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Letztes Wochenende waren wir (Hanna, Max [2 Deutsche, die in Daule arbeiten], Flo und ich) in Quito. Quito ist die Hauptstadt von Ecuador und liegt auf 2800 m Seehöhe, ca 7-8 Stunden im Bus von Guayaquil entfernt. Diese 8 Stunden im Bus haben wir aber relativ angenehm, schlafend, verbracht. Aber alles von vorne: Freitag abends ging es los, von Pedro Carbo zuerst nach Guayaquil. Während Flo und ich auf den Bus gewartet haben, bleibt auf einmal ein Auto stehen und der Fahrer fragt uns, ob das die Straße nach Guayaquil ist. Da er seriös aussieht und ein relativ neues Auto fährt, fragen wir ihn, ob er uns mitnimmt und das tut er auch. Im Auto plaudern wir viel mit ihm, es stellt sich heraus, dass er auf Schiffen arbeitet, und unterwegs von Manta (große Hafenstadt, die über die Straße, die durch Pedro Carbo führt, mit Guayaquil verbunden ist, was den regen LKW-Verkehr erklärt) nach Hause nach Guayaquil ist. Momentan arbeitet er auf einem Schiff, das zu den Galapagos-Inseln fährt und er bietet uns an, einmal mit ihm mitzukommen. Super, wenn man bedenkt, dass sonst die Touristenfahrten extrem teuer sind, aber wir werden ja sehen, ob vielleicht einmal etwas daraus wird. Nach einer Stunde fahrt meint er dann, er fährt zwar nicht zum Terminal, weil er wo anders wohnt in Guayaquil, aber er führt uns hin, nur hat er schon Hunger und nimmt uns zuerst zu sich heim zum Essen mit. So kommen wir dann in ein relativ neues und gepflegtes, abgesperrtes und bewachtes Reihenhausviertel gekommen, wo seine Schwiegermutter für uns Suppe und Fisch kocht. Zur Nachspeise noch frischgepressten Orangensaft und dann führt er uns zum Terminal. Er selbst kommt aus Quito und hat auch den dortigen Dialekt geredet, der für Spanisch-Anfänger wie mich sehr leicht zu verstehen ist und mir irgendwie gefällt. Er hat uns sogar am nächsten Tag angerufen, ob wir eh gut angekommen sind. Also so viel Gastfreundschaft und Vertrauen gegenüber wildfremden Leuten haben mich sogar hier in Ecuador erstaunt. In Quito angekommen geht man vom Busterminal weg zur schönen Altstadt über Stufen, auf denen man (oder ich untrainierter Körper zumindest) die 2800 m Höhe gleich mal spürt. Nach einem kleinen Frühstück im Park haben wir eine Unterkunft gesucht, die wir empfohlen bekamen, ein Barbesitzer vermietet Zimmer in seinem Haus, mit Ausblick über die Altstadt von Quito für nur 5 $ pro Nacht. Noch ein Glücksgriff. Gleich darauf machten wir uns auf den Weg zum Teleferiquo, einer Seilbahn, die auf den Pichincha, den "Hausberg" von Quito führt. Der Pichincha ist vor allem wegen der historischen Schlacht am Pichincha am 24. Mai 1822 berühmt, in der, wenn ich mich nicht täusche, die Unabhängigkeitskämpfer die Spanier besiegt haben, und gibt der ganzen Provinz um Quito und der größten Bank von Ecuador den Namen. Die Seilbahn führt bis auf 4100 m hinauf. Wir sind dann noch 2 Stunden gewandert am Berg, bis auf 4200 oder 4300 m hinauf, und dort geht man dann schon langsamer. Richtige Probleme bekommt man als halbwegs gesunder Mensch in dieser Höhe aber noch nicht, wenn man sich nicht überanstrengt. Am Abend waren wir noch Pizza essen und am nächsten Tag wollten wir ein Monument der indigenen Bevölkerung in Catequilla (ich weiß jetzt nicht, ob man das so schreibt) besichtigen, das exakt am Äquator sein soll. Die "Mitad del Mundo" (Mitte der Welt) ist ein Museum am Nordrand von Quito, an dessen Stelle vor ca 100 Jahren der Äquator ermessen wurde, was aber nicht stimmt, da sich das ganze Denkmal ca 200 m südlich davon befindet. Tja, die Indigenas habens halt schon einige hundert Jahre davor genauer gekonnt als die Franzosen vor 100 Jahren. Wir wollten also auf den echten Äquator auf dem Berg in Catequilla und fragten nach einem Taxi. Der Fahrer wollte für "ida y vuelta" (hin und zurück) 20 $, was uns zu viel war. So haben wir halt eine ecuadorianische Familie gefunden, die mit ihrem alten Ford-Van gerade Pause machten und zu Mittag aßen. Flo hat ihnen von dem Denkmal erzählt und ihnen 10 $ geboten, dass sie hinfahren und uns mitnehmen. Sie waren dann auch wirklich dran interessiert und haben uns mitgenommen. Die Bergstraße rauf würde kein Österreicher fahren wollen, aber der Fahrer wollte uns beweisen, dass sein alter Ford es schafft und ist bis rauf gefahren, weiter als die Taxis fahren, dann ist es immer steiler geworden und wir haben ihm schon gesagt, es ist nicht mehr weit, wir steigen aus und gehen die 5 Minuten bis rauf. Aber nein, wir haben seinen Ehrgeiz und den des alten Ford geweckt. Die Hanna fragt dann: "Kann der dann überhaupt noch umdrehen?" und Flo antwortet ihr scherzhaft "Ja, der wird dann direkt am antiken Monument umdrehen." Als wir dann angekommen sind, direkt am Gipfel des Berges stellte sich heraus, dass der Flo recht hatte. Der Gipfel war eine runde Ebene, die von den Indigenas schon aufgeschüttet wurde und wo jetzt jemand ein neues Denkmal drüberbauen will, was aber durch eine Demonstration am selben Tag vorerst gestoppt wurde. Es waren auch noch einige Leute dort, die ein Interview für einen Film gedreht haben, die haben auch ein GPS-Gerät mitgehabt und das haben sie uns geborgt und somit haben wir den exakten Äquator ausgemessen. Und siehe da, laut GPS (das auch eine kleine Abweichung haben kann) geht der Äquator fast durch die Mitte des Kreises, ist das nicht faszinierend, dass die das vor so langer Zeit nur durch den Stand der Sonne auf die paar Meter genau sagen konnten? Naja, der alte Ford auf dem Monument war etwas komisch, eigentlich sind wir ja auch gegen die Zerstörung des Monuments und dann kommen wir im Auto rauf, das fast direkt am Äquator parkt. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß mit der Familie und haben auch Äquator-Fotos gemacht. Den sieht man zwar nicht (a wirklich?) aber es sind Stecken gesetzt, wo laut GPS die Linie verläuft. Vor der Heimfahrt haben wir auch noch die "Mitad del Mundo" besichtigt, wo zwar nicht der echte Äquator ist, aber eine schöne Linie gezogen wurde, die man fotografieren kann. Sehr touristisch und die meisten Glauben, dass sie am Äquator sind, sie bewegen sich aber in Wirklichkeit die ganze Zeit auf der Südhalbkugel. Um 11 Uhr abends hieß es schon wieder Abschied nehmen von der 50 km langen Stadt und wir fuhren im Bus zurück nach Guayaquil und dann nach Pedro Carbo, rechtzeitig um halb 8 waren wir zur Arbeit am Montag wieder da.
Für die vielen Geburtstagswünsche, vor allem die unzähligen auf StudiVZ, ich kann leider, wegen Internetzeitmangel, nicht alle beantworten, hab aber alles gelesen. Am meisten habe ich mich natürlich über die kulinarischen (Schokolade und Wurst) Grüße gefreut. Mir geht es gut, bis auf einige Magenverstimmungen, die aber meistens so schnell gehen wie sie kommen, das gehört dazu. Mit der Buchhaltung im CAAM bin ich auf Aufholjagd, bis Anfang November muss ich "al día", also auf dem aktuellen Stand mit der Bilanz sein, was man eigentlich immer sein sollte, aber hier in letzter Zeit durch fehlende Belege und Unklarheiten nicht möglich war. Im November kommt nämlich eine Gruppe von Leuten von der UNO, die über ein Projekt und die damit verbunden Fördergelder für das CAAM entscheiden und wenn alles gut läuft, bekommen wir eine fette Unterstützung. Für alle, die es noch aus unserer Schulzeit kennen, ich wünsche mir das BMD-Programm zurück, wir arbeiten hier mit einem Programm, das sich "Monica7" nennt, Monica ist blond (zumindest auf dem Foto im Programmordner) und meinem Charme noch nicht vollständig erlegen, aber auch dem Flo, der sie schon seit 8 Monaten kennt, druckt sie hin und wieder Bilanzen aus, bei denen Aktiv und Passiv verschiedene Werte anzeigen, was ja die komplette Katastrophe für jede Buchhaltung bedeutet und kein Programm der Welt je zulassen dürfte, aus. Zum Glück habe ich Unterstützung vom Carlos, der ist Buchhalter für einige Firmen und macht für das CAAM die offiziellen Sachen mit dem Finanzamt. Und Monica ist für ihn wie eine Schwester. Die Kleinsparkasse, die noch im CAAM integriert ist, wollen wir immer weiter ausgliedern aus der Verwaltung des CAAM, was aber, so lange sie keine eigene Steuernummer und die damit verbundenen Rechte und Pflichten hat, nicht vollständig funktioniert und, so prophezeie ich, spätestens beim Jahresabschluss gröbere Probleme verursachen wird. Das genau zu erklären würde jetzt zu weit in die Tiefen von "Debe y Haber" (Soll und Haben) und "Activo, Pasivo y Patrimonio" (Aktiv und Passiv, Patrimonio ist Eigenkapital, das in Ecuador aber als 3. Hälfte der doppelten Buchhaltung gesehen wird, also Pasivo und Patrimonio ergeben gemeinsam unser Passiv) führen. Aber Gott sei Dank habe ich ja schon ein bisschen Ahnung von Buchhaltung und wenn man das System nach der 1. Klasse HAK einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer. Was viel schwerer ist, sind die ganzen Verpflichtungen, die man als registriertes Unternehmen vom SRI (Servicio de Rentas Internas, Finanzamt) bekommt. Rechnungsblöcke darf man nur in autorisierten Druckereien drucken lassen, man zahlt Steuern, man muss bei Einkäufen Retencionen (Zurückhaltungen) machen, das heißt man zahlt gar nicht so viel, wie auf der Rechnung steht, sondern stellt ein wiederum vom Finanzamt autorisiertes Formular aus, in dem man berechnet, wie viel man weniger Zahlt, man hält zum Beispiel je nach Produkt oder Dienstleistung, das man kauft zwischen 1 und 8 % des Nettobetrags und zwischen 30 und 100 % der IVA (Impuesto Valor Agregado oder so, Umsatzsteuer) zurück, die man dann selbst ans Finanzamt zahlen muss. Ausnahmen gibt es natürlich genug. Darum wundert es mich nicht, dass so viele Geschäfte einfach ohne Rechnungen arbeiten, keine Steuern zahlen und schon gar nicht angemeldet sind, oder die, die angemeldet sind, stellen oft keine Rechnungen aus und zahlen keine Steuern, weil es so irrsinnig kompliziert ist. Ist mir schon öfter passiert, dass ich den Preis für irgendetwas erfragt habe, dann eine Rechnung verlangt habe, weil ich die ja brauche und plötzlich kostet es um einiges mehr, weil sie dann die Steuer dazurechnen müssen. Und schon nach der kurzen Zeit, die ich hier bin, hab ich für den Gasverkäufer seine eigene Factura für mich ausstellen müssen, weil er es nicht konnte. Hier hört es nicht auf mit der Komplexität des Rechnungswesens, aber ich höre hier auf, darüber zu schreiben, da man es sowieso nie ganz verstehen kann.
Ich glaube, ich habe es schon einmal geschrieben, aber ich schreibe es noch einmal. Es ist unvorstellbar, wie ich mich schon an Pedro Carbo gewöhnt habe; Rauchwolken neben LKWs, Motorräder, die 20 cm neben mir vorbeifahren, dreckiges Besteck beim Mittagessen – all das erschreckt mich nicht mehr, wenn ich zum Mittagessen gehe, grüßen mich schon einige Leute, die ich oft nicht wirklich kenne, aber weil man sich halt jeden Tag begegnet, grüßt man sich. Irgendwie wächst einem diese staubige Stadt ans Herz. Oder sind es die Leute? Die verstehe ich sowieso noch nicht ganz. Also einerseits reden manche so schirch Spanisch, dass ich das Gefühl habe, die werde ich nie verstehen, aber andererseits auch die Mentalität; manche können in der Hängematte neben der Hauptstraße liegen und den ganzen Vormittag Zeitung lesen, andere haben es so eilig, dass sie während des ganzen Mittagessens den Motor ihres LKWs direkt neben den Tischen des Lokals rennen lassen, weil das angeblich ja so viel besser für den chinesischen Dieselmotor ist, damit sie schneller wieder weiterkommen. Also ich kann nicht sagen, ob das Leben hier langsamer oder schneller ist. Es geht sehr viel weiter in diesem Land: Straßen werden gebaut, die Wirtschaft wächst. Wem es zu Gute kommt? Ich weiß es nicht. Aber die Hoffnung ist da. Die Hoffnung, dass ein Volk, das jahrzehntelang, nein, jahrhundertelang vom puren Kapitalismus ausgebeutet wurde endlich zu seinem verdienten Wohlstand kommt. Und wenn erst mal alle Entwicklungsländer der Welt auf einem höheren Lebensstandard angelangt sind, spätestens dann wird es eng mit den Ressourcen. Dann ist nicht mehr Feinstaub oder eine Finanzkrise unser Problem. Die reichen Länder Europas und Amerikas haben genug Gründe, warum es besser ist, dass die Armen arm bleiben.
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