitteilen.
Was erfreulicheres: Seit letzter Woche haben wir eine Kaffeemaschine im CAAM. Also keine Maschine, das ist so ein Ding, wo man unten Wasser einfüllt, dazwischen Kaffee und wenn man das dann auf den Herd stellt, kocht das Wasser unten und wird durch den Kaffee hinauf in den Behälter gedrückt. Und der Kaffee ist echt sehr gut. Nicht so wie der öde Nescafe, der nur nach Wasser schmeckt. Ich habe um 3 $ ein Packerl ecuadorianischen Kaffee gekauft…. Lecker, da kann sich die „röstfrischen“ in Österreich anhalten. Mit dem Kaffee fällt mir das Aufstehen in der Früh auch leichter und da ich mich mittlerweile an den vielen Reis gewöhnt hab, freu ich mich auch auf die Mittagessen. Abendessen fällt meist eher dürftig aus, bisschen Speck von daheim, Brot mit Butter (Butter ist aber meistens eine grauslich gesalzene Margarine, die sich auch ungekühlt halten würde – Konservierungsmittel, pfui!) oder einen Käsetoast, manchmal mit Zwiebel oder Paprika drinnen und viel Salsa de Tomate (Ketchup), das mir hier viel besser schmeckt als in Österreich.
So, wieder genug geschrieben, ich hoffe, im Laufe der Woche kommen noch Fotos.

Freitag, 31. Oktober 2008

Weltherrschaft

Wer hat sie?
Die USA? nein
Europa? nein
Wer dann? - Nestle!

Vielleicht uebertrieben, aber hier in Ecuador koennte man nur von Nestle-Produkten leben. Milch, Wasser, Brot, Kaffee, Butter, alles gibt es von Nestle. Wahrscheinlich ist das aber eh in Oesterreich auch so, nur haben wir dort mehr Auswahl. Ich fuerchte aber, dass man in ein paar Jahren nicht mehr nur von Produkten eines Konzerns leben kann, sondern das sogar muss, weil es dann nichts anderes mehr geben wird. Man lernt als Argument fuer freie Marktwirtschaft oft die moegliche Vielfalt der Produkte durch viele Anbieter. Aber was bietet uns hier diese freie Wirtschaft? Bereits jetzt kann man alle Produkte seines taeglichen Bedarfs aus der Hand von zwei oder drei Konzernen beziehen. Ist das Vielfalt? Naja. Ich versuche jetzt, was hier sehr schwer ist, ohne Produkte von Nestle auszukommen. Keine Angst, ich werde jetzt keinen darum bitte, es auch zu machen. Mich besorgt es halt schon, dass ein Konzern dermassen maechtig ist, dass ich denen nicht mein Geld lassen will. Es scheint mir auch pervers, dass in einem Land, das selbst Kaffee produziert und Nachbarland von Kolumbien ist, wo es ja einen der besten Kaffees der ganzen Welt gibt, dass es hier nur Nescafe gibt. Ist das nicht krank? Oder Ecuadors Kakao. Weltweite Spitzenqualitaet. Was gibts im Supermarkt? Kakao von Nestle. Kann man diese Verruecktheiten nicht irgendwie aufhoeren? Bitte.
Heute war ich im Finanzamt. Lange Rennerei, viel Papierkrieg und erst nicht das bekommen, was ich wollte. Jetzt etwas deprimiert, bin aber trotzdem auch irgendwie stolz, dass ich wenigstens annaehernd das erreicht habe, was ich wollte. Da mein letzter Blogeintrag so dermassen den Rahmen gesprengt hat (bei der Deutschmatura hab ich weniger geschrieben) werde ich diesmal schon aufhoeren.

Freitag, 24. Oktober 2008

Quito

to

Letztes Wochenende waren wir (Hanna, Max [2 Deutsche, die in Daule arbeiten], Flo und ich) in Quito. Quito ist die Hauptstadt von Ecuador und liegt auf 2800 m Seehöhe, ca 7-8 Stunden im Bus von Guayaquil entfernt. Diese 8 Stunden im Bus haben wir aber relativ angenehm, schlafend, verbracht. Aber alles von vorne: Freitag abends ging es los, von Pedro Carbo zuerst nach Guayaquil. Während Flo und ich auf den Bus gewartet haben, bleibt auf einmal ein Auto stehen und der Fahrer fragt uns, ob das die Straße nach Guayaquil ist. Da er seriös aussieht und ein relativ neues Auto fährt, fragen wir ihn, ob er uns mitnimmt und das tut er auch. Im Auto plaudern wir viel mit ihm, es stellt sich heraus, dass er auf Schiffen arbeitet, und unterwegs von Manta (große Hafenstadt, die über die Straße, die durch Pedro Carbo führt, mit Guayaquil verbunden ist, was den regen LKW-Verkehr erklärt) nach Hause nach Guayaquil ist. Momentan arbeitet er auf einem Schiff, das zu den Galapagos-Inseln fährt und er bietet uns an, einmal mit ihm mitzukommen. Super, wenn man bedenkt, dass sonst die Touristenfahrten extrem teuer sind, aber wir werden ja sehen, ob vielleicht einmal etwas daraus wird. Nach einer Stunde fahrt meint er dann, er fährt zwar nicht zum Terminal, weil er wo anders wohnt in Guayaquil, aber er führt uns hin, nur hat er schon Hunger und nimmt uns zuerst zu sich heim zum Essen mit. So kommen wir dann in ein relativ neues und gepflegtes, abgesperrtes und bewachtes Reihenhausviertel gekommen, wo seine Schwiegermutter für uns Suppe und Fisch kocht. Zur Nachspeise noch frischgepressten Orangensaft und dann führt er uns zum Terminal. Er selbst kommt aus Quito und hat auch den dortigen Dialekt geredet, der für Spanisch-Anfänger wie mich sehr leicht zu verstehen ist und mir irgendwie gefällt. Er hat uns sogar am nächsten Tag angerufen, ob wir eh gut angekommen sind. Also so viel Gastfreundschaft und Vertrauen gegenüber wildfremden Leuten haben mich sogar hier in Ecuador erstaunt. In Quito angekommen geht man vom Busterminal weg zur schönen Altstadt über Stufen, auf denen man (oder ich untrainierter Körper zumindest) die 2800 m Höhe gleich mal spürt. Nach einem kleinen Frühstück im Park haben wir eine Unterkunft gesucht, die wir empfohlen bekamen, ein Barbesitzer vermietet Zimmer in seinem Haus, mit Ausblick über die Altstadt von Quito für nur 5 $ pro Nacht. Noch ein Glücksgriff. Gleich darauf machten wir uns auf den Weg zum Teleferiquo, einer Seilbahn, die auf den Pichincha, den "Hausberg" von Quito führt. Der Pichincha ist vor allem wegen der historischen Schlacht am Pichincha am 24. Mai 1822 berühmt, in der, wenn ich mich nicht täusche, die Unabhängigkeitskämpfer die Spanier besiegt haben, und gibt der ganzen Provinz um Quito und der größten Bank von Ecuador den Namen. Die Seilbahn führt bis auf 4100 m hinauf. Wir sind dann noch 2 Stunden gewandert am Berg, bis auf 4200 oder 4300 m hinauf, und dort geht man dann schon langsamer. Richtige Probleme bekommt man als halbwegs gesunder Mensch in dieser Höhe aber noch nicht, wenn man sich nicht überanstrengt. Am Abend waren wir noch Pizza essen und am nächsten Tag wollten wir ein Monument der indigenen Bevölkerung in Catequilla (ich weiß jetzt nicht, ob man das so schreibt) besichtigen, das exakt am Äquator sein soll. Die "Mitad del Mundo" (Mitte der Welt) ist ein Museum am Nordrand von Quito, an dessen Stelle vor ca 100 Jahren der Äquator ermessen wurde, was aber nicht stimmt, da sich das ganze Denkmal ca 200 m südlich davon befindet. Tja, die Indigenas habens halt schon einige hundert Jahre davor genauer gekonnt als die Franzosen vor 100 Jahren. Wir wollten also auf den echten Äquator auf dem Berg in Catequilla und fragten nach einem Taxi. Der Fahrer wollte für "ida y vuelta" (hin und zurück) 20 $, was uns zu viel war. So haben wir halt eine ecuadorianische Familie gefunden, die mit ihrem alten Ford-Van gerade Pause machten und zu Mittag aßen. Flo hat ihnen von dem Denkmal erzählt und ihnen 10 $ geboten, dass sie hinfahren und uns mitnehmen. Sie waren dann auch wirklich dran interessiert und haben uns mitgenommen. Die Bergstraße rauf würde kein Österreicher fahren wollen, aber der Fahrer wollte uns beweisen, dass sein alter Ford es schafft und ist bis rauf gefahren, weiter als die Taxis fahren, dann ist es immer steiler geworden und wir haben ihm schon gesagt, es ist nicht mehr weit, wir steigen aus und gehen die 5 Minuten bis rauf. Aber nein, wir haben seinen Ehrgeiz und den des alten Ford geweckt. Die Hanna fragt dann: "Kann der dann überhaupt noch umdrehen?" und Flo antwortet ihr scherzhaft "Ja, der wird dann direkt am antiken Monument umdrehen." Als wir dann angekommen sind, direkt am Gipfel des Berges stellte sich heraus, dass der Flo recht hatte. Der Gipfel war eine runde Ebene, die von den Indigenas schon aufgeschüttet wurde und wo jetzt jemand ein neues Denkmal drüberbauen will, was aber durch eine Demonstration am selben Tag vorerst gestoppt wurde. Es waren auch noch einige Leute dort, die ein Interview für einen Film gedreht haben, die haben auch ein GPS-Gerät mitgehabt und das haben sie uns geborgt und somit haben wir den exakten Äquator ausgemessen. Und siehe da, laut GPS (das auch eine kleine Abweichung haben kann) geht der Äquator fast durch die Mitte des Kreises, ist das nicht faszinierend, dass die das vor so langer Zeit nur durch den Stand der Sonne auf die paar Meter genau sagen konnten? Naja, der alte Ford auf dem Monument war etwas komisch, eigentlich sind wir ja auch gegen die Zerstörung des Monuments und dann kommen wir im Auto rauf, das fast direkt am Äquator parkt. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß mit der Familie und haben auch Äquator-Fotos gemacht. Den sieht man zwar nicht (a wirklich?) aber es sind Stecken gesetzt, wo laut GPS die Linie verläuft. Vor der Heimfahrt haben wir auch noch die "Mitad del Mundo" besichtigt, wo zwar nicht der echte Äquator ist, aber eine schöne Linie gezogen wurde, die man fotografieren kann. Sehr touristisch und die meisten Glauben, dass sie am Äquator sind, sie bewegen sich aber in Wirklichkeit die ganze Zeit auf der Südhalbkugel. Um 11 Uhr abends hieß es schon wieder Abschied nehmen von der 50 km langen Stadt und wir fuhren im Bus zurück nach Guayaquil und dann nach Pedro Carbo, rechtzeitig um halb 8 waren wir zur Arbeit am Montag wieder da.

Für die vielen Geburtstagswünsche, vor allem die unzähligen auf StudiVZ, ich kann leider, wegen Internetzeitmangel, nicht alle beantworten, hab aber alles gelesen. Am meisten habe ich mich natürlich über die kulinarischen (Schokolade und Wurst) Grüße gefreut. Mir geht es gut, bis auf einige Magenverstimmungen, die aber meistens so schnell gehen wie sie kommen, das gehört dazu. Mit der Buchhaltung im CAAM bin ich auf Aufholjagd, bis Anfang November muss ich "al día", also auf dem aktuellen Stand mit der Bilanz sein, was man eigentlich immer sein sollte, aber hier in letzter Zeit durch fehlende Belege und Unklarheiten nicht möglich war. Im November kommt nämlich eine Gruppe von Leuten von der UNO, die über ein Projekt und die damit verbunden Fördergelder für das CAAM entscheiden und wenn alles gut läuft, bekommen wir eine fette Unterstützung. Für alle, die es noch aus unserer Schulzeit kennen, ich wünsche mir das BMD-Programm zurück, wir arbeiten hier mit einem Programm, das sich "Monica7" nennt, Monica ist blond (zumindest auf dem Foto im Programmordner) und meinem Charme noch nicht vollständig erlegen, aber auch dem Flo, der sie schon seit 8 Monaten kennt, druckt sie hin und wieder Bilanzen aus, bei denen Aktiv und Passiv verschiedene Werte anzeigen, was ja die komplette Katastrophe für jede Buchhaltung bedeutet und kein Programm der Welt je zulassen dürfte, aus. Zum Glück habe ich Unterstützung vom Carlos, der ist Buchhalter für einige Firmen und macht für das CAAM die offiziellen Sachen mit dem Finanzamt. Und Monica ist für ihn wie eine Schwester. Die Kleinsparkasse, die noch im CAAM integriert ist, wollen wir immer weiter ausgliedern aus der Verwaltung des CAAM, was aber, so lange sie keine eigene Steuernummer und die damit verbundenen Rechte und Pflichten hat, nicht vollständig funktioniert und, so prophezeie ich, spätestens beim Jahresabschluss gröbere Probleme verursachen wird. Das genau zu erklären würde jetzt zu weit in die Tiefen von "Debe y Haber" (Soll und Haben) und "Activo, Pasivo y Patrimonio" (Aktiv und Passiv, Patrimonio ist Eigenkapital, das in Ecuador aber als 3. Hälfte der doppelten Buchhaltung gesehen wird, also Pasivo und Patrimonio ergeben gemeinsam unser Passiv) führen. Aber Gott sei Dank habe ich ja schon ein bisschen Ahnung von Buchhaltung und wenn man das System nach der 1. Klasse HAK einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer. Was viel schwerer ist, sind die ganzen Verpflichtungen, die man als registriertes Unternehmen vom SRI (Servicio de Rentas Internas, Finanzamt) bekommt. Rechnungsblöcke darf man nur in autorisierten Druckereien drucken lassen, man zahlt Steuern, man muss bei Einkäufen Retencionen (Zurückhaltungen) machen, das heißt man zahlt gar nicht so viel, wie auf der Rechnung steht, sondern stellt ein wiederum vom Finanzamt autorisiertes Formular aus, in dem man berechnet, wie viel man weniger Zahlt, man hält zum Beispiel je nach Produkt oder Dienstleistung, das man kauft zwischen 1 und 8 % des Nettobetrags und zwischen 30 und 100 % der IVA (Impuesto Valor Agregado oder so, Umsatzsteuer) zurück, die man dann selbst ans Finanzamt zahlen muss. Ausnahmen gibt es natürlich genug. Darum wundert es mich nicht, dass so viele Geschäfte einfach ohne Rechnungen arbeiten, keine Steuern zahlen und schon gar nicht angemeldet sind, oder die, die angemeldet sind, stellen oft keine Rechnungen aus und zahlen keine Steuern, weil es so irrsinnig kompliziert ist. Ist mir schon öfter passiert, dass ich den Preis für irgendetwas erfragt habe, dann eine Rechnung verlangt habe, weil ich die ja brauche und plötzlich kostet es um einiges mehr, weil sie dann die Steuer dazurechnen müssen. Und schon nach der kurzen Zeit, die ich hier bin, hab ich für den Gasverkäufer seine eigene Factura für mich ausstellen müssen, weil er es nicht konnte. Hier hört es nicht auf mit der Komplexität des Rechnungswesens, aber ich höre hier auf, darüber zu schreiben, da man es sowieso nie ganz verstehen kann.

Ich glaube, ich habe es schon einmal geschrieben, aber ich schreibe es noch einmal. Es ist unvorstellbar, wie ich mich schon an Pedro Carbo gewöhnt habe; Rauchwolken neben LKWs, Motorräder, die 20 cm neben mir vorbeifahren, dreckiges Besteck beim Mittagessen – all das erschreckt mich nicht mehr, wenn ich zum Mittagessen gehe, grüßen mich schon einige Leute, die ich oft nicht wirklich kenne, aber weil man sich halt jeden Tag begegnet, grüßt man sich. Irgendwie wächst einem diese staubige Stadt ans Herz. Oder sind es die Leute? Die verstehe ich sowieso noch nicht ganz. Also einerseits reden manche so schirch Spanisch, dass ich das Gefühl habe, die werde ich nie verstehen, aber andererseits auch die Mentalität; manche können in der Hängematte neben der Hauptstraße liegen und den ganzen Vormittag Zeitung lesen, andere haben es so eilig, dass sie während des ganzen Mittagessens den Motor ihres LKWs direkt neben den Tischen des Lokals rennen lassen, weil das angeblich ja so viel besser für den chinesischen Dieselmotor ist, damit sie schneller wieder weiterkommen. Also ich kann nicht sagen, ob das Leben hier langsamer oder schneller ist. Es geht sehr viel weiter in diesem Land: Straßen werden gebaut, die Wirtschaft wächst. Wem es zu Gute kommt? Ich weiß es nicht. Aber die Hoffnung ist da. Die Hoffnung, dass ein Volk, das jahrzehntelang, nein, jahrhundertelang vom puren Kapitalismus ausgebeutet wurde endlich zu seinem verdienten Wohlstand kommt. Und wenn erst mal alle Entwicklungsländer der Welt auf einem höheren Lebensstandard angelangt sind, spätestens dann wird es eng mit den Ressourcen. Dann ist nicht mehr Feinstaub oder eine Finanzkrise unser Problem. Die reichen Länder Europas und Amerikas haben genug Gründe, warum es besser ist, dass die Armen arm bleiben.

Samstag, 11. Oktober 2008

Von Allem

Was einem in Ecuador schnell auffällt, ist die allgegenwärtige Musik. Im Bus, auf der Straße, in Geschäften, aus Autos, ja, von überall hört man laut und deutlich das, was die Ecuadorianer zum Leben genauso wichtig brauchen wie Reis. Und egal, wie laut der Bus oder der Umgebungslärm gerade ist: Die Musik muss lauter sein und sie ist es auch. Meistens hört man sogar aus den einfachsten Holzhütten ungedämpfte Salsa- oder Reggaetonmusik. Irgendwie fragt man sich dann schon, warum sich die Bewohner des Hauses lieber eine Stereoanlage aus China kaufen statt sich ein neues Wellblechdach zu kaufen, das dann vielleicht sogar dicht wäre. Aber andererseits, wenn sie lieber Musik hören, als ein dichtes Dach über dem Kopf haben wollen, es ist ihre Entscheidung. Aber trotzdem, man kann natürlich als Europäer nicht herkommen und ihnen sagen, was zu machen ist, dafür sind wir auch gar nicht da, aber eine gewisse Bewusstseinsbildung, vor allem in Sachen Umweltbewusstsein, wäre nicht ganz fehl am Platz.
Tonträger wie CDs oder MP3-CDs sind hier sehr leicht zu bekommen, am Schwarzmarkt gibt es eigentlich nur kopierte CDs zu kaufen, um unter einen Dollar pro Stück, DVDs gibt es um einen Dollar. Jetzt fällt mir gerade auf, dass ich in zwei Monaten Ecuador keine einzige legale CD oder DVD gesehen habe. Einerseits natürlich der Raub geistigen Eigentums und der Schaden, der der Musikindustrie zugefügt wird, andererseits aber: Wie sollten sich Leute, die am Tag oft weniger als fünf Dollar verdienen sonst CDs leisten können. Jetzt stellt man sich vielleicht die Frage: „Ja, warum brauchen die CDs, wenns so arm sind, sollns sich was zu essen kaufen darum.“ Aber so leicht kann man das glaube ich nicht bewerten, es gelten hier andere Wertigkeiten, die man als Europäer nicht so schnell versteht und ich bin noch sehr sehr weit davon entfernt, es zu verstehen. Es gibt hier schon sehr viele gefälschte Markenartikel und billige Produkte aus China. Angefangen bei Autos und Lastwägen: Neben alten nordamerikanischen Fahrzeugen sieht man zu 98% nur japanische und chinesische Fahrzeuge, ganz selten sieht man einen VW-Käfer, manchmal einen Golf oder hie und da einen Peugeot. Sogar die reichen fahren zum Großteil halt teurere japanische Autos. Und oft steht auf den Bussen „VW“ oder „Mercedes-Benz“ drauf, ich bin mir aber nicht sicher, ob auch drin ist was drauf steht. Elektronikprodukte, Werkzeuge und vieles mehr, wird alles aus China importiert, weil die Chinesen halt in einer für Ecuadorianer leistbaren Qualität produzieren. Was nicht immer ungefährlich ist, zB hat sich mein Fahrrad einmal genau in der Mitte beim Überqueren der verkehrsreichen Hauptstraße in Pedro Carbo zerlegt. Ich hab lachen müssen, weil es irgendwie lustig war, wie auf einmal die Treter runtergeflogen sind, und hab das Rad bis zum Rand rollen lassen, bin abgestiegen und zurückgegangen um die Teile einzusammeln, da ist aber schon ein Tricifahrer mit seinem Motordreirad stehengeblieben und der wollte sich schon den Treter meines Fahrrades mitnehmen. Zum Glück hab ich ihn noch bekommen, das Fahrrad aber haben wir bis heute nicht wirklich reparieren können, da beim Reparaturversuch der Schraubenzieher (wahrscheinlich ebenfalls aus China und billiger als ein Dollar) abgebrochen ist.
Jetzt bin ich aber vom eigentlichen Thema abgekommen. Warum sind Ecuadorianer angeblich glücklicher? Weil sie weniger haben, das sie belastet? Wer (noch) kein Auto hat, braucht sich nicht darum zu sorgen? Dafür haben sie aber andere Sachen, die sie sicher genug belasten könnten. Vielleicht einfach, weil sie sich über Sachen freuen können, die wir als „kindisch“ bezeichnen würden. Aber vielleicht ist ja gerade das „kindischsein“ das Geheimnis. Einfach, sich über einfache Sachen zu freuen, Musik zum Beispiel. Oder das Tanzen: Wenn ich mir vorstelle, wie in Österreich auf einem Ball die wenigsten Tanzen wollen und die, die tanzen auch nicht so ausschauen, als würden sie es gern tun, und dann sehe, wie es hier zugeht, wenn die Musik läuft. Da bleiben die wenigsten sitzen und wenn man nicht komplett verschwitzt ist und kurz vor dem Zusammenbruch ist, darf man nicht aufhören. Nein, das war jetzt übertrieben, aber es ist einfach eine andere Freude, die hier herrscht. Das heißt jetzt aber nicht, dass mir das Tanzen in Österreich nie gefallen hat, ich möchte schon wieder mal so Foxtrott, Tango, Rumba, Walzer,… das hab ich schon lang nicht mehr getanzt, und geht mir schon ein bisschen ab.
Naja, was tut sich sonst so? Letzten Samstag haben wir meinen Geburtstag gefeiert. Gleichzeitig war die „Eröffnung“ von Manuels und Kattys neuem Haus. Dort haben wir Abendessen bekommen und als Nachspeise Buchteln mit Vanillesauce. Echt super. Danach sind wir noch in die Disco von Pedro Carbo gegangen, haben aber nicht lang tanzen können, weil dann irgendwie eine Schlägerei ausgebrochen ist, die sich dann wieder beruhigt hat und dann hats noch einmal angefangen. Ich bin dann raus aus der Disco, weil ich mir gedacht hab, dort bin ich weiter weg vom Geschehen, eine Frau draußen hat auch die Policia angerufen, dann wurde die Disco vom Besitzer zugesperrt und die Betrunkenen haben auf der Straße weitergeschrien und hätten sich fast weitergeprügelt. So sehr sie auch Betrunken waren, wer mit dem Motorrad oder Auto da war ist so auch wieder heimgefahren, einen haben wir gesehen, der ist auf dem Motorrad gesessen, so betrunken, dass er am Lenker gelehnt ist und nur mit einer Hand Gas gegeben hat, weil er aber die andere Hand zum Anlehnen brauchte, konnte er die Kupplung nicht bedienen und er konnte nicht wegfahren. Hätte er sowieso nicht, so schief, wie der geschaut hat. Wir haben uns dann ins CRESEM zurückgezogen, auf dem Weg zurück ist uns dann die Policia entgegengekommen, hat mich gewundert, dass die überhaupt gekommen sind, haben eh nichts getan. Die Betrunken sind dann noch einige Zeit mit den Motorrädern auf und ab gefahren, in atemberaubender Geschwindigkeit, in dem Zustand wie die fahren und so schnell, da wäre es sicherer, eine Autobahn in Österreich zu Fuß zu überqueren, mich wundert es wirklich, dass denen nichts passiert ist. Echt, sowas riskantes hab ich noch nie wo erlebt.
Vielleicht sollte ich solche Erzählungen aus dem Blog fernhalten, weil es ein schlechtes Licht auf Ecuador wirft. Aber ich denke mir, es ist halt so und Alkoholismus und Machismo sind zwei wesentliche Probleme hier und beides vereint um 3 Uhr Früh auf einem Motorrad endet nach meiner Schätzung mit einer 50%igen Überlebenschance.
Aber auch wieder was positives: Am Sonntag waren wir bei einer Lehrerin (die, die im September geheiratet hat) des CRESEM zum Palatschinkenessen eingeladen. Sie kennt Palatschinken dank Jakob Winkler und sie wohnt jetzt mit ihrem Mann in einem „Haus“, dass aus 2 Ziegel- und 2 Holzwänden besteht und darüber zur Hälfte ein löchriges Wellblech, zu einem Viertel eine Plane hat und zu einem Viertel unter freiem Himmel ist. Trotzdem stehen 2 Fernseher drinnen. Wieder eine Frage der Wertigkeiten. Naja, ich habe dann die Supervision über die Palatschinkenproduktion übernommen, hab den Teig optimal abgestimmt und dann die Palatschinken in der Pfanne gebacken (sagt man da gebacken?) und sie dann zur Endfertigung weitergeleitet. Die Pfanne war so eine billige Pfanne aus China, siehe oben, die immer gekracht hat, wenn man sie zurück auf die Gasflamme gestellt hat.
Jedenfalls waren da so viele Leute da, dass im Haus fast kein Platz mehr war, aber die Gastfreundschaft hier kennt fast keine Grenzen und wenn man die nicht ausnutzt, ist das fast schon unhöflich.
Nächstes Wochenende fahren wir wahrscheinlich nach Quito. Warum? Fortsetzung folgt...

Samstag, 4. Oktober 2008

Mega Santa Maria

In Pedro Carbo gibt es ein Internetcafé, dass sich „Cyber Narcisa de Jesús” nennt, nach Narcisa de Jesús, einer Heiligen aus Nobol, eine kleine Stadt zwischen Pedro Carbo und Guayaquil. Deswegen wird hier fast alles nach ihr benannt, auch eine Buslinie mit den ältesten und hässlichsten Bussen, die aber deswegen vielleicht ungefährlicher ist, weil die Busse nicht schneller als 70 km/h fahren können. Und in Banos gab es einen Supermarkt, der „Santa Maria“ heißt und weil es ein großer „Santa Maria“ ist, heißt er „Mega Santa Maria“. Die Religiosität der Leute hier nimmt schon oft komische Ausmaße an, wobei für mich vieles nicht wirklich tiefsinnig und oberflächlich erscheint. Aber alles von vorne: Letztes Wochenende waren wir zu viert in Banos, einem Touristenort in den Anden. Freitagabend sind wir mit dem Bus von Guayaquil 7 Stunden durch die Anden, teilweise über Schotterstraßen, gefahren und kamen um 5 Uhr früh dort an. Am Samstag machten wir eine Tour mit einem Bus zu den Wasserfällen und zu einer Seilbahn, alles sehr beeindruckend, aber für diesen Teil der Reise lasse ich die Fotos erzählen. Am Abend aßen wir in einem italienischen Restaurant mit fast europäischen Preisen, aber was solls, im Urlaub kann man sich das schon leisten. Sonntag wanderten wir auf einen Berg, von dem aus man den Tunguarahua, einen Vulkan mit über 5000 m Höhe sehen hätte sollen. Wir haben ihn auch fast gesehen, die Wolken verdeckten uns leider die Sicht bis zum Gipfel. Deswegen wollten wir uns Montag in der Früh 4 Quads (so kleine geländetaugliche Moped-Gefährte, aber mit 4 Rädern, deswegen Quad) ausborgen und nochmals raufdüsen, um den Vulkan zu sehen, leider aber regnete es und wir fuhren nicht. Schade, aber wenigstens haben wir jetzt einen Grund, nochmal hinzufahren. Aja, das hätte ich fast vergessen, am Samstag haben wir auch die Kirche besichtigt und Sonntag abend waren wir in einem Thermalbad, für das Banos berühmt ist, denn „Banos“ heißt ja eigentlich „Bäder“ und wenn man ein WC sucht, fragt man auch immer nach dem „Bano“, wie in den USA nach dem „Bathroom“. Das Wasser kommt vom Vulkan und ist im Bad 40 °C heiß und direkt danach kann man sich unter das eiskalte Wasser stellen, das vom Wasserfall direkt neben dem Bad abgezweigt wird. Was bei uns Zivis gut angekommen ist, waren die Verkaufsstände, an denen man Zuckerrohr kaufen kann. Da kauft man so kleine Stückchen Holz, die aber total voll sind mit dem puren Zuckerwasser und man beißt dann drauf und saugt den Zucker heraus, sicher nicht gesund, aber total gut. Weil am Sonntag die Volksabstimmung über die neue Consitución, die Verfassung, war, galt am Samstag und Sonntag das „ley seca“, das trockene Gesetz. Was das wohl bedeutet? Montag Nachmittag sind wir zurückgefahren und bei Tageslicht werden einem die wahren Ausmaße der Anden bewusst – einfach herrlich, die Berge scheinen unendlich hoch, die Täler unendlich tief und der Bus unendlich zu schnell auf der Schotterstraße, neben der es ohne Leitplanken sicher 500 m oder mehr in die Tiefe geht. Aber so etwas muss man erlebt haben, Fotos können nie alles vermitteln, zum Glück auch, sonst hätt ich nicht herkommen brauchen.
Meinem Hund geht es schon wieder viel besser, er ist abgemagert, frisst aber wieder alles was ihm in die Quere kommt. Dienstag waren wir beim Tierarzt und er hat ihm 2 Spritzen gegeben. Danach kamen aus seiner Wunde 15-20 richtig große Maden heraus und bald danach sind die schon sehr großen Löcher verheilt. Jetzt hat er zwar noch eine Wunde am einen Ohr, aber das andere ist schon verheilt, es schaut noch relativ arg aus, weil das Fell erst wieder drüberwachsen muss, aber ich bin zuversichtlich, dass er wieder ganz der Alte wird. Vielleicht nicht ganz, weil er glaub ich einiges an Vertrauen zu uns verloren hat, weil wir ihn immer mit dem Desinfektionsspray eingesprüht haben und das hat ihm nicht so gefallen aber sicher geholfen. Seit einigen Tagen schnappt er immer nach Fliegen, das hat er sonst nie gemacht, vielleicht weiß er, dass die Viecher ihm die Maden in den Kopf gelegt haben.
Der Hahn wird nicht mehr lange leben. Er frisst immer alles, was ich den Gänsen gebe, aber das ist nicht der Grund. Ich will ihn essen, suche aber wen, der das alles kann mit umbringen und so, das ist schon lustig, ich kann zwar die Buchhaltung machen, Rechnungen schreiben und Geld verwalten, an so grundlegenden Sachen wie Tiere schlachten scheitere ich hier aber.
Sonst geht es mir allerdings sehr gut. Heute ist mir, weiß nicht warum, plötzlich bewusst geworden, wie selbstverständlich ich so manches hier schon hinnehme, man gewöhnt sich an den Lärm der Straße, an Busfahren, an den Gestank, aber andererseits gibt es Sachen, an die ich mich nie gewöhnen werde, so bleibt bei mir zum Beispiel von dem Mittagessen, dass zu fast drei Viertel aus Reis besteht immer fast der halbe Teller mit Reis über, weil ich einfach nicht so viel Reis essen will und kann. Schmeckt ja auch fad, nur Reis. Deswegen auch hier noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an Opa und Oma und meine Eltern für zwei Packerl voll mit guter Schokolade, Speck und Wurst. Eine halbe Stange Wurst haben wir gemeinsam an einem Abend gegessen, wenn man fade zache Hendln und Reis gewöhnt ist, echt ein Genuss.
Heute zu meinem Geburtstag hat mir der Flo zum Frühstück einen Kaffee gebracht. Zwar keinen frischen, so einen fertig eingepackten, aber trotzdem, einfach toll. In Banos habe ich auch zum ersten Mal nach 2 Monaten wieder guten Kaffee getrunken. Eigentlich habe ich dazwischen gar keinen getrunken, der geht mir wirklich ab. Es gäbe zwar so Nescafé hier zu kaufen, aber Bohnenkaffee ist eine Seltenheit oder sehr teuer, fast teurer als in Österreich, da hats doch was, wenn man bedenkt, dass in Südamerika Kaffee angebaut wird und in Österreich nicht.
Und eigentlich schreibt man Baños so mit ñ, aber den Text bis daher hab ich mit einer deutschen Tastatur geschrieben, deswegen fehlt das ñ.
Hier die Fotos:
http://www.flickr.com/photos/27350295@N04/?saved=1

Que loco...

Kleine Kuriositaet am Rande: Es ist gerade 3. Oktober, 18:50 Ortszeit in Guayaquil, wo ich diese Zeilen schreibe und hier bin ich noch 19, in Europa aber schon 20, ist das nicht lustig? Ich find schon. Wieder etwas, wo ich mich drueber freuen kann.
Morgen kommt mehr von mir.
Machts es gut!

Sonntag, 28. September 2008

So viel zu erzählen!

Irgendwie merke ich gerade, dass ich aufgehört habe, die Wochen zu zählen. Erstens weil ich schon in Monaten zähle (bald 2 Monate in Ecuador) und zweitens weil die Zeit hier irgendwie anders vergeht als in Europa. (Drittens auch, weil ich jetzt zu faul bin zum Nachrechnen.) Manche Sachen gehen so unkompliziert und schnell, anderes dauert ewig und ist extrem schwierig. Außerdem geschieht so viel um einen herum, dass man gar nicht alles so schnell verarbeiten kann und daher kommt wahrscheinlich, dass es einem vorkommt, als ob die Zeit wie im Flug verginge. Letzten Mittwoch ist der Klaus I heimgeflogen, der Abschied war sehr traurig, weniger für uns, wo wir uns sicher sind, dass wir uns, wenn alles gut geht, in Österreich in einem Jahr wieder sehen, sondern für ihn, wo er ja weiß, dass er viele seiner ecuadorianischen Kollegen und Freunde vielleicht nie wieder sehen wird. Klingt irgendwie sehr hart, ich auf jeden Fall wünsch ihm, dass er wieder einmal kommen kann um alle zu besuchen.
Meine Tiere machen mir zu Zeit ein bisschen Sorgen. Die Gänse wollen nur mehr Blätter fressen, die ich in der Trockenzeit aber einfach nicht finde (kennt sich vielleicht wer aus, was sie sonst noch fressen könnten? – unsere Bauern reden immer nur von Mais…) und der Hier (Hund) ist am Montag mit einer tiefen Wunde am Ohr nach Hause gekommen, nachdem er das ganze Wochenende weg war. Die Wunde hat sich irgendwie infiziert und ich fürchte, dass er so Parasiten oder was hat, weil er sich ständig kratzt und jetzt auch schon das andere Ohr aufgekratzt hat. Am Donnerstag hab ich endlich einen Tierarzt erreicht, der ihm dann 2 Spritzen gegeben hat und Medikamente um 15$ verschrieben hat. Ich hab aber nicht alle gekauft, weil nicht mal ich so viel Geld mitgehabt habe. Jedenfalls hab ich auf die falschen verzichtet; die Salbe lässt er sich nicht raufschmieren, also hab ich heute den Spray noch gekauft, den ich ihm, während er schläft von hinten auf die Wunde sprühe, der sollte dann die Parasiten und Fliegen von ihm abhalten. Naja, in Pedro Carbo 15$ für Hundemedizin auszugeben bereitete mir schon ein schlechtes gewissen, die monatliche Sozialhilfe, von der Menschen (über)leben können sind 30$.
Letzten Samstag waren wir mit ein paar Leuten vom CAAM auf Ausflug am Campo (Land – wobei Pedro Carbo auch eher Land als Stadt ist) und am Campo herrschen schon noch andere Verhältnisse als in der Stadt. Wir sind so mit dem Pickup über Schotterstrassen und durch fast ausgetrocknete Flussbette gefahren, während in den Lacken, die der Fluss von der Regenzeit gelassen hat, Leute sich oder ihre Wäsche gewaschen haben. Und manche Häuser dort bestehen echt nur aus ein paar Stecken, Wellblech und einer Plane als Dach. Dann sind uns viele Leute auf Pferden oder so Maultieren begegnet. Hat Vorteile, denn wo wir den Pickup abstellen mussten, wären wir auf den Tieren sicher noch weitergekommen. Wir sind dann über einen relativ steilen Hang hinunter in ein Flussbett (Klaus und ich haben einen riesigen Topf mit Arroz con Pollo [Reis mit Hendl] geschleppt) zu einem Fluss, der noch immer Wasser hatte und an dieser Stelle einen Wasserfall und 2 tiefe Becken macht. Ich habe leider meine Badehose vergessen, aber das vom Felsen Springen wäre sowieso nichts für mich gewesen.
Am Sonntag war dann großes Bingo vom CRESEM, da kommen an die 1000 Leute und spielen Bingo. Von reichen Leuten oder Firmen werden Preise (Kühlschränke, Fernseher, Hauptpreis war 500$ in bar) gespendet und der Gewinn geht ans CRESEM. Ganz schön viel nämlich, wenn man bedenkt, dass eine Tabla, so eine Tabelle zum Bingospielen, mit der man teilnehmen kann, 5$ kostet und dann wird Essen und Trinken auch noch verkauft. Ich hab nicht gespielt, dafür um so mehr fotografiert und auch 7 Empanadas (so frittierte Teigtaschen mit Käse oder Fleisch oder Hendl drin, extrem fett aber gut!) und 2 Chuzos (ein gegrillter Spieß mit unreifer gebratener Kochbanane, die ein bisschen nach Erdapfel schmeckt und Wurst) gegessen, damit Geld reinkommt. Es gibt schon gute Sachen zu Essen, aber wirklich hochwertiges Essen, oder Produkte, die annähernd so sind wie in Österreich (zB Schwarzbrot) sind schwer zu bekommen und dann oft sehr sehr teuer. Auch die Getränke. Ecuadorianer trinken neben Bier sehr gerne Jugo (Saft) und Cola (alle Sorten von Cola und Fanta und anderen kohlensäurehältigen Flüssigkeiten). Die Jugos sind manchmal sehr gut, weil sie nach tropischen Früchten schmecken, von denen man noch nie gehört hat. Die Kehrseite allerding ist, dass da auch viel Zucker drin ist. Es gibt in Ecuador Sorten von Cola, die weit schlimmer schmecken als Red Bull (ja, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber das gibt es. Wir haben einen Vergleich gemacht: In einem normalen Coca Cola sind 26 g Zucker pro 250 ml. In einem Kola Gallita, einem ecuadorianischem Cola sind 66 g Zucker pro 250 ml, das entspricht ca einem Viertel der Masse, was bei einer 3l-Flasche in der es verkauft wird einem dreiviertel Kilo Zucker entspricht. Wenn man in Ecuador „Cola“ bestellt, wird man gefragt „Cuál Cola?“ (Welches?) und wenn wir Zivis jetzt meistens, dass „Negra“ (Schwarzes, Coca Cola oder Pepsi) als geringeres Übel bestellen, heißt es dann nur mehr „Diät-Cola“.
Naja, ich hoffe, es funktioniert, wenn ich jetzt Bilder ins Internet stelle. Bitte, bitte, bitte,...
Ja, funktioniert: http://www.flickr.com/photos/27350295@N04/
Bilder sind aber in umgekehrter Reihenfolge, beginnen hier mit Bingo, dann Ausflug und dann Spielereien im Buero, war aber umgekehrt.

Momentan bin ich gerade in Baños, im Gebirge am Fusse des Tungurahua, eines Vulkanes, der ueber 5000 Meter hoch ist und immer wieder fuer Abwechslung sorgt, momentan aber ruhig ist. Ausfuehrlichere Berichte und Fotos gibt es naechste Woche im Blog.
Liebe Gruesse.

Freitag, 19. September 2008

Hallo Welt

Tja, heute muss ich spontan was fuer den Blog schreiben, sonst hab ichs mir immer im Zimmer am Laptop vorgeschrieben, um dann Zeit und Geld im Internetcafe zu sparen. Heute bin ich aber in Guayaquil und muss unerwartet lange warten, bis Fotos fuer den Manuel abzuholen sind. Also bin ich im Internetcafe gegenueber vom Park de Iguana, einem Park, wo halbe Meter lange Leguane quer ueber den Weg liegen und sich fuettern lassen.
Hin und wieder schaue ich in letzter Zeit kurz auf oesterreichische Nachrichtenseiten im Internet, erfahre von "Finanzkrisen" und "Antiislamisierungskonferenzen" (was soll das bitte sein???), aber eigentlich beruehrt mich das alles nicht so sehr, mein Kopf ist mit dem Alltagsleben hier oft schon ausgelastet. Und vor allem mit dem Spanisch Sprechen/Lernen.
Heute war ich schon beim Werk von Agroficial, das is eine Firma, die von uns Papaya kauft, aber nur die "rote", weil die die bessere Qualitaet hat. Ich hab dort 2 Rechnungen von uns und die Schecks zum bezahlen abgeholt, weil wir das Geld schon brauchen und die naechste Lieferung, wo jemand das abholen haette koennen waere erst naechste oder uebernaechste Woche gewesen. Ich habe dann die Rechnungen und Schecks entgegengenommen, insgesamt ueber 900 $ mit denen ich jetzt noch durch Guayaquil rennen muss, und dann hab ich mich dort gleich beschwert, weil uns die beim Bezahlen die Gewinnsteuer abziehen, die man nach dem ecuadorianischen Steuergesetz immer bei einem Geschaeft zwischen Unternehmen zurueckhalten und ans Finanzamt zahlen muss, sehr kompliziert, jedenfalls sollte man uns diese Steuer normalerweise nicht zurueckhalten, weil wir "sin fines de lucros", also ohne Gewinnabsicht sind. Die Dame am Schalter hat mir gesagt, sie hat das eh schon auch der Buchhalterin gesagt, aber die ist grad nicht da und so weiter, ich bin dann einfach gegangen, weils eh keinen Sinn macht, lange mit ihr zu diskutieren, weil sie ja anscheinend nur die arme Dame am Schalter ist. Ich bin dann wieder raus, und rauf zur Strasse zum ersten von 2 Sicherheitsposten. Dort hat mich der Sicherheitsmensch aufgehalten und gesagt, ich soll warten, es kommt noch jemand, der mit mir reden will. So war es auch, ein wichtig aussehender Mann kam den Weg herauf und erklaerte mir dann, warum sie die Retencion (also die Zurueckhaltung der Steuer) bei uns machen, weils seit heuer ein neues Gesetz geben und nur sie das wissen, dann hab ich gemeint, das ist aber unlogisch, wenn wir, die wir ohne Gewinnabsicht sind, eine Gewinnsteuer zahlen muessen...? Naja, ich hab ihm versprochen, ich werd mich informieren, wies wirklich ist. Jedenfalls wars cool, weil mich der schon wichtig genommen hat, andererseits denk ich mir dann, was haetten die gesagt, wenn einer unserer Bauern hingefahren waer und sie darauf aufmerksam gemacht haette und nicht der Europaeer?
Morgen, Samstag machen wir mit dem CAAM einen Ausflug aufs Land, zu einem Wasserfall, wo man auch baden koennte. Das wichtigste ist, auch fuer die, die mitfahren, dass es dort dann was zu essen gibt und dass es nur 2 dollar fuer alle beteiligten kostet, weil wir gemeinsam auf einem Lastwagen oder irgendsowas hinfahren werden.
Mittwoch Abend ist der Klaus I von seiner Bergtour zurueckgekommen und naechsten Mittwoch faehrt er endgueltig heim. Nicht, dass ich mich darueber freuen wuerde, aber ich bekomm dann sein handy... :D
So, jetzt ist es schon nach 3, und die Sekretaerin vom Erzbischof ist schon wieder da, weil ich eine Einladung fuer ein Visum von einem zukuenftigen Zivi abholen muss, die der Herbert dann nach Oesterreich mitnimmt.
Hoffentlich ist auch meine Wahlkarte schon angekommen, wenn nicht, wird die Republik Oesterreich auf einen Jungwaehler mehr verzichten muessen.
Liebe Gruesse an alle!

Samstag, 13. September 2008

Die eigene Hochzeit verpassen

Große Überraschung am Mittwoch: „Klaus, te llegó un paquete“ , eine Nachricht von Familie Pluas aus Guayaquil, dass ich mir ein Paket abholen kann. Also bin ich am Donnerstag in die Stadt gefahren, um es mir abzuholen. Fast 2 Stunden hat das gedauert – Warten, Stempel holen, Gebühr zahlen, warten, Packerl mit dem Beamten abwägen, dann hat er es aufgemacht – hat nur Schokolade gesehen, wieder zugemacht, noch mal 20 Cent zahlen, noch mal abwägen, dazwischen immer wieder stempeln (Stempeln gehen hat hier eine andere Bedeutung), unterschreiben und dann endlich – Paket mitnehmen. Aber der ganze Zirkus hat sich ausgezahlt: Danke an Omer und Tante für Schokolade und ein halbes Kilo Speck von dem jetzt, 2 Tage später nicht mehr viel übrig ist, unter uns Zivis gibt es so gut wie kein Privateigentum, aber Teilen macht ja bekanntlich mehr daraus! Hier möchte ich aber gleich den Rat geben, in zukünftigen Sendungen bitte keine Schokolade mehr schicken, die irgendwie gefüllt ist, da im Paket irgendwie alles mal schmilzt und nur die eingeschweißte Schokolade nicht ausrinnt. Und laut anderen Zivis muss man auch aufpassen, dass man in Österreich auf die Beförderung als „Brief“ besteht, weil es sonst sein kann, dass die Post das Packerl an DHL übergibt und ein Zivi hat dann einmal 90 $ für ein Packerl bezahlt.
Am Freitag waren wir Österreicher zu der Hochzeit einer Lehrerin vom CRESEM eingeladen. Laut Einladung begann es um 7. Wir dachten, wenigstens eine Hochzeit würde pünktlich beginnen und waren auch 2 Minuten vor 7 in der Kirche – ziemlich allein. Die Band hat gerade aufgebaut und so sind wir noch eine halbe Stunde zur Florcita, das ist der Stammkiosk der Zivis gegangen. Um halb 8 waren schon einige Leute vor der Kirche versammelt, auch der Pfarre, Padre Kleber, und gegen dreiviertel 8 kam der Bräutigam, alleine. Um 8 hat dann die Messe ohne Braut begonnen, die erst beim Evangelium dazugestoßen ist. Für Erheiterung hat unser Hund gesorgt, als er ganz ungeniert während der Hochzeit durch den Mittelgang der Kirche hin zum Brautpaar marschiert ist. Ich hab ihn dann gepackt und durch den Gang wieder vor die Kirche geschleift, er glaubt, ich will mit ihm spielen und rollt sich am Boden hin und her, dann hab ich ihn bis zum CAAM geleitet, wo er seine Hundefreunde und die Knochen vom gegenüberliegenden Restaurant gefunden hat und auch dort geblieben ist.
Die Hochzeitstafel war dann im großen Hof vom CRESEM I, zu Beginn wurde Donauwalzer getanzt, wobei ich mit Flos Schwester die einzigen waren, die wirklich Walzer getanzt haben, das andere war eher schunkeln. Danach wurde eigentlich nur mehr Tanzmusik gespielt und die ganze restliche Nacht getanzt. Das Personal vom CRESEM und CAAM haben dem Brautpaar eine Garnitur Wohnzimmermöbel geschenkt und dann haben wir ihnen auch jeder noch 5 $ geschenkt, damit sie sich 2 Tage Hochzeitsreise nach Banos in der Sierra leisten können. Darüber haben sie sich sehr gefreut, da sie beide nicht wirklich viel Geld haben. Es hat mich überhaupt schockiert, dass die Braut auf ihrer eigenen Hochzeit in der Küche gestanden ist und Getränke eingeschenkt und Kekse aufs Tablett gelegt hat. Deswegen haben wir ihr dann geholfen, unvorstellbar für uns Österreicher, dass die Brautleute selbst mitanpacken müssen während sie eigentlich draußen bei ihren Familien sein oder tanzen sollten. Bei der Hochzeit war ja alles ziemlich amerikanisch, halt wie in den ganzen Hollywood-Filmen. Wahrscheinlich gäbe es schon auch ecuadorianische Bräuche, aber die Leute hier sind alle so verrückt auf das Amerikanische. Es gab auch so Brautjungfern oder wie das heißt. Die waren in ihren Kleidern auch recht hübsch und ich hätte die auf 16-20 geschätzt. Bei der Tafel habe ich dann „Brautjungfern“ mit Mann und Kind gesehen, naja, kann ja sein, dass sie nicht viel älter als 20 sind, aber Jungfern mit Kind, naja, ich weiß nicht… Zum Schluss haben wir zu viert (Flo, seine Schwester, Jakob und ich) noch eine Kollegin nach Hause begleitet, weil sie auf der anderen Seite des Flusses wohnt und die Brücke so gefährlich ist, dort werden die meisten Leute überfallen, weil eben keiner nach links oder rechts auskommt. Jedenfalls ist nichts passiert, vielleicht war es auch abschreckend, weil doch 3, für ecuadorianische Verhältnisse, riesige Männer sie begleitet haben. Bei der Hochzeit gab es so Art Pfirsichsekt oder sowas in Stamperln serviert und dann auf den Tischen ein „Bebida alcoholica con sabor a ron“ (Alkoholisches Getränk mit Geschmack von Rum), so ist es auf den Flaschen gestanden, was es wirklich war, will ich gar nicht wissen. Das Essen (wie immer Hendl mit Reis und Salat) war eigentlich sehr gut, weil der Reis einmal nicht so fad war, sondern irgendwie mit Pesto oder so vermischt wirklich nach was geschmeckt hat. Auch der Salat war eigentlich ganz ok. Bei den vielen Gästen und Hendln ist dann einiges an Knochen und Fleisch übergeblieben, was meinen Beiden Raubtieren zu Gute kommen wird.
Angesichts dieser Hochzeit ist mir einmal mehr klar geworden, wie gut wir es in Österreich haben. Also vielleicht denkt man einmal daran, wenn man wieder einmal über hohe Benzinpreise oder Steuern oder die Politik jammert.
Falls es jetzt da ist, das ist ein Bild von mir, das der Flo gemacht hat.

Liebe Gruesse