Jetzt geht’s dem Ende zu. In zwei Wochen bin ich schon im finalen Urlaub, bis dorthin wird es aber noch ordentlich stressig. Weil der Manuel nicht da ist, bin ich jetzt ein bisschen zur Anlaufstelle für alle kleineren und größeren Probleme geworden, ich hoffe, ich kann dann wenigstens den Urlaub genießen und werde nicht ständig angerufen, wenn sie im CAAM Sachen nicht finden, die schon wochenlang im Büro herumliegen. Auch die Buchhaltung muss noch einmal auf Vordermann gebracht werden, die vielen Bewegungen in Zusammenhang mit unserem UNO-Projekt verursachen doch auch mehr Arbeit und außerdem ist bald der erste Quartalsbericht fällig, das heißt, für alle Ausgaben muss man sich die offiziellen Rechnungen besorgen, alles in einen Bericht mit 9 Anhängen verpacken und abschicken. Am Dienstag wollte ich die fehlende Unterschrift für das Zertifizieren der Heiratsurkunde von Manuel und Katty sowie der Geburtsurkunde ihres Sohnes besorgen, konnte aber nicht, da ich kein direkter Verwandter bin und ich eine Autorisation brauchte. Beim zweiten Versuch am Mittwoch schaffte ich es dann, wie ich zur schriftlichen Autorisation von Manuel innerhalb eines Tages kam, möchte ich an dieser Stelle besser nicht erwähnen. Und obwohl in der schriftlichen Autorisation ein Tippfehler war und deswegen meine Reisepassnummer nicht stimmte, kam ich zu der Unterschrift, in der der Beamte des einen Registro Civil mit Unterschrift und Siegel bestätigt, dass die erste Unterschrift und das erste Siegel auf dem Dokument tatsächlich von einem Beamten des anderen Registro Civil ist. Die Reisepassnummer ist nämlich für Ausländer das, was für Ecuadorianer oder Ausländer mit Cedula (ecuadorianischer Personalausweis) die Nummer selbigens ist. Diese Nummer ändert sich normalerweise nie, auch wenn sie einen neuen Ausweis bekommen und ohne dieser Nummer geht gar nichts, jeder Ecuadorianer ist vor dem Staat eigentlich nur seine Nummer. Und ich habe eben nur das Censo, das man bekommt, wenn man mit einem gültigen Visum im Land ist und somit den Reisepass ersetzt, das heißt ich kann ohne Reisepass, nur mit dem kleinen Kärtchen herumreisen. Auch auf der zweiten Station, dem Gobierno del Litoral bekam ich endlich die Bestätigung, eine „Apostillierung“, ich weiß nicht, ob es das Wort auf Deutsch gibt, aber so heißt das, da lässt man die Gültigkeit von Dokumenten bestätigen, damit sie auch in anderen Ländern gelten.
Aber ich muss sagen, dass die ganzen Beamten, mit denen ich zu tun hatte, obwohl sie gnadenlos streng sind, wenn irgendeine Kleinigkeit fehlt, doch auch sehr korrekt arbeiten. Keiner hat Geld verlangt, ohne nicht einen offiziellen Beleg auszustellen, im Gobierno del Litoral muss sowieso schon lang jede Zahlung auf ein Bankkonto getätigt werden, damit Korruption erschwert wird. Es hängen auch überall Plakate auf denen steht, wie viel was kostet, damit man den Beamten nicht mehr zahlt, falls sie mehr verlangen sollten und dass man Korruption anzeigen soll. Zumindest in den unteren Reihen der Beamten wird Korruption hierzulande schon wirksam bekämpft. Wie es weiter oben aussieht, weiß ich nicht.
Als ich am Mittwoch in Guayaquil am Busterminal ankam wusste ich schon, welchen Bus ich nehmen musste um zum Registro Civil del Sur zu kommen, am Vortag war ich noch eine Stunde zu Fuß herumgeirrt, bis ich es fand. Damit ich zum Bus der Linie 125 kam, musste ich aber zum zweiten Busbahnsteig vor dem Terminal und die Straße des ersten überqueren. Ist ja nicht so schwer, wenn man viel in Guayaquil unterwegs ist, wo es nicht gar so viele Zebrastreifen gibt, lernt man, wie man sogar achtspurige Straßen ohne Ampeln überquert und die Busfahrbahn hat gerade mal einen Fahrstreifen, also einfach drübergehen. Doch plötzlich sehe ich wie mich ein Vigilante (Verkehrspolizist) zu sich winkt. In dem Moment hab ich mir nur gedacht, er soll doch zu mir kommen, wenn er was will. Trotzdem gehe ich zu ihm und begrüße ihn, er weißt mich freundlich darauf hin, dass zehn Meter weiter ein Zebrastreifen ist, wirklich er hat recht, damit habe ich mich noch nie aufgehalten, dort einen Zebrastreifen zu suchen. Dann will er mein Cedula sehen und ich sage ihm, dass ich keines habe und zeige ihm dafür mein Censo. Er fragt mich, was ich in seinem Land mache, ein bisschen herausfordernd schon, ich erkläre ihm, was ich mache, auch wenn ihn das überhaupt nichts angeht, aber die Ecuadorianer sind halt neugierig und ich rede ja manchmal auch gerne. Dann meint er, ich muss meinen Reisepass mithaben, ich sage ihm, nein, ich brauche den Reisepass nicht, wenn ich das Censo habe, dann sagt er noch, alle Ausländer brauchen ein Cedula, ich soll gleich dort gegenüber auf die Migración (Fremdenpolizei) gehen und mir ein Cedula holen. Leider habe ich ihm dann erklären müssen, dass die Migración nicht für Cedulas zuständig ist und habe ihm mein Censo aus der Hand genommen und erklärt, dass mein Visum ein Visum 12-VII ist und dass Visa dieser Klasse nicht zum Cedula berechtigen. Dann hat er nicht mehr gewusst, was er sagen soll und hat irgendwas gemeint, er mag keine Strafzettel mehr ausstellen und ist gegangen. Das war so klar, dass der mir nur irgendetwas einreden wollte, warum ich „Strafe“ in seine Privatkassa zahlen sollte, nur leider hatte er keine Ahnung von dem was er mir erzählte. Aber danach sah ich wirklich Leute, die Strafe zahlten, weil sie über die Straße gingen, wo es keinen Zebrastreifen gab.
Deswegen ist es immer gut, wenn man selbst ein bisschen was weiß, und man braucht sich nicht jeden Blödsinn einreden lassen. Das geht nämlich in Ecuador sehr gut normalerweise, tut jemand, als ob er etwas wisse, kann er die Unwissenden manipulieren, wenn du aber wirklich was weißt, dann bist du weniger anfällig für Manipulation. Wissen ist also nicht nur Macht sondern auch Freiheit in dem Sinne. Und jedes diktatorische System baut auf die Unwissenheit auf. Aber nicht nur diese, auch die ach so tolle Freiheit des Kapitalismus baut auf Dummheit auf oder wäre sonst Werbung so effektiv?
War wieder ein bisschen Moralpredigt, aber es tut gut, hin und wieder darüber nachzudenken!
Hasta la proxima!
Artikel über den Aufenthalt in Ecuador 2008-2009 und die Reise durch Russland, die Mongolei und China 2011
Samstag, 27. Juni 2009
Sonntag, 21. Juni 2009
Hochzeit und weg
Die Woche war relativ stressig, da der Manuel am Freitag nach Österreich auf „Heimaturlaub“ flog und bis 31. Juli nicht zurückkommen wird. Somit ging es in dieser Woche darum, die anstehenden Tätigkeiten für die kommende Zeit abzuklären und unter denjenigen aufzuteilen, die hier bleiben. Manuel hat jetzt ein neues Visum für Ecuador, weil er das „Missionarsvisum“ nicht mehr verlängern konnte da er einen RUC (Steuernummer) hat, damit er dem CAAM für seinen kleinen Gehalt Rechnungen stellen kann, und somit nicht mehr als Freiwilliger gilt. Das neue Visum bekam er als Vater eines ecuadorianischen Kindes und berechtigt ihn auch zu einem ecuadorianischem Personalausweis, dem Cedula. Das Cedula bekam er am Dienstag, am Mittwoch war noch Generalversammlung (Asamblea) des CAAMs und am Donnerstag heirateten er und seine Katty am Registro Civil (Standesamt) in Guayaquil. Zu Mittag fuhren wir von Pedro Carbo weg, um zwei Uhr waren wir alle im Zentrum angelangt. Das neue Registro Civil in einer der besten Bürogegenden Guayaquils gibt es erst seit wenigen Monaten und funktioniert sehr modern. Über grosse Flatscreen-Monitore werden im ersten Stock die anstehenden Hochzeiten aufgerufen, da kam dann auch „Gschweitl Pluas“; in Ecuador behält man bei der Hochzeit seine üblicherweise zwei Nachnamen, die Kinder bekommen als ersten Nachnamen den ersten des Vaters und als zweiten den ersten der Mutter. Gegen drei Uhr wurden wir unerwartet pünktlich in einen kleinen Saal gebeten, drinnen warteten schon zwei Männer, beide dunkle Hautfarbe, Glatze und einer der beiden hat sicher 150 kg oder mehr gehabt. Die beiden hätten auch Türsteher in irgendeiner Disco von Guayaquil sein können. Noch vor der offiziellen Zeremonie nam einer der beiden die Ausweise von Manuel und Katty in die eine und einen Locher in die andere Hand. Und ganz feierlich machte er in jeden Ausweis ein Loch ins Foto. Auf denen steht nämlich, dass sie ledig sind, ein Loch im Ausweis heisst, dass man geheiratet hat und wenn man sich dann den nächsten ausstellen lässt, steht dann drauf, dass sie verheiratet sind. Die Zeremonie war dann relativ kurz, die meiste Zeit wurde nur unterschrieben, Flo1 kam extra aus Quito zur Hochzeit und unterschrieb als einer der zwei Trauzeugen. Nach der Hochzeit machten wir noch schnell ein paar Fotos am Malecon2000, der Uferpromenade am Rio Guayas und fuhren danach eine Stunde mit einem kleinen überfüllten Stadtbus zum Haus von Kattys Schwester, wo es noch ein kleines Essen gab. Am Abend fuhren wir dann noch mit einem bumvollen Pedro-Carbo-Bus nach Pedro Carbo. Am nächsten Tag begleitete ich auch noch Manuel und Katty zum Flughafen, aber nicht nur ich, Kattys ganze Familie kam mit, ihr Vater übernahm das Steuer des Kleinbusses, den uns der Herbert geborgt hatte. Der Vater, Verkehrspolizist und in der Freizeit Busfahrer, fürchtet natürlich nichts auf den Straßen zwischen Pedro Carbo und Guayaquil und somit brauchte er sich auch nicht anschnallen, wobei es aber in Ecuador sogar das Gesetz gibt, dass zumindest der Fahrer wenn nicht auch der Beifahrer angeschnallt sein müssen. Trotzdem, wenn einen dann die Polizei deswegen aufhalten würde ginge es denen wohl eher um das zu kassierende Bestechungsgeld als um die Verkehrssicherheit. So fuhren wir also im voll besetzten Kleinbus zum Flughafen. Irgendwie hatte ich geglaubt, ich könnte auf der Fahrt schlafen, war ein Irrtum, Kattys drei Geschwister haben alle ihre Kinder mitgebracht, von Ruhe war da keine Spur, aber wie so oft in Ecuador, die Gesellschaft ist einfach jünger, einerseits, weil die Lebenserwartung geringer ist und andererseits, weil es kaum Nachwuchsprobleme gibt, überall sieht man Mütter mit Kindern, Kinder spielen in der Straße und immer ist etwas los. Jedenfalls war der Abschied am Flughafen schon auch ziemlich emotional, aber viele aus Pedro Carbo gehen ja doch nicht auf so eine weite Reise. Beim Einchecken erklärten wir abwechselnd Manuels Schwiegervater oder seinen Enkeln, wie das alles funktioniert, warum man sich da jetzt anstellen muss und nicht einfach hingeht und einsteigt wie beim Bus. Kurz überlegte ich mir, wie es wohl wäre, wenn der internationale Flugverkehr so funktionieren würde wie der Busverkehr in Ecuador, aber besser, man denkt gar nicht daran. Danach fuhr ich noch aufs INAR (Instituto Nacional de Riego, also nationales Bewässerungsinstitut), da das CAAM dort einen Antrag auf Förderung von 11 Brunnen, die jeweils für einige Bauern gemeinsam nutzbar sein sollten, stellte. Ich holte nur einen kleinen Zwischenbericht ab, da ja immer alle Unterlagen nach Quito geschickt werden müssen und dann gibt es darüber viel zu viele Berichte. Und dann fuhr ich noch auf Gobierno de Litoral, die Vertretung des Staates in Guayaquil, da ich die Heiratsurkunde von Manuel und Katty und die Geburtsurkunde von Samuel irgendwie „apostilieren“ lassen musste. Manuel meinte, das geht ganz einfach, einfach hingehen, fragen, dann daneben zum Bankschalter, das Geld dafür depositieren und dann den Stempel abholen. So war es aber nicht, der am Schalter meint, auf den Dokumenten fehlt die Unterschrift eines Beamten im Registro Civil del Sur, also nicht einmal in dem Registro Civil, wo sie geheiratet haben, sondern in einem anderen. Komisch. In das andere werde ich wahrscheinlich nächste Woche fahren, damit ich die fertigen Dokumente am Donnerstag mit den Tirolern nach Österreich schicken kann, da sie Manuel dort braucht.
Am Samstag machten wir einen kleinen Ausflug nach Estacada zum Schwimmen und ein bisschen Erholen, danach gingen wir noch zur halben Brücke. War ein netter Ausflug, auch um Pedro Carbo gibt es ein paar schöne Flecken, die sich lohnen, besucht zu werden.
Am Samstag machten wir einen kleinen Ausflug nach Estacada zum Schwimmen und ein bisschen Erholen, danach gingen wir noch zur halben Brücke. War ein netter Ausflug, auch um Pedro Carbo gibt es ein paar schöne Flecken, die sich lohnen, besucht zu werden.
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Montag, 15. Juni 2009
Cena Solidaria, Quito y Saquisilí
Wieder eine ereignisreiche Woche. Am Mittwoch Nachmittag machte ich mich auf den Weg nach Saquisili, einer kleinen Stadt in den Anden, in der Nähe von Latacunga, etwa eine Stunde südlich von Quito. Dorthin fuhren nämlich schon davor die zwei Gäste aus Tirol sowie Jakob, Barbara und Lisa. Ich kam erst am Mittwoch nach, da ich im CAAM noch viel Arbeit hatte, vor allem, weil es jetzt darum geht, alles wichtige zu erledigen, da Manuel ab 19. Juni bis 31. Juli, also bis zum Ende meines Zivildienstes, nach Österreich fliegt. So kam ich gegen halb drei von Pedro Carbo weg und kam in Guayaquil um halb vier an. Dort kaufte ich ein Busticket nach Latacunga, sieben Dollar kostete das für etwa sieben Stunden Fahrt, das ist immer sehr leicht zu bemessen, eine Stunde Fahrt kostet in der Regel immer einen Dollar, somit kann man nachvollziehen, ob der angebotene Preis gut ist, oder ob man als Ausländer betrogen wird. Um dreiviertel vier fuhr der Bus auch schon los, auf dem Bus stand aber, dass er nur bis Ambato (nicht einmal eine Stunde südlich von Latacunga) fährt. Während der Fahrt schlief ich und bekam im Fernsehen nur Teile des 2:0 Sieges von Ecuador über Argentinien mit. Dazu muss man sagen, dass das Match in Quito war und in Quito, auf 2800 Metern Seehöhe laufen die Ecuadorianer, die es gewöhnt sind, den Top-Mannschaften von Brasilien oder Argentinien einfach davon. Jedenfalls wachte ich nur bei einem Elfmeter, den der ecuadorianische Tormann verursacht und gehalten hat und bei den zwei Toren der Ecuadorianer auf, da der ganze Bus lautstark mitfieberte. Um elf waren wir dann in Ambato, Endstation, ich war schon fast ein bisschen sauer, weil man mir das Ticket bis Latacunga verkauft hatte, beim Aussteigen aber gibt mir der Oficial (Art Schaffner vom Bus) einen Dollar in die Hand und sagt, dass das das Geld ist, mit dem ich jetzt nach Latacunga fahren soll. Ich war ziemlich überrascht von dieser Ehrlichkeit und eine Frau, die nach Quito weiterfahren wollte und ich gehen die Straße hinauf und suchen Busse, die um diese Uhrzeit noch nach Latacunga und weiter fahren. Auf dem Weg erzählt sie mir, wie gefährlich es in Ambato um diese Uhrzeit rund um das Terminal ist und dass sie froh ist, dass sie einen Mann als „Deckung“ mit hat, ich glaube, sie hat in der Finsternis nicht ganz begriffen, dass ich Ausländer bin und dass sie mit mir eigentlich noch gefährdeter ist. Wir fanden auch einen Bus, der uns mitnahm und gegen Mitternacht war ich in Latacunga. Natürlich fährt um diese Uhrzeit kein Bus mehr ins kleine Städtchen Saquisili, somit fragte ich ein Taxi, wie viel es kostet bis Saquisili. Der Fahrer wollte dann fünf Dollar für eine Viertel Stunde Fahrt und ich habe mir gedacht, das leiste ich mir, weil in Latacunga noch etwas zum Übernachten zu suchen, hätte vielleicht mehr gekostet. Am Hauptplatz von Saquisili fand ich auch gleich das einzige Hotel der Stadt, wo ich mir dann gemeinsam mit Jakob, Barbara und Lisa, die mit Andreas und Waltraud, den zwei Tirolern, und Simon und seinem Vater, schon seit dem Nachmittag dort waren, ein Zimmer, das zusammen 15 Dollar kostete teilte. Das Hotel war auch für ecuadorianische Verhältnisse schlecht, aber für eine Nacht hat es gereicht. Ich habe ja noch gar nicht geschrieben, warum wir eigentlich nach Saquisili wollten; dort gibt es angeblich acht Märkte, von denen wir am nächsten Tag ab halb sieben drei oder vier besuchten, darunter ein riesiger Tiermarkt, wo Kühe, Schweine, Hühner, Hasen, Meerschweinchen, Schafe und alles mögliche gehandelt werden. Nachdem wir dann in der ganzen Stadt keine anständigen Kaffee fanden, verließen wir sie in Richtung Quito. Simon und sein Vater aber fuhren zurück Richtung Guayaquil und Pedro Carbo, da am Freitag der Rückflug des Letzteren anstand. In Quito wohnten wir in einem sehr guten Hotel mitten in der Altstadt und besichtigten in der kurzen Zeit bis Freitag Mittag einige Kirchen und historische Stätten. Am Donnerstagabend besuchten wir auch eine Vorstellung der Theatergruppe, in der Flo1 jetzt arbeitet. Am Freitag fuhren wir über Tag nach Guayaquil und dann nach Pedro Carbo zurück. Ich weiß jetzt, dass ich sicher nie mehr am Tag von Quito nach Guayaquil fahre, weil es viel zu lange dauert und man nicht gut schlafen kann im Bus, aber die Erfahrung war es wert. Am Samstag stand dann das „Cena Solidaria“ („Solidaritätsabendessen“) des INESEM (früher CRESEM) an. Bei dieser Veranstaltung kommen Leute, zahlen fünf Dollar Eintritt, bekommen dafür ein Abendessen und gleichzeitig eine „Show“ geboten, der Reinerlös ist für die Erhaltung des INESEMs. Die Show bestand aus Tänzen der gehörlosen Schüler des INESEMs, wirklich eine tolle Leistung, wie die tanzen, einer Tae-kwon-do (ich hoffe, das schreibt man so ähnlich) Vorführung von Koreanern und Ecuadorianern aus Guayaquil, vier Stücken von David solo auf der Geige, mehrere Gesangseinlagen von Leuten aus der Umgebung, ein Gitarrenstück von mir, einem chaotischen Polkatanz von uns Österreichern, danach haben wir auch noch „Weil der Mensch zählt“ von Alf Poier gesungen. Das ist recht gut angekommen beim pedrocarbensischem Publikum, obwohl sie kein Wort verstanden haben. Auch die Polka haben wir am Nachmittag zu proben begonnen, dementsprechend chaotisch war es, aber den Zusehern hat es voll gefallen und sie schrien sogar nach einer Zugabe, die wir aber nicht mehr bringen konnten, da wir einfach schon komplett fertig waren nach zwei Minuten Attwenger-Polka tanzen.
Am Sonntag zeigte ich den beiden Tirolern noch das „schöne Guayaquil“, damit sie diese Stadt auch einmal gesehen haben.
Letztens habe ich wieder einmal im Internet Nachrichten aus Österreich gelesen, auf der Seite des ORF las ich da „Rollende Bombe aus dem Verkehr gezogen“, ich klickte diese Meldung an, dachte an Autobomben oder Sprengstofflieferungen und las aber nur von einem Reisebus, dessen Achse gerostet waren und der es dadurch auf die Titelseite des ORFs geschafft hatte. Ich muss noch immer darüber lachen, ich glaube in Ecuador fahre ich dann ständig nur mit „Rollenden Bomben“. Oder „Licht am Tag“ ist ja auch etwas Lustiges, in Ecuador müsste man die Kampagne „Licht bei Nacht hat noch keinen umgebracht“ oder „Licht einbaun zum besser schaun“ starten. Dafür fahren auch manche am Tag mit Fernlicht. Wer hat, der hat. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.
Am Sonntag zeigte ich den beiden Tirolern noch das „schöne Guayaquil“, damit sie diese Stadt auch einmal gesehen haben.
Letztens habe ich wieder einmal im Internet Nachrichten aus Österreich gelesen, auf der Seite des ORF las ich da „Rollende Bombe aus dem Verkehr gezogen“, ich klickte diese Meldung an, dachte an Autobomben oder Sprengstofflieferungen und las aber nur von einem Reisebus, dessen Achse gerostet waren und der es dadurch auf die Titelseite des ORFs geschafft hatte. Ich muss noch immer darüber lachen, ich glaube in Ecuador fahre ich dann ständig nur mit „Rollenden Bomben“. Oder „Licht am Tag“ ist ja auch etwas Lustiges, in Ecuador müsste man die Kampagne „Licht bei Nacht hat noch keinen umgebracht“ oder „Licht einbaun zum besser schaun“ starten. Dafür fahren auch manche am Tag mit Fernlicht. Wer hat, der hat. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.
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Montag, 8. Juni 2009
Kleiner Strandausflug mit dem Auto
Das vergangene Wochenende waren wir in Puerto Lopez, mit Waltraud und Andreas, zwei Tirolern und Großspender für die Projekte in Pedro Carbo. Waltraud ist die Apothekerin von Aldrans bei Innsbruck und Andreas ist auch Pharamzeut, er macht „Suplementierungen“, das heißt so eine Art Nahrungsergänzung, also Vitamine, Mineralstoffe und alles mögliche stellt er selbst her und verkauft es an Sportler, darunter auch einige österreichische Fußballvereine. Und die beiden wollten eben am Wochenende ans Meer fahren, so haben wir (Jakob, David, Barbara und ich) uns mit ihnen am Freitag Nachmittag auf den Weg gemacht. Weil die zwei dem Herberth aber verständlicherweise so wichtig sind, hat der Herberth uns ein Auto überlassen, dass wir die beiden hin und auch wieder heil zurückbringen. Ich war dann der Chauffeur, was mir aber eigentlich gefallen hat, der 30 Jahre alte Kleinbus vom Herberth hat mittlerweile 310.000 km drauf und besitzt einige Eigenheiten, trotzdem hat er uns nicht im Stich gelassen. Die Reise mit den beiden Gästen war einfach nur lustig, hätte mir nicht gedacht, dass ich mit denen, wo sie schon mindestens doppelt so alt sind wie ich, so viel Spaß haben kann. Am Sonntag sind wir dann noch die Küstenstraße bis Manta gefahren und dann über Montecristi zurück nach Pedro Carbo. In Montecristi werden die originalen „Panamahüte“, die ja bekanntlich nicht aus Panama sind, hergestellt, und so ein Hut ist natürlich für jeden Ecuador-Touristen ein Muss. Am Sonntagabend war ich dann richtig müde, 200 km Autofahren auf teilweise sehr kaputten Straßen sind schon anstrengend, überhaupt, weil ich das Fahren nicht mehr so gewohnt bin, wie ich es in Österreich war.
Mein Laptop scheint kaputt zu sein, dabei ist er nur durch einen blöden Fehler kaputt geworden, weil jemand das Boot-Password drei mal falsch eingegeben hat und jetzt nicht mal mehr das richtige Passwort funktioniert. Schon ärgerlich, aber es ist ja nur der Computer, wäre es meine Kamera oder wäre mir etwas passiert, wäre es natürlich noch schlimmer. An dem Abend, als das in der Zivi-Küche passierte, lag ich dann ganz verzweifelt auf der Couch, doch plötzlich bekam ich unerwartete Betreuung von meinen Tieren, die Katze hat sich zu meinem Kopf gekuschelt und der Hund will auf mich klettern und sich auch dazukuscheln, er hat aber so aus dem Mund gestunken, weil er wieder irgendwas grausliches aus dem Schlachthof geholt und gefressen, und weil der Mundgeruch so erbärmlich gestunken hat, habe ich gleich alle anderen Sorgen vergessen. Mein Kriseninterventionsteam hat sich in weiterer Folge aber mehr mit sich selbst als mit mir beschäftigt, direkt neben meinem Kopf haben die zwei begonnen, sich zu beißen, kratzen und anzuknurren, was sie als Spielen verstehen. Das ist echt sehenswert, wenn die zwei spielen, da laufen sie sich gegenseitig wie die Wilden nach, springen sich an, die Katze beißt den Hund in Nase, Ohren und sonst wo hin, der Hund hat gleichzeitig die halbe Katze im Maul, aber es hat sich noch keiner der beiden je dabei verletzt, weil nur die Katze richtig fest beißt und auch mit ihren Krallen nicht gerade zimperlich mit dem Hund umgeht. Manchmal fehlt aber auch dem Hund ein bisschen das Gspür und er steigt einfach in den Bauch der Katze, wenn sie sich vor ihm auf dem Boden wälzt.
Gut, also viel Neues gibt esja eh nicht, die neue Zivi-Küche im CAAM funktioniert sehr gut, vor allem unter der Leitung von Flos Schwester und Lisa, die schon seit fast drei Wochen jetzt da sind und fast jeden Abend kochen. Am Donnerstag haben wir ein kleines Feuer im Hof gemacht und ich, als „Chief Salad Officer“, gemeinsam mit dem „Barbecue Consultant“ Jakob und der „Master of Kitchen“, Schwester Barbara, haben wir doch ein bisschen etwas zusammengebracht, auch wenn einige Würstel und Maiskolben wegen der Schräglage des Rosts ins Feuer gerollt sind, da hat wohl der „Fire Construction Engineer“ (ich) etwas ein bisschen schlecht gebaut.
Es scheint, als begänne jetzt die große Besuchszeit in Pedro Carbo, Simons Vater ist noch da, am Donnerstag kamen zwei Ärzte aus Tirol, in zwei Wochen kommen bald Davids Eltern und Familie, in einem Monat kommt meine Familie und Maria, Ende Juli die Christa, Anfang August die Kerstin und so geht es dahin. Irgendwie wird mir immer mehr bewusst, dass ich mich vom Zivi-Leben schon schön langsam verabschieden muss, ich genieße die Zeit so gut es geht, auch wenn sie knapp ist und ich noch so viel erledigen will. Gerade in letzter Zeit arbeite ich an einer Access-Datenbank, die in Zukunft die gemeinschaftliche Vermarktung von Früchten erleichtern soll. Früher wurde jede Lieferung in Excel-Tabellen zusammengefasst, in die neue Datenbank gibt man einfach die Kosten, Erträge und Anteile der einzelnen Bauer ein und alles andere Errechnet die Datenbank und verpackt es in einen schönen Bericht, nach dem die Kleinsparkasse dann die entsprechenden Anteile auf die Sparbücher der Bauern überweist. Der neue Bericht legt auch alle Kosten und Erträge für das CAAM offen, somit kann auch der – zu Recht – kritische Bauer genau nachvollziehen, wie dieser Preis zustande kommt. Mit der Datenbank ist es auch viel leichter, statistische Daten über die Vermarktung zu erhalten, per Klick kann man sich ansehen, welcher Bauer in welcher Zeit wie viel Kilo von welcher Frucht über das CAAM verkauft hat.
Natürlich muss sich die Datenbank noch im praktischen Betrieb bewähren, sie ist auch noch nicht ganz fertig, aber mir macht es irgendwie Spaß.
Mein Laptop scheint kaputt zu sein, dabei ist er nur durch einen blöden Fehler kaputt geworden, weil jemand das Boot-Password drei mal falsch eingegeben hat und jetzt nicht mal mehr das richtige Passwort funktioniert. Schon ärgerlich, aber es ist ja nur der Computer, wäre es meine Kamera oder wäre mir etwas passiert, wäre es natürlich noch schlimmer. An dem Abend, als das in der Zivi-Küche passierte, lag ich dann ganz verzweifelt auf der Couch, doch plötzlich bekam ich unerwartete Betreuung von meinen Tieren, die Katze hat sich zu meinem Kopf gekuschelt und der Hund will auf mich klettern und sich auch dazukuscheln, er hat aber so aus dem Mund gestunken, weil er wieder irgendwas grausliches aus dem Schlachthof geholt und gefressen, und weil der Mundgeruch so erbärmlich gestunken hat, habe ich gleich alle anderen Sorgen vergessen. Mein Kriseninterventionsteam hat sich in weiterer Folge aber mehr mit sich selbst als mit mir beschäftigt, direkt neben meinem Kopf haben die zwei begonnen, sich zu beißen, kratzen und anzuknurren, was sie als Spielen verstehen. Das ist echt sehenswert, wenn die zwei spielen, da laufen sie sich gegenseitig wie die Wilden nach, springen sich an, die Katze beißt den Hund in Nase, Ohren und sonst wo hin, der Hund hat gleichzeitig die halbe Katze im Maul, aber es hat sich noch keiner der beiden je dabei verletzt, weil nur die Katze richtig fest beißt und auch mit ihren Krallen nicht gerade zimperlich mit dem Hund umgeht. Manchmal fehlt aber auch dem Hund ein bisschen das Gspür und er steigt einfach in den Bauch der Katze, wenn sie sich vor ihm auf dem Boden wälzt.
Gut, also viel Neues gibt esja eh nicht, die neue Zivi-Küche im CAAM funktioniert sehr gut, vor allem unter der Leitung von Flos Schwester und Lisa, die schon seit fast drei Wochen jetzt da sind und fast jeden Abend kochen. Am Donnerstag haben wir ein kleines Feuer im Hof gemacht und ich, als „Chief Salad Officer“, gemeinsam mit dem „Barbecue Consultant“ Jakob und der „Master of Kitchen“, Schwester Barbara, haben wir doch ein bisschen etwas zusammengebracht, auch wenn einige Würstel und Maiskolben wegen der Schräglage des Rosts ins Feuer gerollt sind, da hat wohl der „Fire Construction Engineer“ (ich) etwas ein bisschen schlecht gebaut.
Es scheint, als begänne jetzt die große Besuchszeit in Pedro Carbo, Simons Vater ist noch da, am Donnerstag kamen zwei Ärzte aus Tirol, in zwei Wochen kommen bald Davids Eltern und Familie, in einem Monat kommt meine Familie und Maria, Ende Juli die Christa, Anfang August die Kerstin und so geht es dahin. Irgendwie wird mir immer mehr bewusst, dass ich mich vom Zivi-Leben schon schön langsam verabschieden muss, ich genieße die Zeit so gut es geht, auch wenn sie knapp ist und ich noch so viel erledigen will. Gerade in letzter Zeit arbeite ich an einer Access-Datenbank, die in Zukunft die gemeinschaftliche Vermarktung von Früchten erleichtern soll. Früher wurde jede Lieferung in Excel-Tabellen zusammengefasst, in die neue Datenbank gibt man einfach die Kosten, Erträge und Anteile der einzelnen Bauer ein und alles andere Errechnet die Datenbank und verpackt es in einen schönen Bericht, nach dem die Kleinsparkasse dann die entsprechenden Anteile auf die Sparbücher der Bauern überweist. Der neue Bericht legt auch alle Kosten und Erträge für das CAAM offen, somit kann auch der – zu Recht – kritische Bauer genau nachvollziehen, wie dieser Preis zustande kommt. Mit der Datenbank ist es auch viel leichter, statistische Daten über die Vermarktung zu erhalten, per Klick kann man sich ansehen, welcher Bauer in welcher Zeit wie viel Kilo von welcher Frucht über das CAAM verkauft hat.
Natürlich muss sich die Datenbank noch im praktischen Betrieb bewähren, sie ist auch noch nicht ganz fertig, aber mir macht es irgendwie Spaß.
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