Samstag, 28. März 2009

Eine ganz normale Woche

Ich wünschte fast, ich könnte euch einmal von einer Woche berichten, in der nichts passierte oder in der es nichts Nennenswertes zu erzählen gäbe. Natürlich war auch diese Woche nicht so. Ich glaube, seit ich da bin habe ich keine Woche so wenig Zeit vor dem Computer verbracht wie in der vergangenen. Bis Mittwoch wurde der Zaun im hinteren „Garten“ des CAAMs fertig gebaut. Seit der vorigen Woche werden auch im Nebengebäude des CAAMs drei Zimmer für zukünftige Zivildiener gebaut. Dort arbeiten zwei Arbeiter, die am Tag gemeinsam 25 Dollar verdienen. Diese beiden haben die Angewohnheit, im Laufe des Tages immer wieder irgendwelche Materialien zu brauchen, mit deren Besorgung alleine ein Zivi beschäftigt werden könnte. Simon und ich haben uns diese Aufgabe geteilt. Alleine in dieser Woche war ich ungefähr fünf Mal Zement kaufen. Daran sind aber auch wir Schuld, weil wir immer wieder auf andere Sachen kommen, die noch gemacht werden sollten, da müssen wir die Anwesenheit des „Maestros“, der gleichzeitig Elektriker, Maurer und sehr geschickt ist, schon nützen. Am Mittwoch durfte ich auch die Camioneta (Pick-up auf „Deutsch“, auf Altdeutsch ist das ein Geländewagen mit Ladefläche) des FEPPs, mit der Yadira normalerweise unterwegs ist nutzen. Das hat mir schon gefallen, endlich wieder Autofahren, auch wenn es nur für ein paar Säcke Zement und Ziegel war. Dann kam der Maestro auch noch drauf, dass er für den Beton auch noch Sand braucht. Sand ist ja eigentlich einfach zu bekommen in Pedro Carbo: Man holt ihn sich einfach aus dem Flussbett. Während der Trockenzeit fahren sogar Bagger im ausgetrockneten Flussbett und holen den Sand heraus. Man kann sich den Sand auch bringen lassen und zahlt nur für die Arbeiter, die ihn auf den Lastwagen schaufeln oder einfach selbst hinfahren und ihn holen. Kurzfristig entschlossen fuhr ich also mit der Camioneta und den zwei Arbeitern auf der Ladefläche hinunter zum Fluss, der ja gleich neben dem CAAM ist. Die Straße hinunter ist aber nicht asphaltiert und wie alle unasphaltierten in der Regenzeit schwer bis gar nicht passierbar. Als es dann zu gatschig wurde blieb ich stehen weil ich Angst hatte, mit einem Auto, das nicht annähernd mir gehört, stecken zu bleiben. Gleich darauf kam ein Mann zu mir und meinte, ich kann da locker durch mit meinem tollen Auto. Ich äußerte meine Zweifel, darauf sagte er, er sei ein „Chofer profesional“ (Berufsfahrer) und er könne das. Kurz überlegt entschied ich mich, ihm das Auto anzuvertrauen und er führte es locker durch den Dreck und bis zum größten Sandhaufen. Dann schaufelte er souverän in weniger als einer Minute unsere vier Säcke voll mit Sand. Er war also ein Arbeiter, der dort gemeinsam mit seinen Kollegen auf die Ankunft eines größeren Lastwagens gewartet hatte. Gut, dann wollten wir wegfahren, aber das Auto startete nicht mehr. Er hatte sich auch selbstverständlich wieder auf den Fahrersitz gesetzt und ich hab ja auch gewusst, dass das Auto eine schwache Batterie hat und durch meine Kurzstreckenfahrten davor, zwischen denen ich ganz unecuadorianisch den Motor abstellte, war wohl die Batterie erschöpft. Keine Chance, das Auto steht im Flussbett, wenn es zu regnen begonnen hätte, wäre der Fluss innerhalb von Minuten vielleicht um Meter angestiegen. Unser Helfer ruft aber seine Kollegen, gemeinsam mit meinen zwei Arbeitern versuchen sie, anzuschieben, aber im Sand ist das schwer. Er ruft noch mehr, erst als ungefähr fünf oder sechs Leute anschieben, bewegt sich das Auto mit mir auf dem Fahrersitz. Er hat mir vorher schon gesagt, ich soll die Dritte reingeben und dann, wenn er schreit, starten. Da war ich ganz schön nervös, weil ich so etwas noch nie gemacht hab, keine Ahnung, wie man so einen Automotor dann zum Laufen bringt. Beim ersten Versuch hat der Motor nur ein paar mal geruckt, aber mehr nicht. Ich habe halt instinktiv dann die Kupplung ausgelassen, aber hat nicht funktioniert, dann beim zweiten Versuch habe ich schon sehr geschwitzt, mir schieben sechs Leute ein Auto an, das nicht mir gehört und dort ist, wo es nicht sein sollte, und ich weiß nicht, wie man es anstartet, wenn es rollt, doch dann hat der Motor zu rucken begonnen als ich die Kupplung ausließ, ich stieg aufs Gas und kurz danach auf die Kupplung und die große Erleichterung: Der Motor startete. Und dann fuhr ich selbst über die kaputte Straße wieder hinauf und wir waren auch gleich wieder im CAAM. Aber faszinierend, wie die uns alle geholfen haben, unentgeltlich, schnell und effektiv.
Am Donnerstag dann kam endlich der Lastwagen von ProAjí, der die vollen Fässer mitnehmen und leere Fässer und Salz brachte. Zuerst ludern wir 150 kg Salz ab, der Lastwagen schob dafür verkehrt ins CAAM rein, damit wir vollen Fässer aufladen können, die alle zwischen 160 und 180 kg haben, wollte ich, dass der Fahrer noch etwas zurückschiebt, dafür musste er erst aber kurz vorfahren, weil er sonst an das Dach gefahren wäre. Der Fahrer hat aber irgendwie zu viel Gas gegeben und die Hinterreifen haben sich im Schotter und danach in der Erde ziemlich weit eingegraben, bei jedem Versuch, wegzufahren rutschte der Lastwagen weiter zum Dach hin. Anschieben zwecklos, der hatte über eine Tonne Salz geladen. Wir versuchten, ihn auszuschaufeln, auch zwecklos. Danach baten wir den Nachbarn, der auch einen Lastwagen hat, den von ProAjí herauszuziehen. Mit Anziehen von vorne und Anschieben von hinten haben wir es dann doch geschafft, hinterlassen hat uns der Lastwagen im Hof vom CAAM ein riesiges Loch und viel Dreck. Die vollen Fässer mussten wir dann hinausrollen auf die Straße, wo der LKW stand.
Am Freitag durfte ich sogar noch einmal mit dem Auto fahren, als wir wieder einkauften und Sessel holten vom CRESEM und vom Municipio (Gemeindeamt oder Bezirkshauptmannschaft in einem), bei der letzten Fuhre allerdings fiel ein Stoß Sessel von der Ladefläche, als ich über die Schwelle in den Hinterhof vom CAAM fuhr und die Lehne des obersten Sessels brach. Naja, muss ich jetzt vielleicht den Plastiksessel zahlen. Die Sessel brauchen wir für den Sonntag, wenn die Kandidaten für die bevorstehende Wahl, bei der es auch um die Bürgermeister geht, zu einer öffentlichen Diskussions- und Fragerunde ins CAAM kommen.
Am Montag kam Niklas an. Er war drei Monate in Kolumbien, wo er David und Jakob kennenlernte und ist jetzt bei uns auf Besuch. Nebenbei ist er Bayer, hat einen lustigen Dialekt und ist auch selbst ganz ein Lustiger. Als gelernter Landschaftsgärtner kommt er uns auch für unseren neu geschaffenen „Garten“ im CAAM ganz gelegen.
Mein Hund, Hier, hatte letzten Freitag, also schon vor einer Woche, einen kleinen Unfall: Er wurde von einem Auto überfahren und danach eine Schürfwunde am Kopf und hinkte. Die Wunde wurde aber gleich mit dem Spray, bei dessen Anblick er instinktiv schon das Weite sucht, desinfiziert. Es gibt aber Tricks, wie man es trotzdem Schafft, das blaue Zeug aufzutragen. Er hat halt doch auch mit mir etwas gemeinsam und wenn es Essen gibt, kommt er immer nach „Hier“. Jedenfalls geht es ihm schon wieder blendend, die Wunde ist schnell verkrustet und er hinkt auch nicht mehr, er hat Glück, dass er zwischen die Reifen des Autos gekommen ist und „nur“ über den Boden geschleift wurde und dass er mich und die anderen Zivis hat, die ihn immer wieder rausreißen. Seit ich da bin hatte er jetzt schon drei Unfälle, einen Biss von einem anderen Hund und zwei Mal war er krank. Ein „Sorgenkind“ und eine gewisse Kostenstelle im Zivi-Budget aber er ist ja auch ein liebes Viecherl. Genauso lieb wie die Katze, die jetzt endlich ihre erste Maus getötet hat, nebenbei hat sie schon kleine Iguanas, Kolibris und alles mögliche an Insekten gefressen. Wie es sich für eine brave Katze eben gehört.
Mit Ende März muss ich meinen zweiten Tätigkeitsbericht an das Innenministerium schicken, das heißt so viel wie, dass jetzt zwei Drittel meines Zivilersatzdienstes vergangen sind. Erschreckend fast, wenn ich dran denke, dass ich eigentlich gerade erst angekommen bin und dass viele Sachen erst jetzt wirklich möglich werden.
Bis zum nächsten Eintrag „si Dios permite“, wie die Ecuadorianer so gerne sagen (wenn Gott es erlaubt), eigentlich gar nicht so blöd, weil man weiß ja nie, wie es weiter geht und genau genommen könnte jeder Tag der letzte sein und so sollte man ihn auch leben! Ich möchte jetzt auch nicht pessimistisch sein, aber ein bisschen über so etwas nachzudenken schadet glaube ich nicht.


Die Katze putzt sich

Sonntag, 22. März 2009

La muerte sin música no vale nada

Der Tod ohne Musik gilt nicht oder ist nichts wert, so könnte man das übersetzen. So hat es mir ein Oficial eines Pedro Carbo-Busses am Mittwoch Abend nach seinen von mir gezählten elf Bier erzählt, als er wollte, dass die Florcita die Musik noch lauter dreht, weil ja nichts ohne Musik geht, wie man hier in Ecuador nach einigen Tagen feststellt. Und am nächsten Tag sah ich auf dem Weg zum Mittagessen einen Begräbniszug die Hauptstraße blockieren, ganz vorne, vor dem Sarg und den Leuten fuhren zwei Camionetas (kleine Lastwagen oder Pick-ups), auf jedem der beiden mindestens zwei Meter hohe Lautsprecher aufgebaut, die mit Benzinaggretaten betrieben wurden, die man aber aufgrund der Lautstärke der Musik, die wie aus irgendeinem dramatischen Film klang, von der einen Camioneta und der Gebete und Ansagen aus der anderen Camioneta kaum wahrnam. Viel mehr Lärm machen momentan allerdings die Camionetas der Kandidaten der einzelnen Parteien für die Präsidentenwahl am 28. April. Mir scheint, dass jeder Bürgermeister- und sonstiger Kandidat für irgendeinen Beamtenjob seine eigenen Leute, Camionetas und Lautsprecher hat. Und es gibt viele Parteien in Ecuador. Bleibt nur zu hoffen, dass die Wahlberechtigten nicht den mit der lautesten Musik, sondern den mit dem besten Programm wählen werden. Deswegen haben wir vom CAAM aus auch für nächsten Sonntag die regionalen Vertreter der einzelnen Parteien zu einer Diskussion geladen. Diese Diskussion wird aber unter strengen Regeln erfolgen, damit nicht jeder Kanditat seine Leute mitbringt, die dann für ihn klatschen. Die Zuseherzahl wird limitiert und Applaudieren verboten sein. Trotzdem sollen die Zuseher Fragen stellen und den einen oder anderen Kandidaten vielleicht auch bloßstellen, weil ich nicht weiß, ob jetzt jeder ein sinnvolles Programm präsentieren wird können. Jedenfalls muss man bei Diskussionen vorsichtig sein, da die hitzigen Gemüter der Ecuadorianer schon gern mal hochgehen können.
Meine erste Arbeitswoche seit dem Urlaub habe ich auch gut überstanden, auch wenn ich letzten Sonntag fast in ein kleines Loch gefallen bin, wie Christian und Michi plötzlich nicht mehr da waren, die zwei Wochen mit ihnen waren schon toll, wie früher, als wir uns noch praktisch jeden Tag sahen.
Am Montag kamen Flo1, seine Schwester und Lisa an, die drei sorgten auch wieder für Aufheiterung. Am Mittwoch musste ich in der Asamblea (Generalversammlung) des CAAMs die Jahresbilanz von 2008 präsentieren. Zum Glück machte der Manuel eine kleine Einleitung, und versuchte, mit einem guten Beispiel den Bauern, von denen einige nicht gut lesen und schreiben können, Aktiv, Passiv und Patrimonio (In Ecuador wird die rechte Seite der Bilanz, die in Österreich nur Passiv heißt noch mal in Passiv und Patrimonio unterteilt – Passiv könnte man sagen ist Fremdkapital und Rückstellungen, Patrimonio ist Eigenkapital und Gewinn- bzw Verlustkonten. War jetzt nur, für die, die es interessiert...) zu erklären versucht. Danach war ich dran und habe erklären dürfen, was die einzelnen Werte bedeuten. Einige sind inzwischen aufs WC gegangen, andere haben mir überaschenderweise gespannt zugehört, darunter der Präsident, der selbst einmal Buchhaltung gelernt hat. Auch wenn ich davor fast nervös war, hat es mir doch Spaß gemacht, den Socios (Mitglieder) des CAAMs etwas zu präsentieren, wo auch viel Arbeit von mir drinsteckt. Außerdem habe ich das Gefühl gehabt, jetzt nicht nicht mehr über jedes Wort, das ich auf Spanisch sage, nachdenken zu müssen, sondern habe teilweise einfach drauf los geredet, sicher mit Fehlern, aber ich glaube, wenn es nicht um die Bilanz gegangen wäre, hätten mich alle verstanden.
In der vergangen Woche wurde auch mit dem Bau des Zaunes im hinteren “Garten” des CAAMs begonnen. Dafür mähten Simon und Darwin (ja, der heißt Darwin, so wie der Charles Darwin, aber er heißt so im Vornamen, in Ecuador ist das normal, dass man den Kindern fremdländische Nachnamen als Vornamen geben kann, er ist aber nebenbei schon erwachsen, die extremsten Vornamen, die ich bis jetzt kenne sind glaube ich: Stalin, Lenin, Rommel, weiters kenne ich auch noch einen Washington, einen Kennedy und einen Presley) mit ihren Macheten alles nieder, was in zwei Monaten Regenzeit dort gewachsen ist. Am Samstag konnten wir dann schon die Steher in die Erde betonieren und die Querverbindungen annageln. Danach sägten und spalteten wir die Cana, alles händisch, da wir keine Maschinen hatten. Simon und ich waren nach einmal Cana durchsägen schon fertig, Darwin, dem wir 12 Dollar pro Tag bezahlen (das ist normaler Lohn, wir beuten ihn nicht aus... Anm. d. Red.), schnitt eine nach der anderen. Der ist schon ein ziemliches Viech, wie man in Österreich sagen könnte, gemeinsam haben wir die Cana-Vierteln dann an die Latten genagelt, jetzt steht schon eine Seite vom Zaun und wenn alles gut geht, werden wir nächste Woche sicher fertig. Viel Planung steht nicht hinter dem Projekt, muss ich zugeben, aber in Ecuador wird da einfach drauf los gearbeitet, erst nach zwei Meter Zaun merkten wir, dass von den Cana-Stäben keine zwei gleich lang waren, naja, der Untergrund ist ja auch nicht gerade eben. Nach meiner Schätzung werden wir mit 200 Dollar die 40 Meter Zaun fertig machen können. Um den Rest der Spendengelder wurde schon um 48,45 Dollar Werkzeug gekauft und wird vielleicht noch das eine oder andere angeschafft.
Eine normale Arbeitswoche, die trotzdem einen umfassenden Blogbericht erfordert, das ist das schöne hier.

Sonntag, 15. März 2009

Zwei Wochen Urlaub


Michi und ich vor dem Quadfahren

Historisches Zusammentreffen: Simón Bolívar und José de San Martín sowie Klaus Langer und Christian Sigl

Am Strand in Puerto López

Am 2. März war es so weit: Michi und Christian kamen pünktlich am Flughafen in Guayaquil an. Dazu muss ich gleich sagen, dass ich es bewundere und es mich sehr gefreut hat, welche Strapazen sie auf sich nahmen, dass sie mich besuchen konnten. Wirklich toll. Sie kamen mit einem eigenen Gepäckstück voll mit „Mitnehmsachen“, davon fast alles für mich. Danke an die vielen „Spender“. Am Flughafen musste ich noch Geld für die bevorstehende Reise vom Bankomaten abheben und in meiner Wiedersehensfreude habe ich irgendwie nicht bemerkt, dass ich zwar das Geld, aber nicht die Karte aus dem Automaten genommen habe, wir gehen zurück zum Lift, der uns zu den Taxis bringen sollte und kurz vor dem Einsteigen schreit jemand von hinten „Amigo“ und gibt mir meine Karte und den Beleg in die Hand. Ich war ganz baff und hab nur kurz „Gracias“ sagen können, dann war er schon weg. Glück gehabt, dass gerade in Ecuador jemand meine Karte mir nachträgt, auch in einem Land, wo viel Kriminalität herrscht und normal alles gestohlen wird, was nicht ganz fest irgendwo angeschraubt ist, gestohlen wird, gibt es natürlich auch ehrliche und nette Leute, keine Frage, aber dass genau so einer meine Karte findet ist großes Glück. Leicht schockiert aber doch erleichtert finden wir schließlich ein Taxi, dass uns um zwei Dollar zum Busterminal bringt. Ja, billig ist das auch nicht und das Taxi war so ein ganz kleines Auto, wo maximal vier Passagiere hineinpassen, der Kofferraum vernachlässigbar. Wie das ausgesehen hat, wir drei mit drei großen und zwei kleinen Rucksäcken in dem kleinen Hupferl, könnt ihr euch vorstellen. Zum Glück ist die Fahrt zum Terminal nicht lang. Von dort mit einem Bus nach Pedro Carbo und in Pedro Carbo gleich mal Frühstück mit Kaffee und Salami. Danach Mittagessen und ein ruhiger Nachmittag im CAAM. Ich glaube, das beste Mittel gegen Jetlag ist Bier, mit Christian bin ich bis Mitternacht bei Bier und interessanten Gesprächen, wie früher, gesessen, danach hatte er, glaube ich, weniger Probleme mit der Umstellung.
Am Dienstag fuhren wir schon am Morgen nach Guayaquil, die Sehenswürdigkeiten der Hafen- und Wirtschaftsmetropole mit über zwei Millionen Einwohnern, der Großteil davon in den Slums, halten sich natürlich in Grenzen, mein persönliches Highlight dieser Stadt ist immer noch die Bahia, ein riesiger Markt, in dem vor allem mit billigem Gewand, billigen Elektronikprodukten und Raubkopien von Filmen, Musik-CDs und Computerprogrammen gehandelt wird. Weiters haben wir die Strandpromenade am Río Guayas (Malecón) besichtigt. Am Abend wieder zurück nach Pedro Carbo, die Rucksäcke packen und um halb zehn nach Guayaquil, von dort um elf in einem Bus elf Stunden lang nach Quito, anscheinend sind die Straßen noch immer nicht repariert, sonst würde es nur sieben bis acht Stunden gedauert haben. In Quito trafen wir uns am Mittwoch mit Flo1, seiner Schwester und einer Freundin, die er am Dienstag dort vom Flughafen abgeholt hatte. Zu sechst schlenderten wir durch die Innenstadt und wohnten in einem tollen Quartier, wo wir sechs eine gemeinsame Küche hatten, in der wir auch einmal kochten, nebenbei hatten wir beim Essen eine tolle Aussicht über Teile von Quito, über ganz Quito kann man fast nicht sehen, weil Quito 50 km lang ist. Am Donnerstag ging es mit dem Teleferiqo, einer Seilbahn, auf den Pichincha, der Hausberg von Quito, vergleichbar mit dem Bergisl in Innsbruck, nur dass in Quito in der Schlacht am Pichincha nicht Andreas Hofer gegen die Franzosen sondern Sucre gegen die Spanier gekämpft hat und das mit Erfolg. Die Bergstation liegt auf 4100 Höhenmetern und wir sind dann noch geschätzte 200 Höhenmeter raufgegangen, in der doch schon dünnen und kalten Luft gar nicht so einfach. Zurück in der Bergstation leisteten wir uns einen teuren Kaffee um 1,50 und dann hatten wir alle einen leichten Schock, als wir plötzlich im Fernsehen den DJ Ötzi „Hey Baby“ grölen sahen. Ich hab den Schwachsinnigen mit seinen Drei-Promille-Liedern schon fast verdrängt gehabt, aber dass er mir am Pichincha in Quito begegnet, das war nicht zu erwarten. Am nächsten Tag fuhren wir über eine Stunde mit verschieden Bussen durch Quito, um die „Mitad del Mundo“ (Mitte der Welt) zu erreichen, so eine Anlage, die angeblich am Äquator liegt und verschiedene Museen und Lokale beherbergt. Durch moderne Messmethoden ist aber erwiesen, dass das ganze so ca 150 m vom Äquator entfernt ist, für lustige Fotos reicht es aber noch immer. Danach fuhren wir auf der Ladefläche eines Pick-ups zum Pululahua, das ist ein Vulkankrater, wo man vom Kraterrand, der in den Wolken liegt in den Krater absteigt, in dem unten Menschen leben und in dem ein eigenes Mikroklima herrscht. Erreichbar sind die Häuser im Krater aber nur per Fuß- bzw Pferdeweg. Der Ab- und Aufstieg war sehr anstrengend, Respekt vor den Menschen, die diesen Weg jeden Tag zurücklegen müssen. Am Abend des selben Tages (Freitag) fuhren wir noch nach Baños am Fuße des Vulkans Tungurahua. Wir kamen noch gegen zehn oder halb elf am Abend an und quartierten uns in einem gemütlichen Hostal ein. Am nächsten Tag machten wir eine Rundfahrt mit einem Bus, von der ich allerdings ein bisschen enttäuscht war, weil man uns nur durchschob und weil die immer so schnell wieder weiter wollten, ganz anders als bei der letzten Tour bei meinem ersten Besuch in Baños, wo sich der Führer wirklich viel Zeit nahm und alles gut erklärte. Am Sonntag besuchten wir eine der vielen Vormittagsmessen in der überfüllten Wallfahrtskirche von Baños, zum Mittagessen, aßen wir in einem kleinen billigen Lokal, Michi wollte unbedingt die Nationalspezialität von Ecuador, eine Portion Meerschweinchen essen, er hat es auch getan und ich habe es auch zum ersten Mal gekostet, schmeckt gut, nach einer Mischung aus Schwein und Huhn. Aber an dem ganzen Tier ist halt nicht so viel Fleisch dran. Danach kam, das kann man gut behaupten, ein Höhepunkt der Reise für uns drei: wir borgten uns um 18 Dollar pro Person für drei Stunden drei Quads aus. Mit denen düsten wir auf einen Berg hinauf, von dem wir wunderbare Aussicht auf den Vulkan hatten und kurz ließen uns die Wolken sogar auf den Kraterrand blicken. Das Quadfahren machte uns einen Riesenspaß, Flo und die zwei Mädls wollten zu Fuß hinauf, ein großes Stück haben wir sie auf den Quads mitgenommen und dann auch hinunter. Wir hatten noch eine halbe Stunden Zeit und beschlossen, noch mal ein Stück hinaufzufahren. Beim Runterfahren allerdings hatte der Michi fast einen Unfall mit einem entgegenkommenden Auto, dass ihn in einer Serpentine fast gegen den Berghang gedrückt hätte und mein Quad, bei dem nur eine von zwei Bremsen funktioniert hatte, wollte in einer leichten Kurve weder der Kurve folgend nach links, noch ließ er sich bremsen, so kam ich in den Straßengraben und ich wurde samt Quad umgehaut. Naja, die Quads waren schon vorher zerkratzt und nicht im besten Zustand und es war kein sichtbarer Schaden, und ich war auch gleich danach unten, wo ich dann aber merkte, dass der Reichte Vorderreifen einen „Patschn“ hat. Ob der jetzt vom Unfall kommt oder ob ich den Unfall deswegen hatte, weiß ich bis jetzt nicht. Der Christian ist dann mit meinem Quad dort geblieben, ich bin mit seinem und dem Michi zurück in die Stadt, wir waren auf die Minute genau beim Vermieter, dem ich erzählt habe, dass ein Quad noch dort steht mit einem „Patschn“. Der hat auch gar nicht weitergefragt, warum, sondern einfach einen Mitarbeiter mit einem anderen Quad hingeschickt und der Christian war 15 Minuten später auch zurück. Am selben Tag sind wir in der Nacht noch nach Cuenca aufgebrochen, über Ambato war es eine anstrengende Fahrt mit schlechtem Schlaf. In der Früh in Cuenca angekommen wollten wir gleich die Fahrkarten für die Fahrt nach Guayaquil, die wir am selben Tag am Abend noch machen wollten kaufen, es wollten aber alle Transportfirmen acht Dollar für die vierstündige Fahrt. Ist ja eigentlich komplett überteuert, wir fanden dann auch einen, der uns für fünf Dollar Karten ausstellte, im Lager der Firma konnten wir auch unsere großen Rucksäcke lassen, sodass wir mit leichtem Gepäck durch Cuenca marschierten und die Stadt ein wenig zu Gesicht bekamen. Pünktlich um vier waren wir wieder am Busterminal und der Busfahrer erwartete uns schon dort, wo wir das Gepäck abholten und sagte, dass auf unserer Karte nicht Guayaquil draufsteht, ja, das war mir schon davor aufgefallen. Er sagte, er nimmt uns schon mit, wenn wir im fünf Dollar geben. Ich antwortete, dass wir Karten nach Guayaquil um fünf Dollar pro Person gekauft hätten, er meinte, ja, der „normale“ Preis für drei Personen wäre ja 24 Dollar, wenn wir noch fünf draufzahlen sind wir ja noch immer billiger dran. Schlussendlich haben wir ihm jeder noch einen Dollar gegeben, die er sich noch vor unseren Augen in seine Tasche eingesteckt hat und wir sind losgefahren. Bei den Bussen fahren immer zwei Angestellte mit, der Chauffeur und der „Oficial“ (so eine Art Schaffner, der das Fahrtgeld kassiert bzw Fahrkarten absammelt und sich um die Passagiere kümmern sollte), nach einer dreiviertel Stunde Fahrt, als wir bei einer Baustelle den Gegenverkehr abwarten müssen, sehen wir, weil wir in der ersten Reihen sitzen, dass sich der Oficial auf den Fahrersitz setzt und der Chauffeur nach hinten geht und sich ins „Publikum“ setzt. Zuerst habe ich gedacht, das ist ein Scherz, aber dann sind wir wirklich bis Guayaquil über sehr schlechte, kurvige und gefährliche Straßen im dichtesten Nebel durch alle Schlaglöcher mit Vollgas gefahren. Oft ist es besser, man sitzt nicht vorne und sieht nicht, wie die „Chauffeure“, wenn sie überhaupt welche sind, fahren. Die folgende Nacht verbrachten wir in Pedro Carbo, am Dienstagmorgen fuhren wir schon um sieben mit einem Bus über Jipijapa nach Puerto López an den Strand. Den ersten Nachmittag verbrachten wir direkt in Puerto López, wo der Strand schon dreckig und voll mit Müll ist, trotzdem waren wir Baden und zwei streunende Hunde gesellten sich zu uns und schwammen durch die starken Wellen, das war lustig anzusehen, wie die zwei von den Wellen durchgeschüttelt wurden. Zum Mittag- und Abendessen gab es jeweils Fisch, ziemlich gut in einer Stadt, wo viele vom Fischfang und –verkauf leben. Am Nachmittag waren wir noch in einer Strandbar, wo sich Michi und Christian während des Sonnenuntergangs ein Bummerl ausgespielt haben. Am Mittwoch ließen wir uns von einem Mototaxi (Trici) in den Nationalpark „Los Frailes“ bringen, wo wir auf einem extrem schönen Strand den Nachmittag bis zur Heimfahrt verbrachten. Wir fanden einen Baum, in dessen Schatten Hängematten aufgehängt waren, dort blieben wir, war urgemütlich, in der Hängematte liegen, auf den Strand schauen, Wellen hören, eine süße Ananas essen, kaum Leute am Strand, ein echter Traumurlaub könnte man sagen. Am Abend sind wir eben wieder zurück nach Pedro Carbo um am Donnerstag noch einmal nach Guayaquil zu fahren. Dort ließen wir unsere „Postkarten“ drucken und verschickten sie. Bei der Hinfahrt stiegen wir in einen Bus ein, bekamen aber keinen Sitzplatz, schon wie wir einstiegen hat der Oficial mit irgendwem wegen des Geldes gestritten und irgendwer wollte was nicht zahlen, kurz vor Sabanilla blieb der Bus stehen, weil Vigilantes (Polizisten der Verkehrspolizei) standen und der Oficial holte einen zu Hilfe, der aber wurde von allen Seiten angeschrien, Chaos pur und wir drei mitten drin. Das war uns zu blöd und wir stiegen aus, bezahlt hatten wir ja noch nichts, und wollten auf den nächsten Bus warten. Gleich danach fuhr aber der erste Bus auch schon weiter und wir versuchten in einen der darauffolgenden zu kommen, was aber unmöglich war, weil wir direkt vor den Augen der Vigilantes standen und uns niemand mitnehmen wollte. Also wollten wir weiter nach Sabanilla gehen, weil es dort leichter wäre, einen Bus zu bekommen, die Polizei aber ruft mich hin und fragt, wo wir hin wollen, ich sage wahrheitshalber „nach Guayaquil“, er meint, wir solln einsteigen, er bringt uns in die Stadt, dass wir einen Bus bekommen, gut, wir setzen uns auf die Ladefläche des Polizei-Pick-ups und ich habe halt geglaubt, er führt uns zurück nach Pedro Carbo, aber nein, er fährt mit uns durch Sabanilla bis Isidro Ayora dürfen wir hinten am Polizeiauto mitfahren, dort steigen wir ab, das Polizeiauto fährt zurück, wir steigen in den nächsten Bus, sparen uns 25 Cent, dafür habe ich glaube ich in dem Bus mein Handy verloren (Habe schon ein neues, nebenbei). Einen Tag später, als wir beim Mittagessen sitzen fährt ein Polizeiauto vorbei, hupt und die Polizisten winken uns, ich hab ein bisschen gebraucht, bis ich gemerkt hab, dass das wahrscheinlich die zwei waren, die uns mitgenommen haben. Von Guayaquil heim sind wir um halb zehn mit einem der letzten Busse, kurz vor der Mautstation (die Straße ist auf diesem Teil wie auf vielen anderen privatisiert, deswegen ist sie relativ gut) hält der Bus schon, draußen sehe ich schwer bewaffnete Polizisten stehen, einer steigt ein, stellt sich als Herr Soundso von der Policia Nacional vor, sagt uns, je schneller wir aussteigen und kooperieren, desto schneller können wir weiterfahren, Frauen und Kinder dürfen im Bus bleiben. Wir, keines von beiden, steigen aus, Hände auf den Bus, und wir werden, wenn auch nur oberflächlich, durchsucht. Nicht einmal die Ausweise haben sie kontrolliert, hätten sie aber tun können, zum Glück hätten wir aber alles mitgehabt. Am Freitag haben wir noch einen gemütlichen Tag in Pedro Carbo verbracht und am Samstag mussten wir uns schon wieder voneinander verabschieden, für das nächste halbe Jahr.
So mein Bericht hat jetzt mit über 2200 Wörtern alles bisher Da gewesene vom Umfang her in den Schatten gestellt. Aber man erlebt so viel hier, und alles ist erzählenswert.
Der nächste Eintrag wird kürzer, versprochen!

Samstag, 7. März 2009

Noch am Leben

Zuerst mal einen lieben Gruss aus Baños von Michi, Christian und mir an alle!
Wir waren schon in Guayaquil, natuerlich in Pedro Carbo auch, in Quito und jetzt gerade sind wir in Baños. Dichtes Programm, viele Fotos gemacht und hoffentlich bleibt es weiterhein eine angenehme und lustige Reise. In den naechsten Tagen werden wir nach Cuenca und danach noch an den Strand fahren. Genauere Berichte gibt es eventuell danach.
Danke fuer die vielen Antworten auf den letzten Eintrag!
Bis zum naechsten Mal

Montag, 2. März 2009

Was kann eine Weinflasche, was ein Raubüberfall nicht kann?

Antwort: Einen nächtlichen Polizeieinsatz in Pedro Carbo auslösen. Aber alles der Reihe nach.
Gestern, Samstag, war die Abschiedsfeier von Flo1 und zugleich die Geburtstagsfeier von Simon. Gefeiert wurde im CAAM, mit Musik, Tanz, Getränken und Torte, wie immer. Yadira, die für das FEPP arbeitet und in Pedro Carbo sozusagen die Vorgesetzte von Flo1 war, kam auch zur Fiesta und brachte eine Flasche Wein mit. Irgendwer hat dann im Laufe des Festes ganz provokant die Flasche genommen und gesagt „So einen Wein trink ich doch nicht.“ und einfach die mehr als halb volle Flasche weggeleert. Ja, also der Wein ist ja, verglichen mit unserem im Weinviertel, wirklich nicht gut, aber wesentlich besser, als das, was man sonst so im Plastikpackerl bekommt. Und die Yadira hat für die Flasche sicher zwei oder drei Dollar ausgegeben, was angesichts ihres Gehalts im FEPP und ihrem Status als alleinerziehende Mutter von drei Kindern, schon was wert ist. Verständlicherweise hat sie darauf sehr emotional reagiert und für mich unverständlicherweise die Polizei gerufen, die dann, was für mich noch unverständlicher ist, wirklich gekommen ist. Mit kugelsicheren Westen und voll bewaffnet, wie sie immer herumstehen haben sie dann noch kurz mit dem Übeltäter gesprochen und nach fünf Minuten waren sie so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Aus meiner Sicht waren beide Aktionen, Weinwegleeren und Polizeirufen, absolut unnötig, so schnell kann man auch die lustigste Fiesta zerstören. Als wir dann schon weniger waren, besserte sich auch die Stimmung.

Heute, Sonntag, nachdem wir zusammengeräumt hatten, borgten wir uns das Auto vom Herbert aus, um aus Estacada die Sachen vom Flo1 zu holen. Er hat nämlich einige Zeit dort in einem Haus gewohnt, das dem CRESEM gehört und sonst nicht genutzt wird. Jetzt hatte er schon lange nicht mehr dort geschlafen, weil es um halb sieben abends finster wird und der Weg in der Nacht sehr gefährlich ist und er oft länger arbeitet. Jedenfalls ist er ja jetzt nicht mehr Zivi, wird zwar im Land bleiben, aber er muss seine Sachen aus dem Haus und aus seinem Zimmer im CRESEM entfernen. So fuhren wir (Flo1, Flo2, Andi und ich) also im beginnenden Regen nach Estacada, das Haus liegt etwas außerhalb, man erreicht es über eine nicht asphaltierte Straße, die schon durch die Regenfälle der letzten Wochen stark mitgenommen ist. Davor allerdings mussten wir noch tanken, bei der Tankstelle angekommen fragt der Chauffeur (Flo1) seinen Beifahrer (Ich) „Weißt du überhaupt, was wir da reinfülln müssen?“. Ich weiß das natürlich auch nicht, der Motor klingt so komisch, könnte Diesel oder Benzin sein. Der Tankwart (in Ecuador wird man auf allen Tankstellen bedient) fragt „Gasolina o Diesel?“, wir sagen, wir wissens nicht, der Tankwart ruft einen anderen, sie schauen in den Tank, sind sich aber nicht sicher und rufen einen Dritten. Der kommt, sagt, wir sollen den Motor starten, das tut der Flo auch, gibt ein bisschen Gas und die Tankwarte sind sich einig „Gasolina“. Um drei Dollar tankten wir ungefähr zwei Gallonen Benzin (ca 7,5 Liter) und ab gings nach Estacada. Der Weg hin zum Haus war fast kein Problem, als wir die Sachen ins Auto luden und noch ein bisschen saubermachten, regnete es ungefähr eine Stunde sehr stark. Und als wir dann wegfahren wollten, wollte das Auto weder vor noch zurück; wir hatten uns 15 cm im Schlamm eingegraben. Don Sixto, der dort im Nachbarhaus wohnt, am Grundstück des CRESEMs auf dessen Schafe aufpasst und eine kleine Landwirtschaft betreibt, half uns, das Auto zu befreien, dann blieb es noch einmal, zwei Meter weiter stecken und er rannte mit der Schaufel, grub das Auto aus, legte Steine unter und schob gemeinsam mit uns wieder an. Ein Wahnsinn, wie uns der geholfen hat, vollkommen selbstlos und ohne zu überlegen hat er alles gegeben, damit wir, wo wir uns einbilden, mit einem alten Kleinbus durch den Schlamm fahren zu müssen, wieder rauskommen. Gut, man muss auch zugeben, dass der Bus denkbar ungeeignet für diesen Weg war, Motor vorne, Antrieb hinten, kein Gewicht auf der Hinterachse, da passiert so etwas noch leichter. Den Weg bis zum Dorf meisterte der alte Toyota relativ gut, durchnässt bangten wir, dass Flo1 den Wagen irgendwie durchbringt, leider aber, bei den ersten Häusern blieben wir in einer riesigen Schlammlacke wieder stecken. Ich stieg aus, und bin gleich mit meinen Füßen zehn cm in den Schlamm eingesunken, das Auto wollte wieder weder vor noch zurück und wieder kam gleich jemand im Regenmantel aus einem Haus und half uns, zwar nicht so engagiert wie Don Sixto davor mit Schaufel und Steinen, aber er half uns anschieben, was ja auch wichtig ist. Irgendwie schafften wir es, das Auto mit vereinten Kräften (Benzin und Schweiß) im Retourgang aus der Lacke zu bekommen. Blöderweise hatten wir die Schiebetüre offengelassen und die durchdrehenden Hinterreifen haben im Retourgang den Schlamm durch die Türe bis an die Windschutzscheibe geworfen. Danach gab es eine kurze Beratung, wir kamen zu dem Schluss, dass es vielleicht am besten wäre einfach mit Vollgas durch die Lacke zu rasen und gleichzeitig anzuschieben. Gesagt, getan, und es funktionierte, das Auto wurde zwar wie wild durchgerüttelt und wir wurden auch noch einmal ordentlich dreckig, aber das war schon egal. Danach war der Weg asphaltiert und der Rückkehr nach Pedro Carbo stand nichts mehr im Wege.
Jetzt gerade sitze ich hier, vor meinem Computer, in einer nassen Hose, weil meine zweite Hose immer noch beim Wäschemann ist. Die Wäsche habe ich ihm gestern gebracht, dazu meine Bettwäsche, er hat sie aber bis jetzt noch nicht waschen können, weil er kein Wasser hat, jetzt werde ich heute, die zweite Nacht auf meinem Badetuch verbringen.
Trotzdem war der „Ausflug“ sehr lustig und auch eine kleine Entschädigung für die jährlichen und angeblich so schlimmen „Schneechaos“ (Was ist die Mehrzahl von Chaos? – Chaose? Chaoten? Chaen? Chai? Meldet euch, wer es weiß, es würde mich interessieren!).

In weniger als zwölf Stunden sollten Michi und Christian, wenn alles gut geht, schon angekommen sein. Die Vorfreude steigt von Minute zu Minute. Es ist auch immer interessant, wenn neue Österreicher ankommen, welche Sachen ihnen auffallen, an die ich mich schon gewöhnt habe, und manchmal auch lustig zuzusehen, wenn manche den einen oder anderen, kleineren oder größeren, Kulturschock erleben.

Liebe Grüße