Mittwoch, 31. August 2011

Gemütlicher Ausklang

Heute, am letzten Tag unserer großen Reise suchten wir wieder einen netten Strand, diesmal aber auf Hongkong Island auf. Heiß wars, das Wasser nass und salzig, Strand und Meer eben ;-) . Am Abend näherte sich dann ein Regen und als es zu tröpfeln begann, verließen wir den Strand Richtung Bus um wieder zurück zu fahren. Gerade noch rechtzeitig erreichten wir den Bus um nicht ganz nass zu werden. Bisher hatten wir ja enormes Glück, da der August hier durchschnittlich 15 Regentage hatte und wir hatten bis jetzt sechs regenfreie Tage. Und jetzt regnet es auch nicht mehr. Später waren wir noch echt gut chinesisch essen. Morgen gehts dann zum Flughafen und mit der Aeroflot zuerst nach Moskau zum Umsteigen und dann nach Wien.
Danke an die treuen Leser (und Leserinnen - für meinen Genderbeauftragten Christian), wir freuen uns, euch alle recht bald wieder persönlich zu treffen.

CCK

Dienstag, 30. August 2011

Vorletzter Tag eines großen Abenteuers

Gegen Mittag erst gings mit der U-Bahn ziemlich weit auf die Insel Lantau. Bei der Endstation beginnt eine sehr lange Seilbahn, mit der man auf einen Berg kommt, wo eine riesige Buddha-Statue steht. Während der Fahrt hätte man bei klarer Sicht den Blick auf den ganzen Flughafen von Hongkong gehabt, da es aber momentan immer eher dunstig ist, sahen wir nur Teile davon. Der Flughafen konnte ja nur deshalb dort errichtet werden, weil ein Hügel abgetragen wurde und das abgetragene Material zur Aufschüttung zusätzlichen Landes verwendet wurde. Also ein unvorstellbarere Aufwand, der sich im kleinen Hongkong, wo Platz und vor allem bebaubares Land absolute Mangelware sind, wahrscheinlich auszahlt. Bei der Bergstation der Seilbahn ist zuerst einmal ein Areal mit vielen Souvenirgeschäften, Restaurants und anderen "Attraktionen", bevor man über mehr als 200 Stiegen den Weg zur Buddha Statue bestreiten kann. Die Statue wurde zwar erst 1993 fertiggestellt, ist aber umso beeindruckender da man sie schon von weitem sieht und die ca 7 Mio. Euro Baukosten fast ausschließlich aus Spendengeldern von Buddhisten aus der ganzen Welt finanziert wurden. Wieder waren relativ viele Besucher da, Ausländer wie auch sehr viele Chinesen. Obwohl die Mehrheit der Besucher eher zum Sightseeing hinkommt, gab es doch  die einen oder anderen, die vor der Statue beteten, also wie bei anderen Tempeln eine eigenartige Mischung aus religiösem Ort und touristischer Attraktion.
Als wir  mit der Seilbahn wieder in der Talstation angekommen waren, fuhren wir mit einem Bus zur Küste. Neben dem Fährhafen gab es noch einen schönen Strand, an dem wir den Sonnenuntergang (den wir am anderen Ende der Insel vielleicht gesehen hätten) abwarteten, um dann mit der Fähre zurück nach Hongkong Island zu fahren.
Heiß ist es überall, mit dem Unterschied, dass am Berg und an der Küste immer ein angenehmer, leichter Wind weht, der uns hier, im Stadtgebiet von Hongkong Island definitiv abgeht. Aber wir "genießen" die Hitze noch, denn in 2 Tagen sind wir bald wieder im kalten Österreich  ;-)
Mit den besten Grüßen

CCK

Montag, 29. August 2011

Ein Tag in Macao

Heute, Montag, verliessen wir am spaeten Vormittag mit einer Faehre Hongkong Island nach Macao. Weil das Katamaran aber so schnell fuhr und ziemlich schaukelte, wurde ich, der ich bis jetzt der einzigeohne jegliche Verdauungsprobleme auf dieser Reise bin, fast mein Frühstück los. Aber Gott sei Dank nur fast. Der Fährverkehr ist zwischen Hongkong und Macao fast wie der internationale Flugverkehr geregelt, also mit Ticketkauf, Einchecken, usw... Immerhin muss man aber auch durch zwei Grenzkontrollen, was in Macao wegen des großen Andrangs aber erst nach einstündiger Wartezeit möglich war. Insgesamt haben wir allein heute, also mit Hin- und Rückfahrt, vier Passkontrollen gehabt und fast eine ganze Seite im Reisepass vollgestempelt bekommen.
Macao ist ja wie Hongkong eine Sonderverwaltungszone auf chinesischem Gebiet, war es doch bis 1999 eine portugiesische Kolonie. Und das merkt man doch sehr stark. In Chinas Städten sind viele Wegweiser und Schilder oft in Chinesisch und Englisch, in Hongkong kommt das lokale Kantonesisch hinzu, in Macao gibt es oft Schilder in vier Sprachen, weil Portugiesisch noch dazu kommt. Macao ist durch die Landgewinnungsaktionen der letzten 10 Jahre um 10 km² auf ca 28 km² gewachsen, also immer noch winzig, aber sehr dicht bebaut, was man vor allem an den engen Gassen und Gehsteigen zu spüren bekommt. Im Zentrum sind, anders als in Hongkong, noch viele Bauten aus der Kolonialzeit erhalten und zum ersten Mal auf unserer Reise betraten wir eine katholische Kirche, nachdem wir schon in russisch-orthodoxen und einer anglikanischen sowie buddhistischen und taoistischen Tempeln gewesen waren. Sehr eindrucksvoll waren auch die "Ruinas de Sao Paolo" eine steinerne Barockfassade, die frei stehen blieb, als im 19. Jahrhundert die dahinterliegende Kirche aus Holz abbrannte. Außerdem ist Macao so etwas wie Las Vegas für Chinesen; denn dadurch, dass Glücksspiel in China verboten ist, kommen viele Chinesen zum Spielen nach Macao. Und nachdem Hongkong Macao wegen des besseren Tiefseehafens bereits vor langer Zeit den Rang als Handelsmetropole abgelaufen hat, ist heute das Glücksspiel und der damit verbunde Tourismus zu einer der wichtigsten Einnahmequellen für das kleine Sonderverwaltungsgebiet geworden.
Mit dem Bus wollten wir dann weiter in einen buddhistischen Tempel fahren, mangels Wissen aber fuhren wir in die falsche Richtung und brauchten eine halbe Stunde, da der Bus zuerst die ganze Stadt durchkreiste. Das war eben um 3,20 Patacas (ca 30 Cent) eine billige Stadtrundfahrt für uns. Der Tempel war ganz interessant, keine Touristen und größtenteils andächtige Stille, sowie schwere Luft vom Rauch der unzähligen Räucherstäbchen und -spiralen. Ungewohnt für uns war, dass bei den Altären und Urnenschränken überall Opfergaben standen. Von Coladosen über Obst bis hin zu Schnapsflaschen für die Verstorbenen - oder die Götter? Den Bus zurück zu finden war wieder eine mittelgroße Herausforderung, zufällig fanden wir heraus, dass die Linie, mit der wir gekommen waren uns auch zum Fährhafen bringt und als wir einstiegen, erkannten wir wieder unseren  Fahrer von vorher, der uns den Weg zum Tempel beschrieben hatte. Er lachte auch über uns, weil wir ja vorher ziemlich lange mit ihm unterwegs gewesen waren und wahrscheinlich mehr  Zeit in seinem Bus als im Tempel verbracht haben.
Die Rückfahrt mit der Fähre war dann angenehmer und die erneuten Kontrollen vor der Einreise nach Hongkong gingen überraschend schnell. Mein Magen bekam dann noch als Belohnung fürs Aushalten ein BigMac-Menü, das um nichtmal 2 € in Hongkong einer der billigeren Wege ist, satt zu werden. Na gut, satt bin ich davon eh nicht geworden, aber mit einem zusätzlichen Burger hats dann gereicht.

Mit hitzigen Grüßen

KCC

Sonntag, 28. August 2011

Tag 2 und 3 in Hongkong

Gestern besichtigten wir Kowloon, einen Teil Hongkongs, der schon am Festland liegt und der sich vor allem durch seine Hochhaeuser und Luxusgeschaefte, vor denen gestern (Samstag) schon am Vormittag viele Kunden Schlange standen, auszeichnet. Nachdem wird dann weiter noerdlich auch noch bei einem kleinen Tempel vorbeischauten, in dem sowohl einigen buddhistischen wie auch taoistischen Goettern gehuldigt wird, gingen wir durch den Jademarkt - eben viel Schmuck und Figuren aus Jade. Am Abend fuhren wir nochmal mit der Faehre nach Kowloon, um die Skyline von Hongkong  Island bei Nacht zu sehen.
Heute Sonntag fuhren wir mit einer anderen Faehre nach Cheung Chao, eine relativ kleine Insel, suedwestlich von Hongkong Island. Die Insel war frueher vor allem als Pirateninsel gefuerchtet, hatte dort doch einst ein Piratenkapitaen mit 15.000 Mann und 270 Schiffen sowohl Englaendern als auch Chinesen lange Zeit getrotzt. Von dem ist heute natuerlich nichts mehr zu sehen, die Insel scheint viel mehr auch ein begehrtes Ausflugsziel fuer die Hongkonger zu sein und so war dann im Laufe des Tages doch auch einiges los am Strand. Und auf der 2,45 km2 grossen Insel wohnen immerhin ueber  20.000 Menschen und - wie koennte es in Hongkong anders sein - sie hat ihren eigenen McDonald's gleich gegenueber der Anlegestellte der Faehre.
Hongkong ist natuerlich noch mehr als Shanghai und noch viel mehr als Peking vom westlichen Kapitalismus gepraegt; amerikanische Fast-Food-Ketten an jeder Strassenecke, grosse Einkaufszentren, riesige Buerotuerme und alle teuren Geschaefte, die man so kennt (oder ich oft nicht kenne...)
Da es hier so heiss ist und wir so viel schwitzen, werde ich diesen Eintrag hiermit schliessen und die gigantischen Mengen an Fluessigkeit, die wir heute verloren haben, durch Zufuhr eines elektrolythaltigen Hopfenkaltgetraenks ausgleichen.

MfG

CKC

Freitag, 26. August 2011

Heiss, heisser, Hong Kong



Der heutige Tag begann mit einem Rundgang durch das Finanzzentrum von Hong Kong, wo wir auch mitten im Hochhausdschungel noch ein altes erhaltenes Haus im Kolonialstil fanden und die auch die St. John's Kirche sogar von innen besichtigen durften. Weiter ging es mit der Peak Tram zum Victoria's Peak, von wo aus man eine fantastische Aussicht ueber die Insel Hong Kong sowie ueber das dazugehoerende Umland hat. Zum Schluss fuhren wir noch die halbe Strecke des Mid Level Escalator, eine lange Stiege bzw Rolltreppen und Foerderbaender, die am Morgen talwaerts die Menschen von den Wohngebieten zur U-Bahn bringen und am Nachmittag in die andere Richtung verkehren.
Eigentlich wollte ich noch einige Fotos der letzten Wochen anhaengen, aber der Computer im Hostel hier macht mir da einen Strich durch die Rechnung. Bald sind wir daheim und jeder (oder jede), der (oder die) will, wird alle Fotos sehen.
Es gruesst euch die durstige, hungrige, hitzebestaendige und vor allem schweissgebadete Reisegruppe:

CKC




Donnerstag, 25. August 2011

Hong Kong - letzte Station

Zum ersten Mal seit eineinhalb Wochen kann ich meine Eintraege wieder selbst ohne Umwege schreiben, da es in Hong Kong, obwohl es seit 1997 zu China gehoert keine Zensur gibt. Einige Freiheiten fuer die hiesige Bevoelkerung haben die Briten den Chinesen bei der Uebergabe doch abgerungen. Gestern, Mittwoch, besuchten wir den Shanghaier Stadtteil Pudong, der im Grossen und Ganzen in den letzten 30 Jahren aus der Erde gestampft wurde. Ein Hochhaus nach dem anderen, viele Einkaufszentren und alles sehr amerikanisch angelegt. Auch den riesigen neuen Apple-Store dort konnte ich mir natuerlich nicht entgehen lassen. Am Abend, bei beginnender Daemmerung (was im Osten Chinas schon um 18 Uhr ist, da im ganzen grossen China nur eine einzige Zeitzone herrscht) fuhren wir auf das "Shanghai World Finance Center", das hoechste Haus Chinas. Vom 100. Stock auf ca 450 m Hoehe ueber dem Grund haetten wir eine fantastische Sicht gehabt, allerdings hat der Wolkenkratzer gestern abend seinem Namen alle Ehre gemacht und wir sahen meist nur Wolken vorbeiziehen. In den kurzen Momenten, wo es aber aufklarte konnten wir durchaus die eine oder andere spektakulaere Aussicht geniessen. Spaeter am Abend fuhren wir noch zum Flussufer um Fotos der Skyline von Pudong bei Nacht zu machen.
Heute regnete es in Shanghai in Stroemen. Deswegen fuhren wir nicht mit der U-Bahn sondern mit einem Taxi zum Flughafen, da wir auf dem Weg zur Station wohl "waschlnass" geworden waeren. Das Taxi kostete dann zu unser aller Ueberraschung auch nur etwas mehr als 4 Euro. Der Flug hatte leider ueber eine Stunde Verspaetung, sodass wir Hong Kong bis jetzt nur im Finsteren kennen. Das Hotel ist nicht so gut hier, ein sehr kleines  Zimmer mit einem Mini-Bad, dafuer sind wir aber  ziemlich im Zentrum der Insel. In Hong Kong herrscht Linksverkehr und was wir bis jetzt am Ungewoehnlichsten fanden sind die doppelstoeckigen Busse aber noch viel mehr die doppelstoeckigen Strassenbahnen, die nur aus einem Wagen bestehen und deshalb fast hoeher als lang sind.
Ausserdem ist es hier extrem  heiss und schwuel. Als wir in Peking ankamen dachten  wir bereits, es gehe kaum noch heisser und drueckender, aber Shanghai und ueberhaupt Hong Kong haben uns da jetzt eines Besseren belehrt.
Mit Vorfreude auf die naechsten Berichte aus der Sauna Chinas;

CCK

Dienstag, 23. August 2011

Shanghai

Am Sonntag flogen wir von Peking nach Shanghai. Abflug war in Peking vom neuen Terminal 3, das uns gleich beim Betreten wegen seiner Groesse wirklich beeindruckte. Der Flug dauerte etwa 2 Stunden und da es ein Langstreckenflug war, der zuerst von Paris nach Peking geflogen war, gab es sogar ein Mittagessen an Bord. In Shanghai angekommen bahnten wir uns den Weg ueber den naechsten Riesenflughafen, fanden unser Gepaeck Gott sei Dank schneller als in Moskau und kauften uns relativ teure (ca 5,50 Euro) Tickets fuer die Magnetschwebebahn ins Zentrum. Die Bahn ist die einzig kommerziell betriebene ihrer Art auf der ganzen Welt und bringt ihre Fahrgaeste je nach Tageszeit mit bis zu 430 km/h in ca 5 Minuten ueber ca 25 km ins Zentrum. Als wir fuhren erreichten wir "nur" 300 km/h, in 7 Minuten waren wir trotzdem in der Stadt angelangt und - welch Ironie - wir mussten mit genau der U-Bahn-Linie weiterfahren, mit der wir auch schon vom Flughafen wegfahren haetten koennen. Egal, das Geld wars uns wert, mit 300 km/h im Zug an den Autos auf der Autobahn einfach vorbeizuziehen. Und Shanghai selbst hat sich Sonntag und Montag als noch schwueler und schweisstreibender erwiesen als Peking. Heute war es etwas angenehmer und wirklich sonnig haben wir es hier noch nie gehabt, es ist staendig entweder bewoelkt oder fast nebelig. Gestern spazierten wir durch die Innenstadt, ueber den "People's Square" (Platz des Volkes), der natuerlich in keiner sozialistischen Stadt fehlen darf, hin zum "Bund", die Uferpromenade am Fluss, von wo aus man die Skyline des modernsten Viertels gegenueber des Flusses sieht. Und zurueck dann durch eine belebte Einkaufsstrasse wieder zur U-Bahn und heim. Heute ging es zuerst zu einem echten buddhistischen Tempel, der auch wirklich noch als solcher genutzt wird. Das war sehr interessant, einmal die Ausuebung dieser Religion auch aus der Naehe zu sehen und generell war der Tempel, bis auf einige Reisegruppen, die auch dort waren, so etwas wie eine Oase der Ruhe im hektischen Shanghai. Danach fuhren wir noch in den Sueden der Stadt, wo es eine alte Vorstadt von Shanghai gibt, die noch ziemlich original erhalten sein soll. Dort angekommen waren wir aber leider fast etwas enttaeuscht, da es wieder sehr ueberfuellt war und die alten Haeuser in den engen Gassen groesstenteils als Geschaefte, die entweder billigen Ramsch oder fuer uns eher dubios aussehendes Essen verkauften, genutzt werden. Naja - gesehen haben wir es auch.
Shanghai ist eine ganz eigene Stadt: Neben Hochhaeusern stehen einstuerzende alte Haeuser, die offensichtlich noch bewohnt werden, in manchen Gassen stinkt es nach Kanal und allem moeglichen, zwei Strassen weiter ist alles neu und das Bild wuerde genau so gut in eine amerikanische Stadt passen. Angeblich waren ja in den 90er Jahren ein Viertel aller Baukraehne der Welt in Shanghai im Einsatz. Und auch jetzt noch wird hier viel gebaut. Eigentlich ist es ja faszinierend mitanzusehen, welchen Boom dieses Land und vor allem Shanghai erlebt, aber doch sieht man auch immer wieder hinter die Fassade des aufstrebenden Wirtschaftsimperiums China.

Sonntag, 21. August 2011

Umzug, Einkaufsrausch und Sommerpalast

Nach dem letzten Eintrag haben wir am Abend noch im Hostel zwei Oesterreicher getroffen, einer von beiden studiert sogar an der BOKU. War gut, wiedermal mit jemandem richtig reden zu koennen, schliesslich ist das Hochdeutsch-Reden mit den zahllosen Deutschen, die wir treffen, auch aehnlich anstrengend wie Englisch zu reden. Am naechsten Tag, also gestern (Freitag) wechselten wir das Hotel, da wir im "Happy Dragon" nur vier Naechte gebucht hatten, weil wir uspruenglich glaubten, wir koennten zwei Naechte irgendwo am Land verbringen. Jetzt wollten wir aber doch in Peking bleiben und kurzerhand rief die Rezeptionistin dort in einem anderen Hotel an und innerhalb von 5 Minuten hatten wir die Zusage, wieder ein 3-Bett-Zimmer zum gleichen Preis zu bekommen sowie einen wartenden Chauffeur vor der Tuer, der uns mit seinem ziemlich neuen Buick gratis ins "King's Joy" Hotel brachte, das im 5. Stock ein Hostel untergebracht hat. Am Nachmittag fuhren wir zum "Silk Market", der groesste Markt hauptsaechlich fuer Touristen, wo fast nur Textilien, darunter sehr viel gefaelschte Markenwaren gehandelt werden. Und handeln ist hier wirklich das richtige Wort. Wollte mir die Verkaeuferin zuerst ein T-Shirt um 280 Yuan (ca 30 Euro) verkaufen, bekam ich schlussendlich vier T-Shirts um 160 Yuan (ca 17 Euro). Ist halt immer noch relativ teuer, weil es eben irgendwie gefaelschte Marken sind, aber von der Qualitaet her sicher ok. Eine (natuerlich nicht ganz echte) Northface Jacke habe ich auch noch um 180 Yuan (ca 19 Euro), statt der urspruenglich geforderten 980 Yuan (ca 105 Euro) erstanden. Der Marktbesuch war wegen der vielen Eindruecke natuerlich sehr anstrengend, bei jedem Stand wird man angesprochen oder sogar an der Hand genommen und hingezogen. Aber trotzdem sind die Chinesen meinen Eindruecken bis jetzt zufolge zumindest den Touristen gegenueber immer sehr freundlich und zuvorkommend.
Heute besuchten wir den Sommerpalast im Norden von Peking. Dort hatten die Kaiser ihre Sommerresidenz - eine riesige Anlage, erbaut irgendwann im 18. Jahrhundert, eine Mischung verschiedener Stile aus dem gesamten Chinesischen Reich bis hin zum hemmungslosen Kitsch. Leider, und auch weil heute Samstag ist, war der Sommerpalast so voll mit Menschen - einfach unvorstellbar. Aber egal, einen Eindruck haben wir bekommen, Peking war sehr schoen und China ist bis jetzt fuer uns ein riesengrosses, erfahrungsreiches Erlebnis. Morgen, Sonntag, geht es per Flugzeug weiter nach Shanghai. Nachdem wir in Peking hauptsaechlich geschichtstraechtige Anlagen besichtigt haben, sind wir gespannt auf das "neue China", auf DIE Wirtschaftsmetropole des Landes.
Man darf also gespannt sein, wie es weiter geht.
Liebe Gruesse aus dem Fernen Osten!
 
C&C&K

Donnerstag, 18. August 2011

Chinesische Mauer, Fotoshootings und Himmelstempel

Ploetzlich funktioniert auf dem Computer im Hostel sowohl Facebook als auch andere durch Chinas Zensur gesperrte Seiten. Anscheinend hat vor mir ein Chinese eine VPN-Verbindung nach Europa oder Amerika hergestellt, damit er der Sperre entkommt. Gut fuer mich, dass er sie anscheinend noch nicht getrennt hat. Also am Dienstag haben wir die verbotene Stadt besichtigt, was damals begonnen hat, und ich noch nicht im Blog vermerkt habe, ist, dass Christa anscheinend fuer die Chinesen etwas ganz besonderes ist. Frauen mit 1,85 Meter Groesse gibt es in China nicht viele und somit gab es ganze Familien, die sich mit ihr fotografieren lassen wollten. Lustig fuer uns, aber ich glaube, wenn das noch viel oefter vorkommt wird es ihr auch irgendwann laestig werden. Am Mittwoch besichtigten wir den Himmelstempel (Himmels-Tempel, als ich das zum ersten mal gelesen habe, hab ich "Himmel-Stempel" gelesen...), eine riessige Anlage, die im chinesischen Kaiserreich eine zentrale religioese Einrichtung war. Leider war auch das aehnlich wie die verbotene Stadt sehr ueberlaufen von tausenden chinesischen und um einiges weniger auslaendischen Touristen. Danach gingen wir zum "Pearl Market", der dort gleich daneben ist, wo man laut Info vom Hostel chinesische Mehr-oder-weniger-Kunstartikel kaufen kann. Es gab aber auch allerhand anderes, wie soll ich es anders sagen, Klumpert. Also vom gefaelschten iPhone ueber iPads, Brillen, Uhren, alles gefaelschte Markenwaren. Und sehr aufdringliche Verkaeufer und vor allem -innen. Christian kaufte zwei 32GB Speicherkarten um umgerechnet 11 Euro, Christa eine Tasche und noch irgendwas aus Stoff ;-), ich nichts. Ich warte noch auf den naechsten Markt, den wir hoffentlich morgen besuchen, wo es dann billiges Gewand gibt, da das Waschen hier im Hostel so teuer ist, dass ich mir um das Geld sicher einige neue Sachen hier auch kaufen kann. Und als wir Aus diesem Markt hinausgingen, fiel ein Fahrrad um und wir koennen bestaetigen: In China ist ein Rad umgefallen und NICHTS ist passiert. Heute, Donnerstag machten wir einen Ausflug zur Chinesischen Mauer, 3 Stunden mit dem Bus hin, 3 Stunden zuerst mit einem Sessellift rauf, ueber die Mauer spazieren und dann entweder mit dem Sessellift (Christa) oder mit der Sommerrodelbahn (Christian & ich) hinunter. Danach gab es noch ein Essen mit Blick auf die Mauer und spaeter fuhren wir mit dem Bus, der mir leider grosse Knieschmerzen bereitete, da der eher fuer kleine Chinesen und nicht fuer normal grosse Mitteleuropaeer gebaut ist, durch die beginnente Stosszeit wieder zurueck nach Peking.
Gerade haben wir erfahren, dass wir uns morgen ein neues Hotel suchen muessen, da wir unser Hostel nur fuer 4 Naechte gebucht haben und erst am Sonntag nach Shanghai fliegen. Schade, denn hier war es sehr nett, wir hatten unser eigenes Zimmer mit Dusche und WC und das um einen relativ guenstigen Preis ziemlich zentral in Peking.
Also bis demnaechst

C,C&K

Mittwoch, 17. August 2011

Staub, Schwuele und Zensur

Wir sind in Peking angekommen und bekommen das ordentlich zu spueren. Nicht nur, wegen einer eineinhalb Tage langen Zugfahrt, auf der wir Wuestenstaub, Kaelte und zum Schluss auch noch extrem schwueles Wetter hatten, sondern auch, weil wir aus China offenbar weder Facebook noch Twitter noch den Blog erreichen. Die Eintraege kommen jetzt, wenn ueberhaupt, nur auf Umwegen in den Blog (mein lieber kleiner Bruder wird sie per Mail bekommen und in meinen Blog online stellen), da Chinas Internet-Zensur gleich prophilaktisch alle Blogs weltweit sperren liess, da es ja auch kritische geben koennte. Ansonsten ist es in China aber relativ "normal", es gibt hier alle westlichen Geschaefte und die meisten Gebaeude im Zentrum von Peking sind sehr schoen oder sehr modern. Aber wieder mal alles der Reihe nach. Sonntag Morgen Ortszeit brachen wir von Ulaanbaatar auf und erreichten auf einer Fahrt ueber eine Zugstrecke, die einer in Oesterreich stillgelegten Nebenbahn gleicht, am Abend die mongolisch-chinesische Grenze. Das ganze Prozedere dauerte wieder 6 oder 7 Stunden, da zusaetzlich zu den zwei Grenz- und Zollkontrollen auch noch die Waggons "umgespurt" werden mussten, da man in Russland und der Mongolei auf der "Russischen Breitspur" faehrt, die ca 10 cm breiter ist als die in Westeuropa und China uebliche Spurweite. Das dauerte auch seine Zeit, der ganze Zug wurde in eine Halle geschoben, alle Waggons voneinander getrennt und angehoben, sodass die Fahrgestelle auf den Schienen blieben, die dann gegen die unmerkbar schmaeleren ausgetauscht wurden. Natuerlich mussten alle Passagiere waehrenddessen in den Waggons bleiben, da wir die Paesse von den chinesischen Beamten noch nicht zurueckerhalten hatten und wir somit noch nicht legal eingereist waren. Im Abteil bekamen wir dann einen chinesischen Mitpassagier, der ein etwas komischer Typ war... Um 2 in Peking angekommen, mussten wir uns erstmal eine Stunde fuer ein Taxi anstellen, auch wenn uns immer wieder die Fahrer der inoffiziellen Taxis aus der Warteschlange abwerben wollten. Die haetten aber bis zu 250 Yuan fuer die Fahrt verlangt und wir haetten sie schon auf 100 herungehandelt, aber dann sagte uns Gott sei Dank eine junge Chinesin, die vor uns stand, dass das viel zu teuer waere, weil offizielle Taxis nur 30 kosten. So warteten wir eben und nach einiger Zeit brachte uns ein offizielles Taxi wirklich um 30 Yuan (ca 3,50 Euro) ins Hostel. Am Abend versuchten wir noch die chinesische Kueche, die eigentlich gar nicht so schlecht war. Wir bestellten uns eben auch nicht gerade die Schildkroete oder den Frosch sondern eher bekannteres. Christa und ich assen irgendwas mit Rind, Christian versuchte das "Spicy Chicken", das dann leider ein Haufen ziemlich kleiner Huehnerteile - mehr Knochen als Fleisch - gemischt mit sehr sehr vielen Chilischoten war. Aber tapfer kaempfte er sich durch die weniger dubios aussehenden Teile und ass dafuer mehr Nudeln und Reis.
Heute gings zum Sightseeing ins Zentrum. Zuerst mit der neuen und topmodernen U-Bahn Pekings: Einige Linien sind chronisch ueberfuellt und man muss 2-3 Zuege abwarten, um sich dann endlich irgendwie reindraengen zu koennen - so etwas wie zuerst aussteigen lassen und dann einsteigen gibt es hier offenbar nicht. Mit der Ubahn gelangten wir direkt zum Platz des himmlischen Friedens und wir machten uns auf den Weg in die verbotene Stadt, den einstigen Kaiserpalast, der dem gemeinen Volk nicht zugaenglich war. Da in China gerade Ferien sind, draengten sich auf dem Platz und in der verbotenen Stadt (ohne Uebertreibung) hunderttausende Menschen, aber fast nur Chinesen. Die verbotene Stadt ist sehr eindrucksvoll und alt, grossteils auch sehr gut erhalten bzw rekonstruiert. Aber ich wuesste nicht, wo ich solche Menschenmassen schon einmal erlebt haette. Danach spazierten wir noch ueber den Platz des himmlischen Friedens, vorbei am Mao-Mausoleum, das meiner Meinung nach eigentlich "Maosoleum" heissen sollte, und kamen noch in eine chinesische Einkaufsstrasse. Alles sehr ueberfuellt, Chinesen ueberall - es gibt echt sehr sehr sehr viele von denen ;-)
Mit der U-Bahn heim ging es dann gleich bei der Station, bei der wir immer aussteigen muessen zum McDonald`s, wieder einmal etwas gewohntes essen. Aber ich moechte hier nicht so viel aufs Essen eingehen, sonst bekommen wir wieder Kritik, dass es bei uns anscheinend nur ums Essen geht. Aber ein gutes Essen ist die Grundlage fuer glueckliche Reisende und das Wohlbefinden der Gruppe. :-)
Ich hoffe, wir koennen uns bald wieder hinter der groessten Firewall der Welt melden.
 
Christa, Christian & Klaus

Samstag, 13. August 2011

Baikalsee, Grenzen und die Mongolei

Lange her seit dem letzten Eintrag. Zu Beginn zur Beantwortung der Fragen: Die 3 Tage und 4 Naechte Zugfahrt waren schon immer wieder mit kleinen 2-30 minuetigen Aufenthalten in den Bahnhoefen, wo man auch kurz rausgehen kann und sich (leider nicht ueberall) mit Wasser und sonstigem Proviant versorgen kann. Also fuer uns waren es auch 3 Tage ohne Waschen - wenigstens haben wir aber auch nicht viel geschwitzt, sodass sich die Geruchsbelastung in Grenzen hielt. Die Waggons der Transsib und der russischen Eisenbahn sind generell rauchfrei, nur in den Durchgaengen zum naechsten Waggon hin ist eine Raucherzone.
So, jetzt aber zu dem Aktuelleren: Am Mittwoch wurden wir nach Listvianka, einem Dorf an der Kueste des Baikalsees gebracht. Der See ist fuer uns definitiv zu kalt zum Baden, was aber einige Russen, vielleicht auch des Vodkas wegen, nicht abhielt, trotzdem zumindest eine Runde zu schwimmen. Bis ich selbst in Russland war, glaubte ich uebrigens, dass das Klischee, dass Russen viel Vodka trinken uebertrieben ist. Ich kann nur sagen: Das ist es nicht, die trinken echt gerne und viel Vodka. Aber zurueck zum See. Das Dorf hatte eigentlich relativ wenig zu bieten, viele Hochzeitspaare kommen aber anscheinend dennoch zum Feiern dort hin. Wir gingen dann in ein Lokal am "Hafen" essen, wieder mal russische Kueche, sehr fett... Danach trafen wir auf der Suche nach irgendwelchen Sehenswuerdigkeiten wieder den Hollaender mit seiner ukrainischen Freundin, die wir schon vom Zug kannten. Da es wirklich nicht viel zu tun gibt in dem Dorf, haben wir dann mit ihnen noch ein paar Bier getrunken und sind schliesslich heimgegangen um uns den Sonnenuntergang vom Hostelbalkon anzusehen und den gemuetlichen, aber auch immer kaelter werdenen Abend, mit einer kleinen Kostprobe des dortigen Vodkas ausklingen zu lassen. Am naechsten Tag gab es schon um 9 Fruehstueck im Hostel, die Chefin selbst hat uns aufgeweckt, weil wir sonst verschlafen haetten - in Rekordtempo hatten wir die Palatschinken zum Fruehstueck verdrueckt und gingen wieder aufs Zimmer, wo wir leider alle wieder einschliefen und erst 2 oder 3 Stunden spaeter aufwachten und uns wieder auf den Weg ins "Zentrum" des Dorfes zu machen, wo wir sogleich wieder was zu essen suchten - und fanden! Am Abend ging es dann wieder per Kleinbus mit eigenem Chauffeur nach Irkutsk, wo wir am Bahnhof aber noch fast 4 Stunden auf unseren Zug warten mussten, Zeit, die wir wieder mit - richtig - Nahrungssuche und -aufnahme verbrachten. Leider fanden wir zum schnell was Essen nur so ein russisches Fast Food Lokal, wo man sich zwar irgendwas aussuchen kann und mit Gesten zu verstehen geben kann, was man will, allerdings war mir davor nicht bewusst, dass das alles kalt ist und die Angestellte dort den gesamten Plastikteller mit dem wenigen essen fuer geschaetzte 20 Sekunden in eine Mikrowelle gibt... Nun, es gibt auch gutes russisches Essen, zum Beispiel, dass sie gerne Petersilie oder Dill verwenden finde ich eigentlich ziemlich lecker, aber, im Grossen und Ganzen muss ich sagen, dass ich mich kulinarisch schon wieder auf Oesterreich freue. Gut, jetzt zu den unwichtigeren Dingen ;-) Am Bahnhof sprach uns dann ein Russe in gutem Englisch an und wir plauderten eine Weile mit ihm, bis er uns auf ein Bier einladen wollte. Da war es auch schon fast Zeit, auf den Bahnsteig zu gehen, aber er bestand darauf, deshalb tranken wir schnell eine Dose mit ihm. Dann wollte er noch eine und hat auch noch Bier gekauft und gemeint, er muesse eh auch in unsere Richtung und faehrt einfach auch mit unserem Zug, er wolle in Ulan-Ude Freunde besuchen und er versuchte an der strengen Schaffnerin reinzukommen. Zuerst meinte er, er ist Eisenbahnpolizist und kann deswegen gratis mit der Bahn mitfahren, aber dann stellte sich heraus, dass im Kurswagen nach Ulanbaatar nur Touristen waren und als wir dann unser Abteil bezogen hatten, kam auch er ploetzlich herein und setzte sich einfach herein. Na gut, er war vorher auch schon aufdringlich, aber das war uns dann doch ein bisschen zu viel. Als er dann irgendwann mal ins Nachbarabteil ging, um dort die Chilenen anzuquatschen, schlossen wir kurzerhand die Tuer und loesten die Situation elegant, indem wir sagten, wir wollen jetzt schlafen gehen. Danach haben wir ihn auch nicht mehr gesehen. In Ulan-Ude bekamen wir dann doch noch einen 4. in unser Abteil, einen Italiener, der aber mit seiner Frau in Madrid lebt. Da war ich auch wieder froh, dass ich mit ihm, seiner Frau und den Chilenen ein bisschen Spanisch ueben konnte. Die Grenzformalitaeten zwischen Russland und der Mongolei kosteten uns gestern den gesamten Nachmittag, zuerst an der russischen Grenze 3 Stunden warten, dann in den Waggon, Waggon wird zugesperrt, 2 Stunden drinnen s(chw)itzen und immer wieder brav den Pass hergeben, dann endlich mit einer Rangierlok ueber die Grenze gezogen werden, wieder fast eine Stunde im Waggon kontrolliert werden und nochmal eine Stunde warten, weil die Kurswagen an einen anderen Zug angehaengt werden mussten. Die mongolische Zollbeamtin kam in unser Abteil und fragte "Luggage?" (Gepaeck). Wir deudeten ihr an, dass das unter den Sitzen ist, bzw. mein Rucksack oben war. Sie schaut rauf und fragt, wem das gehoert, ich sage, mir und sie fragt mich "Any prohibited items in there?" (also ob ich etwas verbotenes drinnen habe). Und fuer Bruchteile einer Sekunde hat es mich so gereizt, irgendwas dummes drauf zu sagen, weil ich schon alleine wegen der Frage grinsen musste. Gott sei Dank besann ich mich im richtigen Moment eines besseren und antwortete wahrheitsgemaess mit "No". Wenn mich die Chinesen das dann auch fragen, werd ich einfach sagen "No, my tank is in the luggage waggon."
So und heute morgen kamen wir endlich in Ulanbaatar an, die Hauptstadt der Mongolei. Bei der Einfahrt sahen wir bereits die Vorstaedte, die hauptsaechlich aus Zelten bestanden, sind ja ein altes Nomadenvolk die Mongolen, das Nomadentum  hat sich bis in die Gegenwart bei aller Modernisierung scheinbar auch gut erhalten. Sehenswuerdigkeiten sind auch eher rar hier, aber es gab ein gutes Museum ueber die Geschichte der Mongolei, dass fuer uns als Studenten nur etwas mehr als einen Euro gekostet hat. Leider ist es mir dann beim Mittagessen nicht so gut gegangen, weshalb ich erstmals eine Mahlzeit auslassen musste. Anscheinend hat mich die Hitze und der wenige Schlaf der letzten Zugnacht doch sehr mitgenommen. Deswegen lasse ich jetzt am Nachmittag auch die Tour zu irgendeinem Nationalpark aus und habe Chritstian und Christa alleine weitergeschickt.Und scheinbar kommen meine Kraefte schon wieder, sonst wuerde ich nicht so einen langen Eintrag schreiben. Gerade merke ich auch, dass der Hunger wieder kommt, also niemand braucht sich Sorgen zu machen um mich.
Und jetzt? Lasst es mich mit den Schlussworten des ehemaligen Vizekanzlers bei seiner Ruecktrittsansprache formulieren: "Jetzt geh i wos essn!"

Dienstag, 9. August 2011

ungefaehr 5100 km oder 3 Tage, 2 Stunden und 45 Minuten Zugfahrt spaeter:

Den letzten Tag in Moskau verbrachten wir am Freitag essend und durch die Stadt schlendernd eher gemuetlich. Am Abend legten wir uns zum Sonnenuntergang in einen Park nahe des Kremls, wo ich meine erste Schnapsen-Trainingseinheit mit Christian absolvierte. Gegen 10 Uhr abends trafen wir beim Jaroslaver Bahnhof ein, wo wir noch bis dreiviertel 12 warten mussten. Die Wartezeit wurde kurzerhand mit zwei Bier und Hotdogs verkuerzt. Die Hotdogs waren sehr interessant, ein Weckerl, innen drin sowas wie Faschiertes aber von Konsistenz und Geschmack her eher wie ein laenglicher Leberknoedel, dazu noch Ketchup und Petersilie - interessant ungewohnt im Geschmack. Dann betraten wir den Bahnsteig 4, wo der Zug Nr. 2 von Moskau nach Wladiwostok schon bereitstand. Der Schaffner unserers Waggons empfing uns schon und pruefte ganz sorgfaeltig unsere Karten ehe er uns zu unserem Abteil fuehrte, das wir auch die ersten 3 Naechte fuer uns alleine hatten. Anscheinend haben wir einen eher neueren 2. Klasse Waggon erwischt, der in Sauberkeit und Komfort so manchen OEBB Waggon locker uebertraf. Jeder Waggon hat 2 Schaffner, die sich im Dienst abwechseln, die aber auch taeglich Staubsaugen und die WCs sauber halten. Generell haben wir Russland bis jetzt als sehr sauber empfunden, zumindest in Moskau sieht man auf den Strassen kaum Mist herumliegen, was wahrscheinlich einerseits an den vielen Strassenkehrern und andererseits auf der Disziplin der Moskauer liegt. Aber zurueck zum Zug: Nachdem wir die erste Nacht (auch Dank der selbst mitgebrachten Vodka Kostprobe) gut schliefen machten wir uns am Tag darauf auf Erkundungstour durch den Zug. Nun - weit kamen wir nicht, da bereits der naechste Waggon der Speisewagen war, wo uns eine aeltere Dame, die ganz offensichtlich die Chefin dort war empfing. Sie hatte in ihrem Gebiss, wohl mehr goldene als echte Zaehne, was Christian und mich zur Vermutung hinriss, dass sie diese vielleicht auch als Flaschenoeffner verwenden koennte. Einige Besuche spaeter fragte sie uns immer schon beim Betreten ihres Reiches, ob wir wohl wieder des Bieres wegen bei ihr einkehrten. Irgendwann probierten wir bei ihr auch die russische Bordkueche und stellten fest, dass man nach echtem russischem Essen wirklich einen (oder mehrere) Vodka zur Verdauung noetig hat - der Salat als Vorspeise mit einem Riesenpatzen Mayonaisse und auch auf dem Fleisch war nochmal ein solcher Haufen, dazu frittierte Erdaepfel. Ausserdem lernten wir im Zug noch einen Hollaender und eine Ukrainerin kennen, mit denen wir den dritten Abend in ihrem Abteil bei Bier und netten Gespraechen verbrachten. Die gedanklichen Austausche mit russischen Mitreisenden beschraenkten sich auf wild gestikulierende Konversationen mangels Russischkenntnissen unsererseits und Englischkenntnissen ihrerseits. Ansonsten haben wir im Zug viel gelesen und viel geschlafen, das Schlafen fand aber leider immer zu spaet statt, sodass wir jetzt in der Irkutsker Zeitzone Probleme mit der Umstellung haben, da die immerhin, nochmals 5 Stunden der Moskauer Zeit vorauseilt.
Heute morgen kamen wir schlussendlich in Irkutsk an, wo uns schon ein Fahrer erwartete, der uns zum Baikalhostel brachte, das eigentlich nur eine adaptierte Wohnung mit zwei Mehrbettzimmern ist. In relativ kurzer Zeit hatten wir die wenigen Sehenswuerdigkeiten der Stadt gesehen. Wahrscheinlich gibt der Baikalsee, zu dem wir morgen fahren, mehr her als diese Stadt, die mich mit ihrem lauten, stinkenden Verkehr und den alten, kaputten Bussen sehr an Suedamerika erinnert.
Also der Plan fuer die naechsten Tage: Morgen mit dem Chauffeur nach Listvianka ans Baikalseeufer, wo wir die Nacht auf Uebermorgen in einem Hostel verbringen werden und dann uebermorgen wieder zurueck nach Irkutsk um dann am Abend mit der Transmongolischen Eisenbahn Richtung Ulanbaatar, Mongolei aufzubrechen.
Bis zum naechsten Eintrag!

Klaus, Christa & Christian

Donnerstag, 4. August 2011

Kreml und Neujungfrauenkloster, Moskwa und Gorki Park

Gestern besuchten wir das Innere des Kreml, also einen Haufen orthodoxer Kirchen. In die Regierungsgebaeude kann man natuerlich nicht hinein, dafuer sorgen strenge Wachleute, die mit Stock und Trillerpfeife dafuer sorgen, dass sich kein Tourist in falsche Gebiete verirrt. Die russisch-orthodoxen Kirchen sind fuer uns sehr ungewohnt weil sie an den Innenwaenden ueber und ueber voll sind mit Heiligenbildern (Ikonen). Sodass man schon fast meinen koennte, der Monotheismus habe sich hier noch nicht ganz durchgesetzt.
Natalia, unsere Kontaktperson von der Agentur, die die Tickets fuer uns buchte und die wir am Dienstag persoenlich trafen, gab uns Tipps und meinte, Moskau sei sehr sicher. Ausserdem braeuchten wir uns keine Sorgen wegen der Polizei machen, weil die zwar durchaus Touristen zwecks Visakontrollen anhalten duerfen, dies aber nur sehr selten tun, weil sie nicht oder nicht gut Englisch koennen. Ausserdem koennten zumindest Christa und Christian vom Aussehen her auch Russen sein. Ich hingegen schaue wegen meiner (noch) dunklen Haare "auch noch nicht wie ein kaukasischer Attentaeter" aus, also ich weiss nicht, ob ich das als Kompliment verstehen soll.
Heute fuhren wir zum "Neujungfrauenkloster", einer Kloster, wo schon die Zaren ihre ungeliebten Ehefrauen oder zu maechtig werdenden Schwestern hin abschieben liessen. Auch dort gab es wieder Kirchen mit vergoldeten Zwiebeltuermen und Massen von Ikonen. Auch besuchten wir das Grab von Nikita Chruschtschow, dem ein Platz an der Kremlmauer verwehrt blieb.
Danach gingen wir zu Fuss geschaetzte vier Kilometer von der Metrostation zur Moskwa (Fluss) und von dort zum Gorki Park. Wie im Lied "Wind of Change" von den "Scorpions" spuerten auch wir auf dem Weg entlang der Moskwa starken Gegenwind - ob dieser auch wirklich was veraendert...?
Im Gorki Park gab es dann ein Subway Sandwich, leider habe ich dort anscheinend aus lauter begeisterung ueber den guten Senf im Sandwich anscheinend Christas Moskau-Reisefuehrer auf der Parkbank liegen lassen. Und als wir umkehrten, einen zusaetzlichen Kilometer zu Fuss riskierten, um ihn wiederzubekommen, war er nicht mehr da. Gut, er war von 1994 und Gott sei Dank haben wir ihn erst heute "angebaut", jetzt schulde ich der Christa einen Gspritztn... ;)
Die Christus Erloeser Kirche, die wir danach besuchen wollten erreichten wir leider puenktlich zur Sperrstunde um sechs, also machten wir nur von draussen Fotos. Vielleicht schaffen wirs morgen noch rein, ich rechne aber mit vielen Ikonen und Goldschmuck drinnen.
So, jetzt gibts gleich eine Eierspeis mit duerrer Wurst aus Oesterrech und Kaese und dazu Vodka :)
Na sdorowje!

PS: Morgen (Freitag) Abend gehts los mit der Transsib gen Osten, also weiss ich nicht, ob ich davor noch einen Eintrag schreiben werde - wenn nicht, lest ihr von mir wieder aus Irkutsk, Ulan Baator oder Peking.

Mittwoch, 3. August 2011

Moskau

Gestern haben wir die Tickets fuer die Transsib auch im Original erhalten, dazu noch nuetzliche Infos von unserer aeusserst netten Kontaktperson Natalia. Danach machten wir uns auf den Weg, Moskau zu Fuss zu erkunden und wir marschierten etwa eine halbe Stunde ins Zentrum, am Weg dorthin besuchten wir die Petrovski-Passage, ein kleines Luxus-Einkaufszentrum fuer die "neuen Russen". Natuerlich sehr pompoes aber architektonisch nicht uninteressant. Danach gingen wir am beruehmten Bolschoi-Theater vorbei, das leider gerade in ein Geruest gehuellt ist, zum Roten Platz. Und der ist natuerlich sehr beeindruckend, riesig gross, am Boden die Markierungen fuer die Militaerparaden und rundherum geschichtstraechtige Gebaeude. Die Kathedrale mit den bunten Tuermen schaut von aussen besser aus als von innen, innen sind es eigentlich nur ein Haufen kleine Kapellen. Leider hat es dann bald zu regnen begonnen, und wir mussten auch endlich Mittagessen, wer mich und meine Reisepartner kennt, weiss, wie wichtig eine ausgewogene und vor allem reichhaltige Ernaehrung fuer unser seelisches Wohl ist. Nach dem Essen marschierten wir zum KGB-Hauptquartier, in das wir aber aus irgendeinem Grund nicht hineindurften. Da der Regen immer staerker wurde, beschlossen wir, mit der Metro heimzufahren. Eine gute Entscheidung, denn fuer nur 28 Rubel (ca 70 Cent) kann man die "Palaeste fuer das Volk" besichtigen, ein Wahnsinn, was die damals da hingestellt haben.
Und am Abend gingen wir mit anderen aus unserem Hostel noch in einen Club feiern, dauerte auch etwas laenger, deswegen hat der heutige Tag fuer uns erst um 12 begonnen.

ob der noch ein Pickerl bekommt???


Christa mit roter Jacke am roten Platz

Die St. Basilius Kathedrale


Christian und ich im GUM (Einkaufszentrum am roten Platz)


Das ehemalige Hauptquartier des KGB


Eine U-Bahn Station, wie fast alles in Moskau gut, oder zumindest streng bewacht


Zug faehrt ein


Christian im Schatten der Oktoberrevolution ;)

Montag, 1. August 2011

Moskau - erster Kontakt mit РОССИА

Wir sind gut angekommen - 2,5 Stunden Flug und danach knappe 3 Stunden warten auf die Einreise. Die wenigen russsischen Beamten am Flughafen liessen sich bei der Abfertigung von hunderten Einreisenden sehr viel Zeit und hatten zwischendurch auch Zeit fuer die eine oder andere Pause. Schliesslich kamen wir doch noch aus dem Flughafen, nachdem wir einige Zeit unser Gepaeck suchen mussten, das nach so langer Zeit nicht mehr wie ueblich auf dem Foerderband war, sondern einfach irgendwo in der Ankunftshalle am Boden lag. Kein Wunder, dass der Attentaeter (oder die Attentaeterin ???) damals am Airport Domodedowo ungehindert seine (oder ihre ???) Bombe in der Ankunftshalle explodieren lassen konnte.
Gleich danach wollten wir zuerst den Zug ins Zentrum suchen, sofort kam uns ein "Taxifahrer" entgegen, der uns auch mit seinem Auto nach Moskau bringen wollte. Wir, natuerlich skeptisch, lehnten nach kurzer Ueberlegung entschieden ab und goennten uns ein offizielles Taxi, das zwar nicht billig war, aber uns dafuer sicher zum Hostel brachte. Fuer die lange Strecke war es dann ja eh nicht mehr so teuer. Der Fahrer war auch sehr nett, es ueberraschte uns aber sehr, dass mitten ueber die Autobahn Zebrastreifen von einem Birkenwaldstueck ins gegenueberliegende fuehrten. Ihm wars egal, er fuhr dann auch am Moskauer "Guertel" oft noch mit 120 weiter.
Hier im Hostel Godzilla wohnen wir die ersten beiden Naechte in einem 8-Bett-Zimmer ehe wir fuer 2 weitere ein 3-Bett-Zimmer bekommen. Russisches Bier haben wir bereits gekostet, wir werden sehen, was der morgige Tag bringt, da muessen wir zur Polizei, uns registrieren - Gott sei Dank wird uns die Natalia begleiten, die bei der Agentur arbeitet, wo wir die Zugtickets gebucht haben.
Zur Ueberschrift: Ich hoffe, man schreibt Russland auf Russisch und Kyrilisch so... (???)
Bis zum naechsten Mal.

Christa, Christian & Klaus