Irgendwie merke ich gerade, dass ich aufgehört habe, die Wochen zu zählen. Erstens weil ich schon in Monaten zähle (bald 2 Monate in Ecuador) und zweitens weil die Zeit hier irgendwie anders vergeht als in Europa. (Drittens auch, weil ich jetzt zu faul bin zum Nachrechnen.) Manche Sachen gehen so unkompliziert und schnell, anderes dauert ewig und ist extrem schwierig. Außerdem geschieht so viel um einen herum, dass man gar nicht alles so schnell verarbeiten kann und daher kommt wahrscheinlich, dass es einem vorkommt, als ob die Zeit wie im Flug verginge. Letzten Mittwoch ist der Klaus I heimgeflogen, der Abschied war sehr traurig, weniger für uns, wo wir uns sicher sind, dass wir uns, wenn alles gut geht, in Österreich in einem Jahr wieder sehen, sondern für ihn, wo er ja weiß, dass er viele seiner ecuadorianischen Kollegen und Freunde vielleicht nie wieder sehen wird. Klingt irgendwie sehr hart, ich auf jeden Fall wünsch ihm, dass er wieder einmal kommen kann um alle zu besuchen.
Meine Tiere machen mir zu Zeit ein bisschen Sorgen. Die Gänse wollen nur mehr Blätter fressen, die ich in der Trockenzeit aber einfach nicht finde (kennt sich vielleicht wer aus, was sie sonst noch fressen könnten? – unsere Bauern reden immer nur von Mais…) und der Hier (Hund) ist am Montag mit einer tiefen Wunde am Ohr nach Hause gekommen, nachdem er das ganze Wochenende weg war. Die Wunde hat sich irgendwie infiziert und ich fürchte, dass er so Parasiten oder was hat, weil er sich ständig kratzt und jetzt auch schon das andere Ohr aufgekratzt hat. Am Donnerstag hab ich endlich einen Tierarzt erreicht, der ihm dann 2 Spritzen gegeben hat und Medikamente um 15$ verschrieben hat. Ich hab aber nicht alle gekauft, weil nicht mal ich so viel Geld mitgehabt habe. Jedenfalls hab ich auf die falschen verzichtet; die Salbe lässt er sich nicht raufschmieren, also hab ich heute den Spray noch gekauft, den ich ihm, während er schläft von hinten auf die Wunde sprühe, der sollte dann die Parasiten und Fliegen von ihm abhalten. Naja, in Pedro Carbo 15$ für Hundemedizin auszugeben bereitete mir schon ein schlechtes gewissen, die monatliche Sozialhilfe, von der Menschen (über)leben können sind 30$.
Letzten Samstag waren wir mit ein paar Leuten vom CAAM auf Ausflug am Campo (Land – wobei Pedro Carbo auch eher Land als Stadt ist) und am Campo herrschen schon noch andere Verhältnisse als in der Stadt. Wir sind so mit dem Pickup über Schotterstrassen und durch fast ausgetrocknete Flussbette gefahren, während in den Lacken, die der Fluss von der Regenzeit gelassen hat, Leute sich oder ihre Wäsche gewaschen haben. Und manche Häuser dort bestehen echt nur aus ein paar Stecken, Wellblech und einer Plane als Dach. Dann sind uns viele Leute auf Pferden oder so Maultieren begegnet. Hat Vorteile, denn wo wir den Pickup abstellen mussten, wären wir auf den Tieren sicher noch weitergekommen. Wir sind dann über einen relativ steilen Hang hinunter in ein Flussbett (Klaus und ich haben einen riesigen Topf mit Arroz con Pollo [Reis mit Hendl] geschleppt) zu einem Fluss, der noch immer Wasser hatte und an dieser Stelle einen Wasserfall und 2 tiefe Becken macht. Ich habe leider meine Badehose vergessen, aber das vom Felsen Springen wäre sowieso nichts für mich gewesen.
Am Sonntag war dann großes Bingo vom CRESEM, da kommen an die 1000 Leute und spielen Bingo. Von reichen Leuten oder Firmen werden Preise (Kühlschränke, Fernseher, Hauptpreis war 500$ in bar) gespendet und der Gewinn geht ans CRESEM. Ganz schön viel nämlich, wenn man bedenkt, dass eine Tabla, so eine Tabelle zum Bingospielen, mit der man teilnehmen kann, 5$ kostet und dann wird Essen und Trinken auch noch verkauft. Ich hab nicht gespielt, dafür um so mehr fotografiert und auch 7 Empanadas (so frittierte Teigtaschen mit Käse oder Fleisch oder Hendl drin, extrem fett aber gut!) und 2 Chuzos (ein gegrillter Spieß mit unreifer gebratener Kochbanane, die ein bisschen nach Erdapfel schmeckt und Wurst) gegessen, damit Geld reinkommt. Es gibt schon gute Sachen zu Essen, aber wirklich hochwertiges Essen, oder Produkte, die annähernd so sind wie in Österreich (zB Schwarzbrot) sind schwer zu bekommen und dann oft sehr sehr teuer. Auch die Getränke. Ecuadorianer trinken neben Bier sehr gerne Jugo (Saft) und Cola (alle Sorten von Cola und Fanta und anderen kohlensäurehältigen Flüssigkeiten). Die Jugos sind manchmal sehr gut, weil sie nach tropischen Früchten schmecken, von denen man noch nie gehört hat. Die Kehrseite allerding ist, dass da auch viel Zucker drin ist. Es gibt in Ecuador Sorten von Cola, die weit schlimmer schmecken als Red Bull (ja, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber das gibt es. Wir haben einen Vergleich gemacht: In einem normalen Coca Cola sind 26 g Zucker pro 250 ml. In einem Kola Gallita, einem ecuadorianischem Cola sind 66 g Zucker pro 250 ml, das entspricht ca einem Viertel der Masse, was bei einer 3l-Flasche in der es verkauft wird einem dreiviertel Kilo Zucker entspricht. Wenn man in Ecuador „Cola“ bestellt, wird man gefragt „Cuál Cola?“ (Welches?) und wenn wir Zivis jetzt meistens, dass „Negra“ (Schwarzes, Coca Cola oder Pepsi) als geringeres Übel bestellen, heißt es dann nur mehr „Diät-Cola“.
Naja, ich hoffe, es funktioniert, wenn ich jetzt Bilder ins Internet stelle. Bitte, bitte, bitte,...
Ja, funktioniert: http://www.flickr.com/photos/27350295@N04/
Bilder sind aber in umgekehrter Reihenfolge, beginnen hier mit Bingo, dann Ausflug und dann Spielereien im Buero, war aber umgekehrt.
Momentan bin ich gerade in Baños, im Gebirge am Fusse des Tungurahua, eines Vulkanes, der ueber 5000 Meter hoch ist und immer wieder fuer Abwechslung sorgt, momentan aber ruhig ist. Ausfuehrlichere Berichte und Fotos gibt es naechste Woche im Blog.
Liebe Gruesse.
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