Artikel über den Aufenthalt in Ecuador 2008-2009 und die Reise durch Russland, die Mongolei und China 2011
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Zeitungsartikel
Montag, 21. Dezember 2009
Rechtzeitig vor Weihnachten...
... ist nun das Geld unterwegs - durch elektronische Kanäle vom kalten Weinviertel mit einem Umweg über die kalte Steiermark ins warme Ecuador.
Hier der Beleg für die Überweisung:
Hier der Beleg für die Überweisung:
Aus Datenschutzgründen habe ich die Kontonummern und die genaue Adresse unkenntlich gemacht, man sieht aber, dass 500 € von mir an Manuel Gschweitls (Einsatzleiter und Kontaktperson vor Ort) österreichisches Konto überwiesen wurde damit er diesen Betrag in Ecuador per Bankomatkarte abheben kann. Über diesen Weg sparen wir uns die Spesen einer Auslandsüberweisung und das Geld kommt zu 99,9 % in Pedro Carbo an - einzig und allein die Bank verrechnet Spesen in der Höhe von 2-5 € für den Wechsel von Euro in Dollar.
Zur Verwendung des Geldes in Pedro Carbo:
Es gab mehrer Vorschläge von Manuel, von den drigenden Anliegen, die sehr bald Geld benötigen möchte ich hier eine kleine Zusammenfassung geben:
- INESEM (Schule für behinderte Kinder und Jugendliche)
- jedes Jahr fehlt eine horrende Summe im Budget, mit etwa 300 Dollar (210 Euro) kann man die Bruttolohnkosten eines Lehrers für ein Monat übernehmen.
- CAAM
- wegen Baumängel im erst vor 3 Jahren errichteten Haus senkt sich der Boden immer weiter ab. Die dafür verantwortliche Firma gibt es nicht mehr, daher gibt es keinen Ansprechpartner für eine Reparatur im Rahmen der Gewährleistung. Sinkt der Boden weiter ab besteht die Gefahr eines teilweisen Einsturzes des Hauses und weit höherer Schäden als die für die Reparatur geschätzten 1.000 Dollar (700 Euro).
- Für die Chili (ají-) Vermarktung müsste aus hygienischen Gründen der bisherige Verarbeitungsraum im Nebengebäude renoviert werden oder in einem anderen Gebäude ein Raum dementsprechend hergerichtet und angepasst werden. Die Kosten dafür schätze ich auf 1.000-2.000 Dollar (700-1400 Euro), da auch viele Sanitäranlagen und teilweise das Dach neu gemacht werden müssen.
Natürlich wäre es ein Traum, wenn wir alles verwirklichen könnten, wie ihr aber oben seht, haben wir bis jetzt 500 Euro zusammenbekommen, wenn jemand diesen Betrag erhöhen und den Menschen in Ecuador damit nicht nur ein Weihnachtsgeschenk sondern ein Geschenk fürs ganze Leben machen will wäre ich begeistert. Ja, ich weiß, gerade jetzt vor Weihnachten wird man von allen Seiten angesudert, aber niemand, der euch Hochglanzprospekte in die Hand drückt, teure Briefsendungen verschickt oder Fernsehgalas veranstaltet kann euch so wie ich garantieren, dass wirklich die gesamten Spenden bei einem konkreten Projekt ankommen.
In diesem Sinne
Frohe Weihnachten!
Dienstag, 8. Dezember 2009
Erfahrungsbericht 8.12.
Herzlichen Dank für den zahlreichen Besuch, für die Einkäufe und die Spenden. Das Endergebnis liegt noch nicht vor, da die Glühwein-Abrechnung noch nicht komplett ist, wir rechnen aber mit ca 490 € Reingewinn. Ich werde das Geld an Manuel Gschweitl (Leiter des CAAMs in Pedro Carbo) überweisen, der es dort von seinem österreichischen Konto in bar abhebt und direkt weitergibt. Was genau mit Ihren Spendengeldern passiert, erfahren Sie bald hier im Blog.
Donnerstag, 24. September 2009
ZIVIS GESUCHT!
Für das Jahr 2010 sind noch Zivildienststellen in Pedro Carbo frei. Wer Interesse hat, zildienstpflichtig ist (= den Zivildienstbescheid schon hat, aber noch keine Zuweisung zum Zivildienst in Österreich), Spanisch kann, lernt, oder zu lernen bereit ist und denkt, dass er für diesen Einsatz geeignet ist, schreibt mir am Besten ein Mail (klaus.langer@speed.at).
Gesucht werden vor allem Leute mit wirtschaftlicher (HAK-) Ausbildung (Buchhaltung) oder großem sozialen Interesse (Behindertenschule) oder botanischen Kenntnissen oder Interessen (botanischer Garten).
Bitte um Hilfe, vielleicht wisst ihr, auch wenn euch dieser Aufrauf nicht direkt trifft, wer in eurem Verwandten- und Bekanntenkreis daran interessiert sein könnte.
Gesucht werden vor allem Leute mit wirtschaftlicher (HAK-) Ausbildung (Buchhaltung) oder großem sozialen Interesse (Behindertenschule) oder botanischen Kenntnissen oder Interessen (botanischer Garten).
Bitte um Hilfe, vielleicht wisst ihr, auch wenn euch dieser Aufrauf nicht direkt trifft, wer in eurem Verwandten- und Bekanntenkreis daran interessiert sein könnte.
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Montag, 21. September 2009
Wieder in Österreich
Ja, seit Mittwoch bin ich wieder im Heimatland. Bis jetzt war das alles sehr stressig, weil es nur ein Hin und Her zwischen Freunden, Familie und den eigenen Problemen mit dem Akklimatisieren war. Was ich nicht mehr gewohnt bin, ist, dass alle immer alles so weit vorausplanen, jeder will immer wissen, was man am nächsten Tag oder gar schon in der nächsten Woche vor hat. In Ecuador macht man sich über solche Sachen erst Gedanken, wenn es so weit ist. Trotzdem genieße ich Österreich wieder in vollen Zügen und werde wohl in einer Woche zu studieren beginnen.
Hier möchte ich jetzt vor allem allen danken, die immer so treu meine Einträge gelesen haben - ohne euch wäre der Blog natürlich wertlos gewesen und hätte auch mir beim Schreiben nicht solchen Spaß bereitet.
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Dienstag, 15. September 2009
Zweiter Abschied von zu Hause
Letzter Eintrag aus Ecuador:
Sind gerade am Flughafen und warten auf den Check-in.
Der Abschied von Kollegen, Freunden und auch den Tieren war nicht leicht, aber die Vorfreude auf mein altes Zuhause wächst jetzt doch auch schon.

Foto aus dem Flughafenkaffeehaus, mit Webcam aufgenommen, letztes Foto in Ecuador.
BIS BALD
Sind gerade am Flughafen und warten auf den Check-in.
Der Abschied von Kollegen, Freunden und auch den Tieren war nicht leicht, aber die Vorfreude auf mein altes Zuhause wächst jetzt doch auch schon.

Foto aus dem Flughafenkaffeehaus, mit Webcam aufgenommen, letztes Foto in Ecuador.
BIS BALD
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Dienstag, 8. September 2009
Zurück, ein bisschen mehr daheim
Am Freitag, 4. September ueberquerten wir die Grenze nach Ecuador und fuhren von der Grenzstadt Tulcan nach Otavalo. Leider legte man unsere Rucksaecke im Bus neben ca 15 Kuebeln Mora (Mischung aus Himbeere und Brombeere glaub ich) und durch den Fahrstil des Fahrers kippte ein Kuebel um und einige Rucksaecke waren ganz rot. Der Oficial meinte beim Aussteigen, es ist nur Mora und das ist nicht dreckig und dann fuhren sie einfach weiter. Ich rannte dem Bus noch nach und holte ihn auch ein und schrie dem Oficial noch zu, dass er unser Gepaeck beschaedigt hatte, er meinte aber wieder nur, dass es doch nur Mora ist und sie fuhren mit Vollgas davon. Jetzt hat einiges Gewand, besonders das von Kerstin, rote Flecken, die sich zumindest per Hand nicht auswaschen lassen. Wegen der unfreundlichen und nicht kooperativen Reaktion der Busbesatzung werden wir diesen Vorfall wahrscheinlich der Polizei anzeigen. Ob das was bringt, weiss ich nicht. Es waere aber angebracht gewesen, dass sich der Oficial des Busses wenigstens entschuldigt, dass er die Reinigung nicht zahlen will, verstehe ich schon, aber immerhin ist er fuer die Ladung des Busses verantwortlich und dafuer sollte er geradestehen.
Seit gestern sind wir in Quito, bisschen Sightseeing und geniessen.
Seit gestern sind wir in Quito, bisschen Sightseeing und geniessen.
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Donnerstag, 3. September 2009
Popayan II

Ein Foto, das war schon vor fast drei Wochen, als wir von Popayan nach San Andres/Tierradentro, eine der coolsten Busfahrten, die ich hier erlebt habe, nur kaputte Strassen, Erdrutsche, durch Baeche und durch Schlamm. In der Mittagspause vor dem Bus.
Sind zum zweiten Mal in Popayan, morgen Freitag werden wir ueber die Grenze wieder zurueck nach Ecuador fahren (Otavalo/Quito).
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Montag, 31. August 2009
Bogota
Seit vorgestern sind wir in Bogotá, der dritthoechsten Hauptstadt Suedamerikas, mit fast so vielen Einwohnern wie ganz Oesterreich. Gleich nach der Ankunft wollten wir mit einem Taxi zu einem Hostal im Zentrum fahren, der Taxifahrer allerdings fuehrte uns zu einer ganz anderen Adresse, wo ein angeblich viel billigeres und besseres Hotel war und versprach uns, am naechsten Tag uns ins Zentrum zu bringen. Angeblich war wegen einer Baustelle das ganze Zentrum gesperrt. Wir glaubten ihm seine Geschichte nicht ganz und bestanden darauf, dass er uns ins Zentrum bringt, weil vor dem von ihm angepriesenen Hotel liefen auch Prostituierte auf und ab und irgendwie schien es dort nicht ganz so sicher. Er weigerte sich aber, hineinzufahren und so gingen wir einige hundert Meter mit den Rucksaecken zu Fuss ins Zentrum und suchten uns, von der beginnenden Dunkelheit gedraengt, ein Hotel. Am naechsten Tag wollten wir in ein billigeres Hostal umsiedeln, das wir auch bald fanden, allerdings kostete dort die Nacht in einem Schlafsaal ohne Bad genau so viel wie im vorigen Hotel die Nacht im Doppelzimmer mit Fernseher und Bad kostete. So zogen wir ein besseres Hotel, nicht mal doppelt so teuer wie das Hostal, wo wir sehr grosse Zimmer um umgerechnet 12 Euro pro Person bekamen. Gut, dass wir nicht in dem Hotel blieben, wo wir die erste Nacht verbracht hatten, denn heute in der Frueh kauften wir gegenueber das Fruehstueck, Tinto (Kaffee), und sahen, wie vor diesem Hotel 4 Polizeimotorraeder und ein -auto standen und die Polizisten mit gezueckten Revolvern ins Hotel gingen. Einer kletterte sogar von einem Balkon auf den anderen, anscheinend suchten sie jemanden.
Aber uns geht es gut. Bogota ist eine moderne Stadt, historische Gebaeude gibt es auch und viel Geschichten dazu, die einem oft einfach nur so von Passanten erzaehlt werden, die kurz stehenbleiben und mit einem reden.
Aber uns geht es gut. Bogota ist eine moderne Stadt, historische Gebaeude gibt es auch und viel Geschichten dazu, die einem oft einfach nur so von Passanten erzaehlt werden, die kurz stehenbleiben und mit einem reden.
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Reise
- Cartagena, Colombia
- Barcelona, Spain
- Bogota, Colombia
- Popayan, Colombia
- Cuenca, Ecuador
- Quito, Ecuador
- Banos, Ecuador
- Kitzbühel, Austria
- Cork, Ireland
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- Deals on cheap airfare at TripAdvisor
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Mittwoch, 26. August 2009
Cartagena
Sind in Cartagena angekommen.
Erste Eindruecke: Heiss, schwuel und enge Gassen.
Mehr gibts spaeter ;)
Erste Eindruecke: Heiss, schwuel und enge Gassen.
Mehr gibts spaeter ;)
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Samstag, 22. August 2009
Kolumbien II - Graeber, Pferde, Busfahren und Karibik
Heute morgen war es soweit: Nach ungefaehr 30 Stunden Fahrt von San Agustin ueber Bogota kamen wir in Taganga, einem kleinen Fischerdorf an der Karibikkueste an. In 2 Tagen haben wir ungefaehr 2000 km auf der Strasse zurueckgelegt. Die Busse in Kolumbien kosten fast doppelt so viel wie in Ecuador, dafuer sind viele klimatisiert und die, die lange Strecken fahren haben tolle Sitze auf denen man wie in der Businessclass im Flugzeug schafen kann. Davor waren wir in San Agustin und in Tierradentro, eigentlich in San Andres. Also von Popayan (letzter Eintrag) weg sind wir nach Tierradentro gefahren, eine archaeologische Sehenswuerdigkeit, dort haben noch vor Kolumbos die einheimischen Voelker Steingraeber tief in die Erde gebaut. Die Fahrt dorthin war abenteuerlich, in einem alten, kaputten Bus ueber kaputte und gefaehrliche Bergstrassen, durch Baeche und ueber Geroell. Trotzdem hat sich die Reise ausgezahlt, wir wurden in dem kleinen Dorf herzlich empfangen, von Leonardo, der, von Figur und Aussehen eher an Don Quijotes Sancho Panza erinnernd, unser Hausherr war und uns in seinen neu gebauten Gaestezimmern billig uebernachten liess. Nebenbei gehoerte ihm auch das beste Restaurant des Dorfes, in dem wir billig essen konnten. Am dritten Tag trieb er fuer uns vier Pferde zusammen und wir konnten zu einem mehr als nur billigen Preis zu den etwas abseits gelegeneren Graebern reiten. Jetzt werden sich vielleicht manche fragen: "Der Klaus auf einem Pferd, das kann nicht gut gehen." Ging es aber. Meine weisse Stute, trug mich sicheren Schrittes ueber Stock und Stein und nach den ersten hundert Metern hatte ich keine Angst mehr und vertraute meinem edlen Ross mein wertvolles Leben an. So schwer war es auch nicht, Maria und Kerstin waren hervorragende Reitlehrerinnen und es machte mir wirklich Spass. Aber Hut ab vor den Pferden, wo die einfach so raufhoppeln, da haette ich als Wanderer schon fast Angst bekommen, und ich haette einem Pferd nie zugetraut, diesen Weg einfach so zu gehen, bis ich es selbst erlebt habe.
Von San Andres aus fuhren wir am naechsten Tag ueber umstaendliche Wege und mit oefterem Umsteigen von einem "Sammeltaxi" (meistens Camionetas, also Pick-ups auf "Deutsch") ins naechste nach San Agustin. San Agustin ist fuer die Steinskulpturen von praekolumbischen Kulturen bekannt. Dort gibt es auch schon mehr Tourismus und irgendwie verlieren auch die schoensten Attraktionen an Reiz, wenn sie von geldgierigen, nervenden und scheinfreundlichen Tour- und Hotelanbietern bevoelkert werden. Leider verkommt San Agustin meiner Meinung nach zu so etwas, wir machten zum Beispiel eine Tour in einem Jeep zu den wichtigsten Staetten rund um San Agustin, Kosten 140.000 Pesos (ca 46 Euro), laut unserem Chauffeur verdient er, wenn er uns den ganzen tag chauffiert 15.000 Pesos (ca 5 Euro), fuer den Besitzer des Autos, der nicht er ist gehen 35.000 (ca 11,50 Euro) + 50.000 (ca 17 Euro) fuer Benzin drauf und fuer den Vermittler 40.000 (ca 13 Euro). Also die zwei, die am wenigsten leisten, kassieren mehr als die Haelfte. So funktioniert Wirtschaft nun mal.
Noch in der Nacht des selben Tages fuhren wir nach Bogota, ca 10 Stunden von San Agustin aus, kamen um fuenf Uhr frueh in Bogota an und fuhren um sieben Uhr weiter Richtung Barranquilla, wo wir drei Uhr frueh des naechsten Tages ankamen und eine weitere Stunde nach Santa Marta fuhren und von dort aus 20 Minuten im Taxi nach Taranga, wo wir im Moment gerade sitzen und die ersten Duschen seit mehreren Tagen geniessen.
Liebe Gruesse
Von San Andres aus fuhren wir am naechsten Tag ueber umstaendliche Wege und mit oefterem Umsteigen von einem "Sammeltaxi" (meistens Camionetas, also Pick-ups auf "Deutsch") ins naechste nach San Agustin. San Agustin ist fuer die Steinskulpturen von praekolumbischen Kulturen bekannt. Dort gibt es auch schon mehr Tourismus und irgendwie verlieren auch die schoensten Attraktionen an Reiz, wenn sie von geldgierigen, nervenden und scheinfreundlichen Tour- und Hotelanbietern bevoelkert werden. Leider verkommt San Agustin meiner Meinung nach zu so etwas, wir machten zum Beispiel eine Tour in einem Jeep zu den wichtigsten Staetten rund um San Agustin, Kosten 140.000 Pesos (ca 46 Euro), laut unserem Chauffeur verdient er, wenn er uns den ganzen tag chauffiert 15.000 Pesos (ca 5 Euro), fuer den Besitzer des Autos, der nicht er ist gehen 35.000 (ca 11,50 Euro) + 50.000 (ca 17 Euro) fuer Benzin drauf und fuer den Vermittler 40.000 (ca 13 Euro). Also die zwei, die am wenigsten leisten, kassieren mehr als die Haelfte. So funktioniert Wirtschaft nun mal.
Noch in der Nacht des selben Tages fuhren wir nach Bogota, ca 10 Stunden von San Agustin aus, kamen um fuenf Uhr frueh in Bogota an und fuhren um sieben Uhr weiter Richtung Barranquilla, wo wir drei Uhr frueh des naechsten Tages ankamen und eine weitere Stunde nach Santa Marta fuhren und von dort aus 20 Minuten im Taxi nach Taranga, wo wir im Moment gerade sitzen und die ersten Duschen seit mehreren Tagen geniessen.
Liebe Gruesse
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Freitag, 14. August 2009
Kolumbien
Bin gerade in Popayan, im Sueden von Kolumbien.
Es geht uns allen gut und der Kaffee ist nach ersten Kostproben nicht umsonst in der ganzen Welt bekannt.
Leider wurde mir auf der Fahrt von Guayaquil zur Grenze meine Kamera gestohlen, ich habe keine Ahnung wann und wie genau, da ich den Rucksack staendig zwischen meinen Fuessen hatte. Offenbar hat bei der Sicherheitskontrolle beim Einsteigen jemand mitbekommen, was im Rucksack war und erst in Kolumbien bemerkte ich, dass meine Jacke fehlte und erst spaeter, dass die Kameratasche offen und keine Kamera mehr drinnen war.
Sonst ist es sehr schoen hier, viele Polizeikontrollen und -praesenz ueberall aber die meisten Leute sehr nett.
Es geht uns allen gut und der Kaffee ist nach ersten Kostproben nicht umsonst in der ganzen Welt bekannt.
Leider wurde mir auf der Fahrt von Guayaquil zur Grenze meine Kamera gestohlen, ich habe keine Ahnung wann und wie genau, da ich den Rucksack staendig zwischen meinen Fuessen hatte. Offenbar hat bei der Sicherheitskontrolle beim Einsteigen jemand mitbekommen, was im Rucksack war und erst in Kolumbien bemerkte ich, dass meine Jacke fehlte und erst spaeter, dass die Kameratasche offen und keine Kamera mehr drinnen war.
Sonst ist es sehr schoen hier, viele Polizeikontrollen und -praesenz ueberall aber die meisten Leute sehr nett.
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Mittwoch, 29. Juli 2009
Fotos
Die "Pirañalagune", in der auch Flussdelfine leben
Ausrasten in der Hängematte

Beim Korbflechten im Dschungel
Die letzten Tage verbrachten wir in Quito und Otavalo, heute sind wir nach Baños gefahren.
Christa ist am Samstag zu uns gekommen und wir reisen jetzt zu acht. Heute können wir hoffentlich den Tungurahua (Vulkan) sehen, der sich bei unserer Ankunft noch in Wolken gehüllt hat.
Liebe Grüße nach Österreich oder wo man sonst noch den Blog lesen mag!
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Donnerstag, 23. Juli 2009
Urwald, Affen und Erdöl
Ich melde mich aus Coca, einer Stadt im ecuadorianischen Regenwald. Wir kommen gerade von einer 3-taegigen Tour durch den Dschungel zurueck, in der wir aber in einer relativ einfachen aber komfortablen Lodge genaechtigt haben. Unsere zwei Fuehrer, Edison und José waren einfach super, sie koennen wahnsinnig gut kochen, den Aussenbordmotor des Kanus reparieren, Froesche in Tarnfarben am feuchten Urwaldboden im Vorbeigehen erkennen, Pirañas fischen und gut zubereiten und José hat gestern in der Nacht, quasi ohne Licht im Ufergebuesch einfach so mit den Haenden einen kleinen Cayman (wie schreibt man die?) gefangen, das sind so kleinere Krokodile, und das Jungtier war vielleicht ein bisschen laenger als einen halben Meter, aber die Zaehne waren trotzdem furcheinfloessend. Der Flug nach Coca war nicht sehr toll, vor allem, weil wir gar nicht nach Coca flogen, Guayaquil - Quito war kein Problem, alles puenktlich, alles perfekt, sogar mit kleinem Snack im Flugzeug, dann in Quito der Anschlussflug nach Coca, an Bord des Flugzeugs werden wir zum Flug nach "Lago Agrio" begruesst. Das war ein kleiner Schreck, doch dann musste das Flugzeug umdrehen, da ueber Lago Agrio gerade ein Gewitter tobte und wir nicht landen konnten. Also wieder zurueck nach Quito und eine halbe Stunde spaeter noch einmal in den Flieger nach Lago Agrio und diesmal konnten wir dort landen. Lago Agrio war, so sah ich schon beim Landeanflug, ziemlich so, wie ich von der Stadt gehoert hatte; vor etwa 40 Jahren wurde sie fuer die Oelfoerderung aus dem Urwaldboden gestampft, es gibt ueberall Tanks, Rohrleitungen und viele Haeuser in einem schlecht erhaltenen 60er-Jahre Stil. Bei der Landung sahen wir rundherum praktisch nur Wald, das Flugzeug kehrte noch auf der Landebahn um und liess uns vor einem Haus aussteigen, dass in anderen Staedten nicht einmal als Busterminal seinen Sinn erfuellen wuerde. In einem Traktoranhaenger kam das Gepaeck nach. Nach Coca brachte man uns dann per Bus, weil der Flughafen in Coca seit zwei Monaten gesperrt ist und so quasi "Luftersatzverkehr" per Bus herrscht. Nur hatte man uns davon weder in Guayaquil noch in Quito bei keiner Gelegenheit auch nur irgendetwas davon gesagt, der Flug war immer mit "Coca" bezeichnet, ich habe mich dann auch bei der Fluglinie beschwert, weil ich noch in Guayaquil gefragt habe, ob der Flug von Quito direkt in die Stadt geht oder ausserhalb der Stadt, weil der Kontaktmann mit den Dschungelfuehrern am Telefon kurz davor davon was erwaehnt hatte, aber die Dame am Schalter meinte, "Nein, der geht direkt in die Stadt". Schon komisch. Aber ich will mich gar nicht mehr darueber aufregen, schlussendlich ist doch alles gut gegangen und wir verbrachten herrliche Tage im Urwald.
Was mir auch aufgefallen ist, ist die viele Oelindustrie, schon auf dem Weg von Lago Agrio nach Coca fiel mir die verrostete Pipeline neben der Strasse auf, ich wollte nicht wahrhaben, dass das verrostete Rohr, dass da so einfach im Gras liegt Oel fuehrt, aber es stand einige Male eindeutig lesbar "Oleducto" drauf und wer weiss, was ein "Aquädukt" oder ein "Viadukt" ist, kann sich denken was "Oleducto" heisst. Von Coca aus fuhren wir im Kanu ueber den Rio Napo, einem Hauptzufluss zum Amazonas, entlang dieses Flusses sahen wir auch eine Riesenflamme, offensichtlich von einer Oelfoerderanlage und rund um Coca haben alle Oelfirmen ihre "Parks" aufgebaut, das sind ihre Firmensitze mit Hallen und Wohnungen fuer die Mitarbeiter, alles sehr schoen und rundherum eingezaeunt und alles ganz amerikanisch gebaut. Es wird ja auch schon in Nationalparks und Naturreservaten Erdoel gefoerdert. Wenn man eine Ecuador-Karte ansieht und im Osten die Nationalparks oder Reservate der Einheimischen sieht koennte man sich denken, dass dort noch alles in Ordnung ist, aber in Wirklichkeit sind die Oelfirmen tief in den Nationalparks drinnen. Unsere Fuehrer, die von Pañacocha sind, meinten, dass das zwar ein geschuetzter Wald sei, aber wenn die Regierung ihr Einverstaendnis gibt, wird auch im "Bloque 15" Oel gefoerdert, voellig egal, ob es ein geschuetzter Wald ist oder nicht. Traurig aber wahr. Ein anderer meinte, dass vielleicht in 20 Jahren der Tourismus im "Oriente" so weit entwickelt sein wird, dass er die Oelindustrie ersetzten koennte. Man kann es nur hoffen.
Heute Nacht geht es per Bus weiter nach Quito.
Was mir auch aufgefallen ist, ist die viele Oelindustrie, schon auf dem Weg von Lago Agrio nach Coca fiel mir die verrostete Pipeline neben der Strasse auf, ich wollte nicht wahrhaben, dass das verrostete Rohr, dass da so einfach im Gras liegt Oel fuehrt, aber es stand einige Male eindeutig lesbar "Oleducto" drauf und wer weiss, was ein "Aquädukt" oder ein "Viadukt" ist, kann sich denken was "Oleducto" heisst. Von Coca aus fuhren wir im Kanu ueber den Rio Napo, einem Hauptzufluss zum Amazonas, entlang dieses Flusses sahen wir auch eine Riesenflamme, offensichtlich von einer Oelfoerderanlage und rund um Coca haben alle Oelfirmen ihre "Parks" aufgebaut, das sind ihre Firmensitze mit Hallen und Wohnungen fuer die Mitarbeiter, alles sehr schoen und rundherum eingezaeunt und alles ganz amerikanisch gebaut. Es wird ja auch schon in Nationalparks und Naturreservaten Erdoel gefoerdert. Wenn man eine Ecuador-Karte ansieht und im Osten die Nationalparks oder Reservate der Einheimischen sieht koennte man sich denken, dass dort noch alles in Ordnung ist, aber in Wirklichkeit sind die Oelfirmen tief in den Nationalparks drinnen. Unsere Fuehrer, die von Pañacocha sind, meinten, dass das zwar ein geschuetzter Wald sei, aber wenn die Regierung ihr Einverstaendnis gibt, wird auch im "Bloque 15" Oel gefoerdert, voellig egal, ob es ein geschuetzter Wald ist oder nicht. Traurig aber wahr. Ein anderer meinte, dass vielleicht in 20 Jahren der Tourismus im "Oriente" so weit entwickelt sein wird, dass er die Oelindustrie ersetzten koennte. Man kann es nur hoffen.
Heute Nacht geht es per Bus weiter nach Quito.
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Mittwoch, 15. Juli 2009
Urlaubsstress
Ich habe den Blog ein bisschen vernachlaessigt, weil ich ja gerade Besuch von meiner Freundin, Eltern, Brueder und Tante habe. Sie sind am 8. Juli angekommen und jetzt sind wir viel unterwegs. Zuerst holte ich sie mit Herberts altem Auto vom Flughafen ab, danach verbrachten wir 3 Tage in Pedro Carbo und Umgebung und am Samstag brachen wir nach Puerto Lopez an den Strand auf. Gleich am Samstag machten wir eine Bootstour und konnten die Buckelwale kurz auf- und wieder abtauchen sehen. Am Sonntag regnete es in der Frueh sogar leicht, deswegen verbrachten wir den Tag ruhig in Puerto Lopez, nur am Nachmittag badeten wir im Meer. Am Montag machten wir noch eine Tour auf die Isla de la Plata, das "Galapagos fuer Arme", wo man Blaufusstoelpel und andere interessante Vogelarten sehen kann. Auf dem Weg dorthin bekamen wir noch einmal Wale zu sehen, diesmal sprangen sie sogar aus dem Wasser, der Hoehepunkt war zweifelsohne als zwei Wale fast synchron heraussprangen, eine Drehung um die eigene Achse machten und sich wieder ins Wasser fallen liessen. Wirklich sehr beeindruckend. Auch die Blaufusstoelpel auf der Insel sind sehr interessant, nicht nur weil sie komplett blaue Fuesse haben, sondern auch weil sie lustige Geraeusche machen und einfach witzig anzusehen sind. Nebenbei gibt es auch Fregattvoegel und viele andere Arten, auch Pelikane, die immer wieder im Sturzflug ins Meer eintauchen, um Fische zu fangen, auch das ist eindrucksvoll, wenn sich ein Schwarm Pelikane auf einen Fischschwarm stuerzt und alle wie die Kamikaze-Flieger ins Wasser fallen. Gestern, Dienstag gings von Puerto Lopez mit einem kleinen Zwischenstopp in Pedro Carbo nach Cuenca, wo ich jetzt gerade bin. Am Samstag werden wir mit per Flugzeug von Guayaquil aus ueber Quito nach Coca in den Urwald fliegen. Bin schon gespannt...
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Freitag, 10. Juli 2009
Gruesse aus Guayaquil
von Klaus, Maria, Lukas, Georg, Tante, Mama und Papa ;)
sind gerade am Malecon2000 im Internet-Café, es geht noch allen gut.
sind gerade am Malecon2000 im Internet-Café, es geht noch allen gut.
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Samstag, 27. Juni 2009
Korruption?
Jetzt geht’s dem Ende zu. In zwei Wochen bin ich schon im finalen Urlaub, bis dorthin wird es aber noch ordentlich stressig. Weil der Manuel nicht da ist, bin ich jetzt ein bisschen zur Anlaufstelle für alle kleineren und größeren Probleme geworden, ich hoffe, ich kann dann wenigstens den Urlaub genießen und werde nicht ständig angerufen, wenn sie im CAAM Sachen nicht finden, die schon wochenlang im Büro herumliegen. Auch die Buchhaltung muss noch einmal auf Vordermann gebracht werden, die vielen Bewegungen in Zusammenhang mit unserem UNO-Projekt verursachen doch auch mehr Arbeit und außerdem ist bald der erste Quartalsbericht fällig, das heißt, für alle Ausgaben muss man sich die offiziellen Rechnungen besorgen, alles in einen Bericht mit 9 Anhängen verpacken und abschicken. Am Dienstag wollte ich die fehlende Unterschrift für das Zertifizieren der Heiratsurkunde von Manuel und Katty sowie der Geburtsurkunde ihres Sohnes besorgen, konnte aber nicht, da ich kein direkter Verwandter bin und ich eine Autorisation brauchte. Beim zweiten Versuch am Mittwoch schaffte ich es dann, wie ich zur schriftlichen Autorisation von Manuel innerhalb eines Tages kam, möchte ich an dieser Stelle besser nicht erwähnen. Und obwohl in der schriftlichen Autorisation ein Tippfehler war und deswegen meine Reisepassnummer nicht stimmte, kam ich zu der Unterschrift, in der der Beamte des einen Registro Civil mit Unterschrift und Siegel bestätigt, dass die erste Unterschrift und das erste Siegel auf dem Dokument tatsächlich von einem Beamten des anderen Registro Civil ist. Die Reisepassnummer ist nämlich für Ausländer das, was für Ecuadorianer oder Ausländer mit Cedula (ecuadorianischer Personalausweis) die Nummer selbigens ist. Diese Nummer ändert sich normalerweise nie, auch wenn sie einen neuen Ausweis bekommen und ohne dieser Nummer geht gar nichts, jeder Ecuadorianer ist vor dem Staat eigentlich nur seine Nummer. Und ich habe eben nur das Censo, das man bekommt, wenn man mit einem gültigen Visum im Land ist und somit den Reisepass ersetzt, das heißt ich kann ohne Reisepass, nur mit dem kleinen Kärtchen herumreisen. Auch auf der zweiten Station, dem Gobierno del Litoral bekam ich endlich die Bestätigung, eine „Apostillierung“, ich weiß nicht, ob es das Wort auf Deutsch gibt, aber so heißt das, da lässt man die Gültigkeit von Dokumenten bestätigen, damit sie auch in anderen Ländern gelten.
Aber ich muss sagen, dass die ganzen Beamten, mit denen ich zu tun hatte, obwohl sie gnadenlos streng sind, wenn irgendeine Kleinigkeit fehlt, doch auch sehr korrekt arbeiten. Keiner hat Geld verlangt, ohne nicht einen offiziellen Beleg auszustellen, im Gobierno del Litoral muss sowieso schon lang jede Zahlung auf ein Bankkonto getätigt werden, damit Korruption erschwert wird. Es hängen auch überall Plakate auf denen steht, wie viel was kostet, damit man den Beamten nicht mehr zahlt, falls sie mehr verlangen sollten und dass man Korruption anzeigen soll. Zumindest in den unteren Reihen der Beamten wird Korruption hierzulande schon wirksam bekämpft. Wie es weiter oben aussieht, weiß ich nicht.
Als ich am Mittwoch in Guayaquil am Busterminal ankam wusste ich schon, welchen Bus ich nehmen musste um zum Registro Civil del Sur zu kommen, am Vortag war ich noch eine Stunde zu Fuß herumgeirrt, bis ich es fand. Damit ich zum Bus der Linie 125 kam, musste ich aber zum zweiten Busbahnsteig vor dem Terminal und die Straße des ersten überqueren. Ist ja nicht so schwer, wenn man viel in Guayaquil unterwegs ist, wo es nicht gar so viele Zebrastreifen gibt, lernt man, wie man sogar achtspurige Straßen ohne Ampeln überquert und die Busfahrbahn hat gerade mal einen Fahrstreifen, also einfach drübergehen. Doch plötzlich sehe ich wie mich ein Vigilante (Verkehrspolizist) zu sich winkt. In dem Moment hab ich mir nur gedacht, er soll doch zu mir kommen, wenn er was will. Trotzdem gehe ich zu ihm und begrüße ihn, er weißt mich freundlich darauf hin, dass zehn Meter weiter ein Zebrastreifen ist, wirklich er hat recht, damit habe ich mich noch nie aufgehalten, dort einen Zebrastreifen zu suchen. Dann will er mein Cedula sehen und ich sage ihm, dass ich keines habe und zeige ihm dafür mein Censo. Er fragt mich, was ich in seinem Land mache, ein bisschen herausfordernd schon, ich erkläre ihm, was ich mache, auch wenn ihn das überhaupt nichts angeht, aber die Ecuadorianer sind halt neugierig und ich rede ja manchmal auch gerne. Dann meint er, ich muss meinen Reisepass mithaben, ich sage ihm, nein, ich brauche den Reisepass nicht, wenn ich das Censo habe, dann sagt er noch, alle Ausländer brauchen ein Cedula, ich soll gleich dort gegenüber auf die Migración (Fremdenpolizei) gehen und mir ein Cedula holen. Leider habe ich ihm dann erklären müssen, dass die Migración nicht für Cedulas zuständig ist und habe ihm mein Censo aus der Hand genommen und erklärt, dass mein Visum ein Visum 12-VII ist und dass Visa dieser Klasse nicht zum Cedula berechtigen. Dann hat er nicht mehr gewusst, was er sagen soll und hat irgendwas gemeint, er mag keine Strafzettel mehr ausstellen und ist gegangen. Das war so klar, dass der mir nur irgendetwas einreden wollte, warum ich „Strafe“ in seine Privatkassa zahlen sollte, nur leider hatte er keine Ahnung von dem was er mir erzählte. Aber danach sah ich wirklich Leute, die Strafe zahlten, weil sie über die Straße gingen, wo es keinen Zebrastreifen gab.
Deswegen ist es immer gut, wenn man selbst ein bisschen was weiß, und man braucht sich nicht jeden Blödsinn einreden lassen. Das geht nämlich in Ecuador sehr gut normalerweise, tut jemand, als ob er etwas wisse, kann er die Unwissenden manipulieren, wenn du aber wirklich was weißt, dann bist du weniger anfällig für Manipulation. Wissen ist also nicht nur Macht sondern auch Freiheit in dem Sinne. Und jedes diktatorische System baut auf die Unwissenheit auf. Aber nicht nur diese, auch die ach so tolle Freiheit des Kapitalismus baut auf Dummheit auf oder wäre sonst Werbung so effektiv?
War wieder ein bisschen Moralpredigt, aber es tut gut, hin und wieder darüber nachzudenken!
Hasta la proxima!
Aber ich muss sagen, dass die ganzen Beamten, mit denen ich zu tun hatte, obwohl sie gnadenlos streng sind, wenn irgendeine Kleinigkeit fehlt, doch auch sehr korrekt arbeiten. Keiner hat Geld verlangt, ohne nicht einen offiziellen Beleg auszustellen, im Gobierno del Litoral muss sowieso schon lang jede Zahlung auf ein Bankkonto getätigt werden, damit Korruption erschwert wird. Es hängen auch überall Plakate auf denen steht, wie viel was kostet, damit man den Beamten nicht mehr zahlt, falls sie mehr verlangen sollten und dass man Korruption anzeigen soll. Zumindest in den unteren Reihen der Beamten wird Korruption hierzulande schon wirksam bekämpft. Wie es weiter oben aussieht, weiß ich nicht.
Als ich am Mittwoch in Guayaquil am Busterminal ankam wusste ich schon, welchen Bus ich nehmen musste um zum Registro Civil del Sur zu kommen, am Vortag war ich noch eine Stunde zu Fuß herumgeirrt, bis ich es fand. Damit ich zum Bus der Linie 125 kam, musste ich aber zum zweiten Busbahnsteig vor dem Terminal und die Straße des ersten überqueren. Ist ja nicht so schwer, wenn man viel in Guayaquil unterwegs ist, wo es nicht gar so viele Zebrastreifen gibt, lernt man, wie man sogar achtspurige Straßen ohne Ampeln überquert und die Busfahrbahn hat gerade mal einen Fahrstreifen, also einfach drübergehen. Doch plötzlich sehe ich wie mich ein Vigilante (Verkehrspolizist) zu sich winkt. In dem Moment hab ich mir nur gedacht, er soll doch zu mir kommen, wenn er was will. Trotzdem gehe ich zu ihm und begrüße ihn, er weißt mich freundlich darauf hin, dass zehn Meter weiter ein Zebrastreifen ist, wirklich er hat recht, damit habe ich mich noch nie aufgehalten, dort einen Zebrastreifen zu suchen. Dann will er mein Cedula sehen und ich sage ihm, dass ich keines habe und zeige ihm dafür mein Censo. Er fragt mich, was ich in seinem Land mache, ein bisschen herausfordernd schon, ich erkläre ihm, was ich mache, auch wenn ihn das überhaupt nichts angeht, aber die Ecuadorianer sind halt neugierig und ich rede ja manchmal auch gerne. Dann meint er, ich muss meinen Reisepass mithaben, ich sage ihm, nein, ich brauche den Reisepass nicht, wenn ich das Censo habe, dann sagt er noch, alle Ausländer brauchen ein Cedula, ich soll gleich dort gegenüber auf die Migración (Fremdenpolizei) gehen und mir ein Cedula holen. Leider habe ich ihm dann erklären müssen, dass die Migración nicht für Cedulas zuständig ist und habe ihm mein Censo aus der Hand genommen und erklärt, dass mein Visum ein Visum 12-VII ist und dass Visa dieser Klasse nicht zum Cedula berechtigen. Dann hat er nicht mehr gewusst, was er sagen soll und hat irgendwas gemeint, er mag keine Strafzettel mehr ausstellen und ist gegangen. Das war so klar, dass der mir nur irgendetwas einreden wollte, warum ich „Strafe“ in seine Privatkassa zahlen sollte, nur leider hatte er keine Ahnung von dem was er mir erzählte. Aber danach sah ich wirklich Leute, die Strafe zahlten, weil sie über die Straße gingen, wo es keinen Zebrastreifen gab.
Deswegen ist es immer gut, wenn man selbst ein bisschen was weiß, und man braucht sich nicht jeden Blödsinn einreden lassen. Das geht nämlich in Ecuador sehr gut normalerweise, tut jemand, als ob er etwas wisse, kann er die Unwissenden manipulieren, wenn du aber wirklich was weißt, dann bist du weniger anfällig für Manipulation. Wissen ist also nicht nur Macht sondern auch Freiheit in dem Sinne. Und jedes diktatorische System baut auf die Unwissenheit auf. Aber nicht nur diese, auch die ach so tolle Freiheit des Kapitalismus baut auf Dummheit auf oder wäre sonst Werbung so effektiv?
War wieder ein bisschen Moralpredigt, aber es tut gut, hin und wieder darüber nachzudenken!
Hasta la proxima!
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Sonntag, 21. Juni 2009
Hochzeit und weg
Die Woche war relativ stressig, da der Manuel am Freitag nach Österreich auf „Heimaturlaub“ flog und bis 31. Juli nicht zurückkommen wird. Somit ging es in dieser Woche darum, die anstehenden Tätigkeiten für die kommende Zeit abzuklären und unter denjenigen aufzuteilen, die hier bleiben. Manuel hat jetzt ein neues Visum für Ecuador, weil er das „Missionarsvisum“ nicht mehr verlängern konnte da er einen RUC (Steuernummer) hat, damit er dem CAAM für seinen kleinen Gehalt Rechnungen stellen kann, und somit nicht mehr als Freiwilliger gilt. Das neue Visum bekam er als Vater eines ecuadorianischen Kindes und berechtigt ihn auch zu einem ecuadorianischem Personalausweis, dem Cedula. Das Cedula bekam er am Dienstag, am Mittwoch war noch Generalversammlung (Asamblea) des CAAMs und am Donnerstag heirateten er und seine Katty am Registro Civil (Standesamt) in Guayaquil. Zu Mittag fuhren wir von Pedro Carbo weg, um zwei Uhr waren wir alle im Zentrum angelangt. Das neue Registro Civil in einer der besten Bürogegenden Guayaquils gibt es erst seit wenigen Monaten und funktioniert sehr modern. Über grosse Flatscreen-Monitore werden im ersten Stock die anstehenden Hochzeiten aufgerufen, da kam dann auch „Gschweitl Pluas“; in Ecuador behält man bei der Hochzeit seine üblicherweise zwei Nachnamen, die Kinder bekommen als ersten Nachnamen den ersten des Vaters und als zweiten den ersten der Mutter. Gegen drei Uhr wurden wir unerwartet pünktlich in einen kleinen Saal gebeten, drinnen warteten schon zwei Männer, beide dunkle Hautfarbe, Glatze und einer der beiden hat sicher 150 kg oder mehr gehabt. Die beiden hätten auch Türsteher in irgendeiner Disco von Guayaquil sein können. Noch vor der offiziellen Zeremonie nam einer der beiden die Ausweise von Manuel und Katty in die eine und einen Locher in die andere Hand. Und ganz feierlich machte er in jeden Ausweis ein Loch ins Foto. Auf denen steht nämlich, dass sie ledig sind, ein Loch im Ausweis heisst, dass man geheiratet hat und wenn man sich dann den nächsten ausstellen lässt, steht dann drauf, dass sie verheiratet sind. Die Zeremonie war dann relativ kurz, die meiste Zeit wurde nur unterschrieben, Flo1 kam extra aus Quito zur Hochzeit und unterschrieb als einer der zwei Trauzeugen. Nach der Hochzeit machten wir noch schnell ein paar Fotos am Malecon2000, der Uferpromenade am Rio Guayas und fuhren danach eine Stunde mit einem kleinen überfüllten Stadtbus zum Haus von Kattys Schwester, wo es noch ein kleines Essen gab. Am Abend fuhren wir dann noch mit einem bumvollen Pedro-Carbo-Bus nach Pedro Carbo. Am nächsten Tag begleitete ich auch noch Manuel und Katty zum Flughafen, aber nicht nur ich, Kattys ganze Familie kam mit, ihr Vater übernahm das Steuer des Kleinbusses, den uns der Herbert geborgt hatte. Der Vater, Verkehrspolizist und in der Freizeit Busfahrer, fürchtet natürlich nichts auf den Straßen zwischen Pedro Carbo und Guayaquil und somit brauchte er sich auch nicht anschnallen, wobei es aber in Ecuador sogar das Gesetz gibt, dass zumindest der Fahrer wenn nicht auch der Beifahrer angeschnallt sein müssen. Trotzdem, wenn einen dann die Polizei deswegen aufhalten würde ginge es denen wohl eher um das zu kassierende Bestechungsgeld als um die Verkehrssicherheit. So fuhren wir also im voll besetzten Kleinbus zum Flughafen. Irgendwie hatte ich geglaubt, ich könnte auf der Fahrt schlafen, war ein Irrtum, Kattys drei Geschwister haben alle ihre Kinder mitgebracht, von Ruhe war da keine Spur, aber wie so oft in Ecuador, die Gesellschaft ist einfach jünger, einerseits, weil die Lebenserwartung geringer ist und andererseits, weil es kaum Nachwuchsprobleme gibt, überall sieht man Mütter mit Kindern, Kinder spielen in der Straße und immer ist etwas los. Jedenfalls war der Abschied am Flughafen schon auch ziemlich emotional, aber viele aus Pedro Carbo gehen ja doch nicht auf so eine weite Reise. Beim Einchecken erklärten wir abwechselnd Manuels Schwiegervater oder seinen Enkeln, wie das alles funktioniert, warum man sich da jetzt anstellen muss und nicht einfach hingeht und einsteigt wie beim Bus. Kurz überlegte ich mir, wie es wohl wäre, wenn der internationale Flugverkehr so funktionieren würde wie der Busverkehr in Ecuador, aber besser, man denkt gar nicht daran. Danach fuhr ich noch aufs INAR (Instituto Nacional de Riego, also nationales Bewässerungsinstitut), da das CAAM dort einen Antrag auf Förderung von 11 Brunnen, die jeweils für einige Bauern gemeinsam nutzbar sein sollten, stellte. Ich holte nur einen kleinen Zwischenbericht ab, da ja immer alle Unterlagen nach Quito geschickt werden müssen und dann gibt es darüber viel zu viele Berichte. Und dann fuhr ich noch auf Gobierno de Litoral, die Vertretung des Staates in Guayaquil, da ich die Heiratsurkunde von Manuel und Katty und die Geburtsurkunde von Samuel irgendwie „apostilieren“ lassen musste. Manuel meinte, das geht ganz einfach, einfach hingehen, fragen, dann daneben zum Bankschalter, das Geld dafür depositieren und dann den Stempel abholen. So war es aber nicht, der am Schalter meint, auf den Dokumenten fehlt die Unterschrift eines Beamten im Registro Civil del Sur, also nicht einmal in dem Registro Civil, wo sie geheiratet haben, sondern in einem anderen. Komisch. In das andere werde ich wahrscheinlich nächste Woche fahren, damit ich die fertigen Dokumente am Donnerstag mit den Tirolern nach Österreich schicken kann, da sie Manuel dort braucht.
Am Samstag machten wir einen kleinen Ausflug nach Estacada zum Schwimmen und ein bisschen Erholen, danach gingen wir noch zur halben Brücke. War ein netter Ausflug, auch um Pedro Carbo gibt es ein paar schöne Flecken, die sich lohnen, besucht zu werden.
Am Samstag machten wir einen kleinen Ausflug nach Estacada zum Schwimmen und ein bisschen Erholen, danach gingen wir noch zur halben Brücke. War ein netter Ausflug, auch um Pedro Carbo gibt es ein paar schöne Flecken, die sich lohnen, besucht zu werden.
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Montag, 15. Juni 2009
Cena Solidaria, Quito y Saquisilí
Wieder eine ereignisreiche Woche. Am Mittwoch Nachmittag machte ich mich auf den Weg nach Saquisili, einer kleinen Stadt in den Anden, in der Nähe von Latacunga, etwa eine Stunde südlich von Quito. Dorthin fuhren nämlich schon davor die zwei Gäste aus Tirol sowie Jakob, Barbara und Lisa. Ich kam erst am Mittwoch nach, da ich im CAAM noch viel Arbeit hatte, vor allem, weil es jetzt darum geht, alles wichtige zu erledigen, da Manuel ab 19. Juni bis 31. Juli, also bis zum Ende meines Zivildienstes, nach Österreich fliegt. So kam ich gegen halb drei von Pedro Carbo weg und kam in Guayaquil um halb vier an. Dort kaufte ich ein Busticket nach Latacunga, sieben Dollar kostete das für etwa sieben Stunden Fahrt, das ist immer sehr leicht zu bemessen, eine Stunde Fahrt kostet in der Regel immer einen Dollar, somit kann man nachvollziehen, ob der angebotene Preis gut ist, oder ob man als Ausländer betrogen wird. Um dreiviertel vier fuhr der Bus auch schon los, auf dem Bus stand aber, dass er nur bis Ambato (nicht einmal eine Stunde südlich von Latacunga) fährt. Während der Fahrt schlief ich und bekam im Fernsehen nur Teile des 2:0 Sieges von Ecuador über Argentinien mit. Dazu muss man sagen, dass das Match in Quito war und in Quito, auf 2800 Metern Seehöhe laufen die Ecuadorianer, die es gewöhnt sind, den Top-Mannschaften von Brasilien oder Argentinien einfach davon. Jedenfalls wachte ich nur bei einem Elfmeter, den der ecuadorianische Tormann verursacht und gehalten hat und bei den zwei Toren der Ecuadorianer auf, da der ganze Bus lautstark mitfieberte. Um elf waren wir dann in Ambato, Endstation, ich war schon fast ein bisschen sauer, weil man mir das Ticket bis Latacunga verkauft hatte, beim Aussteigen aber gibt mir der Oficial (Art Schaffner vom Bus) einen Dollar in die Hand und sagt, dass das das Geld ist, mit dem ich jetzt nach Latacunga fahren soll. Ich war ziemlich überrascht von dieser Ehrlichkeit und eine Frau, die nach Quito weiterfahren wollte und ich gehen die Straße hinauf und suchen Busse, die um diese Uhrzeit noch nach Latacunga und weiter fahren. Auf dem Weg erzählt sie mir, wie gefährlich es in Ambato um diese Uhrzeit rund um das Terminal ist und dass sie froh ist, dass sie einen Mann als „Deckung“ mit hat, ich glaube, sie hat in der Finsternis nicht ganz begriffen, dass ich Ausländer bin und dass sie mit mir eigentlich noch gefährdeter ist. Wir fanden auch einen Bus, der uns mitnahm und gegen Mitternacht war ich in Latacunga. Natürlich fährt um diese Uhrzeit kein Bus mehr ins kleine Städtchen Saquisili, somit fragte ich ein Taxi, wie viel es kostet bis Saquisili. Der Fahrer wollte dann fünf Dollar für eine Viertel Stunde Fahrt und ich habe mir gedacht, das leiste ich mir, weil in Latacunga noch etwas zum Übernachten zu suchen, hätte vielleicht mehr gekostet. Am Hauptplatz von Saquisili fand ich auch gleich das einzige Hotel der Stadt, wo ich mir dann gemeinsam mit Jakob, Barbara und Lisa, die mit Andreas und Waltraud, den zwei Tirolern, und Simon und seinem Vater, schon seit dem Nachmittag dort waren, ein Zimmer, das zusammen 15 Dollar kostete teilte. Das Hotel war auch für ecuadorianische Verhältnisse schlecht, aber für eine Nacht hat es gereicht. Ich habe ja noch gar nicht geschrieben, warum wir eigentlich nach Saquisili wollten; dort gibt es angeblich acht Märkte, von denen wir am nächsten Tag ab halb sieben drei oder vier besuchten, darunter ein riesiger Tiermarkt, wo Kühe, Schweine, Hühner, Hasen, Meerschweinchen, Schafe und alles mögliche gehandelt werden. Nachdem wir dann in der ganzen Stadt keine anständigen Kaffee fanden, verließen wir sie in Richtung Quito. Simon und sein Vater aber fuhren zurück Richtung Guayaquil und Pedro Carbo, da am Freitag der Rückflug des Letzteren anstand. In Quito wohnten wir in einem sehr guten Hotel mitten in der Altstadt und besichtigten in der kurzen Zeit bis Freitag Mittag einige Kirchen und historische Stätten. Am Donnerstagabend besuchten wir auch eine Vorstellung der Theatergruppe, in der Flo1 jetzt arbeitet. Am Freitag fuhren wir über Tag nach Guayaquil und dann nach Pedro Carbo zurück. Ich weiß jetzt, dass ich sicher nie mehr am Tag von Quito nach Guayaquil fahre, weil es viel zu lange dauert und man nicht gut schlafen kann im Bus, aber die Erfahrung war es wert. Am Samstag stand dann das „Cena Solidaria“ („Solidaritätsabendessen“) des INESEM (früher CRESEM) an. Bei dieser Veranstaltung kommen Leute, zahlen fünf Dollar Eintritt, bekommen dafür ein Abendessen und gleichzeitig eine „Show“ geboten, der Reinerlös ist für die Erhaltung des INESEMs. Die Show bestand aus Tänzen der gehörlosen Schüler des INESEMs, wirklich eine tolle Leistung, wie die tanzen, einer Tae-kwon-do (ich hoffe, das schreibt man so ähnlich) Vorführung von Koreanern und Ecuadorianern aus Guayaquil, vier Stücken von David solo auf der Geige, mehrere Gesangseinlagen von Leuten aus der Umgebung, ein Gitarrenstück von mir, einem chaotischen Polkatanz von uns Österreichern, danach haben wir auch noch „Weil der Mensch zählt“ von Alf Poier gesungen. Das ist recht gut angekommen beim pedrocarbensischem Publikum, obwohl sie kein Wort verstanden haben. Auch die Polka haben wir am Nachmittag zu proben begonnen, dementsprechend chaotisch war es, aber den Zusehern hat es voll gefallen und sie schrien sogar nach einer Zugabe, die wir aber nicht mehr bringen konnten, da wir einfach schon komplett fertig waren nach zwei Minuten Attwenger-Polka tanzen.
Am Sonntag zeigte ich den beiden Tirolern noch das „schöne Guayaquil“, damit sie diese Stadt auch einmal gesehen haben.
Letztens habe ich wieder einmal im Internet Nachrichten aus Österreich gelesen, auf der Seite des ORF las ich da „Rollende Bombe aus dem Verkehr gezogen“, ich klickte diese Meldung an, dachte an Autobomben oder Sprengstofflieferungen und las aber nur von einem Reisebus, dessen Achse gerostet waren und der es dadurch auf die Titelseite des ORFs geschafft hatte. Ich muss noch immer darüber lachen, ich glaube in Ecuador fahre ich dann ständig nur mit „Rollenden Bomben“. Oder „Licht am Tag“ ist ja auch etwas Lustiges, in Ecuador müsste man die Kampagne „Licht bei Nacht hat noch keinen umgebracht“ oder „Licht einbaun zum besser schaun“ starten. Dafür fahren auch manche am Tag mit Fernlicht. Wer hat, der hat. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.
Am Sonntag zeigte ich den beiden Tirolern noch das „schöne Guayaquil“, damit sie diese Stadt auch einmal gesehen haben.
Letztens habe ich wieder einmal im Internet Nachrichten aus Österreich gelesen, auf der Seite des ORF las ich da „Rollende Bombe aus dem Verkehr gezogen“, ich klickte diese Meldung an, dachte an Autobomben oder Sprengstofflieferungen und las aber nur von einem Reisebus, dessen Achse gerostet waren und der es dadurch auf die Titelseite des ORFs geschafft hatte. Ich muss noch immer darüber lachen, ich glaube in Ecuador fahre ich dann ständig nur mit „Rollenden Bomben“. Oder „Licht am Tag“ ist ja auch etwas Lustiges, in Ecuador müsste man die Kampagne „Licht bei Nacht hat noch keinen umgebracht“ oder „Licht einbaun zum besser schaun“ starten. Dafür fahren auch manche am Tag mit Fernlicht. Wer hat, der hat. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.
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Montag, 8. Juni 2009
Kleiner Strandausflug mit dem Auto
Das vergangene Wochenende waren wir in Puerto Lopez, mit Waltraud und Andreas, zwei Tirolern und Großspender für die Projekte in Pedro Carbo. Waltraud ist die Apothekerin von Aldrans bei Innsbruck und Andreas ist auch Pharamzeut, er macht „Suplementierungen“, das heißt so eine Art Nahrungsergänzung, also Vitamine, Mineralstoffe und alles mögliche stellt er selbst her und verkauft es an Sportler, darunter auch einige österreichische Fußballvereine. Und die beiden wollten eben am Wochenende ans Meer fahren, so haben wir (Jakob, David, Barbara und ich) uns mit ihnen am Freitag Nachmittag auf den Weg gemacht. Weil die zwei dem Herberth aber verständlicherweise so wichtig sind, hat der Herberth uns ein Auto überlassen, dass wir die beiden hin und auch wieder heil zurückbringen. Ich war dann der Chauffeur, was mir aber eigentlich gefallen hat, der 30 Jahre alte Kleinbus vom Herberth hat mittlerweile 310.000 km drauf und besitzt einige Eigenheiten, trotzdem hat er uns nicht im Stich gelassen. Die Reise mit den beiden Gästen war einfach nur lustig, hätte mir nicht gedacht, dass ich mit denen, wo sie schon mindestens doppelt so alt sind wie ich, so viel Spaß haben kann. Am Sonntag sind wir dann noch die Küstenstraße bis Manta gefahren und dann über Montecristi zurück nach Pedro Carbo. In Montecristi werden die originalen „Panamahüte“, die ja bekanntlich nicht aus Panama sind, hergestellt, und so ein Hut ist natürlich für jeden Ecuador-Touristen ein Muss. Am Sonntagabend war ich dann richtig müde, 200 km Autofahren auf teilweise sehr kaputten Straßen sind schon anstrengend, überhaupt, weil ich das Fahren nicht mehr so gewohnt bin, wie ich es in Österreich war.
Mein Laptop scheint kaputt zu sein, dabei ist er nur durch einen blöden Fehler kaputt geworden, weil jemand das Boot-Password drei mal falsch eingegeben hat und jetzt nicht mal mehr das richtige Passwort funktioniert. Schon ärgerlich, aber es ist ja nur der Computer, wäre es meine Kamera oder wäre mir etwas passiert, wäre es natürlich noch schlimmer. An dem Abend, als das in der Zivi-Küche passierte, lag ich dann ganz verzweifelt auf der Couch, doch plötzlich bekam ich unerwartete Betreuung von meinen Tieren, die Katze hat sich zu meinem Kopf gekuschelt und der Hund will auf mich klettern und sich auch dazukuscheln, er hat aber so aus dem Mund gestunken, weil er wieder irgendwas grausliches aus dem Schlachthof geholt und gefressen, und weil der Mundgeruch so erbärmlich gestunken hat, habe ich gleich alle anderen Sorgen vergessen. Mein Kriseninterventionsteam hat sich in weiterer Folge aber mehr mit sich selbst als mit mir beschäftigt, direkt neben meinem Kopf haben die zwei begonnen, sich zu beißen, kratzen und anzuknurren, was sie als Spielen verstehen. Das ist echt sehenswert, wenn die zwei spielen, da laufen sie sich gegenseitig wie die Wilden nach, springen sich an, die Katze beißt den Hund in Nase, Ohren und sonst wo hin, der Hund hat gleichzeitig die halbe Katze im Maul, aber es hat sich noch keiner der beiden je dabei verletzt, weil nur die Katze richtig fest beißt und auch mit ihren Krallen nicht gerade zimperlich mit dem Hund umgeht. Manchmal fehlt aber auch dem Hund ein bisschen das Gspür und er steigt einfach in den Bauch der Katze, wenn sie sich vor ihm auf dem Boden wälzt.
Gut, also viel Neues gibt esja eh nicht, die neue Zivi-Küche im CAAM funktioniert sehr gut, vor allem unter der Leitung von Flos Schwester und Lisa, die schon seit fast drei Wochen jetzt da sind und fast jeden Abend kochen. Am Donnerstag haben wir ein kleines Feuer im Hof gemacht und ich, als „Chief Salad Officer“, gemeinsam mit dem „Barbecue Consultant“ Jakob und der „Master of Kitchen“, Schwester Barbara, haben wir doch ein bisschen etwas zusammengebracht, auch wenn einige Würstel und Maiskolben wegen der Schräglage des Rosts ins Feuer gerollt sind, da hat wohl der „Fire Construction Engineer“ (ich) etwas ein bisschen schlecht gebaut.
Es scheint, als begänne jetzt die große Besuchszeit in Pedro Carbo, Simons Vater ist noch da, am Donnerstag kamen zwei Ärzte aus Tirol, in zwei Wochen kommen bald Davids Eltern und Familie, in einem Monat kommt meine Familie und Maria, Ende Juli die Christa, Anfang August die Kerstin und so geht es dahin. Irgendwie wird mir immer mehr bewusst, dass ich mich vom Zivi-Leben schon schön langsam verabschieden muss, ich genieße die Zeit so gut es geht, auch wenn sie knapp ist und ich noch so viel erledigen will. Gerade in letzter Zeit arbeite ich an einer Access-Datenbank, die in Zukunft die gemeinschaftliche Vermarktung von Früchten erleichtern soll. Früher wurde jede Lieferung in Excel-Tabellen zusammengefasst, in die neue Datenbank gibt man einfach die Kosten, Erträge und Anteile der einzelnen Bauer ein und alles andere Errechnet die Datenbank und verpackt es in einen schönen Bericht, nach dem die Kleinsparkasse dann die entsprechenden Anteile auf die Sparbücher der Bauern überweist. Der neue Bericht legt auch alle Kosten und Erträge für das CAAM offen, somit kann auch der – zu Recht – kritische Bauer genau nachvollziehen, wie dieser Preis zustande kommt. Mit der Datenbank ist es auch viel leichter, statistische Daten über die Vermarktung zu erhalten, per Klick kann man sich ansehen, welcher Bauer in welcher Zeit wie viel Kilo von welcher Frucht über das CAAM verkauft hat.
Natürlich muss sich die Datenbank noch im praktischen Betrieb bewähren, sie ist auch noch nicht ganz fertig, aber mir macht es irgendwie Spaß.
Mein Laptop scheint kaputt zu sein, dabei ist er nur durch einen blöden Fehler kaputt geworden, weil jemand das Boot-Password drei mal falsch eingegeben hat und jetzt nicht mal mehr das richtige Passwort funktioniert. Schon ärgerlich, aber es ist ja nur der Computer, wäre es meine Kamera oder wäre mir etwas passiert, wäre es natürlich noch schlimmer. An dem Abend, als das in der Zivi-Küche passierte, lag ich dann ganz verzweifelt auf der Couch, doch plötzlich bekam ich unerwartete Betreuung von meinen Tieren, die Katze hat sich zu meinem Kopf gekuschelt und der Hund will auf mich klettern und sich auch dazukuscheln, er hat aber so aus dem Mund gestunken, weil er wieder irgendwas grausliches aus dem Schlachthof geholt und gefressen, und weil der Mundgeruch so erbärmlich gestunken hat, habe ich gleich alle anderen Sorgen vergessen. Mein Kriseninterventionsteam hat sich in weiterer Folge aber mehr mit sich selbst als mit mir beschäftigt, direkt neben meinem Kopf haben die zwei begonnen, sich zu beißen, kratzen und anzuknurren, was sie als Spielen verstehen. Das ist echt sehenswert, wenn die zwei spielen, da laufen sie sich gegenseitig wie die Wilden nach, springen sich an, die Katze beißt den Hund in Nase, Ohren und sonst wo hin, der Hund hat gleichzeitig die halbe Katze im Maul, aber es hat sich noch keiner der beiden je dabei verletzt, weil nur die Katze richtig fest beißt und auch mit ihren Krallen nicht gerade zimperlich mit dem Hund umgeht. Manchmal fehlt aber auch dem Hund ein bisschen das Gspür und er steigt einfach in den Bauch der Katze, wenn sie sich vor ihm auf dem Boden wälzt.
Gut, also viel Neues gibt esja eh nicht, die neue Zivi-Küche im CAAM funktioniert sehr gut, vor allem unter der Leitung von Flos Schwester und Lisa, die schon seit fast drei Wochen jetzt da sind und fast jeden Abend kochen. Am Donnerstag haben wir ein kleines Feuer im Hof gemacht und ich, als „Chief Salad Officer“, gemeinsam mit dem „Barbecue Consultant“ Jakob und der „Master of Kitchen“, Schwester Barbara, haben wir doch ein bisschen etwas zusammengebracht, auch wenn einige Würstel und Maiskolben wegen der Schräglage des Rosts ins Feuer gerollt sind, da hat wohl der „Fire Construction Engineer“ (ich) etwas ein bisschen schlecht gebaut.
Es scheint, als begänne jetzt die große Besuchszeit in Pedro Carbo, Simons Vater ist noch da, am Donnerstag kamen zwei Ärzte aus Tirol, in zwei Wochen kommen bald Davids Eltern und Familie, in einem Monat kommt meine Familie und Maria, Ende Juli die Christa, Anfang August die Kerstin und so geht es dahin. Irgendwie wird mir immer mehr bewusst, dass ich mich vom Zivi-Leben schon schön langsam verabschieden muss, ich genieße die Zeit so gut es geht, auch wenn sie knapp ist und ich noch so viel erledigen will. Gerade in letzter Zeit arbeite ich an einer Access-Datenbank, die in Zukunft die gemeinschaftliche Vermarktung von Früchten erleichtern soll. Früher wurde jede Lieferung in Excel-Tabellen zusammengefasst, in die neue Datenbank gibt man einfach die Kosten, Erträge und Anteile der einzelnen Bauer ein und alles andere Errechnet die Datenbank und verpackt es in einen schönen Bericht, nach dem die Kleinsparkasse dann die entsprechenden Anteile auf die Sparbücher der Bauern überweist. Der neue Bericht legt auch alle Kosten und Erträge für das CAAM offen, somit kann auch der – zu Recht – kritische Bauer genau nachvollziehen, wie dieser Preis zustande kommt. Mit der Datenbank ist es auch viel leichter, statistische Daten über die Vermarktung zu erhalten, per Klick kann man sich ansehen, welcher Bauer in welcher Zeit wie viel Kilo von welcher Frucht über das CAAM verkauft hat.
Natürlich muss sich die Datenbank noch im praktischen Betrieb bewähren, sie ist auch noch nicht ganz fertig, aber mir macht es irgendwie Spaß.
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Sonntag, 31. Mai 2009
Scharfe Sauce mit bitterem Beigeschmack
Mein Hund im Teich in Estacada
Viel gibt es nicht zu erzählen seit Donnerstag. Das wichtigste ist, dass die neue Zivi-Küche jetzt fertig ist, die letzten Möbel haben wir am Samstag mit Hilfe der Camioneta des FEPPs vom INESEM ins CAAM gebracht. Wir haben dann die Regale in die Wände geschraubt, was gar nicht so leicht ist, weil wir einmal direkt einen Eisenträger im Stahlbetongefüge erwischt haben und ein Regal in eine Wand geschraubt haben, die innen hohl zu sein schien. Trotzdem haben wir fast alles geschafft und die neue Zivi-Küche kann man nun endlich als solche bezeichnen. Am Abend gab es dann eine Spinatlasagne, wirklich sehr gut, kann ich nur empfehlen. Am Freitag hatte Jubian seinen 30. Geburtstag, aus diesem Anlass lud Yadira alle seine und ihre Kollegen und Freunde hier in Pedro Carbo zu sich nach Hause zu einer kleinen Überraschungsparty. Wie es so üblich ist, hielt auch das Geburtstagskind eine kleine Ansprache und Jubian, der eigentlich aus Manabi ist und hier in Pedro Carbo viel Zeit durch seine Arbeit verbringt, bedankte sich bei seiner „Familie in Guayas“, die für ihn wir Österreicher und seine Kollegen darstellen. Seit zwei Wochen besucht uns Simons Vater, der auch auf der Party war und fast jeden Tag im CAAM war. In seiner Ansprache meinte Jubian, dass er froh ist, dass er uns alle hat und dass es so toll ist, weil auch wenn zum Beispiel der Vater vom Simon ihn nicht versteht und er ihn auch nicht, so lacht er trotzdem immer. Und dieser eine Satz ist mir irgendwie hängen geblieben, irgendwie ist mir wieder bewusst geworden, dass das Lachen in jeder Kultur gleich ist, sei es in Amerika, Europa, Afrika, Asien oder sonstwo. Und gerade für die Ecuadorianer ist Lachen so wichtig, Lachen, das ist das, was dir keiner wegnehmen kann, Lachen, das versteht jeder, Lachen ist schön. Wenn man als Europäer nach Ecuador kommt, meint man zuerst, die Leute seien kindisch und lachen über Sachen, die nicht lustig sind. Danach kommt man drauf, dass die Leute sich einfach über einfachere Sachen auch freuen können und zum Lachen nicht ins Kabarett (oder in den Keller – Lukas) gehen müssen. Man macht einfach mit und freut sich, alle zum Lachen zu bringen oder lacht nur mit, das ist einfach lustig. Ich glaube, dass man in Europa oft zu erwachsen ist, man sollte kindisch bleiben bis ins hohe Alter, das ermöglicht, sich auch an den kleinen Freuden zu erfreuen und ich finde, so wie ich Europa in Erinnerung habe, fehlt das schon sehr.
In Guayaquil habe ich mir eine 60ml-Flasche Tabasco-Sauce um $ 2,50 gekauft. Wie schon einmal erwähnt, kauft die Herstellerfirma dieser zugegebenermaßen sehr guten Sauce auch beim CAAM ihren Ají (Chili) ein und zahlt pro Kilo Ají etwa 72 Cent. Angenommen die 60 ml haben auch 60 Gramm, ergibt der Endverkaufspreis einen Preis von $ 41,67 pro Kilo, die Sauce beinhaltet allerdings neben Ají auch noch Salz und Essig, die genauen Verhältnisse weiß ich nicht, gehe man aber davon aus, dass die Sauce zu 100 % aus Ají bestünde, so könnte man sagen, dass vom Endverkaufspreis etwa 1,6 % an den Rohstoffproduzenten gehen, weniger eigentlich, da diesen Preis das CAAM bekommt und den Bauern nur etwas weniger zahlen kann, da es die vom Käufer geforderte Verarbeitung des Ajís (mit Salz vermischen und zerkleinern) auch noch finanzieren muss. Bedenkt man auch den Anteil anderer Zusatzstoffe und den geringeren Preis den der Bauer erhält, bleiben vom Endverkaufspreis wahrscheinlich weniger als 1 % für den Rohstofferzeuger. Que viva el capitalismo!
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Donnerstag, 28. Mai 2009
Nach langer Blogasbtinenz...
Das letzte Wochenende bin ich meinen Bloglesern etwas schuldig geblieben, das möchte ich jetzt auch gern nachholen. Also letztes Wochenende war am Samstag der letzte Arbeitstag der Maestros, die im CAAM zwei Zimmer und eine Küche für die zukünftigen Zivis herrichteten, gleichzeitig begannen wir mit dem Ausmalen. Das klingt nach Arbeit, war aber meiner Ansicht nach ziemlich witzig, weil wir die künftige Küche so gestalten konnten wie wir wollen. Das begann schon, dass ich für die Anrichte rund um das Waschbecken blaue und gelbe Fliesen aussuchte, schaut ziemlich witzig aus und auch beim Malen ließen wir unserer Kreativität freien Lauf. Am Sonntag gab es dann am späten Nachmittag eine Fahrstunde am Motorrad für die Zivis. War sehr interessant, ich hätte ja nicht geglaubt, dass ich jemals ein Motorrad fahren werde. Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten, für die ich gemeinsam mit der Kupplung verantwortlich war, schaffte ich es doch, das Motorrad, auf der Straße zwischen Pedro Carbo und Estacada zum Fahren zu bringen, sogar mit dem Manuel auf dem Rücksitz, der mir nach 100 Metern den wertvollen Tip gab: „Jetzt kannst dann bald in die Zweite schalten.“, und ich habe das dann sogar geschafft, eigentlich nicht so schwer, wenn man mal fährt. Das Beste am Motorrad ist aber die Hupe, man darf in Ecuador ja jeden immer und überall anhupen, überhaupt wenn es sich um Frauen am Wegesrand handelt. Also meine Motorradkarriere beschränkt sich auf 10 Minuten Fahren, diese 10 Minuten machten aber Lust auf mehr. Noch bevor wir das Motorrad probierten machten wir einen kleinen Abstecher mit den Fahrrädern zu der halben Brücke. Die ist wirklich schön, da wurde vor 20 Jahren mit dem Bau einer Brücke für eine geplante Umfahrung von Pedro Carbo begonnen, während des Baus wurde allerdings bemerkt, dass das andere Ufer des Flusses, sich immer weiter weg bewegt weil der Fluss an dieser Stelle eine Kurve macht, somit wurde wieder mit dem Bau aufgehört, das hat zur Folge, dass jetzt mitten in der Landschaft der Beginn einer Riesenbrücke steht. Die tiefstehende Sonne taucht bei klarem Wetter die ganze Landschaft in einen angenehmen Rotton und von der Brücke sieht man sehr weit, hat mir echt Leid getan, dass ich die Kamera nicht dabei hatte.
Am Donnerstag kam Jorge ins CAAM. Er floh vor einigen Monaten aus Estacada, weil er in irgendeinem Kampf jemanden verletzte, der nach Rache suchte. Früher hat er viel für das CAAM gearbeitet, weil er in Estacada gleich neben dem botanischen Garten wohnte. Er war ziemlich betrunken, wie leider so oft, und meinte, er fährt jetzt nach Estacada und stellt sich seinen Feinden, er hätte genug Munition und eine Waffe mit. Manuel redete mit ihm und versuchte, es ihm auszureden. Sie trafen irgendeine Abmachung und Jorge ging wieder. Wohin, wissen wir bis heute nicht. Am selben Tag starb auch eine meiner Gänse, wir merkten erst am Mittwoch Abend, dass sie sehr schwach war, anscheinend haben der Hahn und die andere Gans ihr das ganze Futter weggefressen, oder sie war krank. Mit Futter und Wasser, dass wir ihr direkt in den Schnabel einflößen mussten, versuchten wir sie am Donnerstagvormittag wieder aufzupäppeln, die Gans war aber zu schwach, um ihren Kopf zu heben und konnte auch das Essen nicht schlucken, wenige Minuten später war sie tot. Wir schaufelten ein Grab, begruben sie und legten einen schweren Stein darauf, damit nicht der Hund auf die Idee kommt, das Grab zu plündern. Am Nachmittag bekam das Grab auch noch ein Kreuz aus Caña. Auch der Hahn ist mittlerweile schon tot.
Am Sonntag wurde nämlich in Estacada das zukünftige Museum im botanischen Garten mit Holzschutzmitteln gestrichen, für die freiwilligen Helfern gab es natürlich ein Essen, den Hahn und zwei gekaufte Hühner, im selbstgebauten Lehmofen gebraten. Der Hahn war doppelt so groß wie eines der gekauften Hühner. Geschlachtet hat ihn Darwin, schon am Samstag, damit am Sonntag alles schneller geht. Unter den Freiwilligen war auch Placido, der Tischler, der mit seinen Söhnen und seinen Arbeitern für den Teich im botanischen Garten ein Floß gebaut hatte. Finanziert wurde das von CPR, einer Organisation, die viele Gelder aus Spanien erhält und das CAAM immer wieder mit Sachspenden vor allem für den botanischen Garten unterstützt. Das Floß erlebte einen „Stapellauf“, von der Camioneta des Tischlers in den Teich. Mein Hund wollte unbedingt mit und folgte uns auch in das Trici, das uns bis an den Stadtrand von Pedro Carbo, von wo aus es nicht mehr weit bis zum botanischen Garten ist, brachte. Danach musste er natürlich auch noch mit. Im Garten angekommen, stellte sich aber heraus, dass dieser das absolute Paradies für meinen Hund ist. Er lief wie wild umher, sprang gleich beim Ankommen zum ersten Mal in den Teich und schwamm eine Runde, danach kam er heraus und wälzte sich im Gras und sprang herum, als wäre er verrückt, wieder ins Wasser, wieder heraus, herumspringen, herumwälzen, also der Hund war, bin ich mir sicher, absolut glücklich in diesen Momenten. Als dann der Manuel am Floß stand und zum ersten Mal vom Ufer wegtrieb, wollte der Hund natürlich auch auf das Floß, sprang vom schlammigen Ufer weg und – platsch – landete im Wasser. Unter dem Gelächter aller Anwesenden schwamm er ans Ufer zurück, das Lachen verstummte aber, als er sich schüttelte und das Wasser auf alle Umherstehenden verteilte. Später versuchte auch ich mich, gemeinsam mit Jakob, als Floßsteuermann, in unsere komplizierten Manöver vertieft, rief man uns plötzlich zu: „Schauts, wer euch besuchen kommt“, mein „Hier“ schwamm vom Ufer direkt zum Floß, mit unsere Hilfe kam er auch aufs Floß hinauf und machte uns zuerst einmal ordentlich nass. Aber egal, das ist doch ein Wahnsinn, der Hund kommt mir sogar nach, wenn ich auf einem Floß mitten in einem trüben Teich steh und er 15 Meter schwimmen muss. Außerdem war der Hier danach auch schön sauber, die Zecken sind alle ertrunken und er staubt auch nicht mehr so, wenn man ihn streichelt. Ich weiß jetzt, was ich früher nicht wirklich verstanden habe, wie man einen bestimmten Hund so gern haben kann, ich weiß aber auch, dass mein Hund zum Beispiel nicht glücklich wäre, wenn ich ihn mir nach Österreich mitnehmen würde. Ein Hund ist kein Haustier. Auch, wenn er sich an bestimmte Menschen bindet, ein Hund gehört nicht ins Haus, ein Hund ist glücklich, wenn er in Wiesen herumspringt, mit anderen Hunden streunt, sich dreckig machen kann, in Teichen schwimmen kann und Knochen und anderen menschlichen Essensabfall frisst. Kein teures Hundefutter, keine Mundhygiene, keine Pullover für Hunde. Aber das ist mir schon immer pervers vorgekommen in Österreich.
Ich hoffe, der nächste Blogeintrag kommt pünktlich, und verabschiede mich mit den Klängen von Bach, die ich gerade von meinem Laptop höre.
PS: Tut mir leid wegen der langen Wartezeit, unsere Telefonleitung war jetzt einige Tage gekappt und Windows hat meinen Laptop noch dazu lahm gelegt.
Am Donnerstag kam Jorge ins CAAM. Er floh vor einigen Monaten aus Estacada, weil er in irgendeinem Kampf jemanden verletzte, der nach Rache suchte. Früher hat er viel für das CAAM gearbeitet, weil er in Estacada gleich neben dem botanischen Garten wohnte. Er war ziemlich betrunken, wie leider so oft, und meinte, er fährt jetzt nach Estacada und stellt sich seinen Feinden, er hätte genug Munition und eine Waffe mit. Manuel redete mit ihm und versuchte, es ihm auszureden. Sie trafen irgendeine Abmachung und Jorge ging wieder. Wohin, wissen wir bis heute nicht. Am selben Tag starb auch eine meiner Gänse, wir merkten erst am Mittwoch Abend, dass sie sehr schwach war, anscheinend haben der Hahn und die andere Gans ihr das ganze Futter weggefressen, oder sie war krank. Mit Futter und Wasser, dass wir ihr direkt in den Schnabel einflößen mussten, versuchten wir sie am Donnerstagvormittag wieder aufzupäppeln, die Gans war aber zu schwach, um ihren Kopf zu heben und konnte auch das Essen nicht schlucken, wenige Minuten später war sie tot. Wir schaufelten ein Grab, begruben sie und legten einen schweren Stein darauf, damit nicht der Hund auf die Idee kommt, das Grab zu plündern. Am Nachmittag bekam das Grab auch noch ein Kreuz aus Caña. Auch der Hahn ist mittlerweile schon tot.
Am Sonntag wurde nämlich in Estacada das zukünftige Museum im botanischen Garten mit Holzschutzmitteln gestrichen, für die freiwilligen Helfern gab es natürlich ein Essen, den Hahn und zwei gekaufte Hühner, im selbstgebauten Lehmofen gebraten. Der Hahn war doppelt so groß wie eines der gekauften Hühner. Geschlachtet hat ihn Darwin, schon am Samstag, damit am Sonntag alles schneller geht. Unter den Freiwilligen war auch Placido, der Tischler, der mit seinen Söhnen und seinen Arbeitern für den Teich im botanischen Garten ein Floß gebaut hatte. Finanziert wurde das von CPR, einer Organisation, die viele Gelder aus Spanien erhält und das CAAM immer wieder mit Sachspenden vor allem für den botanischen Garten unterstützt. Das Floß erlebte einen „Stapellauf“, von der Camioneta des Tischlers in den Teich. Mein Hund wollte unbedingt mit und folgte uns auch in das Trici, das uns bis an den Stadtrand von Pedro Carbo, von wo aus es nicht mehr weit bis zum botanischen Garten ist, brachte. Danach musste er natürlich auch noch mit. Im Garten angekommen, stellte sich aber heraus, dass dieser das absolute Paradies für meinen Hund ist. Er lief wie wild umher, sprang gleich beim Ankommen zum ersten Mal in den Teich und schwamm eine Runde, danach kam er heraus und wälzte sich im Gras und sprang herum, als wäre er verrückt, wieder ins Wasser, wieder heraus, herumspringen, herumwälzen, also der Hund war, bin ich mir sicher, absolut glücklich in diesen Momenten. Als dann der Manuel am Floß stand und zum ersten Mal vom Ufer wegtrieb, wollte der Hund natürlich auch auf das Floß, sprang vom schlammigen Ufer weg und – platsch – landete im Wasser. Unter dem Gelächter aller Anwesenden schwamm er ans Ufer zurück, das Lachen verstummte aber, als er sich schüttelte und das Wasser auf alle Umherstehenden verteilte. Später versuchte auch ich mich, gemeinsam mit Jakob, als Floßsteuermann, in unsere komplizierten Manöver vertieft, rief man uns plötzlich zu: „Schauts, wer euch besuchen kommt“, mein „Hier“ schwamm vom Ufer direkt zum Floß, mit unsere Hilfe kam er auch aufs Floß hinauf und machte uns zuerst einmal ordentlich nass. Aber egal, das ist doch ein Wahnsinn, der Hund kommt mir sogar nach, wenn ich auf einem Floß mitten in einem trüben Teich steh und er 15 Meter schwimmen muss. Außerdem war der Hier danach auch schön sauber, die Zecken sind alle ertrunken und er staubt auch nicht mehr so, wenn man ihn streichelt. Ich weiß jetzt, was ich früher nicht wirklich verstanden habe, wie man einen bestimmten Hund so gern haben kann, ich weiß aber auch, dass mein Hund zum Beispiel nicht glücklich wäre, wenn ich ihn mir nach Österreich mitnehmen würde. Ein Hund ist kein Haustier. Auch, wenn er sich an bestimmte Menschen bindet, ein Hund gehört nicht ins Haus, ein Hund ist glücklich, wenn er in Wiesen herumspringt, mit anderen Hunden streunt, sich dreckig machen kann, in Teichen schwimmen kann und Knochen und anderen menschlichen Essensabfall frisst. Kein teures Hundefutter, keine Mundhygiene, keine Pullover für Hunde. Aber das ist mir schon immer pervers vorgekommen in Österreich.
Ich hoffe, der nächste Blogeintrag kommt pünktlich, und verabschiede mich mit den Klängen von Bach, die ich gerade von meinem Laptop höre.
PS: Tut mir leid wegen der langen Wartezeit, unsere Telefonleitung war jetzt einige Tage gekappt und Windows hat meinen Laptop noch dazu lahm gelegt.
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Freitag, 15. Mai 2009
Pandemie und Bio-Bananen mit Motoröl
Gleich vorweg, Pandemie ist übertrieben, aber es macht einen guten Titel. Es geht momentan in Pedro Carbo eine Krankheit um, die „Patada china“ genannt wird, übersetzt heißt das so ungefähr „Chinesischer Fuß“. Hat aber so wenig mit Füßen zu tun wie ich mit Sport. Eigentlich ist das eine Augenkrankheit, bei der die Augen brennen und die Betroffenen wegen der erhöhten Lichtempfindlichkeit ihrer Augen mit Sonnenbrillen herumlaufen. Vor einigen Wochen war Yadira betroffen, zu Beginn dieser Woche Joffre und am Dienstagabend hat es Manuel erwischt, der jetzt immer mit seiner Gletscherbrille unterwegs ist. Bis jetzt hat es mich nicht erwischt, die Krankheit ist aber angeblich ziemlich ansteckend.
Am Mittwoch hat das CAAM einen Bus gemietet und wir sind nach Taura, nahe Guayaquil gefahren. Finanziert wurde der Ausflug neben den kleinen Beiträgen der Mitfahrenden von der UNO, die, wie schon vor einigen Wochen erwähnt, ein 50.000 Dollar-Projekt des CAAMs finanziert. Mit diesen Mitteln wurde unter anderem am Dienstag ein nagelneuer Computer gekauft. Am Mittwoch fuhren wir also auf eine Bio-Bananen-Plantage in Taura. Der Plantagenbesitzer empfing uns persönlich und erklärte uns die Vorgänge in seinem Unternehmen. Er hat sehr motivierend gewirkt auf die Bauern, redete viel von biologischen Mitteln und dass die Pflanzen und der Boden gesund sein müssen und die Pflanzen sich so gegen die ärgsten Krankheiten verteidigen können und dass der selbst hergestellte Biodünger „Biol“ wesentlich billiger und effektiver ist. In großen Dimensionen selbst hergestellt kostet ihn der Liter Biol zwölf Cent, in Geschäften wird der industriell hergestellte um bis zu acht Dollar verkauft. Natürlich kann man nicht all seine Strategien für die kleinen Bauern, die zB mit einem Hektar Mais, einem Hektar Reis und einem Hektar Papaya arbeiten, umlegen, er hat acht „Haciendas“ mit durchschnittlich 80 Hektar, rechnerisch eine Gesamtanbaufläche von 640 Hektar, doch finde ich es sehr gut, dass er die kleinen Bauern für biologische Landwirtschaft begeistern zu versucht. Er hat auch eine eigene Kompostieranlage, der Kompost ist allerdings nicht so geeignet, da er als zertifizierter Biobetrieb keine Dünger mit zu hohem Stickstoffanteil verwenden darf und der Kompost in dieser Hinsicht einfach „zu gut“ ist. Man muss auch sagen, dass er leicht reden kann, wenn er seine 500 Hektar Bananen hat und auch das Kapital hatte, um beispielsweise in die Tanks für die Biolerzeugung zu investieren, trotzdem ein gutes Beispiel, wie auch die landwirtschaftliche Massenproduktion biologisch funktionieren kann. Ecuador ist weltweiter Exportführer in Bananen, nur Indien produziert mehr, exportiert aber weniger. Komisch ist allerdings, dass trotzdem Erdöl das wichtigste Exportgut ist. Der reichste Mann Ecuadors, Alvaro Noboa, wurde in österreichischen Medien vor der Präsidentenwahl, zu der er mit einem sehr kostspieligen Wahlkampf vergeblich antrat, als „Bananenkönig“ bezeichnet, er kontrolliert große Teile der Bananenindustrie in der „Bananenrepublik Nr. 1“.
Bei dem Besuch der Bananenplantage tat sich allerdings auch ein neuer Absatzmarkt für das CAAM und die Bauern auf: Ají (Chili) als Insektizid. In der biologischen Landwirtschaft sind verständlicherweise viele Insektizide verboten, eine billige und wirkungsvolle Alternative stellen ajo (Knoblauch) und ají dar, ein halbes Kilo ajo und 300 Gramm ají auf einen Hektar verteilt tötet sämtliche Schädlinge. Haben wir bisher den ají um 67 Cent pro Kilo an eine Zulieferfirma für „McIlhenny“ (Tabasco) in Los Angeles verkauft, so bieten uns die „Bananeros orgánicos“ (Biobananenanbauer) bis zu 1,20 $ pro Kilo, fast das Doppelte. Am Donnerstag betrat schon der erste Kunde, Kollege des von uns am Tag zuvor besuchten „Bananeros“, das CAAM und wollte drei Kübel voll ají haben. Wenig, dafür, dass er am Vortag am Telefon etwas von zehn Tonnen erwähnte. Die 57 kg ají um 68,40 $ hat der wahrscheinlich aus der Portokassa bezahlt. Ich habe ihm aus einem ají-Tank die Kübel angefüllt und hatte dann selbst den ají an den Händen und Armen (wirkt wie eine dieser Wärmecremes, die dann so heiß werden auf der Haut, aber es wird schon ein wenig zu heiß), den zweiten und dritten Kübel mussten wir erst aufbrechen, da es (fast) leere Ölkübel waren, die noch versiegelt waren, ein bisschen Motoröl war auch noch drinnen. Der Bananero meinte nur, sein Auto braucht eh Öl, und leerte die Reste in seinen Motor, sauber wurden sie dadurch nicht. Auf meine Frage hin, ob ich jetzt den ají in die dreckigen Kübel geben soll, sagte er nur: „No te preocupes, no lo voy a comer“ (Besorg dich nicht, ich werde es nicht essen). Mit den Worten meiner Mutter („Ein Tropfen Öl verschmutzt 1000 Liter Grundwasser“), die ich vor vielen Jahren einmal vernommen hatte und irgendwie hängen geblieben waren, im Hinterkopf füllte ich den geschroteten ají in die Ölkübel. In geringerer Dosis wird in dem biologischen Insektizid dann also auch Motoröl sein. Ich wünsche guten Appetit bei den nächsten „Bio-Bananen“ aus Ecuador! Trotzdem, Manuel meinte einmal, Bananen in Österreich zu essen ist gesünder, als in Ecuador, aus dem Grund, weil die Exportbananen schon oft biologisch hergestellt werden und im Inland die billigeren, aus konventioneller Landwirtschaft stammenden. Nach dem Besuch des Bananeros am Donnerstag hatten wir noch eine kleine Reunion („Meeting“ auf „Deutsch“). Da waren Manuel, ich, Joffre (mein „Lehrling“ in Buchhaltung und sonstiger Verwaltungsarbeit), Jubian (Mitarbeiter im FEPP, der viel für das CAAM macht) und zwei weitere vom FEPP, die andere „Centros de Negocios“ betreuen. Ein „Centro de Negocios“ ist eine Einrichtung, wie es auch das CAAM zum Teil ist, in der Bauern einerseits gegenseitige Unterstützung erhalten, aber auch ihre Produkte gemeinsam vermarkten. Diebeiden wollen ein Netz dieser Zentren aufbauen, damit sie effektiver arbeiten und sich untereinander unterstützen können. Sie betreuen auch eines in San Isidro, weit weg von Pedro Carbo in Manabí, und suchen für dort einen „Gringo“, der, ähnlich wie der Flo den Kleinsparkassen, mit Buchhaltung und Verwaltung hilft. Dann haben die beiden mich ausgefragt, was meine Spezialitäten sind und was ich so genau mache und dann schlugen sie vor, dass ich einmal auf Kosten des FEPPs für eine Woche nach San Isidro fahre, und mir dort die Situation ansehe und eventuell was helfen könnte. Jubian meinte dann zu ihnen, dass sie es ausnützen sollen, solange ich noch da bin. Wow, ich war eigentlich ziemlich überwältigt von so viel „G´riss“ um mich. Ich würde schon gerne hinfahren, habe aber im CAAM meine 3 fixen Tage pro Woche, wo ich mit Joffre arbeite und ihm helfe, andererseits hat er auch in der Zeit meines Urlaubs im März alleine sehr gut gearbeitet und mich sehr angenehm überrascht. Wahrscheinlich muss man seine „Schüler“ oft einfach alleine lassen und was sie sich dann alleine erarbeiten, dauert vielleicht etwas länger, hält aber viel besser danach. Also wir werden sehen, vielleicht wird es ja was mit meiner einwöchigen Dienstreise nach San Isidro.
Am Mittwoch hat das CAAM einen Bus gemietet und wir sind nach Taura, nahe Guayaquil gefahren. Finanziert wurde der Ausflug neben den kleinen Beiträgen der Mitfahrenden von der UNO, die, wie schon vor einigen Wochen erwähnt, ein 50.000 Dollar-Projekt des CAAMs finanziert. Mit diesen Mitteln wurde unter anderem am Dienstag ein nagelneuer Computer gekauft. Am Mittwoch fuhren wir also auf eine Bio-Bananen-Plantage in Taura. Der Plantagenbesitzer empfing uns persönlich und erklärte uns die Vorgänge in seinem Unternehmen. Er hat sehr motivierend gewirkt auf die Bauern, redete viel von biologischen Mitteln und dass die Pflanzen und der Boden gesund sein müssen und die Pflanzen sich so gegen die ärgsten Krankheiten verteidigen können und dass der selbst hergestellte Biodünger „Biol“ wesentlich billiger und effektiver ist. In großen Dimensionen selbst hergestellt kostet ihn der Liter Biol zwölf Cent, in Geschäften wird der industriell hergestellte um bis zu acht Dollar verkauft. Natürlich kann man nicht all seine Strategien für die kleinen Bauern, die zB mit einem Hektar Mais, einem Hektar Reis und einem Hektar Papaya arbeiten, umlegen, er hat acht „Haciendas“ mit durchschnittlich 80 Hektar, rechnerisch eine Gesamtanbaufläche von 640 Hektar, doch finde ich es sehr gut, dass er die kleinen Bauern für biologische Landwirtschaft begeistern zu versucht. Er hat auch eine eigene Kompostieranlage, der Kompost ist allerdings nicht so geeignet, da er als zertifizierter Biobetrieb keine Dünger mit zu hohem Stickstoffanteil verwenden darf und der Kompost in dieser Hinsicht einfach „zu gut“ ist. Man muss auch sagen, dass er leicht reden kann, wenn er seine 500 Hektar Bananen hat und auch das Kapital hatte, um beispielsweise in die Tanks für die Biolerzeugung zu investieren, trotzdem ein gutes Beispiel, wie auch die landwirtschaftliche Massenproduktion biologisch funktionieren kann. Ecuador ist weltweiter Exportführer in Bananen, nur Indien produziert mehr, exportiert aber weniger. Komisch ist allerdings, dass trotzdem Erdöl das wichtigste Exportgut ist. Der reichste Mann Ecuadors, Alvaro Noboa, wurde in österreichischen Medien vor der Präsidentenwahl, zu der er mit einem sehr kostspieligen Wahlkampf vergeblich antrat, als „Bananenkönig“ bezeichnet, er kontrolliert große Teile der Bananenindustrie in der „Bananenrepublik Nr. 1“.
Bei dem Besuch der Bananenplantage tat sich allerdings auch ein neuer Absatzmarkt für das CAAM und die Bauern auf: Ají (Chili) als Insektizid. In der biologischen Landwirtschaft sind verständlicherweise viele Insektizide verboten, eine billige und wirkungsvolle Alternative stellen ajo (Knoblauch) und ají dar, ein halbes Kilo ajo und 300 Gramm ají auf einen Hektar verteilt tötet sämtliche Schädlinge. Haben wir bisher den ají um 67 Cent pro Kilo an eine Zulieferfirma für „McIlhenny“ (Tabasco) in Los Angeles verkauft, so bieten uns die „Bananeros orgánicos“ (Biobananenanbauer) bis zu 1,20 $ pro Kilo, fast das Doppelte. Am Donnerstag betrat schon der erste Kunde, Kollege des von uns am Tag zuvor besuchten „Bananeros“, das CAAM und wollte drei Kübel voll ají haben. Wenig, dafür, dass er am Vortag am Telefon etwas von zehn Tonnen erwähnte. Die 57 kg ají um 68,40 $ hat der wahrscheinlich aus der Portokassa bezahlt. Ich habe ihm aus einem ají-Tank die Kübel angefüllt und hatte dann selbst den ají an den Händen und Armen (wirkt wie eine dieser Wärmecremes, die dann so heiß werden auf der Haut, aber es wird schon ein wenig zu heiß), den zweiten und dritten Kübel mussten wir erst aufbrechen, da es (fast) leere Ölkübel waren, die noch versiegelt waren, ein bisschen Motoröl war auch noch drinnen. Der Bananero meinte nur, sein Auto braucht eh Öl, und leerte die Reste in seinen Motor, sauber wurden sie dadurch nicht. Auf meine Frage hin, ob ich jetzt den ají in die dreckigen Kübel geben soll, sagte er nur: „No te preocupes, no lo voy a comer“ (Besorg dich nicht, ich werde es nicht essen). Mit den Worten meiner Mutter („Ein Tropfen Öl verschmutzt 1000 Liter Grundwasser“), die ich vor vielen Jahren einmal vernommen hatte und irgendwie hängen geblieben waren, im Hinterkopf füllte ich den geschroteten ají in die Ölkübel. In geringerer Dosis wird in dem biologischen Insektizid dann also auch Motoröl sein. Ich wünsche guten Appetit bei den nächsten „Bio-Bananen“ aus Ecuador! Trotzdem, Manuel meinte einmal, Bananen in Österreich zu essen ist gesünder, als in Ecuador, aus dem Grund, weil die Exportbananen schon oft biologisch hergestellt werden und im Inland die billigeren, aus konventioneller Landwirtschaft stammenden. Nach dem Besuch des Bananeros am Donnerstag hatten wir noch eine kleine Reunion („Meeting“ auf „Deutsch“). Da waren Manuel, ich, Joffre (mein „Lehrling“ in Buchhaltung und sonstiger Verwaltungsarbeit), Jubian (Mitarbeiter im FEPP, der viel für das CAAM macht) und zwei weitere vom FEPP, die andere „Centros de Negocios“ betreuen. Ein „Centro de Negocios“ ist eine Einrichtung, wie es auch das CAAM zum Teil ist, in der Bauern einerseits gegenseitige Unterstützung erhalten, aber auch ihre Produkte gemeinsam vermarkten. Diebeiden wollen ein Netz dieser Zentren aufbauen, damit sie effektiver arbeiten und sich untereinander unterstützen können. Sie betreuen auch eines in San Isidro, weit weg von Pedro Carbo in Manabí, und suchen für dort einen „Gringo“, der, ähnlich wie der Flo den Kleinsparkassen, mit Buchhaltung und Verwaltung hilft. Dann haben die beiden mich ausgefragt, was meine Spezialitäten sind und was ich so genau mache und dann schlugen sie vor, dass ich einmal auf Kosten des FEPPs für eine Woche nach San Isidro fahre, und mir dort die Situation ansehe und eventuell was helfen könnte. Jubian meinte dann zu ihnen, dass sie es ausnützen sollen, solange ich noch da bin. Wow, ich war eigentlich ziemlich überwältigt von so viel „G´riss“ um mich. Ich würde schon gerne hinfahren, habe aber im CAAM meine 3 fixen Tage pro Woche, wo ich mit Joffre arbeite und ihm helfe, andererseits hat er auch in der Zeit meines Urlaubs im März alleine sehr gut gearbeitet und mich sehr angenehm überrascht. Wahrscheinlich muss man seine „Schüler“ oft einfach alleine lassen und was sie sich dann alleine erarbeiten, dauert vielleicht etwas länger, hält aber viel besser danach. Also wir werden sehen, vielleicht wird es ja was mit meiner einwöchigen Dienstreise nach San Isidro.
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Sonntag, 10. Mai 2009
Warum wird das Klo kaputt, wenn man Durchfall hat?
Mein WC war mir bis jetzt immer treu, nie machte es Probleme, doch am Freitag merkte ich, wie die Wasserpumpe im CAAM ständig am Laufen war und merkte bei meinen Nachforschungen, dass der Deckel, der sich beim Betätigen der Spülung öffnet und den Wasserschwall ermöglicht, nicht mehr dicht ist und die Verbindung zum Hebel auch gerissen ist. Na gut, wenn man den Deckel zudrückt und gleichzeitig Wasser in den Spülkasten lässt, funktioniert es. Leider brauche ich aber seit Samstagmorgen mehr Spülwasser als sonst, da mich ein ziemlich böser Durchfall nach dem Essen anlässlich Davids Geburtstags bei seinen „Schwiegereltern“ erwischt hat. Warum diese beiden unglücklichen Umstände zur selben Zeit eintreten müssen, verstehe ich nicht.
Am Mittwoch fuhr ich nach Guayaquil, dienstlich natürlich, und musste unter anderem aufs MIC (Ministerio de Inclusion y Competitividad), weil das CAAM bei diesem Ministerium als „Verein“ eingetragen ist und wir die Mitgliederliste aktualisieren lassen, da es Mitglieder gibt, die nicht mehr teilnehmen und andere, die teilnehmen aber keine eingetragenen Mitglieder sind. Um diesen „Tramite“ (mir fällt kein deutsches Wort dafür ein, das ist zB wenn man ein Pass will, braucht man bestimmte Dokumente von bestimmten Ämtern, das dauert alles vielleicht auch ein bisschen länger und das ganze Herumgelaufe und Herumgestemple heißt Tramite) zu vollziehen muss man einen dicken Packen Dokumente im Ministerium abgeben und wenn ein Beamter die Dokumente entgegen nimmt und für ausreichend befindet, gibt er sie an seinen Kollegen weiter. Das heißt aber nicht, dass der der selben Meinung sein muss. So geschah es auch mir, als ich am Mittwoch nach dem Tramite fragte, der seit vorigen Freitag in Gang war und der Beamte sagte mir, was noch alles fehlte. Somit hatte ich am Freitag wieder einen Grund für eine kleine Dienstreise in diese Stadt. Manchen ist hier vielleicht aufgefallen, dass ich von einem Ministerium schreibe, dass sich in Guayaquil befindet und dass Guayaquil nicht die Haupstadt von Ecuador ist. Es gibt nämlich in dieser Stadt, das sogenannte „Gobierno Litoral“ das könnte man als Filiale der Regierung und der Ministerien betrachten. Die Costa (Küste) und ganz besonders Guayaquil bilden ja den politischen wie auch kulturellen Gegenpol zur Sierra (Gebirge) und Quito. Deswegen versuchte man, mit dem „Gobierno Litoral“ der Wirtschaftsmetropole von Ecuador ein bisschen entgegenzukommen. Guayaquil hat ungefähr 2,5 Millionen Einwohner, die in Slums, Häusern oder Luxusvillen leben. Es gibt die „Bastión Popular“, wo man als Ausländer nicht hineingehen sollte und es gibt unzählige abgesperrte Wohnviertel, wo man nicht hineingehen darf. Wer es sich irgendwie leisten kann, zieht in eines dieser Reihenhausgefängnisse. Diese Stadt zeigt einem, was falsch läuft, wenn du aus dem Bus einen nagelneuen 7er-BMW siehst und daneben ein Kind, das dem Fahrer Kaugummi verkaufen will. Sicher, die Stadt ist das Wirtschaftszentrum und der Lebensstandard ist auf den ersten Blick im Allgemeinen höher als am Land. Sieht man aber genauer hin, fällt einem die extreme Umweltverschmutzung oder die Ungerechtigkeit auf. Neben den Straßen türmt sich der Müll, Kanäle stinken bestialisch und wenn man in der Früh frisch geduscht nach Guayaquil fährt, und man am Abend verschwitzt zurückkommt und sich den Schweiß von der Stirn wischt, ist das Taschentuch schwarz vom Russ. Hier gibt es keine Diskussionen über Feinstaub und Partikelfilter, tausende Busse, LKWs und noch viel mehr PKWs blasen täglich ihre ungefilterten Abgase in die Lungen der Guayaquileños. Ja, diese Stadt hat ihr ganz eigenes Flair.
Am Mittwoch holte Manuel unser Motorrad aus Guayaquil ab; eine chinesische Maschine, 200ccm, 1500$ Kaufpreis neu. Schönes Gerät, am ersten Tag war gleich der Elektrostarter kaputt, Manuel konnte den aber reparieren. Wir werden sehen, wie es weiter geht und vielleicht lerne ich ja auch noch das Motorradfahren. Interessant wäre es auf jeden Fall. Am Freitag musste ich wieder nach Guayaquil, wie schon erwähnt ins Ministerium die ausgebesserten Dokumente abgeben. Davor allerdings war ich mit dem Darwin, der für das CAAM in Estacada im Botanischen Garten arbeitet, beim SRI (Finanzamt), um ihn zu registrieren. Er ist nämlich kein Angestellter, sonder arbeitet wie man in Österreich sagen würde als freier Dienstnehmer, das heißt er sollte uns Rechnungen stellen können und auch selbst Steuer zahlen. Seit einiger Zeit gibt es in Ecuador ein pauschaliertes Steuersystem für Klein- und Kleinstunternehmen, das statt der Umsatzsteuer fixe Quoten vorsieht. Auch das CAAM spart sich dadurch einiges an Steuern, somit zahlen wir für ihn seine Steuern und bekommen dadurch seine Arbeitskraft insgesamt billiger bei gleicher Bezahlung in Bar. Der Darwin ist ein bisschen schüchtern, so um die 30 Jahre alt, aber ein total lustiger und netter Kerl, wenn er unter Leuten ist, die er kennt. Am Finanzamt war er ein bisschen nervös und schüchtern und hat mit dem Beamten sich fast nicht reden getraut, zum Glück war ja auch ich dabei, der Beamte hat ihn nämlich im falschen System registriert und auch die Adresse falsch geschrieben und dem Darwin gesagt, er soll da und dort unterschreiben und der unterschreibt einfach, während ich mir das ansehe und im letzten Moment noch die beiden auf die Fehler aufmerksam mache. Trotzdem, so einfach kann man in Österreich sein Unternehmen nicht anmelden, wie es hier geht. Man geht einfach zum Finanzamt, weist sich aus, sagt, in welcher Branche man tätig ist und innerhalb einer Stunde hat man seine Steuernummer und die Autorisation vom Finanzamt, seine Geschäfte offiziell betreiben zu dürfen. Da könnten sich die Österreicher noch was abschauen. Darwin war dann auch ein bisschen verängstigt danach, hatte Angst, dass er und seine Frau die Sozialhilfen von 30$ pro Monat verlieren könnten, weil er jetzt offizielle Einkünfte hat und wollte das alles wieder rückgängig machen. Ich habe ihn aber irgendwie überredet, dass er es jetzt einmal probiert, wie das ist, legal zu arbeiten und wir ihn danach immer noch abmelden können. Danach gab ich ihm noch das Geld für die Heimfahrt, weil er in seiner eigenen Landwirtschaft noch weiterarbeiten musste. Bei der Fahrt nach Guayaquil hatte unser Bus schon einen kleinen Unfall verursacht. Wenn man nach Guayaquil hineinfährt, fährt man über eine 8- oder 10-spurige Straße, immer 2 Fahrbahnen in eine Richtung, die durch eine etwa 20cm hohe kleine Betonmauer getrennt sind. Auf den zwei rechten Fahrstreifen fahren immer die vielen Busse, die überall Leute ein- und aussteigen lassen, so auch unser Bus, er blieb hinter einem anderen Bus stehen und ließ jemanden aussteigen, danach wollte er auf den zweiten Fahrstreifen der Fahrbahn fahren und am vorderen Bus vorbeifahren. Ich saß auf der linken Seite und als unser Bus den Fahrstreifen wechselte, hupte hinter uns jemand, ich schaute zurück (eigentlich hupt immer irgendwer, aber der hat besonders lange gehupt) und es kam mit voller Geschwindigkeit ein andere Bus, der nicht mehr bremsen konnte, aber den Bus verriss, auf die kleine Betonmauer und mit den linken Reifen über die Mauer, sodass er praktisch in der Mitte aufsaß, weder das noch das daraus resultierende Geräusch, konnte einen der Busfahrer aufhalten, es ging Vollgas weiter. Als das kleine Mäuerchen dann aus war, überholte uns der abgedrängte Bus, reihte sich davor ein und bremste. Darauf folgte ein kurzes Wortgefecht der Fahrer, die Passagiere in unserem Bus schrieen aber nur, dass er weiterfahren solle und somit drückte der Fahrer das Gaspedal wie gewohnt bis auf den Boden durch und der andere Bus verschwand in der Dieselrusswolke, die wir hinterließen.
Danke für die vielen Kommentare, freut mich, wenn meine Einträge ein Echo haben ;-)
als Antwort auf die Kommentare: Der Hahn lebt noch und ich hab mir mein Auge nicht ausgewaschen, das Auswaschen tut ja meistens mehr weh als der Deospray im Auge...
Am Mittwoch fuhr ich nach Guayaquil, dienstlich natürlich, und musste unter anderem aufs MIC (Ministerio de Inclusion y Competitividad), weil das CAAM bei diesem Ministerium als „Verein“ eingetragen ist und wir die Mitgliederliste aktualisieren lassen, da es Mitglieder gibt, die nicht mehr teilnehmen und andere, die teilnehmen aber keine eingetragenen Mitglieder sind. Um diesen „Tramite“ (mir fällt kein deutsches Wort dafür ein, das ist zB wenn man ein Pass will, braucht man bestimmte Dokumente von bestimmten Ämtern, das dauert alles vielleicht auch ein bisschen länger und das ganze Herumgelaufe und Herumgestemple heißt Tramite) zu vollziehen muss man einen dicken Packen Dokumente im Ministerium abgeben und wenn ein Beamter die Dokumente entgegen nimmt und für ausreichend befindet, gibt er sie an seinen Kollegen weiter. Das heißt aber nicht, dass der der selben Meinung sein muss. So geschah es auch mir, als ich am Mittwoch nach dem Tramite fragte, der seit vorigen Freitag in Gang war und der Beamte sagte mir, was noch alles fehlte. Somit hatte ich am Freitag wieder einen Grund für eine kleine Dienstreise in diese Stadt. Manchen ist hier vielleicht aufgefallen, dass ich von einem Ministerium schreibe, dass sich in Guayaquil befindet und dass Guayaquil nicht die Haupstadt von Ecuador ist. Es gibt nämlich in dieser Stadt, das sogenannte „Gobierno Litoral“ das könnte man als Filiale der Regierung und der Ministerien betrachten. Die Costa (Küste) und ganz besonders Guayaquil bilden ja den politischen wie auch kulturellen Gegenpol zur Sierra (Gebirge) und Quito. Deswegen versuchte man, mit dem „Gobierno Litoral“ der Wirtschaftsmetropole von Ecuador ein bisschen entgegenzukommen. Guayaquil hat ungefähr 2,5 Millionen Einwohner, die in Slums, Häusern oder Luxusvillen leben. Es gibt die „Bastión Popular“, wo man als Ausländer nicht hineingehen sollte und es gibt unzählige abgesperrte Wohnviertel, wo man nicht hineingehen darf. Wer es sich irgendwie leisten kann, zieht in eines dieser Reihenhausgefängnisse. Diese Stadt zeigt einem, was falsch läuft, wenn du aus dem Bus einen nagelneuen 7er-BMW siehst und daneben ein Kind, das dem Fahrer Kaugummi verkaufen will. Sicher, die Stadt ist das Wirtschaftszentrum und der Lebensstandard ist auf den ersten Blick im Allgemeinen höher als am Land. Sieht man aber genauer hin, fällt einem die extreme Umweltverschmutzung oder die Ungerechtigkeit auf. Neben den Straßen türmt sich der Müll, Kanäle stinken bestialisch und wenn man in der Früh frisch geduscht nach Guayaquil fährt, und man am Abend verschwitzt zurückkommt und sich den Schweiß von der Stirn wischt, ist das Taschentuch schwarz vom Russ. Hier gibt es keine Diskussionen über Feinstaub und Partikelfilter, tausende Busse, LKWs und noch viel mehr PKWs blasen täglich ihre ungefilterten Abgase in die Lungen der Guayaquileños. Ja, diese Stadt hat ihr ganz eigenes Flair.
Am Mittwoch holte Manuel unser Motorrad aus Guayaquil ab; eine chinesische Maschine, 200ccm, 1500$ Kaufpreis neu. Schönes Gerät, am ersten Tag war gleich der Elektrostarter kaputt, Manuel konnte den aber reparieren. Wir werden sehen, wie es weiter geht und vielleicht lerne ich ja auch noch das Motorradfahren. Interessant wäre es auf jeden Fall. Am Freitag musste ich wieder nach Guayaquil, wie schon erwähnt ins Ministerium die ausgebesserten Dokumente abgeben. Davor allerdings war ich mit dem Darwin, der für das CAAM in Estacada im Botanischen Garten arbeitet, beim SRI (Finanzamt), um ihn zu registrieren. Er ist nämlich kein Angestellter, sonder arbeitet wie man in Österreich sagen würde als freier Dienstnehmer, das heißt er sollte uns Rechnungen stellen können und auch selbst Steuer zahlen. Seit einiger Zeit gibt es in Ecuador ein pauschaliertes Steuersystem für Klein- und Kleinstunternehmen, das statt der Umsatzsteuer fixe Quoten vorsieht. Auch das CAAM spart sich dadurch einiges an Steuern, somit zahlen wir für ihn seine Steuern und bekommen dadurch seine Arbeitskraft insgesamt billiger bei gleicher Bezahlung in Bar. Der Darwin ist ein bisschen schüchtern, so um die 30 Jahre alt, aber ein total lustiger und netter Kerl, wenn er unter Leuten ist, die er kennt. Am Finanzamt war er ein bisschen nervös und schüchtern und hat mit dem Beamten sich fast nicht reden getraut, zum Glück war ja auch ich dabei, der Beamte hat ihn nämlich im falschen System registriert und auch die Adresse falsch geschrieben und dem Darwin gesagt, er soll da und dort unterschreiben und der unterschreibt einfach, während ich mir das ansehe und im letzten Moment noch die beiden auf die Fehler aufmerksam mache. Trotzdem, so einfach kann man in Österreich sein Unternehmen nicht anmelden, wie es hier geht. Man geht einfach zum Finanzamt, weist sich aus, sagt, in welcher Branche man tätig ist und innerhalb einer Stunde hat man seine Steuernummer und die Autorisation vom Finanzamt, seine Geschäfte offiziell betreiben zu dürfen. Da könnten sich die Österreicher noch was abschauen. Darwin war dann auch ein bisschen verängstigt danach, hatte Angst, dass er und seine Frau die Sozialhilfen von 30$ pro Monat verlieren könnten, weil er jetzt offizielle Einkünfte hat und wollte das alles wieder rückgängig machen. Ich habe ihn aber irgendwie überredet, dass er es jetzt einmal probiert, wie das ist, legal zu arbeiten und wir ihn danach immer noch abmelden können. Danach gab ich ihm noch das Geld für die Heimfahrt, weil er in seiner eigenen Landwirtschaft noch weiterarbeiten musste. Bei der Fahrt nach Guayaquil hatte unser Bus schon einen kleinen Unfall verursacht. Wenn man nach Guayaquil hineinfährt, fährt man über eine 8- oder 10-spurige Straße, immer 2 Fahrbahnen in eine Richtung, die durch eine etwa 20cm hohe kleine Betonmauer getrennt sind. Auf den zwei rechten Fahrstreifen fahren immer die vielen Busse, die überall Leute ein- und aussteigen lassen, so auch unser Bus, er blieb hinter einem anderen Bus stehen und ließ jemanden aussteigen, danach wollte er auf den zweiten Fahrstreifen der Fahrbahn fahren und am vorderen Bus vorbeifahren. Ich saß auf der linken Seite und als unser Bus den Fahrstreifen wechselte, hupte hinter uns jemand, ich schaute zurück (eigentlich hupt immer irgendwer, aber der hat besonders lange gehupt) und es kam mit voller Geschwindigkeit ein andere Bus, der nicht mehr bremsen konnte, aber den Bus verriss, auf die kleine Betonmauer und mit den linken Reifen über die Mauer, sodass er praktisch in der Mitte aufsaß, weder das noch das daraus resultierende Geräusch, konnte einen der Busfahrer aufhalten, es ging Vollgas weiter. Als das kleine Mäuerchen dann aus war, überholte uns der abgedrängte Bus, reihte sich davor ein und bremste. Darauf folgte ein kurzes Wortgefecht der Fahrer, die Passagiere in unserem Bus schrieen aber nur, dass er weiterfahren solle und somit drückte der Fahrer das Gaspedal wie gewohnt bis auf den Boden durch und der andere Bus verschwand in der Dieselrusswolke, die wir hinterließen.
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Donnerstag, 7. Mai 2009
Vilcabamba y la moto
Wie angekündigt haben wir (diesmal Flo2, Simon und ich) das Wochenende in Vilcabamba verbracht. Vilcabamba ist ein kleines Dorf im Süden von Ecuador, per Bus über 12 Stunden Fahrt von Pedro Carbo entfernt. Bei der Hinfahrt am Donnerstag mussten wir zuerst nach Guayaquil, von dort nach Cuenca, con Cuenca nach Loja und von Loja nach Vilcabamba. Es gab nämlich keine direkte Verbindung mehr von Guayaquil nach Loja, so mussten wir den kleinen Umweg über Cuenca auf uns nehmen und dort um fünf Uhr Früh umsteigen. Zu Mittag waren wir endlich in Vilcabamba. Als wir nach dem Mittagessen noch einen Kaffee tranken, kamen wir mit zwei Männern, die am Nachbartisch mit einem Kind saßen, ins Gespräch. Sie erzählten uns Einiges über Vilcabamba, und dass sie von Loja sind und einer der beiden, Vater des Kindes, ist Anwalt und beschäftigt sich vor allem mit Visumsangelegenheiten für Ausländer in Ecuador. Sie wollten uns dann noch einige Orte rund um Vilcabamba zeigen und holten ihr Auto. Wir staunten schon nicht schlecht, als wir vor einem nagelneuen VW-Jetta standen, absolut kein billiges Auto in Ecuador. Wir zwängten uns alle sechs in das Auto und dann fuhren wir los, zuerst zu einem kleinen Tiergarten mit Straußen (oder Sträuße?), Papageien und sonstigem Kleinvieh, danach zeigte er uns noch einen Fluss, wo man sich im eiskalten Wasser baden könnte. Auf dem Weg dort hin kaufte der Anwalt noch für jeden ein Bier und dann standen wir da, und schauten dem Fluss zu. Ich bin nicht hineingegangen, die anderen haben auch nur die Füße hineingehalten, das habe ich deshalb nicht getan, weil neben dem Fluss ein Schild war, wo ganz groß stand „Wasserverschmutzen verboten!“. In Vilcabamba soll man angeblich ganz gesund leben, das Klima ist mild und beständig, das Wasser ist sauber, die Leute leben entspannt und nicht wenige sollen schon weit über 100 Jahre alt sein. Auch ich kann nur gutes über die heilende Wirkung von Vilcabamba berichten, mehr dazu später. Am Samstag machten wir eine Wanderung auf den Mandango, so etwa der Hausberg von Vilcabamba, auf dem ganz oben die „Nariz del Niño“ (Nase des Kindes) zu finden ist, weil der Bergrücken von unten so aussieht, wie das Gesicht eines liegenden Kindes im Profil oder eigentlich erkennt man nur die Nase gut. Jedenfalls glaubt man nie, dass man bis ganz auf die Nasenspitze gehen kann, weil man von unten rundherum nur Felsen sieht. Wir haben es aber trotzdem geschafft, über schmale Wege, und steile Kletterpfade, ich glaube, so gefährlich war ich in Österreich noch nie wandern. Was mich schockiert hat, war, dass man für den Berg Eintritt zahlen musste, einen Dollar, weil der ganze Berg in Privatbesitz ist und der „Mandango irgendwas Group Ltda.“ gehört. Wahrscheinlich gehört er einem derer, die sich rund um Vilcabamba riesige Grundstücke kaufen und mitten in die Einöde gigantische Luxusanwesen aufstellen. Ich hätte gerne eine Antwort auf die Frage, warum es in diesem Land Leute gibt, die über die Abwässer ihrer eigenen Toiletten, wenn sie überhaupt welche haben, steigen müssen, wenn sie aus ihren Hütten gehen und gleichzeitig andere, die sich Paläste mitten in den Wald stellen können. Aber dieses Problem ist sowieso global und auf die einfache Frage, warum es so ist, findet man keine Antwort, was einem bewusst werden lässt, wie viel einfach so falsch läuft auf dieser Welt. Zurück zum Berg, ich war froh, als ich heil oben angekommen war, noch froher war ich, dass ich auch den Abstieg geschafft habe. Am Gipfel aßen wir eine Babaco (irgend so eine Frucht) und ich habe mich glaube ich mit der Schale in die Lippe geschnitten. Ja, ich weiß, ich bin kein Spezialist im Obstessen, aber das kann ja jedem passieren. Beim Mittagessen in Vilcabamba brannte mir die Oberlippe auch ziemlich und schwoll an, danach gingen wir in eine Bar, wo wir wussten, dass es einen Wuzler (Tischfußballtisch falls man das so auf „Hochdeutsch“ übersetzen kann) gab. Als ich ein Bier getrunken hatte, war meine Lippe geheilt und ich merkte rein gar nichts mehr von der Verletzung. Nach dem Duschen nach der Wanderung habe ich mir irrtümlich mit dem Deospray ins linke Auge gesprüht, bitte fragt mich nicht, wie ich das geschafft hab, aber ich habe es eben irgendwie gemacht. Ein bisschen hat es schon gebrannt, aber danach merkte ich, dass ich plötzlich auf dem einen Auge so gut sah, als hätte ich meine Brille auf, die ich nebenbei erwähnt in den neun Monaten Ecuador vielleicht drei oder viermal für ein oder zwei Stunden aufhatte. Das waren meine zwei Wunderheilungen von Vilcabamba. Einige Stunden später war ich aber wieder kurzsichtig wie zuvor, aber um eine medizinische Erkenntnis reicher. Also man kann sich die Laseroperation sparen, man braucht nur immer ein bisschen Deospray mithaben.
In der vergangen Woche war aber noch mehr los. Am Mittwoch wollten wir schon das Motorrad für das CAAM kaufen, konnten aber nicht, da einige Dokumente fehlten, so musste ich am Donnerstag noch einmal nach Guayaquil fahren, da es mir wichtig war, dass die Rechnung noch im April ausgestellt wird, das hat einfach steuertechnische Gründe, weil wir im April die bezahlte Vorsteuer noch zurückbekommen. Das funktioniert in Ecuador nämlich nicht immer für Unternehmer, es gibt einen Proportionalitätsfaktor der den Anteil seines monatlichen Umsatzes mit Steuer am Gesamtumsatz darstellt und in diesem Verhältnis kann man auch die bezahlte Vorsteuer von der zu bezahlenden Umsatzsteuer absetzen. Fakturieren wir also viele Mieterträge mit Umsatzsteuer bekommen wir mehr Vorsteuer zurück als wie wenn wir große Mengen Früchte, die als Rohstoffe umsatzsteuerbefreit sind, fakturieren. Ein dummes System, aber man muss sich damit abfinden und das Beste daraus machen. Im Falle des Motorrades sind das über 150 Dollar die wir uns ersparen, das sind zehn Arbeitstage, die wir unserem Installateur, Elektriker, Maurer und Fliesenleger in einer Person (manchmal auch mit Helfer, dann kosten sie aber 25 Dollar pro Tag) zahlen können. Jedenfalls schaffte ich es am Donnerstag noch, ich verbrachte über zwei Stunden in dem Auto- und Motorradhaus, die Verkäuferin war auch sehr gesprächig und sie zeigte mir Familienfotos, erzählte mir unter anderem, dass sie am Vortag mit ihrem Freund Schluss gemacht hatte, bat mir Kaffee an (schaute auch ganz schockiert als ich ihn ohne Zucker wollte), wollte meine Handynummer und schenkte mir Schokolade. Zum Glück bekam ich auch, weswegen ich eigentlich dort war: Die Rechnung und den offiziellen Kaufvertrag. Das alles dauerte eigentlich einen ganzen Tag, weil ich schon am Morgen dort gewesen war und den Scheck überbracht hatte, den sie aber im Laufe des Tages noch zur Bank schickten, um ihn „zertifizieren“ (wenn die Bank bestätigt, dass er gedeckt ist) zu lassen und ich dann von halb drei bis fünf Uhr Nachmittags noch einmal kommen musste.
So dass war jetzt wieder mal vom Umfang her eine ca. 1,2-fache Maturarbeit von mir.
In der vergangen Woche war aber noch mehr los. Am Mittwoch wollten wir schon das Motorrad für das CAAM kaufen, konnten aber nicht, da einige Dokumente fehlten, so musste ich am Donnerstag noch einmal nach Guayaquil fahren, da es mir wichtig war, dass die Rechnung noch im April ausgestellt wird, das hat einfach steuertechnische Gründe, weil wir im April die bezahlte Vorsteuer noch zurückbekommen. Das funktioniert in Ecuador nämlich nicht immer für Unternehmer, es gibt einen Proportionalitätsfaktor der den Anteil seines monatlichen Umsatzes mit Steuer am Gesamtumsatz darstellt und in diesem Verhältnis kann man auch die bezahlte Vorsteuer von der zu bezahlenden Umsatzsteuer absetzen. Fakturieren wir also viele Mieterträge mit Umsatzsteuer bekommen wir mehr Vorsteuer zurück als wie wenn wir große Mengen Früchte, die als Rohstoffe umsatzsteuerbefreit sind, fakturieren. Ein dummes System, aber man muss sich damit abfinden und das Beste daraus machen. Im Falle des Motorrades sind das über 150 Dollar die wir uns ersparen, das sind zehn Arbeitstage, die wir unserem Installateur, Elektriker, Maurer und Fliesenleger in einer Person (manchmal auch mit Helfer, dann kosten sie aber 25 Dollar pro Tag) zahlen können. Jedenfalls schaffte ich es am Donnerstag noch, ich verbrachte über zwei Stunden in dem Auto- und Motorradhaus, die Verkäuferin war auch sehr gesprächig und sie zeigte mir Familienfotos, erzählte mir unter anderem, dass sie am Vortag mit ihrem Freund Schluss gemacht hatte, bat mir Kaffee an (schaute auch ganz schockiert als ich ihn ohne Zucker wollte), wollte meine Handynummer und schenkte mir Schokolade. Zum Glück bekam ich auch, weswegen ich eigentlich dort war: Die Rechnung und den offiziellen Kaufvertrag. Das alles dauerte eigentlich einen ganzen Tag, weil ich schon am Morgen dort gewesen war und den Scheck überbracht hatte, den sie aber im Laufe des Tages noch zur Bank schickten, um ihn „zertifizieren“ (wenn die Bank bestätigt, dass er gedeckt ist) zu lassen und ich dann von halb drei bis fünf Uhr Nachmittags noch einmal kommen musste.
So dass war jetzt wieder mal vom Umfang her eine ca. 1,2-fache Maturarbeit von mir.
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Donnerstag, 30. April 2009
Foto
Die Katze schleckte die Gulaschdose (ein Festessen fuer mich) aus und blieb aber immer drin stecken.
Mit diesem Foto verabschiede ich mich ins verlaengerte Wochenende nach Vilcabamba und melde mich naechste Woche mit einem Bericht ueber die Reise wieder.
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Montag, 27. April 2009
H. C. Gutierrez und die kleine Raupe Nimmersatt
Da gab es doch einmal diese Fotos von einem gewissen FPÖ-Politiker, der seine rechtsextremen Freunde mit 3 ausgestreckten Fingern grüßte. Wie auch immer man zu dieser Partei und zu dieser Person stehen mag, ich weiß jetzt, er wurde vollkommen missverstanden; er wollte in Wahrheit nur Werbung für Lucio Gutierrez, Präsidentschaftskandidat in Ecuador, machen. Selbiger nämlich war auf seinen Plakaten in der selben Pose zu finden und die drei Finger bedeuten nur „Lista 3“, aber einen Vergleich mit Herrn H. C. S. hat sich selbst Lucio, der vor vier Jahren per Hubschrauber von Quito aus ins Exil flüchten musste, nicht verdient.
Heute, Sonntag, war die Wahl, jetzt am Abend stehen die Ergebnisse mehr oder weniger fest, Rafael Correa wird Präsident bleiben, nach verschiedenen Quellen hat er zwischen 51 und 55 % der Stimmen bekommen, somit wäre auch der zweite Wahldurchgang hinfällig. In Pedro Carbo schaffte es Ignacio Figueroa, den korrupten und amtierenden Alcalde, Xavier Gomez, abzulösen. Wir werden sehen, wie er sich als Alcalde macht. In Sabanilla, Nachbarort von Pedro Carbo der aber noch zum Kanton gehört, hat er angeblich 80 % der Stimmen bekommen. Natürlich herrscht jetzt große Freude im Volk, Feuerwerk und ein Umzug auf der Straße mit hupenden Motorrädern, Autos und Lastwägen durften nicht fehlen. Jedoch kursieren auch viele Gerüchte über geplante und gescheiterte Wahlbetrugsversuche. So soll angeblich Xavier Gomez am Samstagabend bis spät in die Nacht mit den Militärs, die die Wahl kontrollieren beisammen gesessen sein und in einem kleinen Dorf nahe Pedro Carbo sollen angeblich die Wahlbeobachter einer einzelnen Partei nicht zugelassen worden sein. Es müssen nämlich in jedem Wahllokal Vertreter aller teilnehmenden Parteien anwesend sein, damit sie den gerechten Ablauf der Wahl bestätigen können. In Ecuador herrscht Wahlpflicht, wer nicht wählt kann für ein Jahr seine Staatsbürgerschaft verlieren und somit auch alle Rechte auf Sozialabgaben, kann keine Behördenwege erledigen und auch kein offizielles Anstellungsverhältnis eingehen. Wer nicht wählt, bekommt kein sogenanntes „Certificado de votación“ (Wahlzertifikat). Diesen kleinen Ausweis, der bei jeder Wahl neu ausgestellt wird, muss man bei allen Behördenwegen oder immer, wenn man sein „Cedula“ (Personalausweis) braucht beilegen. Natürlich gibt es auch Befreiungen von dieser Pflicht, zB für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen, die nicht in der Lage sind, zum Wahllokal zu kommen aber ich glaube auch für Analfabeten, sofern sie ihre Stimme nicht mit Hilfe einer Person ihres Vertrauens abgeben wollen. Die Analfabentquote liegt im Kanton Pedro Carbo angeblich bei ca 20 %, erschreckend ist auch immer wieder, dass auch relativ junge Leute davon betroffen sind. Für Europäer einfach unvorstellbar, dass 40-Jährige nicht lesen oder schreiben können.
In der Woche war aber noch mehr los. Im CAAM haben wir in einem Beet über 1000 Ají-(Chili-)Pflanzen bis zu einer Höhe von 15-20 cm hochgezogen. Am Donnerstagabend rissen wir mehr als die Hälfte davon aus, damit wir sie zu den Bauern bringen konnten. Am Donnerstag hat es nämlich endlich wieder einmal ein bisschen mehr geregnet, sodass der Boden wieder feucht war, ideal also zum setzen der Pflanzen und da es schon finster war und kühler war auch der Transport, während dem die Pflanzen ohne Wasser und Erde waren, kein Problem. Ají-Pflanzen können bis zu 48 Stunden ohne Wasser und Erde überleben, wenn es nicht all zu heiß ist. So luden wir die geschätzten 600 Pflanzen in vier Kisten und danach auf die Ladefläche der weißen Camioneta des FEPPs. Simon und ich fuhren dann gemeinsam mit Jubian (Angestellter und „Agraringenieur“ vom FEPP) aus Land. Im finsteren über Straßen, die in Österreich nicht einmal Feldwege wären, zu Bauern, die oft weit abseits von anderen Häusern wohnen. Ohne den Allradantrieb des Autos wären wir einige Male im Schlamm stecken geblieben. Auf einem schmalen Weg, links und rechts von Sträuchern gesäumt, war dann plötzlich ein Strauch auf die Straße gebogen, sodass er den Weg fast blockierte. Anstatt anzuhalten fuhr Jubian aber durch die Äste, aus dem einfachen Grund, weil Räuber in der Nacht gerne Straßen mit Ästen oder Baumstämmen blockieren, damit die Fahrer anhalten müssen. Dieser kleine Strauch war aber kein Problem für die Camioneta und höchstwahrscheinlich war er auch nicht von einem Räuber umgebogen worden. Auf dem Rückweg durfte dann ich ein Stückchen fahren. Das ist schon was anderes, wenn man in Österreich eigentlich flächendeckend perfekt (ja, im Vergleich zu Ecuador ist in Österreich jeder noch so kleine Feldweg, wenn er asphaltiert ist, perfekt) asphaltierte Straßen gewohnt ist und dann sich einmal in die Zweite schalten traut aber gleich wieder zurückschaltet, weil es so rumpelt und dann kommen riesige Schlammlacken, wo man konsequent gerade durchfahren muss, möglichst ohne große Lenkbewegungen und Geschwindigkeitsveränderungen. Irgendwie ein tolles Erlebnis, so richtig „Gatschfahren“, aber andererseits wenn man bedenkt, das sind Straßen zwischen Ortschaften, die viele Leute täglich durchfahren und dieser Zustand ist eine Katastrophe. Das wäre, als wie wenn zwischen Hollabrunn und Breitenwaida nur ein unbetonierter Feldweg wäre und wie der nach 3 Monaten Regenzeit, wo es mehr regnet als in Österreich im ganzen Jahr, aussieht, kann man sich vorstellen.
Am Samstag kam wieder der Flo1 zurück, er brachte außerdem seine Schwester, seine Mutter und den Lebensgefährten seiner Mutter mit. Auch die Lisa kam schon am Mittwoch wieder nach Pedro Carbo. Sie hat aus Quito einen Hund mitgebracht, den sie „gerettet“ hat, der war ganz dünn und hat kaum gehen können, sie hat ihn zum Tierarzt gebracht und jetzt ist er hier. Ist eh ein liebes Viecherl, aber zwei Hunde sind zu viel im CAAM.
Das „ley seca“ (trockenes Gesetz – habe ich glaube ich schon im letzten Eintrag erklärt) gilt, so wurde mir heute erzählt, von Freitag Mittag bis Montag Mittag. Trotzdem schafften wir es, jeden Tag irgendwo Bier zu bekommen, für die Österreicher macht unsere Florcita doch eine Ausnahme. Und auch am Sonntag Abend wurde schon überall getrunken und gefeiert, kontrolliert wird es dann nicht mehr.
Ich habe auf meinem Computer ein Foto von der Raupe Nimmersatt gefunden. Ich muss sagen, dass mich die noch immer fasziniert und Nimmersatt wäre auch eine gute Bezeichnung für die Reichen dieser Welt, die sich an der Armut der Armen noch reicher machen, die sind auch „nimmersatt“. Ja, da gehören wir Österreicher auch dazu, da sind wir ganz vorne mit dabei.
Heute, Sonntag, war die Wahl, jetzt am Abend stehen die Ergebnisse mehr oder weniger fest, Rafael Correa wird Präsident bleiben, nach verschiedenen Quellen hat er zwischen 51 und 55 % der Stimmen bekommen, somit wäre auch der zweite Wahldurchgang hinfällig. In Pedro Carbo schaffte es Ignacio Figueroa, den korrupten und amtierenden Alcalde, Xavier Gomez, abzulösen. Wir werden sehen, wie er sich als Alcalde macht. In Sabanilla, Nachbarort von Pedro Carbo der aber noch zum Kanton gehört, hat er angeblich 80 % der Stimmen bekommen. Natürlich herrscht jetzt große Freude im Volk, Feuerwerk und ein Umzug auf der Straße mit hupenden Motorrädern, Autos und Lastwägen durften nicht fehlen. Jedoch kursieren auch viele Gerüchte über geplante und gescheiterte Wahlbetrugsversuche. So soll angeblich Xavier Gomez am Samstagabend bis spät in die Nacht mit den Militärs, die die Wahl kontrollieren beisammen gesessen sein und in einem kleinen Dorf nahe Pedro Carbo sollen angeblich die Wahlbeobachter einer einzelnen Partei nicht zugelassen worden sein. Es müssen nämlich in jedem Wahllokal Vertreter aller teilnehmenden Parteien anwesend sein, damit sie den gerechten Ablauf der Wahl bestätigen können. In Ecuador herrscht Wahlpflicht, wer nicht wählt kann für ein Jahr seine Staatsbürgerschaft verlieren und somit auch alle Rechte auf Sozialabgaben, kann keine Behördenwege erledigen und auch kein offizielles Anstellungsverhältnis eingehen. Wer nicht wählt, bekommt kein sogenanntes „Certificado de votación“ (Wahlzertifikat). Diesen kleinen Ausweis, der bei jeder Wahl neu ausgestellt wird, muss man bei allen Behördenwegen oder immer, wenn man sein „Cedula“ (Personalausweis) braucht beilegen. Natürlich gibt es auch Befreiungen von dieser Pflicht, zB für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen, die nicht in der Lage sind, zum Wahllokal zu kommen aber ich glaube auch für Analfabeten, sofern sie ihre Stimme nicht mit Hilfe einer Person ihres Vertrauens abgeben wollen. Die Analfabentquote liegt im Kanton Pedro Carbo angeblich bei ca 20 %, erschreckend ist auch immer wieder, dass auch relativ junge Leute davon betroffen sind. Für Europäer einfach unvorstellbar, dass 40-Jährige nicht lesen oder schreiben können.
In der Woche war aber noch mehr los. Im CAAM haben wir in einem Beet über 1000 Ají-(Chili-)Pflanzen bis zu einer Höhe von 15-20 cm hochgezogen. Am Donnerstagabend rissen wir mehr als die Hälfte davon aus, damit wir sie zu den Bauern bringen konnten. Am Donnerstag hat es nämlich endlich wieder einmal ein bisschen mehr geregnet, sodass der Boden wieder feucht war, ideal also zum setzen der Pflanzen und da es schon finster war und kühler war auch der Transport, während dem die Pflanzen ohne Wasser und Erde waren, kein Problem. Ají-Pflanzen können bis zu 48 Stunden ohne Wasser und Erde überleben, wenn es nicht all zu heiß ist. So luden wir die geschätzten 600 Pflanzen in vier Kisten und danach auf die Ladefläche der weißen Camioneta des FEPPs. Simon und ich fuhren dann gemeinsam mit Jubian (Angestellter und „Agraringenieur“ vom FEPP) aus Land. Im finsteren über Straßen, die in Österreich nicht einmal Feldwege wären, zu Bauern, die oft weit abseits von anderen Häusern wohnen. Ohne den Allradantrieb des Autos wären wir einige Male im Schlamm stecken geblieben. Auf einem schmalen Weg, links und rechts von Sträuchern gesäumt, war dann plötzlich ein Strauch auf die Straße gebogen, sodass er den Weg fast blockierte. Anstatt anzuhalten fuhr Jubian aber durch die Äste, aus dem einfachen Grund, weil Räuber in der Nacht gerne Straßen mit Ästen oder Baumstämmen blockieren, damit die Fahrer anhalten müssen. Dieser kleine Strauch war aber kein Problem für die Camioneta und höchstwahrscheinlich war er auch nicht von einem Räuber umgebogen worden. Auf dem Rückweg durfte dann ich ein Stückchen fahren. Das ist schon was anderes, wenn man in Österreich eigentlich flächendeckend perfekt (ja, im Vergleich zu Ecuador ist in Österreich jeder noch so kleine Feldweg, wenn er asphaltiert ist, perfekt) asphaltierte Straßen gewohnt ist und dann sich einmal in die Zweite schalten traut aber gleich wieder zurückschaltet, weil es so rumpelt und dann kommen riesige Schlammlacken, wo man konsequent gerade durchfahren muss, möglichst ohne große Lenkbewegungen und Geschwindigkeitsveränderungen. Irgendwie ein tolles Erlebnis, so richtig „Gatschfahren“, aber andererseits wenn man bedenkt, das sind Straßen zwischen Ortschaften, die viele Leute täglich durchfahren und dieser Zustand ist eine Katastrophe. Das wäre, als wie wenn zwischen Hollabrunn und Breitenwaida nur ein unbetonierter Feldweg wäre und wie der nach 3 Monaten Regenzeit, wo es mehr regnet als in Österreich im ganzen Jahr, aussieht, kann man sich vorstellen.
Am Samstag kam wieder der Flo1 zurück, er brachte außerdem seine Schwester, seine Mutter und den Lebensgefährten seiner Mutter mit. Auch die Lisa kam schon am Mittwoch wieder nach Pedro Carbo. Sie hat aus Quito einen Hund mitgebracht, den sie „gerettet“ hat, der war ganz dünn und hat kaum gehen können, sie hat ihn zum Tierarzt gebracht und jetzt ist er hier. Ist eh ein liebes Viecherl, aber zwei Hunde sind zu viel im CAAM.
Das „ley seca“ (trockenes Gesetz – habe ich glaube ich schon im letzten Eintrag erklärt) gilt, so wurde mir heute erzählt, von Freitag Mittag bis Montag Mittag. Trotzdem schafften wir es, jeden Tag irgendwo Bier zu bekommen, für die Österreicher macht unsere Florcita doch eine Ausnahme. Und auch am Sonntag Abend wurde schon überall getrunken und gefeiert, kontrolliert wird es dann nicht mehr.
Ich habe auf meinem Computer ein Foto von der Raupe Nimmersatt gefunden. Ich muss sagen, dass mich die noch immer fasziniert und Nimmersatt wäre auch eine gute Bezeichnung für die Reichen dieser Welt, die sich an der Armut der Armen noch reicher machen, die sind auch „nimmersatt“. Ja, da gehören wir Österreicher auch dazu, da sind wir ganz vorne mit dabei.
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Sonntag, 19. April 2009
Bald ist‘s geschafft…
… und wir haben Ruhe vom Wahlkampf. Nächsten Sonntag wird gewählt in Ecuador. Und zwar alles vom Gemeinderat bis zum Präsidenten. Der amtierende Präsident, Rafael Correa, hat die von ihm initiierte neue Verfassung mit einer Volksabstimmung am 28. September 2008 durchgebracht. Da er noch nach der alten Verfassung gewählt wurde, muss also jetzt ein Präsident nach der neuen Verfassung gewählt werden. Mit 2009 endet aber auch die bis jetzt vier- und in Zukunft fünfjährige Amtszeit der Alcaldes (wie Bürgermeister, gibt es jeweils einen pro Kanton), Concejales (Gemeinderäte) und ich glaube auch der Präfekten (so wie Landeshauptmänner für die einzelnen Provinzen) und der Asambleistas (Abgeordnete). Somit wird also am Sonntag dem 26. April eine Riesenwahl sein. Auf den Riesenwahlzetteln kann man auch für verschiedene Parteien wählen, da alles sehr personenbezogen ist und man vom Präsidenten bis zum Gemeinderat seine Wahl sicher über vier oder mehr Parteien verteilen kann. In Pedro Carbo wird schon seit Wochen Werbung gemacht, das heißt, alle Parteien schicken ihre Lautsprecherwagen durch die Straßen und veranstalten Umzüge und sonstige Kundgebungen. Der amtierende Alcalde von Pedro Carbo, Xavier Gomez von der Liste 24, hat angeblich jeden bezahlt, der an seinem Umzug teilgenommen hatte. Seit einigen Wochen stehen jetzt immer Baumaschinen vor dem Municipio (Gemeindeamt, Bezirkshauptmannschaft für das Kanton Pedro Carbo), damit will der Alcalde allen mitteilen, wie viel er für den lange fälligen Straßenbau getan hat. Nach den Aussagen seiner Gegner allerdings gehören die Maschinen der Regierung, also wurden in keinster Weise vom Alcalde beschafft. Auch sonst lassen sie kein gutes Haar am noch amtierenden Alcalde, dass er korrupt ist, glaubt sowieso jeder. Sein stärkster Gegenkandidat, Ignacio Figueroa von der Liste 32, verspricht, mit der Korruption aufzuräumen, die Bauern zu unterstützen, Straßen zu bauen, die Wasserversorgung zu verbessern und vieles mehr. Er hat auch viel Zulauf und bei seinen Umzügen muss und kann er wahrscheinlich auch gar keine Teilnehmer bezahlen. Ein bisschen sympathischer als der Xavier Gomez wirkt er schon auch, aber ich weiß nicht, was ich von dem Enthusiasmus der Leute für ihn halten soll. Ich meine, es gab doch schon so viele Kandidaten für politische Ämter, die deshalb gewählt wurden, weil sie ähnliches versprachen. Wo enden viele von ihnen? In Korruption und Misswirtschaft. Gut, ich will keinen im Vorhinein abstempeln und wie er sich als Alcalde macht, falls er gewählt wird, wird er schon noch beweisen. Interessant ist auch, dass Lucio Gutierrez von der Liste 3 wieder als Präsident kandidiert. Er war doch der, der vor drei oder vier Jahren mit dem Hubschrauber von Quito ins Exil geflüchtet ist. Und auch er findet wieder Anhänger, vielleicht auch unter denen, die ihn damals vertrieben haben. Schon komisch. Er lässt auch kleine Kalender austeilen, wo dann drauf steht „Con Lucio todo era más barato.“ (Mit Lucio war alles billiger). Stimmt, vor fünf Jahren war auf der ganzen Welt noch alles billiger. Dass man sich mit so etwas rühmt, das ist schon nicht ganz nachvollziehbar. Aber die Leute steigen drauf ein, ich hab mit einigen geredet und die sagen nur „Ja, das stimmt ja, damals war alles billiger und das ist schon auch die Schuld des Präsidenten, dass letztes Jahr der Reis und alle Lebensmittel teurer wurden“. Ich fürchte ja auch, dass viele ihre Stimme danach vergeben, von wem sie die meisten Geschenke bekommen. Nach dieser Theorie wäre Noboa von der Liste 7 ein heißer Kandidat. Einer der reichsten Ecuadorianer, dem viele Firmen gehören, lässt per Lautsprecher verkünden, dass man sich im Park von Pedro Carbo beim Stand seiner Partei gratis ein Packerl Haferflocken, produziert von einer seiner Firmen, abholen kann. Naja, die „Demokratie“ produziert hier schon komische Auswüchse.
Heute, Samstag, waren wir beim Manuel Mittagessen, wir kochten Suppe und so eine Erdäpfel-Fisolen-Speck-Pfanne, war ziemlich gut. Weil der Manuel am anderen Ende von Pedro Carbo wohnt und wir beim Hinweg die ganze Strecke zu Fuß zurücklegten kamen wir auch bei der Zentrale der Liste 24 vorbei und man schenkte uns so eine Schirmkappe (ich glaub, das heißt so, wie ein Kapperl, aber das bindet man sich nur so um den Kopf und man hat dann nur den Schirm vorne). Auf dem Rückweg hängte ich dieses Kapperl mit der simplen Aufschrift „Xavier 24“ (Xavier Gomez, Lista 24) einfach meinem Hund um. Dem passt das auch sehr gut und er läuft noch immer damit herum. Auf der Hauptstraße ernteten wir dann auch viele lachende Gesichter und das alleine war es schon wert.
Letztens wurde uns Zivis von einem Österreicher gesagt, dass wir es alle mal schwer haben werden, einen Job zu finden. Weil wir nämlich ein Jahr „Auszeit“ nehmen. Und Großbetriebe wollen keine selbstständig denkenden Mitarbeiter haben, und das viele Reisen zeugt nicht so von Arbeitswillen und so. Hab ich schon ein bisschen grinsen müssen, wie ich das gehört habe. Schließlich arbeiten wir hier auch und in einer Firma, die so denkt, will ich sicher nie arbeiten.
Heute, Samstag, waren wir beim Manuel Mittagessen, wir kochten Suppe und so eine Erdäpfel-Fisolen-Speck-Pfanne, war ziemlich gut. Weil der Manuel am anderen Ende von Pedro Carbo wohnt und wir beim Hinweg die ganze Strecke zu Fuß zurücklegten kamen wir auch bei der Zentrale der Liste 24 vorbei und man schenkte uns so eine Schirmkappe (ich glaub, das heißt so, wie ein Kapperl, aber das bindet man sich nur so um den Kopf und man hat dann nur den Schirm vorne). Auf dem Rückweg hängte ich dieses Kapperl mit der simplen Aufschrift „Xavier 24“ (Xavier Gomez, Lista 24) einfach meinem Hund um. Dem passt das auch sehr gut und er läuft noch immer damit herum. Auf der Hauptstraße ernteten wir dann auch viele lachende Gesichter und das alleine war es schon wert.
Letztens wurde uns Zivis von einem Österreicher gesagt, dass wir es alle mal schwer haben werden, einen Job zu finden. Weil wir nämlich ein Jahr „Auszeit“ nehmen. Und Großbetriebe wollen keine selbstständig denkenden Mitarbeiter haben, und das viele Reisen zeugt nicht so von Arbeitswillen und so. Hab ich schon ein bisschen grinsen müssen, wie ich das gehört habe. Schließlich arbeiten wir hier auch und in einer Firma, die so denkt, will ich sicher nie arbeiten.
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Montag, 13. April 2009
Felices Pascuas
Frohe Ostern – auch wenn Ostern erwartungsgemäß nicht so war wie gewohnt. Schon letzte Woche kam der Vorschlag von David, gemeinsam mit seiner Freundin Ivana und anderen nach Quito zu fahren, wo es so eine Art Ostertreffen des „Movimiento de la palabra de Dios“ gibt. Gut, das hat mir wenig gesagt, also fuhren wir hin. Dieses „Movimiento de la palabra de Dios“ stellte sich als religiöse Gruppierung heraus, die vor allem aus Reichen bestand und die sich regelmäßig zum Beten, Singen und so weiter treffen. Diese Bewegung ging ursprünglich von Argentinien aus, recht viel mehr weiß ich gar nicht darüber, also konnte ich dieses Ostertreffen ganz ohne Vorurteile kennenlernen. Schon bei der Ankunft stellte sich heraus, dass die Teilnehmer alle total freundlich und offen waren. Unter den über hundert Teilnehmern waren auch einige Jugendliche, alle sehr fromm und manche auch ziemlich konservativ, aber immer sehr nett. Schon bei der Begrüßungsveranstaltung wurde betont, dass fünf Teilnehmer eine lange Reise auf sich genommen hatten um dabei zu sein, nämlich die fünf aus Pedro Carbo, aber zwei davon sind noch von viel weiter hergekommen, das waren dann der David und ich, die Austriacos. In der Mittagspause haben wir einen Gleichaltrigen kennengelernt, der fast perfekt Deutsch konnte, weil er in einer deutschen Schule war und auch sechs Wochen in Deutschland war. Wer sich so etwas in Ecuador leisten kann, ist klar; das sind die sogenannten Pelucones (umgangssprachlich für Reiche). Davon zeugten auch die verschiedensten teuren Autos vor der Schule, in der das Treffen stattfand. Wer sich in Ecuador einen 7er-BMW oder einen fetten Ford-SUV leisten kann, den kann man schon zur Oberschicht zählen. Wie diese Leute alle zu ihrem Geld gekommen sind – ich weiß es nicht, aber manche werden schon auch genug Dreck am Stecken haben. Obwohl uns viele der Pelucones fragten, wo wir übernachten werden, verbrachten wir die Nacht im Haus eines Cousins von Mariana, die mit uns von Pedro Carbo hergekommen war, und dessen Haus lag fast am anderen Ende von Quito. Quito hat eine Nord-Süd Ausdehnung von ungefähr 50 km, auch nur die Hälfte der Strecke im Stadtverkehr zu durchqueren kostet oft Stunden. Am Freitagnachmittag stieß auch Jakob zu uns, der davor zwei Monate in Kolumbien gewesen war. Da natürlich nicht alle sechs Personen und der Fahrer in die Fahrerkabine der Camioneta passten, nahmen Jakob und ich gemeinsam mit Koffern und Rucksäcken auf der Ladefläche Platz. Wir lehnten uns an die „Ladeklappe“ an bis uns der Fahrer an einem Ampelstopp sagte, dass diese Klappe nicht gut hält und deshalb lehnten wir uns an die Seitenwände. Wenige Minuten später ging die Ladeklappe bei voller Fahrt ohne Anlehnen plötzlich unvermutet auf. Glück gehabt. Im beginnenden Regen fuhren wir trotzdem noch eine halbe Stunde weiter durch das nächtlich kalte Quito bis zum Haus. Am Samstag brachte uns der Cousin von Mariana auch wieder zu der Schule und am Abend wurden wir von einer anderen Teilnehmerin zum Busterminal gebracht, von wo wir über die Nacht auf Sonntag nach Guayaquil und dann nach Pedro Carbo zurückkehrten. Die ganze Reise hat mich inklusive aller Fahrten nur 25 Dollar gekostet.
Was war sonst noch so los in der vergangenen Woche... Am Montag feierten Herberth und Manuel Geburtstag, wurden am selben Tag, aber mit 39 Jahren dazwischen geboren. Zu diesem Anlass kochten die koreanischen Schwestern, die in Zukunft das CRESEM (INESEM heißt es jetzt) und die Clinica betreuen werden, koreanisch. Das war ziemlich sehr gut, das Essen. Wirklich.
Am Samstag, als wir nicht mehr in Pedro Carbo waren, ist Niklas abgereist. Auch wenn er nur ein bisschen mehr als zwei Wochen da war, werde ich ihn vermissen. Aber auf ein Wiedersehen in Breitenwaida oder Landshut darf man sich auch schon freuen.
Simon ist mit seiner Mutter und seinem Stiefvater jetzt auf Urlaub und somit fehlt ein Zivi im CAAM.
Wie manche schon wissen, betreibt auch David, Zivikollege im INESEM, einen Blog. Wer also mehr vom Leben in Pedro Carbo, seiner Kolumbienreise oder aktuelle Neuigkeiten aus dem INESEM wissen will, besuche die Seite www.davidfaraway.wordpress.com wenn ich die Adresse jetzt hoffentlich richtig in Erinnerung habe. Übrigens würde mich wieder einmal interessieren, wer so aller meinen Blog liest, vielleicht überwindet sich der oder die eine oder andere, ein Kommentar zu schreiben. Mich würds freuen! ;-)
Und ich bitte um Entschuldigung für Verzögerungen in der Beantwortung meiner E-Mails, ich habe ein kleines Problem mit dem Internet-Computer und kann Mails nur sehr umständlich schicken. Also wenn ich nicht gleich antworte, heißt das nicht, dass ich euch nicht mehr mag, sondern, dass es meine Internet-Zeit im Moment kaum zulässt.
HASTA LA PRÓXIMA!
Was war sonst noch so los in der vergangenen Woche... Am Montag feierten Herberth und Manuel Geburtstag, wurden am selben Tag, aber mit 39 Jahren dazwischen geboren. Zu diesem Anlass kochten die koreanischen Schwestern, die in Zukunft das CRESEM (INESEM heißt es jetzt) und die Clinica betreuen werden, koreanisch. Das war ziemlich sehr gut, das Essen. Wirklich.
Am Samstag, als wir nicht mehr in Pedro Carbo waren, ist Niklas abgereist. Auch wenn er nur ein bisschen mehr als zwei Wochen da war, werde ich ihn vermissen. Aber auf ein Wiedersehen in Breitenwaida oder Landshut darf man sich auch schon freuen.
Simon ist mit seiner Mutter und seinem Stiefvater jetzt auf Urlaub und somit fehlt ein Zivi im CAAM.
Wie manche schon wissen, betreibt auch David, Zivikollege im INESEM, einen Blog. Wer also mehr vom Leben in Pedro Carbo, seiner Kolumbienreise oder aktuelle Neuigkeiten aus dem INESEM wissen will, besuche die Seite www.davidfaraway.wordpress.com wenn ich die Adresse jetzt hoffentlich richtig in Erinnerung habe. Übrigens würde mich wieder einmal interessieren, wer so aller meinen Blog liest, vielleicht überwindet sich der oder die eine oder andere, ein Kommentar zu schreiben. Mich würds freuen! ;-)
Und ich bitte um Entschuldigung für Verzögerungen in der Beantwortung meiner E-Mails, ich habe ein kleines Problem mit dem Internet-Computer und kann Mails nur sehr umständlich schicken. Also wenn ich nicht gleich antworte, heißt das nicht, dass ich euch nicht mehr mag, sondern, dass es meine Internet-Zeit im Moment kaum zulässt.
HASTA LA PRÓXIMA!
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