Samstag, 4. Oktober 2008

Mega Santa Maria

In Pedro Carbo gibt es ein Internetcafé, dass sich „Cyber Narcisa de Jesús” nennt, nach Narcisa de Jesús, einer Heiligen aus Nobol, eine kleine Stadt zwischen Pedro Carbo und Guayaquil. Deswegen wird hier fast alles nach ihr benannt, auch eine Buslinie mit den ältesten und hässlichsten Bussen, die aber deswegen vielleicht ungefährlicher ist, weil die Busse nicht schneller als 70 km/h fahren können. Und in Banos gab es einen Supermarkt, der „Santa Maria“ heißt und weil es ein großer „Santa Maria“ ist, heißt er „Mega Santa Maria“. Die Religiosität der Leute hier nimmt schon oft komische Ausmaße an, wobei für mich vieles nicht wirklich tiefsinnig und oberflächlich erscheint. Aber alles von vorne: Letztes Wochenende waren wir zu viert in Banos, einem Touristenort in den Anden. Freitagabend sind wir mit dem Bus von Guayaquil 7 Stunden durch die Anden, teilweise über Schotterstraßen, gefahren und kamen um 5 Uhr früh dort an. Am Samstag machten wir eine Tour mit einem Bus zu den Wasserfällen und zu einer Seilbahn, alles sehr beeindruckend, aber für diesen Teil der Reise lasse ich die Fotos erzählen. Am Abend aßen wir in einem italienischen Restaurant mit fast europäischen Preisen, aber was solls, im Urlaub kann man sich das schon leisten. Sonntag wanderten wir auf einen Berg, von dem aus man den Tunguarahua, einen Vulkan mit über 5000 m Höhe sehen hätte sollen. Wir haben ihn auch fast gesehen, die Wolken verdeckten uns leider die Sicht bis zum Gipfel. Deswegen wollten wir uns Montag in der Früh 4 Quads (so kleine geländetaugliche Moped-Gefährte, aber mit 4 Rädern, deswegen Quad) ausborgen und nochmals raufdüsen, um den Vulkan zu sehen, leider aber regnete es und wir fuhren nicht. Schade, aber wenigstens haben wir jetzt einen Grund, nochmal hinzufahren. Aja, das hätte ich fast vergessen, am Samstag haben wir auch die Kirche besichtigt und Sonntag abend waren wir in einem Thermalbad, für das Banos berühmt ist, denn „Banos“ heißt ja eigentlich „Bäder“ und wenn man ein WC sucht, fragt man auch immer nach dem „Bano“, wie in den USA nach dem „Bathroom“. Das Wasser kommt vom Vulkan und ist im Bad 40 °C heiß und direkt danach kann man sich unter das eiskalte Wasser stellen, das vom Wasserfall direkt neben dem Bad abgezweigt wird. Was bei uns Zivis gut angekommen ist, waren die Verkaufsstände, an denen man Zuckerrohr kaufen kann. Da kauft man so kleine Stückchen Holz, die aber total voll sind mit dem puren Zuckerwasser und man beißt dann drauf und saugt den Zucker heraus, sicher nicht gesund, aber total gut. Weil am Sonntag die Volksabstimmung über die neue Consitución, die Verfassung, war, galt am Samstag und Sonntag das „ley seca“, das trockene Gesetz. Was das wohl bedeutet? Montag Nachmittag sind wir zurückgefahren und bei Tageslicht werden einem die wahren Ausmaße der Anden bewusst – einfach herrlich, die Berge scheinen unendlich hoch, die Täler unendlich tief und der Bus unendlich zu schnell auf der Schotterstraße, neben der es ohne Leitplanken sicher 500 m oder mehr in die Tiefe geht. Aber so etwas muss man erlebt haben, Fotos können nie alles vermitteln, zum Glück auch, sonst hätt ich nicht herkommen brauchen.
Meinem Hund geht es schon wieder viel besser, er ist abgemagert, frisst aber wieder alles was ihm in die Quere kommt. Dienstag waren wir beim Tierarzt und er hat ihm 2 Spritzen gegeben. Danach kamen aus seiner Wunde 15-20 richtig große Maden heraus und bald danach sind die schon sehr großen Löcher verheilt. Jetzt hat er zwar noch eine Wunde am einen Ohr, aber das andere ist schon verheilt, es schaut noch relativ arg aus, weil das Fell erst wieder drüberwachsen muss, aber ich bin zuversichtlich, dass er wieder ganz der Alte wird. Vielleicht nicht ganz, weil er glaub ich einiges an Vertrauen zu uns verloren hat, weil wir ihn immer mit dem Desinfektionsspray eingesprüht haben und das hat ihm nicht so gefallen aber sicher geholfen. Seit einigen Tagen schnappt er immer nach Fliegen, das hat er sonst nie gemacht, vielleicht weiß er, dass die Viecher ihm die Maden in den Kopf gelegt haben.
Der Hahn wird nicht mehr lange leben. Er frisst immer alles, was ich den Gänsen gebe, aber das ist nicht der Grund. Ich will ihn essen, suche aber wen, der das alles kann mit umbringen und so, das ist schon lustig, ich kann zwar die Buchhaltung machen, Rechnungen schreiben und Geld verwalten, an so grundlegenden Sachen wie Tiere schlachten scheitere ich hier aber.
Sonst geht es mir allerdings sehr gut. Heute ist mir, weiß nicht warum, plötzlich bewusst geworden, wie selbstverständlich ich so manches hier schon hinnehme, man gewöhnt sich an den Lärm der Straße, an Busfahren, an den Gestank, aber andererseits gibt es Sachen, an die ich mich nie gewöhnen werde, so bleibt bei mir zum Beispiel von dem Mittagessen, dass zu fast drei Viertel aus Reis besteht immer fast der halbe Teller mit Reis über, weil ich einfach nicht so viel Reis essen will und kann. Schmeckt ja auch fad, nur Reis. Deswegen auch hier noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an Opa und Oma und meine Eltern für zwei Packerl voll mit guter Schokolade, Speck und Wurst. Eine halbe Stange Wurst haben wir gemeinsam an einem Abend gegessen, wenn man fade zache Hendln und Reis gewöhnt ist, echt ein Genuss.
Heute zu meinem Geburtstag hat mir der Flo zum Frühstück einen Kaffee gebracht. Zwar keinen frischen, so einen fertig eingepackten, aber trotzdem, einfach toll. In Banos habe ich auch zum ersten Mal nach 2 Monaten wieder guten Kaffee getrunken. Eigentlich habe ich dazwischen gar keinen getrunken, der geht mir wirklich ab. Es gäbe zwar so Nescafé hier zu kaufen, aber Bohnenkaffee ist eine Seltenheit oder sehr teuer, fast teurer als in Österreich, da hats doch was, wenn man bedenkt, dass in Südamerika Kaffee angebaut wird und in Österreich nicht.
Und eigentlich schreibt man Baños so mit ñ, aber den Text bis daher hab ich mit einer deutschen Tastatur geschrieben, deswegen fehlt das ñ.
Hier die Fotos:
http://www.flickr.com/photos/27350295@N04/?saved=1

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

"ley seca“, das trockene Gesetz
Ist das nicht das Gesetz, dass die Leute an dem Tag keinen Alkohol kaufen können, damit sie auch richtig abstimmen über die Verfassung??

--> also Trocken bleiben