Was werde ich zu Weihnachten machen? Also ganz sicher weiß ich es noch nicht, aber ich bin gestern Abend von Carlos, dem Buchhalter des CAAM, eingeladen worden, Weihnachten mit ihm und seiner Familie zu feiern. Das heißt eigentlich, nach der zweistündigen Messe, die um 9 am Abend beginnt, noch zu ihnen mit zum Essen und so weiter gehen. Und “Fin de Año/Año Nuevo” werden wir vielleicht in Montanita verbringen, dort gibt es halt viele Lokale und Möglichkeiten, zu feiern, ich war noch nie dort. So viel zu meinen Plänen.
Im CAAM haben wir eine relativ stressige Woche hinter uns, da am Mittwoch die „Asamblea“ (Generalversammlung), die alle drei Monate abgehalten wird am Programm stand. Die diesmalige stand unter dem Motto „Día de Integración“ (Integrationstag?), da ging es vor allem darum, die Gemeinschaft zwischen den Mitgliedern zu stärken, da Vereinsleben und gemeinnütziges Arbeiten hier in Ecuador ziemlich unbekannt sind. Die Asamblea konnten wir im benachbarten Ort „Estacada“ abhalten, weil ein Tischler und Mitglied des CAAM ein Bett gespendet hat, das wir unter den Mitgliedern verlost haben, durch den Verkauf der Lose konnten wir für alle ein Mittagessen und kleine Geschenke kaufen. In „La Estacada“ entsteht derzeit auf zwei Grundstücken (eines gehört dem CRESEM, das andere dem CAAM) ein „Jardín Botanico“ (Botanischer Garten), der hier vor allem als Wochenendausflugsziel für die lokale Bevölkerung gedacht ist, aber vielleicht auch Touristen anlocken soll. Momentan sieht er eher nicht so gut aus, da wir am Ende der Trockenzeit sind und es seit Monaten nicht richtig geregnet hat und große Teile des Gartens durch Unvorsichtigkeit der Nachbarn, die ihre Felder und ihren Müll einfach abbrennen, abgebrannt sind. Aber all das soll dazu beitragen, in Zukunft das Bewusstsein der Leute, dass die Natur um sie herum viel wert ist, zu stärken.
Am Montag habe ich, wie einmal in jedem Monat, in der Früh auf meinem Schreibtisch schon die Wasserrechnung für das vergangene Monat gefunden. Schon bei der letzten ist mir aufgefallen, dass wir sehr viel bezahlen, habe mir aber gedacht, das wird sein, weil wir jetzt auch das Nachbarhaus, das dem CAAM gehört und vermietet ist, mit Wasser mitversorgen, weil es dort keinen Tank gibt. Ohne Tank geht es fast nicht, da oft nur in der Nacht Wasser aus den Leitungen in den Tank kommt und das man dann am Tag verbrauchen kann. Jedenfalls steht auf der Rechnung statt den normalen zwei Dollarn, die man fast pauschal zahlt weil sich das nie viel ändert, elf Dollar. Auf der Rechnung ausgewiesen waren als „Consumo actual“ (Konsum) zwei Dollar und als „Deuda de antes“ (Schuld von früher) die neun Dollar, die ich im November bezahlt hab. In der folgenden Recherche in meiner Buchhaltung fand ich heraus, dass wir seit vier Monaten immer zu viel gezahlt haben, da uns die Wassergenossenschaft den Betrag, den wir im Vormonat bezahlt haben, immer als Schuld dazuverrechnet haben und somit haben sich die Werte alle summiert und wir haben insgesamt fast zehn Dollar zu viel bezahlt. Zehn Dollar ist für Europäer jetzt nicht viel, aber zum Vergleich: Um zehn Dollar können wir hier einen Arbeiter einen ganzen Tag bezahlen und da sind zehn Dollar schon gut bezahlt. Für uns gab es jetzt mehrere Möglichkeiten, warum unsere Zahlungen nicht registriert wurden, es hätte auch sein können, dass sich der Präsident, bei dem ich immer persönlich gezahlt habe, sich das Geld in seine eigene Tasche gesteckt hat. Natürlich hat mich das alles sehr geärgert, vor allem, dass mir das über Monate hinweg nicht aufgefallen ist. Nach einigen Versuchen habe ich schließlich den Präsidenten in seiner Firma angetroffen und mit ihm vereinbart, dass wir bis Mai keine Rechnungen zahlen müssen, das entspricht ungefähr dem Guthaben, das wir jetzt bei ihnen haben. Ich hoffe, er erinnert sich auch später noch daran, da er, wenn ich komme und irgendwas will, immer gleich ganz überschwänglich zusagt und mir das nicht immer ganz geheuer ist. Wir werden sehen, Geld wird er von uns die nächsten 5 Monate keines sehen.
Am Montagabend kamen auch die Eltern vom Jakob an. Ohne Gepäck, das war schon fast vorherzusehen, da sie mit Delta Airlines über Atlanta geflogen sind. Drei Tage später sind zwei von fünf Gepäckstücken aufgetaucht, eines davon war ein Koffer mit Paketen für uns Zivis, so haben sie gestern mit wenig Gepäck zu ihrer Reise nach Galapagos aufbrechen müssen. Also sollte jemand einen Flug nach Südamerika mit Delta Airlines über Atlanta buchen wollen, würde ich abraten, da ich bis jetzt zwei von zwei Besuchergruppen ihr Gepäck mit Delta verloren haben.
Heute am frühen Morgen hat es ziemlich viel geregnet, das Ende der Trockenzeit ist schon fast erreicht, hoffentlich kommt heuer kein „El Niño“, dieses Wetterphänomen ist früher alle 5 Jahre ungefähr aufgetreten, angeblich durch den Klimawandel oder durch Zufall ist es die lezten Jahre öfter aufgetreten und hat zum Beispiel das letzte Jahr große Überschwemmungen und schwere Schäden in der Landwirtschaft angerichtet. Warum heißt es „El Niño“? (Das ñ spricht man „nj“ aus, für alle Interessierten... ;) ) Weil es zu Weihnachten kommt und Niño heißt Kind. Ja, zu Weihnachten ging es einmal vor langer Zeit um ein Kind und nicht um den alten Fetten, der sich weder rasieren noch seine Haare schneiden kann und den ganzen Tag im Bademantel herumrennt.
In Ecuador isst man zu Weihnachten „Pan de Pascua“ (Pan heißt Brot und Pascua heißt Ostern, laut Wörterbuch nennt man auch die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig Pascua.) Dieses „Pan de Pascua“ ist ähnlich wie Striezel, nur ist der Teig süßer und es sind Rosinen und kandierte Früchte drinnen.
Na gut, genug für heute.
Liebe Grüße, ich hoffe, ich kann mich zu Weihnachten einmal melden, weil ich nicht vor Weihnachten schon frohe selbige wünschen will. Das hab ich noch nie mögen.
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