Sonntag, 28. September 2008

So viel zu erzählen!

Irgendwie merke ich gerade, dass ich aufgehört habe, die Wochen zu zählen. Erstens weil ich schon in Monaten zähle (bald 2 Monate in Ecuador) und zweitens weil die Zeit hier irgendwie anders vergeht als in Europa. (Drittens auch, weil ich jetzt zu faul bin zum Nachrechnen.) Manche Sachen gehen so unkompliziert und schnell, anderes dauert ewig und ist extrem schwierig. Außerdem geschieht so viel um einen herum, dass man gar nicht alles so schnell verarbeiten kann und daher kommt wahrscheinlich, dass es einem vorkommt, als ob die Zeit wie im Flug verginge. Letzten Mittwoch ist der Klaus I heimgeflogen, der Abschied war sehr traurig, weniger für uns, wo wir uns sicher sind, dass wir uns, wenn alles gut geht, in Österreich in einem Jahr wieder sehen, sondern für ihn, wo er ja weiß, dass er viele seiner ecuadorianischen Kollegen und Freunde vielleicht nie wieder sehen wird. Klingt irgendwie sehr hart, ich auf jeden Fall wünsch ihm, dass er wieder einmal kommen kann um alle zu besuchen.
Meine Tiere machen mir zu Zeit ein bisschen Sorgen. Die Gänse wollen nur mehr Blätter fressen, die ich in der Trockenzeit aber einfach nicht finde (kennt sich vielleicht wer aus, was sie sonst noch fressen könnten? – unsere Bauern reden immer nur von Mais…) und der Hier (Hund) ist am Montag mit einer tiefen Wunde am Ohr nach Hause gekommen, nachdem er das ganze Wochenende weg war. Die Wunde hat sich irgendwie infiziert und ich fürchte, dass er so Parasiten oder was hat, weil er sich ständig kratzt und jetzt auch schon das andere Ohr aufgekratzt hat. Am Donnerstag hab ich endlich einen Tierarzt erreicht, der ihm dann 2 Spritzen gegeben hat und Medikamente um 15$ verschrieben hat. Ich hab aber nicht alle gekauft, weil nicht mal ich so viel Geld mitgehabt habe. Jedenfalls hab ich auf die falschen verzichtet; die Salbe lässt er sich nicht raufschmieren, also hab ich heute den Spray noch gekauft, den ich ihm, während er schläft von hinten auf die Wunde sprühe, der sollte dann die Parasiten und Fliegen von ihm abhalten. Naja, in Pedro Carbo 15$ für Hundemedizin auszugeben bereitete mir schon ein schlechtes gewissen, die monatliche Sozialhilfe, von der Menschen (über)leben können sind 30$.
Letzten Samstag waren wir mit ein paar Leuten vom CAAM auf Ausflug am Campo (Land – wobei Pedro Carbo auch eher Land als Stadt ist) und am Campo herrschen schon noch andere Verhältnisse als in der Stadt. Wir sind so mit dem Pickup über Schotterstrassen und durch fast ausgetrocknete Flussbette gefahren, während in den Lacken, die der Fluss von der Regenzeit gelassen hat, Leute sich oder ihre Wäsche gewaschen haben. Und manche Häuser dort bestehen echt nur aus ein paar Stecken, Wellblech und einer Plane als Dach. Dann sind uns viele Leute auf Pferden oder so Maultieren begegnet. Hat Vorteile, denn wo wir den Pickup abstellen mussten, wären wir auf den Tieren sicher noch weitergekommen. Wir sind dann über einen relativ steilen Hang hinunter in ein Flussbett (Klaus und ich haben einen riesigen Topf mit Arroz con Pollo [Reis mit Hendl] geschleppt) zu einem Fluss, der noch immer Wasser hatte und an dieser Stelle einen Wasserfall und 2 tiefe Becken macht. Ich habe leider meine Badehose vergessen, aber das vom Felsen Springen wäre sowieso nichts für mich gewesen.
Am Sonntag war dann großes Bingo vom CRESEM, da kommen an die 1000 Leute und spielen Bingo. Von reichen Leuten oder Firmen werden Preise (Kühlschränke, Fernseher, Hauptpreis war 500$ in bar) gespendet und der Gewinn geht ans CRESEM. Ganz schön viel nämlich, wenn man bedenkt, dass eine Tabla, so eine Tabelle zum Bingospielen, mit der man teilnehmen kann, 5$ kostet und dann wird Essen und Trinken auch noch verkauft. Ich hab nicht gespielt, dafür um so mehr fotografiert und auch 7 Empanadas (so frittierte Teigtaschen mit Käse oder Fleisch oder Hendl drin, extrem fett aber gut!) und 2 Chuzos (ein gegrillter Spieß mit unreifer gebratener Kochbanane, die ein bisschen nach Erdapfel schmeckt und Wurst) gegessen, damit Geld reinkommt. Es gibt schon gute Sachen zu Essen, aber wirklich hochwertiges Essen, oder Produkte, die annähernd so sind wie in Österreich (zB Schwarzbrot) sind schwer zu bekommen und dann oft sehr sehr teuer. Auch die Getränke. Ecuadorianer trinken neben Bier sehr gerne Jugo (Saft) und Cola (alle Sorten von Cola und Fanta und anderen kohlensäurehältigen Flüssigkeiten). Die Jugos sind manchmal sehr gut, weil sie nach tropischen Früchten schmecken, von denen man noch nie gehört hat. Die Kehrseite allerding ist, dass da auch viel Zucker drin ist. Es gibt in Ecuador Sorten von Cola, die weit schlimmer schmecken als Red Bull (ja, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber das gibt es. Wir haben einen Vergleich gemacht: In einem normalen Coca Cola sind 26 g Zucker pro 250 ml. In einem Kola Gallita, einem ecuadorianischem Cola sind 66 g Zucker pro 250 ml, das entspricht ca einem Viertel der Masse, was bei einer 3l-Flasche in der es verkauft wird einem dreiviertel Kilo Zucker entspricht. Wenn man in Ecuador „Cola“ bestellt, wird man gefragt „Cuál Cola?“ (Welches?) und wenn wir Zivis jetzt meistens, dass „Negra“ (Schwarzes, Coca Cola oder Pepsi) als geringeres Übel bestellen, heißt es dann nur mehr „Diät-Cola“.
Naja, ich hoffe, es funktioniert, wenn ich jetzt Bilder ins Internet stelle. Bitte, bitte, bitte,...
Ja, funktioniert: http://www.flickr.com/photos/27350295@N04/
Bilder sind aber in umgekehrter Reihenfolge, beginnen hier mit Bingo, dann Ausflug und dann Spielereien im Buero, war aber umgekehrt.

Momentan bin ich gerade in Baños, im Gebirge am Fusse des Tungurahua, eines Vulkanes, der ueber 5000 Meter hoch ist und immer wieder fuer Abwechslung sorgt, momentan aber ruhig ist. Ausfuehrlichere Berichte und Fotos gibt es naechste Woche im Blog.
Liebe Gruesse.

Freitag, 19. September 2008

Hallo Welt

Tja, heute muss ich spontan was fuer den Blog schreiben, sonst hab ichs mir immer im Zimmer am Laptop vorgeschrieben, um dann Zeit und Geld im Internetcafe zu sparen. Heute bin ich aber in Guayaquil und muss unerwartet lange warten, bis Fotos fuer den Manuel abzuholen sind. Also bin ich im Internetcafe gegenueber vom Park de Iguana, einem Park, wo halbe Meter lange Leguane quer ueber den Weg liegen und sich fuettern lassen.
Hin und wieder schaue ich in letzter Zeit kurz auf oesterreichische Nachrichtenseiten im Internet, erfahre von "Finanzkrisen" und "Antiislamisierungskonferenzen" (was soll das bitte sein???), aber eigentlich beruehrt mich das alles nicht so sehr, mein Kopf ist mit dem Alltagsleben hier oft schon ausgelastet. Und vor allem mit dem Spanisch Sprechen/Lernen.
Heute war ich schon beim Werk von Agroficial, das is eine Firma, die von uns Papaya kauft, aber nur die "rote", weil die die bessere Qualitaet hat. Ich hab dort 2 Rechnungen von uns und die Schecks zum bezahlen abgeholt, weil wir das Geld schon brauchen und die naechste Lieferung, wo jemand das abholen haette koennen waere erst naechste oder uebernaechste Woche gewesen. Ich habe dann die Rechnungen und Schecks entgegengenommen, insgesamt ueber 900 $ mit denen ich jetzt noch durch Guayaquil rennen muss, und dann hab ich mich dort gleich beschwert, weil uns die beim Bezahlen die Gewinnsteuer abziehen, die man nach dem ecuadorianischen Steuergesetz immer bei einem Geschaeft zwischen Unternehmen zurueckhalten und ans Finanzamt zahlen muss, sehr kompliziert, jedenfalls sollte man uns diese Steuer normalerweise nicht zurueckhalten, weil wir "sin fines de lucros", also ohne Gewinnabsicht sind. Die Dame am Schalter hat mir gesagt, sie hat das eh schon auch der Buchhalterin gesagt, aber die ist grad nicht da und so weiter, ich bin dann einfach gegangen, weils eh keinen Sinn macht, lange mit ihr zu diskutieren, weil sie ja anscheinend nur die arme Dame am Schalter ist. Ich bin dann wieder raus, und rauf zur Strasse zum ersten von 2 Sicherheitsposten. Dort hat mich der Sicherheitsmensch aufgehalten und gesagt, ich soll warten, es kommt noch jemand, der mit mir reden will. So war es auch, ein wichtig aussehender Mann kam den Weg herauf und erklaerte mir dann, warum sie die Retencion (also die Zurueckhaltung der Steuer) bei uns machen, weils seit heuer ein neues Gesetz geben und nur sie das wissen, dann hab ich gemeint, das ist aber unlogisch, wenn wir, die wir ohne Gewinnabsicht sind, eine Gewinnsteuer zahlen muessen...? Naja, ich hab ihm versprochen, ich werd mich informieren, wies wirklich ist. Jedenfalls wars cool, weil mich der schon wichtig genommen hat, andererseits denk ich mir dann, was haetten die gesagt, wenn einer unserer Bauern hingefahren waer und sie darauf aufmerksam gemacht haette und nicht der Europaeer?
Morgen, Samstag machen wir mit dem CAAM einen Ausflug aufs Land, zu einem Wasserfall, wo man auch baden koennte. Das wichtigste ist, auch fuer die, die mitfahren, dass es dort dann was zu essen gibt und dass es nur 2 dollar fuer alle beteiligten kostet, weil wir gemeinsam auf einem Lastwagen oder irgendsowas hinfahren werden.
Mittwoch Abend ist der Klaus I von seiner Bergtour zurueckgekommen und naechsten Mittwoch faehrt er endgueltig heim. Nicht, dass ich mich darueber freuen wuerde, aber ich bekomm dann sein handy... :D
So, jetzt ist es schon nach 3, und die Sekretaerin vom Erzbischof ist schon wieder da, weil ich eine Einladung fuer ein Visum von einem zukuenftigen Zivi abholen muss, die der Herbert dann nach Oesterreich mitnimmt.
Hoffentlich ist auch meine Wahlkarte schon angekommen, wenn nicht, wird die Republik Oesterreich auf einen Jungwaehler mehr verzichten muessen.
Liebe Gruesse an alle!

Samstag, 13. September 2008

Die eigene Hochzeit verpassen

Große Überraschung am Mittwoch: „Klaus, te llegó un paquete“ , eine Nachricht von Familie Pluas aus Guayaquil, dass ich mir ein Paket abholen kann. Also bin ich am Donnerstag in die Stadt gefahren, um es mir abzuholen. Fast 2 Stunden hat das gedauert – Warten, Stempel holen, Gebühr zahlen, warten, Packerl mit dem Beamten abwägen, dann hat er es aufgemacht – hat nur Schokolade gesehen, wieder zugemacht, noch mal 20 Cent zahlen, noch mal abwägen, dazwischen immer wieder stempeln (Stempeln gehen hat hier eine andere Bedeutung), unterschreiben und dann endlich – Paket mitnehmen. Aber der ganze Zirkus hat sich ausgezahlt: Danke an Omer und Tante für Schokolade und ein halbes Kilo Speck von dem jetzt, 2 Tage später nicht mehr viel übrig ist, unter uns Zivis gibt es so gut wie kein Privateigentum, aber Teilen macht ja bekanntlich mehr daraus! Hier möchte ich aber gleich den Rat geben, in zukünftigen Sendungen bitte keine Schokolade mehr schicken, die irgendwie gefüllt ist, da im Paket irgendwie alles mal schmilzt und nur die eingeschweißte Schokolade nicht ausrinnt. Und laut anderen Zivis muss man auch aufpassen, dass man in Österreich auf die Beförderung als „Brief“ besteht, weil es sonst sein kann, dass die Post das Packerl an DHL übergibt und ein Zivi hat dann einmal 90 $ für ein Packerl bezahlt.
Am Freitag waren wir Österreicher zu der Hochzeit einer Lehrerin vom CRESEM eingeladen. Laut Einladung begann es um 7. Wir dachten, wenigstens eine Hochzeit würde pünktlich beginnen und waren auch 2 Minuten vor 7 in der Kirche – ziemlich allein. Die Band hat gerade aufgebaut und so sind wir noch eine halbe Stunde zur Florcita, das ist der Stammkiosk der Zivis gegangen. Um halb 8 waren schon einige Leute vor der Kirche versammelt, auch der Pfarre, Padre Kleber, und gegen dreiviertel 8 kam der Bräutigam, alleine. Um 8 hat dann die Messe ohne Braut begonnen, die erst beim Evangelium dazugestoßen ist. Für Erheiterung hat unser Hund gesorgt, als er ganz ungeniert während der Hochzeit durch den Mittelgang der Kirche hin zum Brautpaar marschiert ist. Ich hab ihn dann gepackt und durch den Gang wieder vor die Kirche geschleift, er glaubt, ich will mit ihm spielen und rollt sich am Boden hin und her, dann hab ich ihn bis zum CAAM geleitet, wo er seine Hundefreunde und die Knochen vom gegenüberliegenden Restaurant gefunden hat und auch dort geblieben ist.
Die Hochzeitstafel war dann im großen Hof vom CRESEM I, zu Beginn wurde Donauwalzer getanzt, wobei ich mit Flos Schwester die einzigen waren, die wirklich Walzer getanzt haben, das andere war eher schunkeln. Danach wurde eigentlich nur mehr Tanzmusik gespielt und die ganze restliche Nacht getanzt. Das Personal vom CRESEM und CAAM haben dem Brautpaar eine Garnitur Wohnzimmermöbel geschenkt und dann haben wir ihnen auch jeder noch 5 $ geschenkt, damit sie sich 2 Tage Hochzeitsreise nach Banos in der Sierra leisten können. Darüber haben sie sich sehr gefreut, da sie beide nicht wirklich viel Geld haben. Es hat mich überhaupt schockiert, dass die Braut auf ihrer eigenen Hochzeit in der Küche gestanden ist und Getränke eingeschenkt und Kekse aufs Tablett gelegt hat. Deswegen haben wir ihr dann geholfen, unvorstellbar für uns Österreicher, dass die Brautleute selbst mitanpacken müssen während sie eigentlich draußen bei ihren Familien sein oder tanzen sollten. Bei der Hochzeit war ja alles ziemlich amerikanisch, halt wie in den ganzen Hollywood-Filmen. Wahrscheinlich gäbe es schon auch ecuadorianische Bräuche, aber die Leute hier sind alle so verrückt auf das Amerikanische. Es gab auch so Brautjungfern oder wie das heißt. Die waren in ihren Kleidern auch recht hübsch und ich hätte die auf 16-20 geschätzt. Bei der Tafel habe ich dann „Brautjungfern“ mit Mann und Kind gesehen, naja, kann ja sein, dass sie nicht viel älter als 20 sind, aber Jungfern mit Kind, naja, ich weiß nicht… Zum Schluss haben wir zu viert (Flo, seine Schwester, Jakob und ich) noch eine Kollegin nach Hause begleitet, weil sie auf der anderen Seite des Flusses wohnt und die Brücke so gefährlich ist, dort werden die meisten Leute überfallen, weil eben keiner nach links oder rechts auskommt. Jedenfalls ist nichts passiert, vielleicht war es auch abschreckend, weil doch 3, für ecuadorianische Verhältnisse, riesige Männer sie begleitet haben. Bei der Hochzeit gab es so Art Pfirsichsekt oder sowas in Stamperln serviert und dann auf den Tischen ein „Bebida alcoholica con sabor a ron“ (Alkoholisches Getränk mit Geschmack von Rum), so ist es auf den Flaschen gestanden, was es wirklich war, will ich gar nicht wissen. Das Essen (wie immer Hendl mit Reis und Salat) war eigentlich sehr gut, weil der Reis einmal nicht so fad war, sondern irgendwie mit Pesto oder so vermischt wirklich nach was geschmeckt hat. Auch der Salat war eigentlich ganz ok. Bei den vielen Gästen und Hendln ist dann einiges an Knochen und Fleisch übergeblieben, was meinen Beiden Raubtieren zu Gute kommen wird.
Angesichts dieser Hochzeit ist mir einmal mehr klar geworden, wie gut wir es in Österreich haben. Also vielleicht denkt man einmal daran, wenn man wieder einmal über hohe Benzinpreise oder Steuern oder die Politik jammert.
Falls es jetzt da ist, das ist ein Bild von mir, das der Flo gemacht hat.

Liebe Gruesse

Samstag, 6. September 2008

Kulturschock

Woche 5 und ich habe zum ersten Mal sowas wie einen Kulturschock erlebt. Nicht aber in Pedro Carbo oder am Land, nein, in Guayaquil in der Shoppingmall. Am Donnerstag fuhren wir nach Guayaquil ins Kino, das sich in der „Mall del Sol“, einer riesigen Shoppingmall befindet. Zuerst im Bus von Pedro Carbo bis nach Guayaquil und dort dann im Stadtbus weiter bis zur Mall. Alles eben typisch Ecuador, ein bisschen staubig und laut aber ganz ok. Vor der Mall standen 2 Wächter mit Pumpgun und Maschinenpistole, in der Mall war es eisig kalt von der Klimaanlage und mir hat es einfach die Sprache verschlagen, wie man von einem Moment auf den anderen von den staubigen, dreckigen Straßen Guayaquils in diese klinisch saubere, scheinbar heile Welt des Kapitalismus nach nordamerikanischem Vorbild eintaucht. Diese Mall hat mich sehr stark an die Mall in den USA, in der ich im Juni war, erinnert, nur, dass sie noch viel größer war. Auch die Geschäfte waren sehr ähnlich, Burger King, Taco Bell, KFC, usw… Weil im Kino das Essen so teuer war, wollten wir noch beim Burger King noch einen Burger essen. Ich wollte von dem Irgendwasburger-Menü nur den Burger ohne Pommes und Cola haben, das Menü hätte 6,90 $ gekostet, den Burger alleine wollte mir die fette Burgerking-Verkäuferin um 6,10 $ verkaufen. Das war mir doch zu viel für ein zaches Laberl und hab sie gefragt, ob es nicht billigere Hamburger gibt, schließlich hab ich einen um 4 $ bekommen, immer noch billiger als im Kino, aber selbst für uns Europäer sehr teuer, da sieht man, wie gigantisch hier der Unterschied zwischen Arm und Reich ist, einerseits bekommt man auf der Straße eine Empanada, die genau so ungesund ist und wahrscheinlich besser schmeckt als der Hamburger, um 25 Cent und in der Shoppingmall, wo sich reiche Ecuadorianer und Touristen tummeln kostet ein einzelner Hamburger 6 $. Irgendwas ist da falsch.
Jedenfalls war der Film nicht so gut, ein spanischer Film, Orfanato oder so heißt er. Zum Glück haben wir dann am Abend noch den Bus um halb 12 erwischt, die „Reina del Camino“ (Königin der Straße) ist auch eine der schnelleren Buslinien, weil sie nicht so wie die Pedro-Carbo-Busse überall stehen bleibt und jeden mitnimmt, was in Ecuador auch ein Sicherheitsrisiko für andere Passagiere ist, wenn ein Bus jeden mitnimmt. Aber eigentlich bringt jeder Busfahrer seinen Bus an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und ich fürchte, auch der Bus bringt den Fahrer an seine Grenzen. Vielleicht ist deswegen in fast jedem Bus irgendwo ein überdimensionales, kitschiges Bild eines Heiligen oder von Jesus zu sehen. Da steht dann drunter „Cristo te ama“ (Jesus liebt dich) oder sowas und damit fühlt sich der Busfahrer schon so sicher, dass er die 40 km/h-Beschränkung durch Pedro Carbo um mindestens 50 km/h erweitern kann. Ist dann, wie so oft, auf der Heckscheibe des Busses auch noch ein großes Portrait von Che Guevara, kann gar nichts mehr schiefgehen und man ist 10 min früher als erwartet in Guayaquil.
Das Che Guevara Bild ist aber glaube ich weitgehend entpolitisiert hier, genauso wie viele Menschen „Stalin“ oder „Rommel“ oder „Washington“ im Vornamen heißen. Die wissen vielleicht gar nicht viel über ihre Namensgeber, aber es sind halt die Namen berühmter Menschen und das war für die Eltern wahrscheinlich ausschlaggebend.
Da ich jetzt doch schon 5 Wochen im CAAM gearbeitet habe, kann ich schon genauer beschreiben, was wir alles machen. Der Klaus I hat es einmal gut beschrieben mit dem Satz: „Wir sind wie Lagerhaus und Raika, nur mit besseren Konditionen“. Stimmt eigentlich, das CAAM besteht aus dem CAAM selbst und einer „Caja de Ahorro y Credito“ (Kredit- und Sparkasse). Und das CAAM unterstützt die Bauern mit dem Verkauf von Dünger und Saatgut, beim Bau von Bewässerungsanlagen und bei der Vermarktung der Produkte (momentan Ají und Papaya, in der Regenzeit auch Mango und zukünftig vielleicht noch viel mehr). Weiters haben die Bauern die Möglichkeit, sich Schafe in Form eines Tierkredits über das CAAM zuzulegen. Bei dieser Form des Kredits bekommt ein Bauer 2 Schafe und einen Schafbock und muss nach einer bestimmten Zeit 4 Schafe zurückgeben, eines sozusagen als Zins fürs Ausborgen. Über die Caja de Ahorro y Credito bekommen die Bauern auch kleine Geldkredite oder sie können ihr Geld in Sparbüchern (Libretas) anlegen. Auch das Geld, das die Bauern aus der Vermarktung ihrer Produkte erhalten kommt auf ihre Libretas, einen Teil davon können sie sofort abheben, ein kleiner Teil bleibt in der Caja, als Anteil am Kapital der Caja, ähnlich wie eine Aktie und diesen Teil bekommt man erst ausbezahlt, wenn man aus der Caja ausscheidet. Bei den Handwerkerinnen funktioniert es ähnlich. Sie verkaufen uns ihr Palmstroh-Kunsthandwerk und bekommen es über die Caja ausbezahlt.
Und meine Aufgabe ist, dass in dem ganzen Gewirr aus Ein- und Verkäufen die Buchhaltung stimmt und dass es für alles Belege gibt, was in Ecuador um einiges schwerer zu verwirklichen ist als in Österreich.
Letzten Sonntag hat sich Klaus I verabschiedet, er ist jetzt wandern in der Sierra, kommt noch einmal kurz nach Pedro Carbo zum endgültigen Abschied, dafür ist am Montag ein neuer Zivi, Simon, gekommen, der für das CAAM in einem botanischen Garten in Estacada, einem Nachbarort von Pedro Carbo arbeiten wird. Damit sind wir jetzt 5 Zivis.
Franz und Margot geht es gut, der Hahn humpelt ein bisschen, egal, er wird bald geschlachtet. Der Hund und die Katze unterhalten uns während der Arbeit, wenn sie miteinander spielen. Die Katze hat eine Vorliebe für mein Joghurt und für das Ausräumen von Mistkübeln entwickelt. Für mein Jogurt ist sie sogar vom Regal auf den Schreibtisch gesprungen, was sie sich sonst noch nie getraut hat. Eigentlich ist „sie“ ja „er“, aber wir haben vereinbart, dass wir sie erst „er“ nennen, wenn sie ihre erste Maus gefangen hat.

Mir gefällts hier und ich hab mich schon an das Leben hier ziemlich gewöhnt.

Liebe Grüsse nach Hause!