Samstag, 15. November 2008

Daunehaun

Am Freitag kam am Abend im CAAM eine Frau vom "Registro Social" vorbei, die für offizielle Zwecke alle Grundstücke und Häuser abklappert, um die Leute zu registrieren und was auf den Grundstücken los ist. Sie hat gesagt, das ist für zukünftige Projekte oder so, ich hab nicht alles verstanden, als ich ihr dann klarmachen konnte, dass hier momentan nur ich lebe und das auch nur mehr für achteinhalb Monate, hat sie mir ein Pickerl auf das Haus gepickt, wo "rechazo" (was so viel wie, zurückgewiesen oder abgelehnt heißt) draufsteht. Nicht, dass mich das Pickerl sonderlich stören würde. Aber die Frau hat, bevor sie das Pickerl noch möglichst unpassend auf die Wand des CAAM platzieren konnte, diese Folie oder Papier, das man abzieht, damit das Pickerl auf der Rückseite auch pickt einfach in das Blumenbeet fallen lassen, wo aber einen Meter daneben der Karton steht, in dem wir immer brav den anfallenden Müll vor dem Haus sammeln. Sie ist dann auch ziemlich schnell wieder gegangen und ich war irgendwie momentan so "baff" (mir fällt grad kein anderes Wort dazu ein), dass ich nichts sagen konnte. Nicht, dass dieses kleine Teilchen Papier unsere Rosen oder den ají-Strauch umbringen würde. Aber diese Egalheit, mit der sie es einfach fallen lässt. Und wie kommt sie dazu, es auf einem fremden Grundstück einfach wegzuwerfen? So gedankenlos sie es weggehaut hat, um so mehr hat es mich irgendwie plötzlich berührt und ist auf irgendwas in mir gestoßen, was man in Österreich zum Glück von frühester Kindheit an lernt oder lernen sollte; nämlich seinen Mist ordentlich zu entsorgen! Ich kann es schwer erklären, es ist hier einfach normal, alles wegzuwerfen, egal wohin. Papierbecher und Plastiksackerl aus dem Bus, Servietten auf die Straße, Flaschen sowieso, und was man zu Hause an Müll sammelt verbrennt man möglichst nahe am Nachbarsgrundstück. Nicht erst einmal kam ich am Vormittag in mein Zimmer und fand es total verraucht vor, weil durch die offenen Wände der Rauch von Nachbars Müllverbrennung wunderbar hereinzieht. Zum Glück ist der Rauch dadurch auch so schnell wieder weg, wie er gekommen ist, aber am Freitag zum Beispiel hing während des ganzen Vormittages über der Brücke und der Hauptstraße bis zur Clinica eine blaue Rauchwolke, weil auf der "Bachgstettn" zum Río Pedro Carbo anscheinend der ganze Müll verbrannt ist. Dass Müll beim Verbrennen bestialisch stinkt, ist wohl jedem klar.
Jetzt aber möchte ich mich hier offiziell für ein Paket bedanken, das anscheinend direkt vom Bundesheer den Weg nach Pedro Carbo (eigentlich nach Guayaquil, bis Pedro Carbo müssen wir immer selber nachhelfen...) geschafft hat. Danke, Michi und Christian (oder soll ich "Rekruten Ernst und Sigl" schreiben? - nein, für mich seid ihr noch Menschen ;) )
Diese Woche verlief eher ruhig im CAAM, Donnerstag abends war aber plötzlich kein Wasser mehr im Tank. Unsere Wasserversorgung steht immer auf unsicheren Beinen, ich brauch ja auch nicht erwähnen, dass das Wasser zwar gut schmeckt (unabsichtlich einmal getrunken, nix passiert) aber absolut nicht für den Verzehr geeignet ist. Weil im Wassersystem von Pedro Carbo zu wenig Druck herrscht, bekommt das CAAM und ander Häuser nur während der Nacht Wasser, wenn die Wasserfirma (oder eigentlich ist das so eine Art Genossenschaft) ander Stadtteile abdrehen kann. In der Nacht soll sich dann unser Tank auffüllen, der unter dem Haus ist. Wenn wir Strom haben, was meistens der Fall ist, pumpt dann eine Pumpe das Wasser in unsere Leitungen und erzeugt so den nötigen Druck. Wenn aber kein Strom da ist, gibts auch kein fließendes Wasser. Erinnert mich an die USA, wo wir 4 Tage mit diesem Phänomen leben durften. Wenn aber zwei Tage kein Wasser kommt, wird der Tank langsam leer und wenn man das nicht rechtzeitig bemerkt und man nicht daheim ist, wenn die Pumpe plötzlich ins Leere pumpt und sich überhitzt, könnte dadurch leicht unser wunderschönes Holzhaus abbrennen. Na gut, jedenfalls bin ich dann in der Früh zu dem Chef der Wassergenossenschaft, der hauptberuflich eine Maismühle betreibt, gegangen und der hat mich nur gesehen und schon gewusst, dass ich, wie immer, wegen des Wassers oder eben wegen des Nichtvorhandenseins von Wasser komme.Er hat mich dann mit einem anderen mitgeschickt, der hat mir auf dem Weg die Eigenheiten des pedrocarbensischen Wassersystems erklärt und ich hab erfahren, wo ich nur mit einer Kombizange einen Teil von Pedro Carbo vom Wasser abschneiden könnte. Ohne Schloss oder Deckel davor. Das war gleich gegenüber vom CAAM und als wir schauen wollten, ob jetzt Wasser in unseren Tank kommt, haben wir bemerkt, dass vor dem Gartenzaun des CAAMs eine riesige Lacke steht, nahe des Wasserzählers. In der Mitte ist das Wasser richtig herausgesprudelt und wir haben mit bloßen Händen hinuntergraben könne, weil die Erde schon so weich war. Beim Wasserschlauch angekommen sahen wir, dass aus dem Verbindungsstück zwischen Hauptleitung und unserer Abzweigung Wasser raussprudelt und das wahrscheinlich der Grund für das Fehlen des Wassers war. Er hat das dann mit einem Gummiband oder so etwas ähnlichem abgedichtet, einigermaßen, so dass halt wieder Wasser kommt zu uns, aber sicher noch die Hälfte (zu unserem Glück vor dem Zähler) verloren geht. Er hat gemeint, er kennt wen, der das reparieren kann, wann er den denn schicken soll, fragt er mich dann, am Montag oder Dienstag? Ich sage darauf, es wär mir schon sehr recht, wenn der heute noch kommen könnte, schließlich gehen da täglich sicher hunderte Liter von Wasser verloren. Er meint, gut das wird er machen. Naja, bis jetzt war noch niemand da. Und solang wir ein bisschen Wasser bekommen, ist es eigentlich ihr Problem.
Uns geht es allen gut, meinen Tieren auch. Die Katze hat sich verletzt am Fuß, rennt aber schon wieder und ist der Alleinunterhalter für wartende Kunden der Caja. Gesund bleiben Hund und Katz durch Speckschwarten aus Österreich. Das ist am Abend immer wie eine kleine Zermonie. Ich esse Speck, die Katze miaut mich lautstark an, weil sie weiß, dass der gut ist und kratzt schon an meinen Beinen und der Hund sitzt daneben schaut mich an, legt den Kopf schief, setzt seinen "Dackelblick" auf und wedelt mit dem Schwanz. Und wenn ich der Katze seiner Meinung nach zu viel gebe, legt er sich auf den Boden und ist beleidigt. Die beiden wachsen einem echt ans Herz. Auch wenn Tiere nie einen Menschen ersetzen können, so sind sie doch auch lustige und interessante Weggefährten. Aber halt keine Menschen. Außerdem leisten sie auch wertvolle Dienste. Hund und Katz streiten sich fast um das sauer gewordene Jogurt oder der Hund schleckt Jogurtgläser aus, die Katze ist fast stecken geblieben in einem. Das war lustig. Und um das Speckschwartl, dass ich eh nicht essen kann, reißen sie sich auch.
Kurze Vorschau: Am Sonntag werden wir ein Fußballmatch in Guayaquil anschauen. 25 $ Eintritt für FC Barcelona gegen Weißichnicht. Auf jeden Fall ist Barcelona ein Club aus Guayaquil, der genauso heißt, wie der in Spanien, und das Wappen ist auch das selbe. Es gibt zwar eine Stadt hier, die Barcelona heißt, die ist aber nicht in Guayaquil (eh klar...). FC Barcelona ist hier ungefähr fünf mal wichtiger als für einen Rapid in Wien und in dem Spiel am Sonntag wird sich entscheiden, ob sie Meister werden. Mir ist es ehrlich gesagt egal, aber ich möchte mal ein Fußballmatch in Ecuador erleben. Ich war in Österreich noch nie im Stadion, hatte auch nie das Bedürfnis, aber ich hab auch nie viel Speck gegessen. Aber ja, das ist was anderes.

Leider hab ich diesmal nicht geschafft, die Fotos auf flickr zu laden, was eigentlich einfacher sein sollte als hier. Naja, wenn der Computer nicht will, will er halt nicht. Und die Beschreibungen sind durcheinander. Ich gebs auf. Suchraetsel: Welche Beschreibung gehoert zu welchem Bild? das foerdert das kreative Denken.
Bis zum naechsten Mal!

Ein Bild aus Cuenca, wo man sieht, wie bei einem Umzug die Buergermeister oder Vertreter der Gemeinde oder sowas als Empfang zwei gegrillte Meerschweinchen bekommen.
Eine "Reina" aus einem Stadtteil von Cuenca, Reina heisst Koenigin und das soll die Schoenheitskoenigin sein. Naja.
Eine "Reina" fehlte und David hat sich raufgesetzt...
Ein Haus...
Militaerparade. Mir hat nur der, der sich als Christbaum verkleidet hat, so gefallen. Schaut natuerlicher aus, als die Plastickbaeume, die man jetzt schon ueberall kaufen kann.
Ja, die chicas... von einer Militaerschule und mit zwei wollten wir ein Foto machen und dann wollten alle Fotos mit uns haben. Mich hats nicht gestoert, weil ich gerne fotografiere.
Eine Pflanze, die ich auf einer Finca fotografiert habe
Die Sau in Estacada
Trockenzeit
Besprechung mit PPD
Noch aus Cuenca. Flo vor einer Wand.

Keine Kommentare: