Freitag, 26. Dezember 2008

La noche buena

Die „schöne“ Nacht, wie der Heilige Abend auf Spanisch heißt. War zwar nicht besonders weihnachtlich, dafür hat es hier 30 Grad zu viel, aber doch ein ganz eigenes Erlebnis:

Bis Mittag war arbeiten angesagt, am Nachmittag ein bisschen ausrasten und dann um neun begann die Messe in der Kirche. Für diesen besonderen Anlass hab ich mir sogar eine frische Hose und ein Hemd angezogen, mich gewaschen, was ich öfter tue, und rasiert. Und dann ab in die Kirche. Mein Hund wollte unbedingt mit und ich habe draußen gewartet zuerst, weil er nicht weggehen wollt und ich nicht mit ihm in die Kirche. Als er dann kurz weg war, habe ich es doch in die Kirche geschafft. In der Kirche waren die Bänke ausnahmsweise im Kreis aufgestellt, in der Mitte führten Kinder der Pfarre gerade ein Krippenspiel auf. Bei der Szene, wo Maria und Josef gerade Herberge suchen und abgewiesen werden, sehe ich plötzlich, und hab es kaum glauben können, wie ein schwarzer Hund mit gesenktem Kopf und aufgestelltem Schweif zwischen den Kindern rennt – richtig, das ist meiner. Er hat dann ein paar Runden gedreht und wir Zivis haben uns vor Lachen kaum mehr halten können, der Hund verließ die Kirche dann aber nur um noch zwei mal zurückzukommen um mich zu suchen. Bei dem Krippenspiel und der darauffolgenden Messe spielte eine „Band“, also einer mit einer Gitarre und eine Frau hat dazu gesungen. Die Gitarre war so grässlich verstimmt und die Sängerin hat das mit Abstand schrecklichste „Stille Nacht“, das ich je gehört habe gesungen. Einfach so unvorstellbar falsch, ich habe gelitten bei dem Gesang. Das Lied, das am besten funktioniert hat, war das „Nuestro Padre“ (Vaterunser, eh klar), das nach der Melodie von „Sound of Silence“ von „Simon and Garfunkel“ (glaub ich) gesungen wird. Beim spanischen Vaterunser steig ich ein bisschen aus, deswegen hab ich „Sound of Silence“ dazugesungen. Danach kam aber das allerschlimmste Lied. Ein spanisches Weihnachtslied, das ich zufällig aus dem Spanischunterricht kenn, weil das irgendwie im Spanischbuch ist. Das Lied ist nicht so schlecht, aber die Sängerin hat mit dem Schlusston des vorigen Liedes begonnen, der Gitarrist kurze Zeit später in einer anderen Tonart. Danach durften wir wilde Modulationen durch alle Moll-Tonarten erleben, bis sie sich bei der dritten Strophe auf eine geeinigt zu haben schienen.

Dann war die Messe aus und ich ging gemeinsam mit Carlos, seiner Familie und Mario zum Haus der Eltern von Carlos Frau. Das Haus ist ziemlich am Ende von Pedro Carbo, wir sind also sehr lange gegangen. Beim Haus angekommen stellte sich heraus, dass der Schwiegervater von Carlos der ist, der immer die Wasserrechnungen austrägt und sich auch um die anderen Probleme kümmert von denen es in der pedrocarbensischen Wasserversorgung genügend gibt(Meine Probleme mit der Wassergenossenschaft habe ich, im vorletzten oder vorvorletzten Eintrag schon geschildert). So, das war schon mal ein ziemlich großer Zufall. Nachdem Mario und ich schon am festlich gedeckten Tisch Platz genommen haben brauchten wir nicht lange, um aus den Erzählungen des Schwiegervaters nicht irgendwie sinnvolle Informationen zu erhalten, sehr wohl merkten wir aber, dass er schon mittelschwer betrunken war. Im Hintergrund hatte er volle Lautstärke ecuadorianische Volksmusik laufen und, als wäre das nicht genug, spielte die Beleuchtungskette des Plastikbaumes auch noch abwechselnd „Jingle Bells“, „Santa Claus is coming to town“ und andere amerikanische Lieder in schrecklichen Piepstönen und noch dazu saufalsch. Danach kam das Essen. Wirklich gut, das hat mir echt geschmeckt. Es gab 2 Sorten von gegrilltem Fleisch, dazu gegrillte Stücke von sowas ähnlichem wie Speck und Extrawurst (so was ähnliches, nicht zu vergleichen mit österreichischer Fleischqualität), Erdäpfel, Bohnen, Reis, Salat und zum Trinken natürlich Cola, Bier und Champan, aufgezuckerter Sekt. Beim Essen erzählte uns der Schwiegervater, dass es wieder gefälschten Schnaps gibt, weil die vierte Flasche, die er mit seinen Freunden heute getrunken hat, hat anders geschmeckt. Naja. Aber gefälschter Schnaps ist wirklich im Umlauf, da muss man schon aufpassen. Als er kurz nicht da war, um seine Musik lauter zu drehen, entschuldigten sich die anderen (es waren die ganzen Söhne und Töchter und Enkelkinder, 12 Leute insgesamt, dort) für ihn und sagten, das ist jedes Jahr so, dass er beim Essen schon angsoffen ist. Die Bescherung danach war auch ganz nett irgendwie, die Ecuadorianer spielen gern dieses Engerl-Bengerl-Spiel, wo man Namen zieht, und dem, dessen Namen man zieht, dem muss man was schenken. Ich mag das Spiel nicht, aber man spart wirklich Geld damit. Gut, weil ich erst ein paar Tage vor Weihnachten dorthin eingeladen war, habe ich keinen Namen mehr bekommen, ich habe dafür, eine Tafel Milka und zwei Packerl Manner-Schnitten mitgebracht, darüber haben sie sich auch ziemlich gefreut und ich hab dann von Carlos und seiner Familie ein Ecuador-Armband und eine Halskette bekommen. Vor der Geschenkübergabe haben wir noch zu singen versucht, zuerst „Stille Nacht“ im Duo (Mario & Ich), danach „Noche de paz“ mit allen. Eine echt Herausforderung, wenn im Vordergrund der Christbaum grauslige Melodien von sich gibt und daneben die Stereo-Anlage läuft, die der Schwiegervater dann doch wenigstens leiser gedreht hat, ganz abdrehen kommt sowieso nicht in Frage.

Ich merke gerade, dass sich mein Bericht liest, als wäre das alles eine furchtbare Katastrophe gewesen. Nein, das stimmt nicht, ich habe zwar ehrlich nicht übertrieben, aber mir hat der Abend trotzdem gefallen, wir haben Spaß gehabt und es war wieder ein tolles Erlebnis und eine Erfahrung. Und bei Weihnachten bei 30 Grad, ganz anders als die 20 Weihnachten davor, fällt es auch leichter, Weihnachten anders zu akzeptieren und sich darüber zu freuen, was man trotzdem hat.

Heute, am 25., der eigentliche Weihnachtsfeiertag waren wir zu Mittag in Sabanilla zum Essen eingeladen (Mittag verschob sich wegen der langen „Noche buena“ auf drei Uhr nachmittags), danach ging es um fünf zu der Geschenkeverteilung. Wir spielten gemeinsam mit den Ecuadorianern dieses Engerl-Bengerl-Spiel, wobei ich einen Namen zog, den ich nicht kannte. Egal, ich habe ihr einfach eine Halskette und ein Armband, verpacktin ein Schachterl, alles Produkte vom CAAM,geschenkt, ich hoffe, das ist auch gut angekommen. Als wir dann gehen wollten, sahen wir, dass der „Wäschemann“ (der, der gegen geringe Bezahlung immer die Wäsche von uns Zivis wäscht) gegenüber wohnt und er lud uns noch zu sich ein. Schnell zauberte er zwei Flaschen Schnaps herbei und zeigte uns seine Salsa-Videos. Dabei war es ihm sehr wichtig, dass seine Videos keine Raubkopien sind, sondern die Kopien von Originalen. Sein Sohn arbeitet auf der Bahía, dem größten (Schwarz-)Markt für Filme, Musik, Computerprogramme und allen möglichen Ramsch in Guayaquil. Normalerweise sind die DVDs und CDs einfach irgendwie zusammenkopiert, oft im MP3-Format, weil die Leute Musik meistens mit DVD-Playern abspielen. Seine Videos waren allerdings Kopien von Originalen, darauf ist er stolz. Und natürlich konnten wir nicht gehen, bevor nicht der letzte Tropfen Schnaps weg war. Nicht so schlimm, der Zuckerrohrschnaps (Caña) trinkt sich sehr leicht. (...)

Na gut. Ich wünsche euch allen noch eine schöne Festzeit!

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Weihnachten

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Ein paar Eindrücke, wie es kurz vor Weihnachten in und um Pedro Carbo aussieht

 

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Im Botanischen Garten (Jardín Botanico in Estacada)

 

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Ausblick von meinem Fenster auf die Nachbarhäuser

 

QUE PASEN UNA FELIZ NAVIDAD!

Frohe Weihnachten!

 

 

Samstag, 20. Dezember 2008

Es weihnachtet überhaupt nicht

Was werde ich zu Weihnachten machen? Also ganz sicher weiß ich es noch nicht, aber ich bin gestern Abend von Carlos, dem Buchhalter des CAAM, eingeladen worden, Weihnachten mit ihm und seiner Familie zu feiern. Das heißt eigentlich, nach der zweistündigen Messe, die um 9 am Abend beginnt, noch zu ihnen mit zum Essen und so weiter gehen. Und “Fin de Año/Año Nuevo” werden wir vielleicht in Montanita verbringen, dort gibt es halt viele Lokale und Möglichkeiten, zu feiern, ich war noch nie dort. So viel zu meinen Plänen.

Im CAAM haben wir eine relativ stressige Woche hinter uns, da am Mittwoch die „Asamblea“ (Generalversammlung), die alle drei Monate abgehalten wird am Programm stand. Die diesmalige stand unter dem Motto „Día de Integración“ (Integrationstag?), da ging es vor allem darum, die Gemeinschaft zwischen den Mitgliedern zu stärken, da Vereinsleben und gemeinnütziges Arbeiten hier in Ecuador ziemlich unbekannt sind. Die Asamblea konnten wir im benachbarten Ort „Estacada“ abhalten, weil ein Tischler und Mitglied des CAAM ein Bett gespendet hat, das wir unter den Mitgliedern verlost haben, durch den Verkauf der Lose konnten wir für alle ein Mittagessen und kleine Geschenke kaufen. In „La Estacada“ entsteht derzeit auf zwei Grundstücken (eines gehört dem CRESEM, das andere dem CAAM) ein „Jardín Botanico“ (Botanischer Garten), der hier vor allem als Wochenendausflugsziel für die lokale Bevölkerung gedacht ist, aber vielleicht auch Touristen anlocken soll. Momentan sieht er eher nicht so gut aus, da wir am Ende der Trockenzeit sind und es seit Monaten nicht richtig geregnet hat und große Teile des Gartens durch Unvorsichtigkeit der Nachbarn, die ihre Felder und ihren Müll einfach abbrennen, abgebrannt sind. Aber all das soll dazu beitragen, in Zukunft das Bewusstsein der Leute, dass die Natur um sie herum viel wert ist, zu stärken.
Am Montag habe ich, wie einmal in jedem Monat, in der Früh auf meinem Schreibtisch schon die Wasserrechnung für das vergangene Monat gefunden. Schon bei der letzten ist mir aufgefallen, dass wir sehr viel bezahlen, habe mir aber gedacht, das wird sein, weil wir jetzt auch das Nachbarhaus, das dem CAAM gehört und vermietet ist, mit Wasser mitversorgen, weil es dort keinen Tank gibt. Ohne Tank geht es fast nicht, da oft nur in der Nacht Wasser aus den Leitungen in den Tank kommt und das man dann am Tag verbrauchen kann. Jedenfalls steht auf der Rechnung statt den normalen zwei Dollarn, die man fast pauschal zahlt weil sich das nie viel ändert, elf Dollar. Auf der Rechnung ausgewiesen waren als „Consumo actual“ (Konsum) zwei Dollar und als „Deuda de antes“ (Schuld von früher) die neun Dollar, die ich im November bezahlt hab. In der folgenden Recherche in meiner Buchhaltung fand ich heraus, dass wir seit vier Monaten immer zu viel gezahlt haben, da uns die Wassergenossenschaft den Betrag, den wir im Vormonat bezahlt haben, immer als Schuld dazuverrechnet haben und somit haben sich die Werte alle summiert und wir haben insgesamt fast zehn Dollar zu viel bezahlt. Zehn Dollar ist für Europäer jetzt nicht viel, aber zum Vergleich: Um zehn Dollar können wir hier einen Arbeiter einen ganzen Tag bezahlen und da sind zehn Dollar schon gut bezahlt. Für uns gab es jetzt mehrere Möglichkeiten, warum unsere Zahlungen nicht registriert wurden, es hätte auch sein können, dass sich der Präsident, bei dem ich immer persönlich gezahlt habe, sich das Geld in seine eigene Tasche gesteckt hat. Natürlich hat mich das alles sehr geärgert, vor allem, dass mir das über Monate hinweg nicht aufgefallen ist. Nach einigen Versuchen habe ich schließlich den Präsidenten in seiner Firma angetroffen und mit ihm vereinbart, dass wir bis Mai keine Rechnungen zahlen müssen, das entspricht ungefähr dem Guthaben, das wir jetzt bei ihnen haben. Ich hoffe, er erinnert sich auch später noch daran, da er, wenn ich komme und irgendwas will, immer gleich ganz überschwänglich zusagt und mir das nicht immer ganz geheuer ist. Wir werden sehen, Geld wird er von uns die nächsten 5 Monate keines sehen.
Am Montagabend kamen auch die Eltern vom Jakob an. Ohne Gepäck, das war schon fast vorherzusehen, da sie mit Delta Airlines über Atlanta geflogen sind. Drei Tage später sind zwei von fünf Gepäckstücken aufgetaucht, eines davon war ein Koffer mit Paketen für uns Zivis, so haben sie gestern mit wenig Gepäck zu ihrer Reise nach Galapagos aufbrechen müssen. Also sollte jemand einen Flug nach Südamerika mit Delta Airlines über Atlanta buchen wollen, würde ich abraten, da ich bis jetzt zwei von zwei Besuchergruppen ihr Gepäck mit Delta verloren haben.
Heute am frühen Morgen hat es ziemlich viel geregnet, das Ende der Trockenzeit ist schon fast erreicht, hoffentlich kommt heuer kein „El Niño“, dieses Wetterphänomen ist früher alle 5 Jahre ungefähr aufgetreten, angeblich durch den Klimawandel oder durch Zufall ist es die lezten Jahre öfter aufgetreten und hat zum Beispiel das letzte Jahr große Überschwemmungen und schwere Schäden in der Landwirtschaft angerichtet. Warum heißt es „El Niño“? (Das ñ spricht man „nj“ aus, für alle Interessierten... ;) ) Weil es zu Weihnachten kommt und Niño heißt Kind. Ja, zu Weihnachten ging es einmal vor langer Zeit um ein Kind und nicht um den alten Fetten, der sich weder rasieren noch seine Haare schneiden kann und den ganzen Tag im Bademantel herumrennt.

In Ecuador isst man zu Weihnachten „Pan de Pascua“ (Pan heißt Brot und Pascua heißt Ostern, laut Wörterbuch nennt man auch die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig Pascua.) Dieses „Pan de Pascua“ ist ähnlich wie Striezel, nur ist der Teig süßer und es sind Rosinen und kandierte Früchte drinnen.

Na gut, genug für heute.

Liebe Grüße, ich hoffe, ich kann mich zu Weihnachten einmal melden, weil ich nicht vor Weihnachten schon frohe selbige wünschen will. Das hab ich noch nie mögen.

 

 

 

 

Samstag, 13. Dezember 2008

Que viva la vida

Und wieder eine Woche vergangen. Ich werde öfters gefragt, wie ich die Zeit so verbringe, deswegen will ich hier einmal näher darauf eingehen: Also mein Tag beginnt mit dem Läuten des Weckers. Meistens schlafe ich danach noch eine halbe Stunde bis acht Uhr. Dann heißt es aber Aufstehen, weil im Haus schon reger Betrieb herrscht, bevor ich aber einsatzbereit bin, brauche ich aber noch einen ordentlichen Kaffee. Saisonbedingt gibt es jetzt immer eine Mango dazu, die sich in der Nacht vom Baum verabschiedet hat. Dann beginnt auch gleich die Arbeit; Berichte machen, Belege ordnen, Kassa verwalten oder was gerade so anfällt. Gegen zwölf oder halb eins beginnt dann die Mittagspause, die ich mit Essen verbringe. Dafür geht man am Besten einfach zu einem sogenannten „Comedor“ (von „comer“ – essen), das sind kleine Lokale, die sich auf Mittagessen, sogenannte „Almuerzos“, bestehend aus Suppe und Hauptspeise („Segundo“) spezialisiert haben und man sitzt auf einfachen Plastiksesseln direkt neben der Hauptstraße. Zur Auswahl gibt es, wenn noch alles da ist in unserem „Stammcomedor“, zwei Suppen und zwei Hauptspeisen. Natürlich immer mit halbem Teller voll Reis und fast immer Fleisch ODER Hendl, weil „pollo“ (Hendl) ist nicht gleich „carne“ (Fleisch), manchmal auch „pescado“ (Fisch). Das ganze kostet $ 1,50 für Suppe, Segundo und ein Glas „Jugo“ (Saft). Falls wir noch Verlangen nach einem „postre“ (Nachspeise) verspüren, kaufen wir um 50 Centavos noch einen „batido“ (Milchshake – auf „deutsch“), sehr kalorienhaltig, sehr süß, aber einmalig gut. Unter der oft unerträglich heißen Sonne geht es dann zurück in den Schatten vor dem Computer. Ja, die Sonne ist oft so heiß, dass das zumindest mir richtig auf der Haut brennt, einiges stärker als in Österreich im Hochsommer. Die Arbeit geht dann oft bis es finster wird und noch länger, weil wir oft erst am Abend, wenn die meisten Leute wieder weg sind, Zeit finden, um gemeinsam noch Sachen zu besprechen oder Fehler in der Buchhaltung zu beheben. Und so ein heißer Tag findet sein Ende nicht selten bei einem verdienten kühlen Bier am Kiosko, natürlich nur, um den verlorenen Schweiß des ganzen Tages mit den wertvollen Inhaltsstoffen dieses köstlichen Getränks zu ersetzen. Oft kommt man dann auch ins Gespräch mit Einheimischen, erfährt Neues, zB, wer ermordet wurde und warum, oder, dass wieder ein Bus überfallen wurde oder, dass ein anderer wieder einmal einen schweren Verkehrsunfall verursacht hat, weil sie alle wie die Berserker fahren, damit sie als erster im nächsten Ort sind und die Fahrgäste mitnehmen dürfen. Dazu muss man erklären, dass im öffentlichen Verkehr, wie in so vielen Bereichen, der pure Kapitalismus herrscht, die Strecke zwischen Pedro Carbo und Guayaquil wird von sechs oder sieben Firmen bedient, die sich gegenseitig oft Wettrennen liefern. Die meisten Busse allerdings fahren dann nach Pedro Carbo noch bis nach Manta oder Portoviejo (noch einmal drei Stunden) und sie unterscheiden sich voneinander vor allem in der Qualität der Busse und in der Geschwindigkeit. Wenn man nach Guayaquil fährt erlebt man nicht selten, dass der Bus, in dem man sitzt, mit letzter Kraft und Anstrengung einen anderen überholt, nur damit er früher im nächsten Ort ist, wo er Passagiere, die den Bus durch einfaches Winken mit der Hand anhalten können, schnell einsammelt um dann wieder Vollgas zu geben. Aussteigen kann man auch fast überall, wo man will, der Bus bleibt dann stehen, oder oft auch nicht. Wenn man zB alleine fährt, kommt es oft vor, dass der Bus zum Ein- und Aussteigen nur langsam wird und man dann auf- oder abspringt. Klingt gefährlich – ist es auch. Und man darf sich auch nicht wundern, wenn man im Bus neben jemandem sitzt, der zwei Hühner in der Hand hat.
In unserer Österreicherkolonie haben wir für drei Wochen Zuwachs bekommen. Am Montag kam Mario an, ein Optiker, der aber für den Augustin (Zeitung) arbeitet und momentan Chorleiter oder Gründer des Augustin-Chores namens „Stimmgewitter“ (glaub ich) ist, die jetzt schon ein oder zwei CDs haben. Und am Montag kommt Jakobs Familie. Mario wird in der Clinica eine Optikerwerkstätte einrichten und ein oder zwei Ecuadorianer auf diesen Job einschulen.
Ich hoffe, es geht euch allen gut!
Liebe Grüße

Montag, 8. Dezember 2008

Advent, Advent,…


Tausende Lichter brennen. Seit ein paar Wochen gibt es in ganz Pedro Carbo Weihnachtsdekoration. Das heißt Plastiktannen mit bunten blinkenden Lichtern und Plastikschnee, beleuchtete Plastikschnee- und Weihnachtsmänner und das alles bei 30 °C. Da sieht man, dass der Weihnachtskapitalismus von Nordamerika hier 1:1 übernommen wird. Ohne Nachfragen. Wenn das Weihnachten ist, wäre es besser, wir würden es lassen. Aber irgendwie ist es auch typisch ecuadorianisch, einfach kopiert von wo anders, weil die Amerikaner sind ja alle so reich und diese Kultur ist ja das allerbeste. Immer wenn ich das Gefühl habe, wieder ein bisschen mehr von der Mentalität und Kultur der Leute hier verstanden habe, gibt es kurz darauf Erlebnisse, wo es mir wieder einfährt, dass ich gar nichts verstanden habe, dass es nicht so leicht zu durchschauen ist und ich glaube, so geht es auch anderen Ausländern, die schon länger sind. Eine fremde Kultur kennenlernen, das klingt immer so schön als Motiv für Auslandsjahre, man kann sie kennenlernen, aber sie so voll und ganz zu verstehen würde glaube ich viele, viele Jahre dauern. Weil eine fremde Kultur, eine andere Mentalität ist nicht etwas, dass man mit seiner eigenen Denkweise begreifen kann, diese Sachen sitzen viel tiefer.


 

Zu meiner Woche:


 

Eigentlich war ich viel unterwegs, am Dienstag in Portoviejo um das Regionalbüro des FEPP kennenzulernen und für einen kleinen Gedankenaustausch mit der dortigen Buchhalterin, am Mittwoch habe ich ein Paket vom Hauptpostamt in Guayaquil abgeholt. Und am Montag schon habe ich ein anderes bekommen, momentan habe ich also genug Speck- und Wurstvorräte, danke an Oma und Opa und meine Eltern bzw Brüder für die zwei Pakete. Am Freitag musste ich dann unerwartet wieder einen halben Tag nach Guayaquil fahren, weil bei der letzten Papaya-Lieferung der Zuständige Bauer nur das Original der Factura mitgenommen hat, zum korrekten Ausfüllen der Factura braucht man aber auch den Durchschlag. Klingt ziemlich bürokratisch, ist es auch. Jedenfalls mussten wir das am Freitag erledigen, da wir die Rechnung schon für November deklariert haben und sie unbedingt brauchten, jetzt bin ich wegen dem einen Zettel eine Stunde mit dem Bus in die Stadt gefahren, hab die Firma gesucht, auch gleich gefunden und hab das Doppel der Factura abgegeben und ausgefüllt wieder mitgenommen. War auch irgendwie interessant, die Firma ein bisschen kennenzulernen. Natürlich war das alles abgesichert, überall stehen Sicherheitsleute mit unübersehbar großen Revolvern am Gürtel, das hat aber den Vorteil, dass sie einem alle Türen aufhalten. Diese Firma, Tropifrutas, verarbeitet Papaya, Mango, Maracuya und Bananen. Wenn man über das Firmengelände geht, riecht es zuerst ganz herrlich nach Maracuya und Bananen, dann plötzlich nach Chlor und dann nach Komposthaufen. Auch interessant irgendwie, der Kontrast. Und am Samstag fuhren wir zur Eröffnungsfeier der Olimpiadas Especiales. Das sind so olympische Spiele für Kinder oder Jugendliche mit Behinderungen. Diese Feier war ganz groß aufgezogen, wurde schon wochenlang im Fernsehen sogar beworben und aus dem ganzen Land kommen Delegationen von Sportlern, so auch vom CRESEM, mit ihren Trainern, David und Jakob. Also da war dann echt viel Show, ziemlich professionell, ich habe aber manchmal den Eindruck gehabt, dass es ein bisschen was von "Licht ins Dunkel" hat, so vor Weihnachten, schnell was für die armen Kinder tun, damit man sie dann danach wieder 11 Monate ruhigen Gewissens ignorieren kann, überspitzt formuliert. Nein, ich glaube, das trifft auf "Licht ins Dunkel" sicher viel mehr zu, wenn ich mir ansehe,mit welcher Begeisterung da gestern manche dabei waren. Ich glaube diese Olimpiadas geben den Kindern schon extrem viel von dem, was sie oft im alltäglichen Leben hier nicht bekommen, zB Anerkennung.


 

Das Spenden ist ja in Österreich immer so ein bisschen ein Ablasshandel. Man spendet zwar einmal 50 € für ein Entwicklungsprojekt, geht danach aber zum Hofer und kauft Mangos, die von Kindern gepflückt werden, tankt sein Auto, für dessen Benzin quadratkilometerweise Regenwald zerstört und ganze Flüsse vergiftet werden. Keiner von uns kann ohne Benzin Auto fahren und keiner wird diese Missstände alleine ändern können, aber was wir können ist, bewusster zu sein, was wir konsumieren, nachdenken, woher kommt das. Wenn ich hier in Pedro Carbo eine Mango esse, weiß ich, dass die zB vom Baum vor dem Haus kommt. Was die Mango beim Hofer schon für Blödsinn mitgemacht hat, ... naja, ich weiß es nicht. Nebenbei erwähnt sind die Mangos hier um Häuser besser als beim Hofer... Ich mag jetzt keinem ein schlechtes Gewissen ein- oder das Spenden ausreden. Spendengelder sind wichtig, ohne Spenden würde es hier in Pedro Carbo kein CRESEM oder kein CAAM geben. Das CRESEM erwartet heuer wieder, wie jedes Jahr, ein Defizit von 20.000 $, das aus Spendengeldern gedeckt werden muss. Ich selbst habe das bis vor zwei Wochen nicht gewusst, dass das Finanzloch so gigantisch ist. Vom Staat ist hier wenig Unterstützung zu erwarten und in Kürze wird ein Teil des CRESEM II - Gebäude an eine Bank vermietet werden, die so an die 800 $ monatliche Miete zahlen wird, das entspricht ungefähr 3 Lehrergehältern. Trotzdem wird auch weiterhin sehr viel Geld fehlen.


 

Genug gejammert.


 

Mir geht es gut, obwohl ich angeblich abgenommen habe. Ich gewöhne mich schön langsam an Reisberge, manchmal esse ich sogar schon alles auf vom Essen. Trotzdem ist ein gscheites Wurstbrot immer noch besser. ;-)


 

Liebe Grüße