Donnerstag, 30. April 2009

Foto


Die Katze schleckte die Gulaschdose (ein Festessen fuer mich) aus und blieb aber immer drin stecken.
Mit diesem Foto verabschiede ich mich ins verlaengerte Wochenende nach Vilcabamba und melde mich naechste Woche mit einem Bericht ueber die Reise wieder.

Montag, 27. April 2009

H. C. Gutierrez und die kleine Raupe Nimmersatt

Da gab es doch einmal diese Fotos von einem gewissen FPÖ-Politiker, der seine rechtsextremen Freunde mit 3 ausgestreckten Fingern grüßte. Wie auch immer man zu dieser Partei und zu dieser Person stehen mag, ich weiß jetzt, er wurde vollkommen missverstanden; er wollte in Wahrheit nur Werbung für Lucio Gutierrez, Präsidentschaftskandidat in Ecuador, machen. Selbiger nämlich war auf seinen Plakaten in der selben Pose zu finden und die drei Finger bedeuten nur „Lista 3“, aber einen Vergleich mit Herrn H. C. S. hat sich selbst Lucio, der vor vier Jahren per Hubschrauber von Quito aus ins Exil flüchten musste, nicht verdient.
Heute, Sonntag, war die Wahl, jetzt am Abend stehen die Ergebnisse mehr oder weniger fest, Rafael Correa wird Präsident bleiben, nach verschiedenen Quellen hat er zwischen 51 und 55 % der Stimmen bekommen, somit wäre auch der zweite Wahldurchgang hinfällig. In Pedro Carbo schaffte es Ignacio Figueroa, den korrupten und amtierenden Alcalde, Xavier Gomez, abzulösen. Wir werden sehen, wie er sich als Alcalde macht. In Sabanilla, Nachbarort von Pedro Carbo der aber noch zum Kanton gehört, hat er angeblich 80 % der Stimmen bekommen. Natürlich herrscht jetzt große Freude im Volk, Feuerwerk und ein Umzug auf der Straße mit hupenden Motorrädern, Autos und Lastwägen durften nicht fehlen. Jedoch kursieren auch viele Gerüchte über geplante und gescheiterte Wahlbetrugsversuche. So soll angeblich Xavier Gomez am Samstagabend bis spät in die Nacht mit den Militärs, die die Wahl kontrollieren beisammen gesessen sein und in einem kleinen Dorf nahe Pedro Carbo sollen angeblich die Wahlbeobachter einer einzelnen Partei nicht zugelassen worden sein. Es müssen nämlich in jedem Wahllokal Vertreter aller teilnehmenden Parteien anwesend sein, damit sie den gerechten Ablauf der Wahl bestätigen können. In Ecuador herrscht Wahlpflicht, wer nicht wählt kann für ein Jahr seine Staatsbürgerschaft verlieren und somit auch alle Rechte auf Sozialabgaben, kann keine Behördenwege erledigen und auch kein offizielles Anstellungsverhältnis eingehen. Wer nicht wählt, bekommt kein sogenanntes „Certificado de votación“ (Wahlzertifikat). Diesen kleinen Ausweis, der bei jeder Wahl neu ausgestellt wird, muss man bei allen Behördenwegen oder immer, wenn man sein „Cedula“ (Personalausweis) braucht beilegen. Natürlich gibt es auch Befreiungen von dieser Pflicht, zB für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen, die nicht in der Lage sind, zum Wahllokal zu kommen aber ich glaube auch für Analfabeten, sofern sie ihre Stimme nicht mit Hilfe einer Person ihres Vertrauens abgeben wollen. Die Analfabentquote liegt im Kanton Pedro Carbo angeblich bei ca 20 %, erschreckend ist auch immer wieder, dass auch relativ junge Leute davon betroffen sind. Für Europäer einfach unvorstellbar, dass 40-Jährige nicht lesen oder schreiben können.
In der Woche war aber noch mehr los. Im CAAM haben wir in einem Beet über 1000 Ají-(Chili-)Pflanzen bis zu einer Höhe von 15-20 cm hochgezogen. Am Donnerstagabend rissen wir mehr als die Hälfte davon aus, damit wir sie zu den Bauern bringen konnten. Am Donnerstag hat es nämlich endlich wieder einmal ein bisschen mehr geregnet, sodass der Boden wieder feucht war, ideal also zum setzen der Pflanzen und da es schon finster war und kühler war auch der Transport, während dem die Pflanzen ohne Wasser und Erde waren, kein Problem. Ají-Pflanzen können bis zu 48 Stunden ohne Wasser und Erde überleben, wenn es nicht all zu heiß ist. So luden wir die geschätzten 600 Pflanzen in vier Kisten und danach auf die Ladefläche der weißen Camioneta des FEPPs. Simon und ich fuhren dann gemeinsam mit Jubian (Angestellter und „Agraringenieur“ vom FEPP) aus Land. Im finsteren über Straßen, die in Österreich nicht einmal Feldwege wären, zu Bauern, die oft weit abseits von anderen Häusern wohnen. Ohne den Allradantrieb des Autos wären wir einige Male im Schlamm stecken geblieben. Auf einem schmalen Weg, links und rechts von Sträuchern gesäumt, war dann plötzlich ein Strauch auf die Straße gebogen, sodass er den Weg fast blockierte. Anstatt anzuhalten fuhr Jubian aber durch die Äste, aus dem einfachen Grund, weil Räuber in der Nacht gerne Straßen mit Ästen oder Baumstämmen blockieren, damit die Fahrer anhalten müssen. Dieser kleine Strauch war aber kein Problem für die Camioneta und höchstwahrscheinlich war er auch nicht von einem Räuber umgebogen worden. Auf dem Rückweg durfte dann ich ein Stückchen fahren. Das ist schon was anderes, wenn man in Österreich eigentlich flächendeckend perfekt (ja, im Vergleich zu Ecuador ist in Österreich jeder noch so kleine Feldweg, wenn er asphaltiert ist, perfekt) asphaltierte Straßen gewohnt ist und dann sich einmal in die Zweite schalten traut aber gleich wieder zurückschaltet, weil es so rumpelt und dann kommen riesige Schlammlacken, wo man konsequent gerade durchfahren muss, möglichst ohne große Lenkbewegungen und Geschwindigkeitsveränderungen. Irgendwie ein tolles Erlebnis, so richtig „Gatschfahren“, aber andererseits wenn man bedenkt, das sind Straßen zwischen Ortschaften, die viele Leute täglich durchfahren und dieser Zustand ist eine Katastrophe. Das wäre, als wie wenn zwischen Hollabrunn und Breitenwaida nur ein unbetonierter Feldweg wäre und wie der nach 3 Monaten Regenzeit, wo es mehr regnet als in Österreich im ganzen Jahr, aussieht, kann man sich vorstellen.
Am Samstag kam wieder der Flo1 zurück, er brachte außerdem seine Schwester, seine Mutter und den Lebensgefährten seiner Mutter mit. Auch die Lisa kam schon am Mittwoch wieder nach Pedro Carbo. Sie hat aus Quito einen Hund mitgebracht, den sie „gerettet“ hat, der war ganz dünn und hat kaum gehen können, sie hat ihn zum Tierarzt gebracht und jetzt ist er hier. Ist eh ein liebes Viecherl, aber zwei Hunde sind zu viel im CAAM.
Das „ley seca“ (trockenes Gesetz – habe ich glaube ich schon im letzten Eintrag erklärt) gilt, so wurde mir heute erzählt, von Freitag Mittag bis Montag Mittag. Trotzdem schafften wir es, jeden Tag irgendwo Bier zu bekommen, für die Österreicher macht unsere Florcita doch eine Ausnahme. Und auch am Sonntag Abend wurde schon überall getrunken und gefeiert, kontrolliert wird es dann nicht mehr.
Ich habe auf meinem Computer ein Foto von der Raupe Nimmersatt gefunden. Ich muss sagen, dass mich die noch immer fasziniert und Nimmersatt wäre auch eine gute Bezeichnung für die Reichen dieser Welt, die sich an der Armut der Armen noch reicher machen, die sind auch „nimmersatt“. Ja, da gehören wir Österreicher auch dazu, da sind wir ganz vorne mit dabei.

Sonntag, 19. April 2009

Bald ist‘s geschafft…

… und wir haben Ruhe vom Wahlkampf. Nächsten Sonntag wird gewählt in Ecuador. Und zwar alles vom Gemeinderat bis zum Präsidenten. Der amtierende Präsident, Rafael Correa, hat die von ihm initiierte neue Verfassung mit einer Volksabstimmung am 28. September 2008 durchgebracht. Da er noch nach der alten Verfassung gewählt wurde, muss also jetzt ein Präsident nach der neuen Verfassung gewählt werden. Mit 2009 endet aber auch die bis jetzt vier- und in Zukunft fünfjährige Amtszeit der Alcaldes (wie Bürgermeister, gibt es jeweils einen pro Kanton), Concejales (Gemeinderäte) und ich glaube auch der Präfekten (so wie Landeshauptmänner für die einzelnen Provinzen) und der Asambleistas (Abgeordnete). Somit wird also am Sonntag dem 26. April eine Riesenwahl sein. Auf den Riesenwahlzetteln kann man auch für verschiedene Parteien wählen, da alles sehr personenbezogen ist und man vom Präsidenten bis zum Gemeinderat seine Wahl sicher über vier oder mehr Parteien verteilen kann. In Pedro Carbo wird schon seit Wochen Werbung gemacht, das heißt, alle Parteien schicken ihre Lautsprecherwagen durch die Straßen und veranstalten Umzüge und sonstige Kundgebungen. Der amtierende Alcalde von Pedro Carbo, Xavier Gomez von der Liste 24, hat angeblich jeden bezahlt, der an seinem Umzug teilgenommen hatte. Seit einigen Wochen stehen jetzt immer Baumaschinen vor dem Municipio (Gemeindeamt, Bezirkshauptmannschaft für das Kanton Pedro Carbo), damit will der Alcalde allen mitteilen, wie viel er für den lange fälligen Straßenbau getan hat. Nach den Aussagen seiner Gegner allerdings gehören die Maschinen der Regierung, also wurden in keinster Weise vom Alcalde beschafft. Auch sonst lassen sie kein gutes Haar am noch amtierenden Alcalde, dass er korrupt ist, glaubt sowieso jeder. Sein stärkster Gegenkandidat, Ignacio Figueroa von der Liste 32, verspricht, mit der Korruption aufzuräumen, die Bauern zu unterstützen, Straßen zu bauen, die Wasserversorgung zu verbessern und vieles mehr. Er hat auch viel Zulauf und bei seinen Umzügen muss und kann er wahrscheinlich auch gar keine Teilnehmer bezahlen. Ein bisschen sympathischer als der Xavier Gomez wirkt er schon auch, aber ich weiß nicht, was ich von dem Enthusiasmus der Leute für ihn halten soll. Ich meine, es gab doch schon so viele Kandidaten für politische Ämter, die deshalb gewählt wurden, weil sie ähnliches versprachen. Wo enden viele von ihnen? In Korruption und Misswirtschaft. Gut, ich will keinen im Vorhinein abstempeln und wie er sich als Alcalde macht, falls er gewählt wird, wird er schon noch beweisen. Interessant ist auch, dass Lucio Gutierrez von der Liste 3 wieder als Präsident kandidiert. Er war doch der, der vor drei oder vier Jahren mit dem Hubschrauber von Quito ins Exil geflüchtet ist. Und auch er findet wieder Anhänger, vielleicht auch unter denen, die ihn damals vertrieben haben. Schon komisch. Er lässt auch kleine Kalender austeilen, wo dann drauf steht „Con Lucio todo era más barato.“ (Mit Lucio war alles billiger). Stimmt, vor fünf Jahren war auf der ganzen Welt noch alles billiger. Dass man sich mit so etwas rühmt, das ist schon nicht ganz nachvollziehbar. Aber die Leute steigen drauf ein, ich hab mit einigen geredet und die sagen nur „Ja, das stimmt ja, damals war alles billiger und das ist schon auch die Schuld des Präsidenten, dass letztes Jahr der Reis und alle Lebensmittel teurer wurden“. Ich fürchte ja auch, dass viele ihre Stimme danach vergeben, von wem sie die meisten Geschenke bekommen. Nach dieser Theorie wäre Noboa von der Liste 7 ein heißer Kandidat. Einer der reichsten Ecuadorianer, dem viele Firmen gehören, lässt per Lautsprecher verkünden, dass man sich im Park von Pedro Carbo beim Stand seiner Partei gratis ein Packerl Haferflocken, produziert von einer seiner Firmen, abholen kann. Naja, die „Demokratie“ produziert hier schon komische Auswüchse.
Heute, Samstag, waren wir beim Manuel Mittagessen, wir kochten Suppe und so eine Erdäpfel-Fisolen-Speck-Pfanne, war ziemlich gut. Weil der Manuel am anderen Ende von Pedro Carbo wohnt und wir beim Hinweg die ganze Strecke zu Fuß zurücklegten kamen wir auch bei der Zentrale der Liste 24 vorbei und man schenkte uns so eine Schirmkappe (ich glaub, das heißt so, wie ein Kapperl, aber das bindet man sich nur so um den Kopf und man hat dann nur den Schirm vorne). Auf dem Rückweg hängte ich dieses Kapperl mit der simplen Aufschrift „Xavier 24“ (Xavier Gomez, Lista 24) einfach meinem Hund um. Dem passt das auch sehr gut und er läuft noch immer damit herum. Auf der Hauptstraße ernteten wir dann auch viele lachende Gesichter und das alleine war es schon wert.
Letztens wurde uns Zivis von einem Österreicher gesagt, dass wir es alle mal schwer haben werden, einen Job zu finden. Weil wir nämlich ein Jahr „Auszeit“ nehmen. Und Großbetriebe wollen keine selbstständig denkenden Mitarbeiter haben, und das viele Reisen zeugt nicht so von Arbeitswillen und so. Hab ich schon ein bisschen grinsen müssen, wie ich das gehört habe. Schließlich arbeiten wir hier auch und in einer Firma, die so denkt, will ich sicher nie arbeiten.

Montag, 13. April 2009

Felices Pascuas

Frohe Ostern – auch wenn Ostern erwartungsgemäß nicht so war wie gewohnt. Schon letzte Woche kam der Vorschlag von David, gemeinsam mit seiner Freundin Ivana und anderen nach Quito zu fahren, wo es so eine Art Ostertreffen des „Movimiento de la palabra de Dios“ gibt. Gut, das hat mir wenig gesagt, also fuhren wir hin. Dieses „Movimiento de la palabra de Dios“ stellte sich als religiöse Gruppierung heraus, die vor allem aus Reichen bestand und die sich regelmäßig zum Beten, Singen und so weiter treffen. Diese Bewegung ging ursprünglich von Argentinien aus, recht viel mehr weiß ich gar nicht darüber, also konnte ich dieses Ostertreffen ganz ohne Vorurteile kennenlernen. Schon bei der Ankunft stellte sich heraus, dass die Teilnehmer alle total freundlich und offen waren. Unter den über hundert Teilnehmern waren auch einige Jugendliche, alle sehr fromm und manche auch ziemlich konservativ, aber immer sehr nett. Schon bei der Begrüßungsveranstaltung wurde betont, dass fünf Teilnehmer eine lange Reise auf sich genommen hatten um dabei zu sein, nämlich die fünf aus Pedro Carbo, aber zwei davon sind noch von viel weiter hergekommen, das waren dann der David und ich, die Austriacos. In der Mittagspause haben wir einen Gleichaltrigen kennengelernt, der fast perfekt Deutsch konnte, weil er in einer deutschen Schule war und auch sechs Wochen in Deutschland war. Wer sich so etwas in Ecuador leisten kann, ist klar; das sind die sogenannten Pelucones (umgangssprachlich für Reiche). Davon zeugten auch die verschiedensten teuren Autos vor der Schule, in der das Treffen stattfand. Wer sich in Ecuador einen 7er-BMW oder einen fetten Ford-SUV leisten kann, den kann man schon zur Oberschicht zählen. Wie diese Leute alle zu ihrem Geld gekommen sind – ich weiß es nicht, aber manche werden schon auch genug Dreck am Stecken haben. Obwohl uns viele der Pelucones fragten, wo wir übernachten werden, verbrachten wir die Nacht im Haus eines Cousins von Mariana, die mit uns von Pedro Carbo hergekommen war, und dessen Haus lag fast am anderen Ende von Quito. Quito hat eine Nord-Süd Ausdehnung von ungefähr 50 km, auch nur die Hälfte der Strecke im Stadtverkehr zu durchqueren kostet oft Stunden. Am Freitagnachmittag stieß auch Jakob zu uns, der davor zwei Monate in Kolumbien gewesen war. Da natürlich nicht alle sechs Personen und der Fahrer in die Fahrerkabine der Camioneta passten, nahmen Jakob und ich gemeinsam mit Koffern und Rucksäcken auf der Ladefläche Platz. Wir lehnten uns an die „Ladeklappe“ an bis uns der Fahrer an einem Ampelstopp sagte, dass diese Klappe nicht gut hält und deshalb lehnten wir uns an die Seitenwände. Wenige Minuten später ging die Ladeklappe bei voller Fahrt ohne Anlehnen plötzlich unvermutet auf. Glück gehabt. Im beginnenden Regen fuhren wir trotzdem noch eine halbe Stunde weiter durch das nächtlich kalte Quito bis zum Haus. Am Samstag brachte uns der Cousin von Mariana auch wieder zu der Schule und am Abend wurden wir von einer anderen Teilnehmerin zum Busterminal gebracht, von wo wir über die Nacht auf Sonntag nach Guayaquil und dann nach Pedro Carbo zurückkehrten. Die ganze Reise hat mich inklusive aller Fahrten nur 25 Dollar gekostet.
Was war sonst noch so los in der vergangenen Woche... Am Montag feierten Herberth und Manuel Geburtstag, wurden am selben Tag, aber mit 39 Jahren dazwischen geboren. Zu diesem Anlass kochten die koreanischen Schwestern, die in Zukunft das CRESEM (INESEM heißt es jetzt) und die Clinica betreuen werden, koreanisch. Das war ziemlich sehr gut, das Essen. Wirklich.
Am Samstag, als wir nicht mehr in Pedro Carbo waren, ist Niklas abgereist. Auch wenn er nur ein bisschen mehr als zwei Wochen da war, werde ich ihn vermissen. Aber auf ein Wiedersehen in Breitenwaida oder Landshut darf man sich auch schon freuen.
Simon ist mit seiner Mutter und seinem Stiefvater jetzt auf Urlaub und somit fehlt ein Zivi im CAAM.
Wie manche schon wissen, betreibt auch David, Zivikollege im INESEM, einen Blog. Wer also mehr vom Leben in Pedro Carbo, seiner Kolumbienreise oder aktuelle Neuigkeiten aus dem INESEM wissen will, besuche die Seite www.davidfaraway.wordpress.com wenn ich die Adresse jetzt hoffentlich richtig in Erinnerung habe. Übrigens würde mich wieder einmal interessieren, wer so aller meinen Blog liest, vielleicht überwindet sich der oder die eine oder andere, ein Kommentar zu schreiben. Mich würds freuen! ;-)
Und ich bitte um Entschuldigung für Verzögerungen in der Beantwortung meiner E-Mails, ich habe ein kleines Problem mit dem Internet-Computer und kann Mails nur sehr umständlich schicken. Also wenn ich nicht gleich antworte, heißt das nicht, dass ich euch nicht mehr mag, sondern, dass es meine Internet-Zeit im Moment kaum zulässt.
HASTA LA PRÓXIMA!

Montag, 6. April 2009

Montañita

Wenn der Blogeintrag erst nach dem Wochenende kommt, werden sich manche vielleicht schon denken, dass ich am Wochenende unterwegs war. Stimmt; wir waren in Montañita. Wir, das waren diesmal David, Flo2, ich und Niklas, der Bayer, der uns seit zwei Wochen besucht. Montañita ist ein Ort am Meer (Luftlinie von Pedro Carbo vielleicht 50 oder 60 km entfernt, erfordert aber trotzdem eine fast fünfstündige Anreise, weil es keine direkte Straße zur Küste gibt) der neben Baños, als das Backpacker- und Tramperparadies von Ecuador gilt. Das heißt, es gibt viele Touristen, vor allem Amerikaner und Deutsche und Montañita ist vor allem für seine Diskotheken, Bars und Feste bekannt. Nebenbei ist es natürlich am Meer gelegen auch ein idealer Platz zum Surfen. Der Strand ist nicht schlecht, wenn ich auch schon bessere in Ecuador erlebt habe. Da gerade die Badesaison ist, haben wir kein Hostal unter acht Dollar pro Nacht und Person gefunden und dort, als wir so am Abend im „Vorgarten“ saßen und die Zeit bis zum Fortgehen totschlugen kam ein Mann von der Straße zu uns her und fragte uns, woher wir sind, wie uns Montañita gefällt und dann hat er gefragt, wo wir am Abend fortgehen wollen, ich hab ihm geantwortet, dass es wir noch nicht wissen und mal sehen werden. Er hat mir dann irgendeine Disco empfohlen mit der Begründung, dass dort viele Amerikaner und Europäer auch hingehen. Dann hab ich aber geantwortet, dass ich eigentlich nicht da bin um Amis oder Deutsche zu treffen. Er hat das so gedeutet, dass ich die „chicas ecuatorianas“ will und hat gemeint, es gibt auch Ecuadorianerinnen dort. Dann fragt er uns noch, ob wir irgendwelche Drogen wollen, Marihuana oder Kokain, alles da. Wir lehnten dankend ab, er hat aber dann gemeint, ja, das ist ja so toll an Montañita, es gibt da „sexo, drogas y rock’n’roll“. Ja, hab ich mir gedacht, das ist ja toll, wenn man da so drauf stolz ist, dass der Ort für seine Drogen berühmt ist und die Touristen für billiges Gras, Koks und Alkohol herkommen. Danach gingen wir ins Stadtzentrum und wir wollten halt auch ein bisschen fortgehen, also in irgendeine Disco oder eine Bar, aber auf dem Weg sind schon so viele Touristen und so pseudoalternative Hippies herumgelungert und ihre Rauschzustände waren offensichtlich nicht nur vom Alkohol. Mir war das alles zu viel irgendwie. Dann sind wir etwas abseits zu einem Geschäft gegangen, dort haben wir ein paar Bier getrunken und das war auch ziemlich gemütlich und ein bisschen ruhiger dort, damit war es der Abend auch schon wieder. Aber irgendwie ekeln mich diese Touristen schon ziemlich an, die sich in Montañita das Hirn wegkiffen, -saufen und –koksen. Es hat so etwas Arrogantes und Überhebliches an sich, in ein ärmeres Land zu fahren und sich dort billig zu betrinken und dann zu randalieren, völlig respektlos. Sicher nützt es der Wirtschaft dort lokal, aber aus meiner persönlichen Sicht ist vieles, was dort passiert, einfach nur unmoralisch oder zutiefst verachtenswert. Aber vielleicht bin ich ja auch nicht viel anders, bin auch in einem armen Land und leiste mir hier manchmal Sachen, die sich normal Berufstätige hier oft nicht leisten können. Naja, jetzt hab ich aber viel Negatives geschrieben, jetzt sollte ich schön langsam auch wieder ein bisschen positiver werden. Also wir haben schon auch unseren Spaß gehabt, weil das Meer mit den gewohnten Wellen ist natürlich immer „cool“ und auch wir vier hatten unseren Spaß. Beim Heimfahren am Sonntag erwischten wir dann von Montañita nach Jipijapa einen „Kampfbus“, wie er unter Zivis genannt wird. Also Kampfbus ist ein Bus, dessen Fahrer einfach Vollgas gibt, Schlaglöcher außer Acht lässt und prinzipiell nur an solchen Stellen überholt, die man aus der Führerschein-Computerprüfung von den Fragen kennt, wo die einzige richtige Antwort „Ich darf auf keinen Fall überholen.“ ist, es gibt auch die sogenannten „Viechbusse“, also die sind halt so viech, weil sie ganz neu sind und klimatisiert und einfach „viech“ aussehen. Also kann ein Viechbus auch gleichzeitig Kampfbus sein, muss aber nicht, es gibt auch reine Viech- oder Kampfbusse… Ja, egal, unter uns Zivis, so weit weg von zuhause entwickelt sich so ein eigener Jugendslang, das muss man jetzt nicht unbedingt verstanden haben. Jedenfalls war unser Kampfbus ziemlich voll, wie wir eingestiegen sind, also habe ich den Platz neben dem Fahrer bekommen. Den Fahrer habe ich mir gleich mal angesehen, das sind meistens irgendwie interessante Typen und mich beschäftigt es immer, was in so einem ecuadorianischen Busfahrerhirn wohl so vorgehen könnte. Dieser Busfahrer aber sah irgendwie anders aus: kurzer Vollbart und eine Brille, deren Gläser ziemlich dick waren, naja ich war beruhigt, dass er wenigstens gut sieht, weil mit so einer Brille muss man ja gut sehen. Den Mund hatte er immer offen und er wirkte irgendwie fast hypnotisiert, aber trotzdem fuhr er immer Vollgas. Als dann hinten Plätze frei wurden, setzte ich mich in den hinteren Teil des Busses, weil es meistens besser ist, wenn man nicht mitbekommt, wie der Fahrer fährt. Kurz darauf hielten wir an, der Oficial öffnete die Motorhaube, die sich mitten im Bus befindet und füllte bei laufendem Motor Kühlwasser nach, da der Fahrer, wie alle anderen auch, immer mit viel zu hohen Drehzahlen fuhr, irgendwas an der Maschine schon ziemlich heiß geworden war. Bei der Weiterfahrt wurde es immer staubiger im Bus, mein Sitznachbar fragte den Oficial, warum es da so raucht, der Oficial meinte darauf: „Das ist nur der Reifen“. Beruhigend zu hören, dass es „nur“ der Reifen ist. Trotzdem geht’s mit Vollgas entlang der Küste über die Hügel bis der Bus plötzlich stehen bleibt. Und der Motor ist aus, was sehr ungewöhnlich ist, weil der normalerweise nur einmal am Tag abgestellt wird und das ist nach der letzten Fahrt bis zum nächsten Tag. Die Leute steigen alle aus, wir auch, der Busfahrer bleibt emotionslos wie eh und je sitzen. Wir glauben zuerst, dass es sich bei unserem Bus auch um einen sogenannten „Katastrophenbus“ handelt. Was das bedeutet, brauche ich, glaube ich, nicht lange erklären; das ist einfach ein Bus, der in schlechtem bis miserablem Zustand ist. In diesem Fall wäre wahrscheinlich einfach eines der gefälschten chinesischen Ersatzteile kaputt gegangen. Aber wir merkten dann, wie ein Passagier sich aufregte „ Wir sind an tausend Tankstellen vorbeigefahren, warum das jetzt?“ und dann war mir klar, der Busfahrer hat seinen Diesel durch seinen Fahrstil einfach viel zu schnell verbraucht und „se acabó“, ist einfach aus. Der Oficial hat dann aus dem Bus einen Kübel geholt und wollte Autos aufhalten, von denen ich ihm schon vom Hören her sagen hätte können, dass sie keinen Tropfen Diesel mitführen, weil sie schlicht und einfach mit Benzin fahren. Dann kam ein Bus aus der Gegenrichtung, dem der Oficial ein paar Gallonen Diesel abkaufen wollte, der Bus ist aber, nachdem der Fahrer das Gesuch unseres Oficials gehört hatte, einfach weitergefahren. Emotional, wie die Ecuadorianer nun mal sein können, wurde der Fahrer gleich als „hijo de puta“ bezeichnet, was das heißt, will ich jetzt nicht übersetzen, vielleicht wissen es einige von euch… Danach kam ein Dieselauto vorbei, von denen es hier nicht so viele gibt, aber irgendwie schafften sie es nicht, Diesel aus dem Tank zu bekommen. Gleich darauf kam auch ein Bus der selben Firma und nahm uns mit. Der Bus war aber auch schon voll und wir mussten die restlichen 20 Minuten stehen. Was viel schlimmer war, war dass die Passagiere, die schon vorher in dem Bus waren, als wir einstiegen riefen, dass der Bus schon voll ist und dass der Fahrer weiterfahren und uns draußen lassen soll. Wir habens locker genommen und der David hat dann sogar mit ihnen mitgeschrien. Aber das war schon irgendwie schockierend, wo ist da plötzlich dieses freundliche, immer lächelnde Volk? Solche Aktionen, die einem die Ecuadorianer immer wieder liefern können, sind schon ziemlich asozial. Also diese ganze Mentalität und mehr oder weniger Kultur ist nicht leicht zu durchschauen. Schlussendlich sind wir doch noch bis Pedro Carbo gekommen.