Eigentlich würde ich jetzt gerne Fotos ins Internet stellen. Leider aber ist das Internet hier in Pedro Carbo so langsam, dass ich warte, bis ich nach Guayaquil komme um die Fotos vom Ausflug nach Cuenca und vom Besuch des UNDP ins Internet stelle. Das UNDP ist das United Nations Development Programme, also ein Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und die haben wiederum das „Programa de pequeñas donaciones“, das Programm der kleinen Spenden. Das CAAM hat sich dafür beworben und wurde vorausgewählt. Deshalb kam am Donnerstag eine Delegation von 2 Personen aus Quito, die sich das CAAM und seine Aktivitäten näher angeschaut haben. Während der Manuel die zwei vom Flughafen in Guayaquil abgeholt hat, haben wir im CAAM alles geputzt und alles zusammengeräumt (Ich bin mir sicher, dass ich den nächsten 2 Wochen nichts mehr finden werde, so wie jedes mal, wenn wichtiger Besuch kommt und alle den Putzfimmel bekommen, bis ich wieder mein geordnetes Chaos am Schreibtisch und in seiner Umgebung hergestellt habe). Nein, das hat schon auch was Gutes an sich gehabt. Ich habe mir vorgenommen, die Buchhaltung bis zu diesem Besuch auf den aktuellen Stand zu bekommen und das habe ich geschafft. Auch wenn ich einige Ausgaben und Einnahmen nur nach den Aufzeichnungen im Kassabuch verbucht habe, weil es keine Belege mehr gab, aber ich kann nicht ewig den Belegen hinterherlaufen, wenn ich sie eh nicht bekomme. Sorry an alle HAK Schüler bzw Lehrer, die das vielleicht lesen, natürlich gilt für euch weiterhin: KEINE BUCHUNG OHNE BELEG! Auf jeden Fall haben wir den Zweien vom PPD das CAAM, den jardín botánico (botanischer Garten) in Estacada neben Pedro Carbo und zwei Fincas in „Valle de la Virgen“ (Tal der Jungfrau – toller Name fuer einen Ort… wir sagen immer „Virgen de la Valle“ – Jungfrau im Tal) besichtigt. Auch davon gäbe es tolle Fotos. Zum Schluss haben wir noch eine Abschlussbesprechung gehabt und sie haben uns gesagt, was wir verbessern sollten an unserer Projektbeschreibung. Das Projekt wäre wirklich sehr wichtig, weil es für das CAAM etwa 50.000 $ an Förderungen bringen würde. Natürlich ist da jeder Dollar zweckgebunden, aber trotzdem lassen sich damit einige Vorhaben leichter durchführen, wenn man bedenkt, dass die momentane Bilanzsumme (alles Vermögen – Geld, Haus, Grundstück, Forderungen,…) des CAAM bei ca 49.000 $ liegt. Also bitte Daumen drücken.
Letztes Wochenende waren wir in Cuenca, einer größeren Stadt in den Anden, wo am Montag ein großes Fest war, weil der 3.11. der Unabhängigkeitstag von Cuenca ist. Irgendwie haben die Städte hier alle unterschiedliche Unabhängigkeitstage, je nachdem, wann sie sich halt von den Spaniern befreit haben. Unabhängigkeitsfeier heißt immer: viele Paraden, Musik, Wahl der „Reina“ (Königin – in Cuenca hat jedes Stadtviertel seine Schönheitskönigin gewählt, unter denen dann die Reina von Cuenca gekrönt wird), und viel viel viel Militärparaden, Militärmusik, Militärschulen marschieren auch mit, Flieger fliegen drüber und machen so Kunststücke. Militär ist hier schon sehr präsent immer. Es hat auch mehr Ansehen und Rechte als in Österreich. Ob das gut ist? Es ist schon krank irgendwie, man sieht da die Panzer, Kanonen und bis an die Zähne bewaffnete Soldaten auf Autos vorbeifahren und irgendwie kommt es einem dann und man denkt sich: „He, was soll das eigentlich? Das sind lauter sauteure Geräte, die den einzigen Zweck haben, Menschen zu töten.“ Ja klar, wozu sonst gibt es Waffen. Aber ist das normal? Ich meine, macht sich da noch irgendwer Gedanken darüber, oder akzeptiert man, dass ganze Industriesektoren vom Morden leben? Akzeptiert man Kriege und Gewalt auf der Welt, wie man es seit frühester Kindheit im Fernsehen gesehen hat? Wenn ich daran denke, was ich als kleines Kind in den Nachrichten gesehen habe, fallen mir eigentlich immer fast nur die Balkankriege ein. Welche genau das waren, weiß ich nicht mehr, aber man bekommt halt schon als Kind mit, dass Gewalt und Mord in dieser Welt einfach normal sind.
Wieder bin ich einmal vom Thema weggekommen. Aber ich denke so viel nach in letzter Zeit und ich muss meine Gedanken irgendwie mitteilen.
Was erfreulicheres: Seit letzter Woche haben wir eine Kaffeemaschine im CAAM. Also keine Maschine, das ist so ein Ding, wo man unten Wasser einfüllt, dazwischen Kaffee und wenn man das dann auf den Herd stellt, kocht das Wasser unten und wird durch den Kaffee hinauf in den Behälter gedrückt. Und der Kaffee ist echt sehr gut. Nicht so wie der öde Nescafe, der nur nach Wasser schmeckt. Ich habe um 3 $ ein Packerl ecuadorianischen Kaffee gekauft…. Lecker, da kann sich die „röstfrischen“ in Österreich anhalten. Mit dem Kaffee fällt mir das Aufstehen in der Früh auch leichter und da ich mich mittlerweile an den vielen Reis gewöhnt hab, freu ich mich auch auf die Mittagessen. Abendessen fällt meist eher dürftig aus, bisschen Speck von daheim, Brot mit Butter (Butter ist aber meistens eine grauslich gesalzene Margarine, die sich auch ungekühlt halten würde – Konservierungsmittel, pfui!) oder einen Käsetoast, manchmal mit Zwiebel oder Paprika drinnen und viel Salsa de Tomate (Ketchup), das mir hier viel besser schmeckt als in Österreich.
So, wieder genug geschrieben, ich hoffe, im Laufe der Woche kommen noch Fotos.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen