Artikel über den Aufenthalt in Ecuador 2008-2009 und die Reise durch Russland, die Mongolei und China 2011
Freitag, 31. Oktober 2008
Weltherrschaft
Die USA? nein
Europa? nein
Wer dann? - Nestle!
Vielleicht uebertrieben, aber hier in Ecuador koennte man nur von Nestle-Produkten leben. Milch, Wasser, Brot, Kaffee, Butter, alles gibt es von Nestle. Wahrscheinlich ist das aber eh in Oesterreich auch so, nur haben wir dort mehr Auswahl. Ich fuerchte aber, dass man in ein paar Jahren nicht mehr nur von Produkten eines Konzerns leben kann, sondern das sogar muss, weil es dann nichts anderes mehr geben wird. Man lernt als Argument fuer freie Marktwirtschaft oft die moegliche Vielfalt der Produkte durch viele Anbieter. Aber was bietet uns hier diese freie Wirtschaft? Bereits jetzt kann man alle Produkte seines taeglichen Bedarfs aus der Hand von zwei oder drei Konzernen beziehen. Ist das Vielfalt? Naja. Ich versuche jetzt, was hier sehr schwer ist, ohne Produkte von Nestle auszukommen. Keine Angst, ich werde jetzt keinen darum bitte, es auch zu machen. Mich besorgt es halt schon, dass ein Konzern dermassen maechtig ist, dass ich denen nicht mein Geld lassen will. Es scheint mir auch pervers, dass in einem Land, das selbst Kaffee produziert und Nachbarland von Kolumbien ist, wo es ja einen der besten Kaffees der ganzen Welt gibt, dass es hier nur Nescafe gibt. Ist das nicht krank? Oder Ecuadors Kakao. Weltweite Spitzenqualitaet. Was gibts im Supermarkt? Kakao von Nestle. Kann man diese Verruecktheiten nicht irgendwie aufhoeren? Bitte.
Heute war ich im Finanzamt. Lange Rennerei, viel Papierkrieg und erst nicht das bekommen, was ich wollte. Jetzt etwas deprimiert, bin aber trotzdem auch irgendwie stolz, dass ich wenigstens annaehernd das erreicht habe, was ich wollte. Da mein letzter Blogeintrag so dermassen den Rahmen gesprengt hat (bei der Deutschmatura hab ich weniger geschrieben) werde ich diesmal schon aufhoeren.
Samstag, 25. Oktober 2008
Freitag, 24. Oktober 2008
Quito
to
Letztes Wochenende waren wir (Hanna, Max [2 Deutsche, die in Daule arbeiten], Flo und ich) in Quito. Quito ist die Hauptstadt von Ecuador und liegt auf 2800 m Seehöhe, ca 7-8 Stunden im Bus von Guayaquil entfernt. Diese 8 Stunden im Bus haben wir aber relativ angenehm, schlafend, verbracht. Aber alles von vorne: Freitag abends ging es los, von Pedro Carbo zuerst nach Guayaquil. Während Flo und ich auf den Bus gewartet haben, bleibt auf einmal ein Auto stehen und der Fahrer fragt uns, ob das die Straße nach Guayaquil ist. Da er seriös aussieht und ein relativ neues Auto fährt, fragen wir ihn, ob er uns mitnimmt und das tut er auch. Im Auto plaudern wir viel mit ihm, es stellt sich heraus, dass er auf Schiffen arbeitet, und unterwegs von Manta (große Hafenstadt, die über die Straße, die durch Pedro Carbo führt, mit Guayaquil verbunden ist, was den regen LKW-Verkehr erklärt) nach Hause nach Guayaquil ist. Momentan arbeitet er auf einem Schiff, das zu den Galapagos-Inseln fährt und er bietet uns an, einmal mit ihm mitzukommen. Super, wenn man bedenkt, dass sonst die Touristenfahrten extrem teuer sind, aber wir werden ja sehen, ob vielleicht einmal etwas daraus wird. Nach einer Stunde fahrt meint er dann, er fährt zwar nicht zum Terminal, weil er wo anders wohnt in Guayaquil, aber er führt uns hin, nur hat er schon Hunger und nimmt uns zuerst zu sich heim zum Essen mit. So kommen wir dann in ein relativ neues und gepflegtes, abgesperrtes und bewachtes Reihenhausviertel gekommen, wo seine Schwiegermutter für uns Suppe und Fisch kocht. Zur Nachspeise noch frischgepressten Orangensaft und dann führt er uns zum Terminal. Er selbst kommt aus Quito und hat auch den dortigen Dialekt geredet, der für Spanisch-Anfänger wie mich sehr leicht zu verstehen ist und mir irgendwie gefällt. Er hat uns sogar am nächsten Tag angerufen, ob wir eh gut angekommen sind. Also so viel Gastfreundschaft und Vertrauen gegenüber wildfremden Leuten haben mich sogar hier in Ecuador erstaunt. In Quito angekommen geht man vom Busterminal weg zur schönen Altstadt über Stufen, auf denen man (oder ich untrainierter Körper zumindest) die 2800 m Höhe gleich mal spürt. Nach einem kleinen Frühstück im Park haben wir eine Unterkunft gesucht, die wir empfohlen bekamen, ein Barbesitzer vermietet Zimmer in seinem Haus, mit Ausblick über die Altstadt von Quito für nur 5 $ pro Nacht. Noch ein Glücksgriff. Gleich darauf machten wir uns auf den Weg zum Teleferiquo, einer Seilbahn, die auf den Pichincha, den "Hausberg" von Quito führt. Der Pichincha ist vor allem wegen der historischen Schlacht am Pichincha am 24. Mai 1822 berühmt, in der, wenn ich mich nicht täusche, die Unabhängigkeitskämpfer die Spanier besiegt haben, und gibt der ganzen Provinz um Quito und der größten Bank von Ecuador den Namen. Die Seilbahn führt bis auf 4100 m hinauf. Wir sind dann noch 2 Stunden gewandert am Berg, bis auf 4200 oder 4300 m hinauf, und dort geht man dann schon langsamer. Richtige Probleme bekommt man als halbwegs gesunder Mensch in dieser Höhe aber noch nicht, wenn man sich nicht überanstrengt. Am Abend waren wir noch Pizza essen und am nächsten Tag wollten wir ein Monument der indigenen Bevölkerung in Catequilla (ich weiß jetzt nicht, ob man das so schreibt) besichtigen, das exakt am Äquator sein soll. Die "Mitad del Mundo" (Mitte der Welt) ist ein Museum am Nordrand von Quito, an dessen Stelle vor ca 100 Jahren der Äquator ermessen wurde, was aber nicht stimmt, da sich das ganze Denkmal ca 200 m südlich davon befindet. Tja, die Indigenas habens halt schon einige hundert Jahre davor genauer gekonnt als die Franzosen vor 100 Jahren. Wir wollten also auf den echten Äquator auf dem Berg in Catequilla und fragten nach einem Taxi. Der Fahrer wollte für "ida y vuelta" (hin und zurück) 20 $, was uns zu viel war. So haben wir halt eine ecuadorianische Familie gefunden, die mit ihrem alten Ford-Van gerade Pause machten und zu Mittag aßen. Flo hat ihnen von dem Denkmal erzählt und ihnen 10 $ geboten, dass sie hinfahren und uns mitnehmen. Sie waren dann auch wirklich dran interessiert und haben uns mitgenommen. Die Bergstraße rauf würde kein Österreicher fahren wollen, aber der Fahrer wollte uns beweisen, dass sein alter Ford es schafft und ist bis rauf gefahren, weiter als die Taxis fahren, dann ist es immer steiler geworden und wir haben ihm schon gesagt, es ist nicht mehr weit, wir steigen aus und gehen die 5 Minuten bis rauf. Aber nein, wir haben seinen Ehrgeiz und den des alten Ford geweckt. Die Hanna fragt dann: "Kann der dann überhaupt noch umdrehen?" und Flo antwortet ihr scherzhaft "Ja, der wird dann direkt am antiken Monument umdrehen." Als wir dann angekommen sind, direkt am Gipfel des Berges stellte sich heraus, dass der Flo recht hatte. Der Gipfel war eine runde Ebene, die von den Indigenas schon aufgeschüttet wurde und wo jetzt jemand ein neues Denkmal drüberbauen will, was aber durch eine Demonstration am selben Tag vorerst gestoppt wurde. Es waren auch noch einige Leute dort, die ein Interview für einen Film gedreht haben, die haben auch ein GPS-Gerät mitgehabt und das haben sie uns geborgt und somit haben wir den exakten Äquator ausgemessen. Und siehe da, laut GPS (das auch eine kleine Abweichung haben kann) geht der Äquator fast durch die Mitte des Kreises, ist das nicht faszinierend, dass die das vor so langer Zeit nur durch den Stand der Sonne auf die paar Meter genau sagen konnten? Naja, der alte Ford auf dem Monument war etwas komisch, eigentlich sind wir ja auch gegen die Zerstörung des Monuments und dann kommen wir im Auto rauf, das fast direkt am Äquator parkt. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß mit der Familie und haben auch Äquator-Fotos gemacht. Den sieht man zwar nicht (a wirklich?) aber es sind Stecken gesetzt, wo laut GPS die Linie verläuft. Vor der Heimfahrt haben wir auch noch die "Mitad del Mundo" besichtigt, wo zwar nicht der echte Äquator ist, aber eine schöne Linie gezogen wurde, die man fotografieren kann. Sehr touristisch und die meisten Glauben, dass sie am Äquator sind, sie bewegen sich aber in Wirklichkeit die ganze Zeit auf der Südhalbkugel. Um 11 Uhr abends hieß es schon wieder Abschied nehmen von der 50 km langen Stadt und wir fuhren im Bus zurück nach Guayaquil und dann nach Pedro Carbo, rechtzeitig um halb 8 waren wir zur Arbeit am Montag wieder da.
Für die vielen Geburtstagswünsche, vor allem die unzähligen auf StudiVZ, ich kann leider, wegen Internetzeitmangel, nicht alle beantworten, hab aber alles gelesen. Am meisten habe ich mich natürlich über die kulinarischen (Schokolade und Wurst) Grüße gefreut. Mir geht es gut, bis auf einige Magenverstimmungen, die aber meistens so schnell gehen wie sie kommen, das gehört dazu. Mit der Buchhaltung im CAAM bin ich auf Aufholjagd, bis Anfang November muss ich "al día", also auf dem aktuellen Stand mit der Bilanz sein, was man eigentlich immer sein sollte, aber hier in letzter Zeit durch fehlende Belege und Unklarheiten nicht möglich war. Im November kommt nämlich eine Gruppe von Leuten von der UNO, die über ein Projekt und die damit verbunden Fördergelder für das CAAM entscheiden und wenn alles gut läuft, bekommen wir eine fette Unterstützung. Für alle, die es noch aus unserer Schulzeit kennen, ich wünsche mir das BMD-Programm zurück, wir arbeiten hier mit einem Programm, das sich "Monica7" nennt, Monica ist blond (zumindest auf dem Foto im Programmordner) und meinem Charme noch nicht vollständig erlegen, aber auch dem Flo, der sie schon seit 8 Monaten kennt, druckt sie hin und wieder Bilanzen aus, bei denen Aktiv und Passiv verschiedene Werte anzeigen, was ja die komplette Katastrophe für jede Buchhaltung bedeutet und kein Programm der Welt je zulassen dürfte, aus. Zum Glück habe ich Unterstützung vom Carlos, der ist Buchhalter für einige Firmen und macht für das CAAM die offiziellen Sachen mit dem Finanzamt. Und Monica ist für ihn wie eine Schwester. Die Kleinsparkasse, die noch im CAAM integriert ist, wollen wir immer weiter ausgliedern aus der Verwaltung des CAAM, was aber, so lange sie keine eigene Steuernummer und die damit verbundenen Rechte und Pflichten hat, nicht vollständig funktioniert und, so prophezeie ich, spätestens beim Jahresabschluss gröbere Probleme verursachen wird. Das genau zu erklären würde jetzt zu weit in die Tiefen von "Debe y Haber" (Soll und Haben) und "Activo, Pasivo y Patrimonio" (Aktiv und Passiv, Patrimonio ist Eigenkapital, das in Ecuador aber als 3. Hälfte der doppelten Buchhaltung gesehen wird, also Pasivo und Patrimonio ergeben gemeinsam unser Passiv) führen. Aber Gott sei Dank habe ich ja schon ein bisschen Ahnung von Buchhaltung und wenn man das System nach der 1. Klasse HAK einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer. Was viel schwerer ist, sind die ganzen Verpflichtungen, die man als registriertes Unternehmen vom SRI (Servicio de Rentas Internas, Finanzamt) bekommt. Rechnungsblöcke darf man nur in autorisierten Druckereien drucken lassen, man zahlt Steuern, man muss bei Einkäufen Retencionen (Zurückhaltungen) machen, das heißt man zahlt gar nicht so viel, wie auf der Rechnung steht, sondern stellt ein wiederum vom Finanzamt autorisiertes Formular aus, in dem man berechnet, wie viel man weniger Zahlt, man hält zum Beispiel je nach Produkt oder Dienstleistung, das man kauft zwischen 1 und 8 % des Nettobetrags und zwischen 30 und 100 % der IVA (Impuesto Valor Agregado oder so, Umsatzsteuer) zurück, die man dann selbst ans Finanzamt zahlen muss. Ausnahmen gibt es natürlich genug. Darum wundert es mich nicht, dass so viele Geschäfte einfach ohne Rechnungen arbeiten, keine Steuern zahlen und schon gar nicht angemeldet sind, oder die, die angemeldet sind, stellen oft keine Rechnungen aus und zahlen keine Steuern, weil es so irrsinnig kompliziert ist. Ist mir schon öfter passiert, dass ich den Preis für irgendetwas erfragt habe, dann eine Rechnung verlangt habe, weil ich die ja brauche und plötzlich kostet es um einiges mehr, weil sie dann die Steuer dazurechnen müssen. Und schon nach der kurzen Zeit, die ich hier bin, hab ich für den Gasverkäufer seine eigene Factura für mich ausstellen müssen, weil er es nicht konnte. Hier hört es nicht auf mit der Komplexität des Rechnungswesens, aber ich höre hier auf, darüber zu schreiben, da man es sowieso nie ganz verstehen kann.
Ich glaube, ich habe es schon einmal geschrieben, aber ich schreibe es noch einmal. Es ist unvorstellbar, wie ich mich schon an Pedro Carbo gewöhnt habe; Rauchwolken neben LKWs, Motorräder, die 20 cm neben mir vorbeifahren, dreckiges Besteck beim Mittagessen – all das erschreckt mich nicht mehr, wenn ich zum Mittagessen gehe, grüßen mich schon einige Leute, die ich oft nicht wirklich kenne, aber weil man sich halt jeden Tag begegnet, grüßt man sich. Irgendwie wächst einem diese staubige Stadt ans Herz. Oder sind es die Leute? Die verstehe ich sowieso noch nicht ganz. Also einerseits reden manche so schirch Spanisch, dass ich das Gefühl habe, die werde ich nie verstehen, aber andererseits auch die Mentalität; manche können in der Hängematte neben der Hauptstraße liegen und den ganzen Vormittag Zeitung lesen, andere haben es so eilig, dass sie während des ganzen Mittagessens den Motor ihres LKWs direkt neben den Tischen des Lokals rennen lassen, weil das angeblich ja so viel besser für den chinesischen Dieselmotor ist, damit sie schneller wieder weiterkommen. Also ich kann nicht sagen, ob das Leben hier langsamer oder schneller ist. Es geht sehr viel weiter in diesem Land: Straßen werden gebaut, die Wirtschaft wächst. Wem es zu Gute kommt? Ich weiß es nicht. Aber die Hoffnung ist da. Die Hoffnung, dass ein Volk, das jahrzehntelang, nein, jahrhundertelang vom puren Kapitalismus ausgebeutet wurde endlich zu seinem verdienten Wohlstand kommt. Und wenn erst mal alle Entwicklungsländer der Welt auf einem höheren Lebensstandard angelangt sind, spätestens dann wird es eng mit den Ressourcen. Dann ist nicht mehr Feinstaub oder eine Finanzkrise unser Problem. Die reichen Länder Europas und Amerikas haben genug Gründe, warum es besser ist, dass die Armen arm bleiben.
Samstag, 11. Oktober 2008
Von Allem
Tonträger wie CDs oder MP3-CDs sind hier sehr leicht zu bekommen, am Schwarzmarkt gibt es eigentlich nur kopierte CDs zu kaufen, um unter einen Dollar pro Stück, DVDs gibt es um einen Dollar. Jetzt fällt mir gerade auf, dass ich in zwei Monaten Ecuador keine einzige legale CD oder DVD gesehen habe. Einerseits natürlich der Raub geistigen Eigentums und der Schaden, der der Musikindustrie zugefügt wird, andererseits aber: Wie sollten sich Leute, die am Tag oft weniger als fünf Dollar verdienen sonst CDs leisten können. Jetzt stellt man sich vielleicht die Frage: „Ja, warum brauchen die CDs, wenns so arm sind, sollns sich was zu essen kaufen darum.“ Aber so leicht kann man das glaube ich nicht bewerten, es gelten hier andere Wertigkeiten, die man als Europäer nicht so schnell versteht und ich bin noch sehr sehr weit davon entfernt, es zu verstehen. Es gibt hier schon sehr viele gefälschte Markenartikel und billige Produkte aus China. Angefangen bei Autos und Lastwägen: Neben alten nordamerikanischen Fahrzeugen sieht man zu 98% nur japanische und chinesische Fahrzeuge, ganz selten sieht man einen VW-Käfer, manchmal einen Golf oder hie und da einen Peugeot. Sogar die reichen fahren zum Großteil halt teurere japanische Autos. Und oft steht auf den Bussen „VW“ oder „Mercedes-Benz“ drauf, ich bin mir aber nicht sicher, ob auch drin ist was drauf steht. Elektronikprodukte, Werkzeuge und vieles mehr, wird alles aus China importiert, weil die Chinesen halt in einer für Ecuadorianer leistbaren Qualität produzieren. Was nicht immer ungefährlich ist, zB hat sich mein Fahrrad einmal genau in der Mitte beim Überqueren der verkehrsreichen Hauptstraße in Pedro Carbo zerlegt. Ich hab lachen müssen, weil es irgendwie lustig war, wie auf einmal die Treter runtergeflogen sind, und hab das Rad bis zum Rand rollen lassen, bin abgestiegen und zurückgegangen um die Teile einzusammeln, da ist aber schon ein Tricifahrer mit seinem Motordreirad stehengeblieben und der wollte sich schon den Treter meines Fahrrades mitnehmen. Zum Glück hab ich ihn noch bekommen, das Fahrrad aber haben wir bis heute nicht wirklich reparieren können, da beim Reparaturversuch der Schraubenzieher (wahrscheinlich ebenfalls aus China und billiger als ein Dollar) abgebrochen ist.
Jetzt bin ich aber vom eigentlichen Thema abgekommen. Warum sind Ecuadorianer angeblich glücklicher? Weil sie weniger haben, das sie belastet? Wer (noch) kein Auto hat, braucht sich nicht darum zu sorgen? Dafür haben sie aber andere Sachen, die sie sicher genug belasten könnten. Vielleicht einfach, weil sie sich über Sachen freuen können, die wir als „kindisch“ bezeichnen würden. Aber vielleicht ist ja gerade das „kindischsein“ das Geheimnis. Einfach, sich über einfache Sachen zu freuen, Musik zum Beispiel. Oder das Tanzen: Wenn ich mir vorstelle, wie in Österreich auf einem Ball die wenigsten Tanzen wollen und die, die tanzen auch nicht so ausschauen, als würden sie es gern tun, und dann sehe, wie es hier zugeht, wenn die Musik läuft. Da bleiben die wenigsten sitzen und wenn man nicht komplett verschwitzt ist und kurz vor dem Zusammenbruch ist, darf man nicht aufhören. Nein, das war jetzt übertrieben, aber es ist einfach eine andere Freude, die hier herrscht. Das heißt jetzt aber nicht, dass mir das Tanzen in Österreich nie gefallen hat, ich möchte schon wieder mal so Foxtrott, Tango, Rumba, Walzer,… das hab ich schon lang nicht mehr getanzt, und geht mir schon ein bisschen ab.
Naja, was tut sich sonst so? Letzten Samstag haben wir meinen Geburtstag gefeiert. Gleichzeitig war die „Eröffnung“ von Manuels und Kattys neuem Haus. Dort haben wir Abendessen bekommen und als Nachspeise Buchteln mit Vanillesauce. Echt super. Danach sind wir noch in die Disco von Pedro Carbo gegangen, haben aber nicht lang tanzen können, weil dann irgendwie eine Schlägerei ausgebrochen ist, die sich dann wieder beruhigt hat und dann hats noch einmal angefangen. Ich bin dann raus aus der Disco, weil ich mir gedacht hab, dort bin ich weiter weg vom Geschehen, eine Frau draußen hat auch die Policia angerufen, dann wurde die Disco vom Besitzer zugesperrt und die Betrunkenen haben auf der Straße weitergeschrien und hätten sich fast weitergeprügelt. So sehr sie auch Betrunken waren, wer mit dem Motorrad oder Auto da war ist so auch wieder heimgefahren, einen haben wir gesehen, der ist auf dem Motorrad gesessen, so betrunken, dass er am Lenker gelehnt ist und nur mit einer Hand Gas gegeben hat, weil er aber die andere Hand zum Anlehnen brauchte, konnte er die Kupplung nicht bedienen und er konnte nicht wegfahren. Hätte er sowieso nicht, so schief, wie der geschaut hat. Wir haben uns dann ins CRESEM zurückgezogen, auf dem Weg zurück ist uns dann die Policia entgegengekommen, hat mich gewundert, dass die überhaupt gekommen sind, haben eh nichts getan. Die Betrunken sind dann noch einige Zeit mit den Motorrädern auf und ab gefahren, in atemberaubender Geschwindigkeit, in dem Zustand wie die fahren und so schnell, da wäre es sicherer, eine Autobahn in Österreich zu Fuß zu überqueren, mich wundert es wirklich, dass denen nichts passiert ist. Echt, sowas riskantes hab ich noch nie wo erlebt.
Vielleicht sollte ich solche Erzählungen aus dem Blog fernhalten, weil es ein schlechtes Licht auf Ecuador wirft. Aber ich denke mir, es ist halt so und Alkoholismus und Machismo sind zwei wesentliche Probleme hier und beides vereint um 3 Uhr Früh auf einem Motorrad endet nach meiner Schätzung mit einer 50%igen Überlebenschance.
Aber auch wieder was positives: Am Sonntag waren wir bei einer Lehrerin (die, die im September geheiratet hat) des CRESEM zum Palatschinkenessen eingeladen. Sie kennt Palatschinken dank Jakob Winkler und sie wohnt jetzt mit ihrem Mann in einem „Haus“, dass aus 2 Ziegel- und 2 Holzwänden besteht und darüber zur Hälfte ein löchriges Wellblech, zu einem Viertel eine Plane hat und zu einem Viertel unter freiem Himmel ist. Trotzdem stehen 2 Fernseher drinnen. Wieder eine Frage der Wertigkeiten. Naja, ich habe dann die Supervision über die Palatschinkenproduktion übernommen, hab den Teig optimal abgestimmt und dann die Palatschinken in der Pfanne gebacken (sagt man da gebacken?) und sie dann zur Endfertigung weitergeleitet. Die Pfanne war so eine billige Pfanne aus China, siehe oben, die immer gekracht hat, wenn man sie zurück auf die Gasflamme gestellt hat.
Jedenfalls waren da so viele Leute da, dass im Haus fast kein Platz mehr war, aber die Gastfreundschaft hier kennt fast keine Grenzen und wenn man die nicht ausnutzt, ist das fast schon unhöflich.
Nächstes Wochenende fahren wir wahrscheinlich nach Quito. Warum? Fortsetzung folgt...
Samstag, 4. Oktober 2008
Mega Santa Maria
Meinem Hund geht es schon wieder viel besser, er ist abgemagert, frisst aber wieder alles was ihm in die Quere kommt. Dienstag waren wir beim Tierarzt und er hat ihm 2 Spritzen gegeben. Danach kamen aus seiner Wunde 15-20 richtig große Maden heraus und bald danach sind die schon sehr großen Löcher verheilt. Jetzt hat er zwar noch eine Wunde am einen Ohr, aber das andere ist schon verheilt, es schaut noch relativ arg aus, weil das Fell erst wieder drüberwachsen muss, aber ich bin zuversichtlich, dass er wieder ganz der Alte wird. Vielleicht nicht ganz, weil er glaub ich einiges an Vertrauen zu uns verloren hat, weil wir ihn immer mit dem Desinfektionsspray eingesprüht haben und das hat ihm nicht so gefallen aber sicher geholfen. Seit einigen Tagen schnappt er immer nach Fliegen, das hat er sonst nie gemacht, vielleicht weiß er, dass die Viecher ihm die Maden in den Kopf gelegt haben.
Der Hahn wird nicht mehr lange leben. Er frisst immer alles, was ich den Gänsen gebe, aber das ist nicht der Grund. Ich will ihn essen, suche aber wen, der das alles kann mit umbringen und so, das ist schon lustig, ich kann zwar die Buchhaltung machen, Rechnungen schreiben und Geld verwalten, an so grundlegenden Sachen wie Tiere schlachten scheitere ich hier aber.
Sonst geht es mir allerdings sehr gut. Heute ist mir, weiß nicht warum, plötzlich bewusst geworden, wie selbstverständlich ich so manches hier schon hinnehme, man gewöhnt sich an den Lärm der Straße, an Busfahren, an den Gestank, aber andererseits gibt es Sachen, an die ich mich nie gewöhnen werde, so bleibt bei mir zum Beispiel von dem Mittagessen, dass zu fast drei Viertel aus Reis besteht immer fast der halbe Teller mit Reis über, weil ich einfach nicht so viel Reis essen will und kann. Schmeckt ja auch fad, nur Reis. Deswegen auch hier noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an Opa und Oma und meine Eltern für zwei Packerl voll mit guter Schokolade, Speck und Wurst. Eine halbe Stange Wurst haben wir gemeinsam an einem Abend gegessen, wenn man fade zache Hendln und Reis gewöhnt ist, echt ein Genuss.
Heute zu meinem Geburtstag hat mir der Flo zum Frühstück einen Kaffee gebracht. Zwar keinen frischen, so einen fertig eingepackten, aber trotzdem, einfach toll. In Banos habe ich auch zum ersten Mal nach 2 Monaten wieder guten Kaffee getrunken. Eigentlich habe ich dazwischen gar keinen getrunken, der geht mir wirklich ab. Es gäbe zwar so Nescafé hier zu kaufen, aber Bohnenkaffee ist eine Seltenheit oder sehr teuer, fast teurer als in Österreich, da hats doch was, wenn man bedenkt, dass in Südamerika Kaffee angebaut wird und in Österreich nicht.
Und eigentlich schreibt man Baños so mit ñ, aber den Text bis daher hab ich mit einer deutschen Tastatur geschrieben, deswegen fehlt das ñ.
Hier die Fotos:
http://www.flickr.com/photos/27350295@N04/?saved=1
Que loco...
Morgen kommt mehr von mir.
Machts es gut!