Samstag, 13. September 2008

Die eigene Hochzeit verpassen

Große Überraschung am Mittwoch: „Klaus, te llegó un paquete“ , eine Nachricht von Familie Pluas aus Guayaquil, dass ich mir ein Paket abholen kann. Also bin ich am Donnerstag in die Stadt gefahren, um es mir abzuholen. Fast 2 Stunden hat das gedauert – Warten, Stempel holen, Gebühr zahlen, warten, Packerl mit dem Beamten abwägen, dann hat er es aufgemacht – hat nur Schokolade gesehen, wieder zugemacht, noch mal 20 Cent zahlen, noch mal abwägen, dazwischen immer wieder stempeln (Stempeln gehen hat hier eine andere Bedeutung), unterschreiben und dann endlich – Paket mitnehmen. Aber der ganze Zirkus hat sich ausgezahlt: Danke an Omer und Tante für Schokolade und ein halbes Kilo Speck von dem jetzt, 2 Tage später nicht mehr viel übrig ist, unter uns Zivis gibt es so gut wie kein Privateigentum, aber Teilen macht ja bekanntlich mehr daraus! Hier möchte ich aber gleich den Rat geben, in zukünftigen Sendungen bitte keine Schokolade mehr schicken, die irgendwie gefüllt ist, da im Paket irgendwie alles mal schmilzt und nur die eingeschweißte Schokolade nicht ausrinnt. Und laut anderen Zivis muss man auch aufpassen, dass man in Österreich auf die Beförderung als „Brief“ besteht, weil es sonst sein kann, dass die Post das Packerl an DHL übergibt und ein Zivi hat dann einmal 90 $ für ein Packerl bezahlt.
Am Freitag waren wir Österreicher zu der Hochzeit einer Lehrerin vom CRESEM eingeladen. Laut Einladung begann es um 7. Wir dachten, wenigstens eine Hochzeit würde pünktlich beginnen und waren auch 2 Minuten vor 7 in der Kirche – ziemlich allein. Die Band hat gerade aufgebaut und so sind wir noch eine halbe Stunde zur Florcita, das ist der Stammkiosk der Zivis gegangen. Um halb 8 waren schon einige Leute vor der Kirche versammelt, auch der Pfarre, Padre Kleber, und gegen dreiviertel 8 kam der Bräutigam, alleine. Um 8 hat dann die Messe ohne Braut begonnen, die erst beim Evangelium dazugestoßen ist. Für Erheiterung hat unser Hund gesorgt, als er ganz ungeniert während der Hochzeit durch den Mittelgang der Kirche hin zum Brautpaar marschiert ist. Ich hab ihn dann gepackt und durch den Gang wieder vor die Kirche geschleift, er glaubt, ich will mit ihm spielen und rollt sich am Boden hin und her, dann hab ich ihn bis zum CAAM geleitet, wo er seine Hundefreunde und die Knochen vom gegenüberliegenden Restaurant gefunden hat und auch dort geblieben ist.
Die Hochzeitstafel war dann im großen Hof vom CRESEM I, zu Beginn wurde Donauwalzer getanzt, wobei ich mit Flos Schwester die einzigen waren, die wirklich Walzer getanzt haben, das andere war eher schunkeln. Danach wurde eigentlich nur mehr Tanzmusik gespielt und die ganze restliche Nacht getanzt. Das Personal vom CRESEM und CAAM haben dem Brautpaar eine Garnitur Wohnzimmermöbel geschenkt und dann haben wir ihnen auch jeder noch 5 $ geschenkt, damit sie sich 2 Tage Hochzeitsreise nach Banos in der Sierra leisten können. Darüber haben sie sich sehr gefreut, da sie beide nicht wirklich viel Geld haben. Es hat mich überhaupt schockiert, dass die Braut auf ihrer eigenen Hochzeit in der Küche gestanden ist und Getränke eingeschenkt und Kekse aufs Tablett gelegt hat. Deswegen haben wir ihr dann geholfen, unvorstellbar für uns Österreicher, dass die Brautleute selbst mitanpacken müssen während sie eigentlich draußen bei ihren Familien sein oder tanzen sollten. Bei der Hochzeit war ja alles ziemlich amerikanisch, halt wie in den ganzen Hollywood-Filmen. Wahrscheinlich gäbe es schon auch ecuadorianische Bräuche, aber die Leute hier sind alle so verrückt auf das Amerikanische. Es gab auch so Brautjungfern oder wie das heißt. Die waren in ihren Kleidern auch recht hübsch und ich hätte die auf 16-20 geschätzt. Bei der Tafel habe ich dann „Brautjungfern“ mit Mann und Kind gesehen, naja, kann ja sein, dass sie nicht viel älter als 20 sind, aber Jungfern mit Kind, naja, ich weiß nicht… Zum Schluss haben wir zu viert (Flo, seine Schwester, Jakob und ich) noch eine Kollegin nach Hause begleitet, weil sie auf der anderen Seite des Flusses wohnt und die Brücke so gefährlich ist, dort werden die meisten Leute überfallen, weil eben keiner nach links oder rechts auskommt. Jedenfalls ist nichts passiert, vielleicht war es auch abschreckend, weil doch 3, für ecuadorianische Verhältnisse, riesige Männer sie begleitet haben. Bei der Hochzeit gab es so Art Pfirsichsekt oder sowas in Stamperln serviert und dann auf den Tischen ein „Bebida alcoholica con sabor a ron“ (Alkoholisches Getränk mit Geschmack von Rum), so ist es auf den Flaschen gestanden, was es wirklich war, will ich gar nicht wissen. Das Essen (wie immer Hendl mit Reis und Salat) war eigentlich sehr gut, weil der Reis einmal nicht so fad war, sondern irgendwie mit Pesto oder so vermischt wirklich nach was geschmeckt hat. Auch der Salat war eigentlich ganz ok. Bei den vielen Gästen und Hendln ist dann einiges an Knochen und Fleisch übergeblieben, was meinen Beiden Raubtieren zu Gute kommen wird.
Angesichts dieser Hochzeit ist mir einmal mehr klar geworden, wie gut wir es in Österreich haben. Also vielleicht denkt man einmal daran, wenn man wieder einmal über hohe Benzinpreise oder Steuern oder die Politik jammert.
Falls es jetzt da ist, das ist ein Bild von mir, das der Flo gemacht hat.

Liebe Gruesse

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

also mit meinem päckchen war das enifacher. ich habe nur unterschrieben, 25 centavos bezahlt und konnte es mitnehmen. meine eltern haben vorsichtshalber nur gummitiere reingelegt. *hihi+*