Und wieder eine Woche vergangen. Ich werde öfters gefragt, wie ich die Zeit so verbringe, deswegen will ich hier einmal näher darauf eingehen: Also mein Tag beginnt mit dem Läuten des Weckers. Meistens schlafe ich danach noch eine halbe Stunde bis acht Uhr. Dann heißt es aber Aufstehen, weil im Haus schon reger Betrieb herrscht, bevor ich aber einsatzbereit bin, brauche ich aber noch einen ordentlichen Kaffee. Saisonbedingt gibt es jetzt immer eine Mango dazu, die sich in der Nacht vom Baum verabschiedet hat. Dann beginnt auch gleich die Arbeit; Berichte machen, Belege ordnen, Kassa verwalten oder was gerade so anfällt. Gegen zwölf oder halb eins beginnt dann die Mittagspause, die ich mit Essen verbringe. Dafür geht man am Besten einfach zu einem sogenannten „Comedor“ (von „comer“ – essen), das sind kleine Lokale, die sich auf Mittagessen, sogenannte „Almuerzos“, bestehend aus Suppe und Hauptspeise („Segundo“) spezialisiert haben und man sitzt auf einfachen Plastiksesseln direkt neben der Hauptstraße. Zur Auswahl gibt es, wenn noch alles da ist in unserem „Stammcomedor“, zwei Suppen und zwei Hauptspeisen. Natürlich immer mit halbem Teller voll Reis und fast immer Fleisch ODER Hendl, weil „pollo“ (Hendl) ist nicht gleich „carne“ (Fleisch), manchmal auch „pescado“ (Fisch). Das ganze kostet $ 1,50 für Suppe, Segundo und ein Glas „Jugo“ (Saft). Falls wir noch Verlangen nach einem „postre“ (Nachspeise) verspüren, kaufen wir um 50 Centavos noch einen „batido“ (Milchshake – auf „deutsch“), sehr kalorienhaltig, sehr süß, aber einmalig gut. Unter der oft unerträglich heißen Sonne geht es dann zurück in den Schatten vor dem Computer. Ja, die Sonne ist oft so heiß, dass das zumindest mir richtig auf der Haut brennt, einiges stärker als in Österreich im Hochsommer. Die Arbeit geht dann oft bis es finster wird und noch länger, weil wir oft erst am Abend, wenn die meisten Leute wieder weg sind, Zeit finden, um gemeinsam noch Sachen zu besprechen oder Fehler in der Buchhaltung zu beheben. Und so ein heißer Tag findet sein Ende nicht selten bei einem verdienten kühlen Bier am Kiosko, natürlich nur, um den verlorenen Schweiß des ganzen Tages mit den wertvollen Inhaltsstoffen dieses köstlichen Getränks zu ersetzen. Oft kommt man dann auch ins Gespräch mit Einheimischen, erfährt Neues, zB, wer ermordet wurde und warum, oder, dass wieder ein Bus überfallen wurde oder, dass ein anderer wieder einmal einen schweren Verkehrsunfall verursacht hat, weil sie alle wie die Berserker fahren, damit sie als erster im nächsten Ort sind und die Fahrgäste mitnehmen dürfen. Dazu muss man erklären, dass im öffentlichen Verkehr, wie in so vielen Bereichen, der pure Kapitalismus herrscht, die Strecke zwischen Pedro Carbo und Guayaquil wird von sechs oder sieben Firmen bedient, die sich gegenseitig oft Wettrennen liefern. Die meisten Busse allerdings fahren dann nach Pedro Carbo noch bis nach Manta oder Portoviejo (noch einmal drei Stunden) und sie unterscheiden sich voneinander vor allem in der Qualität der Busse und in der Geschwindigkeit. Wenn man nach Guayaquil fährt erlebt man nicht selten, dass der Bus, in dem man sitzt, mit letzter Kraft und Anstrengung einen anderen überholt, nur damit er früher im nächsten Ort ist, wo er Passagiere, die den Bus durch einfaches Winken mit der Hand anhalten können, schnell einsammelt um dann wieder Vollgas zu geben. Aussteigen kann man auch fast überall, wo man will, der Bus bleibt dann stehen, oder oft auch nicht. Wenn man zB alleine fährt, kommt es oft vor, dass der Bus zum Ein- und Aussteigen nur langsam wird und man dann auf- oder abspringt. Klingt gefährlich – ist es auch. Und man darf sich auch nicht wundern, wenn man im Bus neben jemandem sitzt, der zwei Hühner in der Hand hat.
In unserer Österreicherkolonie haben wir für drei Wochen Zuwachs bekommen. Am Montag kam Mario an, ein Optiker, der aber für den Augustin (Zeitung) arbeitet und momentan Chorleiter oder Gründer des Augustin-Chores namens „Stimmgewitter“ (glaub ich) ist, die jetzt schon ein oder zwei CDs haben. Und am Montag kommt Jakobs Familie. Mario wird in der Clinica eine Optikerwerkstätte einrichten und ein oder zwei Ecuadorianer auf diesen Job einschulen.
Ich hoffe, es geht euch allen gut!
Liebe Grüße
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen