Samstag, 22. November 2008

¡Dale Barcelona!

Wieder Samstagnachmittag, die Zeit, wo ich mir immer eine Stunde Zeit nehme, um etwas in meinen Blog zu schreiben. An Eindrücken und Erlebnissen, die ich erzählen könnte, mangelt es mir nicht, eher an der Entscheidungskraft, was ich schreiben soll und was nicht und wie ich es schreiben soll. Egal, ich fange einfach an: Letzten Sonntag waren wir, wie angekündigt, auf einem Fußballmatch. Schon am Samstag haben sich Jakob und ich in Guayaquil auf der Bahía (großer Markt mit viel Gewand, wie am Jahrmarkt in Hollabrunn, mit Fußballleiberln und auch tonnenweise illegal kopierte Filme, Audio-CDs und alle erdenklichen Computerprogramme) und haben uns die "Camisetas" (Leiberl auf Deutsch, ähh – Österreichisch) von Barcelona gekauft. Barcelona ist doch in Spanien, oder? Richtig, aber der wichtigste Verein von Guayaquil heißt auch Barcelona (nebenbei gibt es auch eine Stadt in Ecuador, die Barcelona heißt, hat aber mit der Mannschaft nichts zu tun) und hat sogar das selbe Wappen, spielt aber statt in Rot-Blau in Gelb-Schwarz (Farben von "Pilsener"-Bier und "Banco Pichincha", die Hauptsponsoren). Und diese Mannschaft genießt in Guayaquil und Umgebung einen derartigen Kultstatus, den man sich in Europa kaum vorstellen kann. Zurück zum Einkauf: Nach harten und zähen Verhandlungen haben wir schließlich ein Leiberl und ein Kapperl um zusammen 11 Dollar bekommen. (also für jeden von uns zwei jeweils ein Leiberl und ein Kapperl um 11 Dollar pro Person) Durchs Verhandeln haben wir uns sicher jeder 15 Dollar erspart. Und am Sonntag gings dann mit dem Bus nach Guayaquil, wo wir im Haus der Familie von Stefans Freundin ein Mittagessen bekommen haben und danach sind wir mit einigen von ihnen zum Stadion mitgefahren. Weil wir schon eineinhalb Stunden vor Anpfiff dort waren, und Karten (um 25 Dollar) für die bessere Tribüne hatten, war das Hineinkommen kein Problem. Der Großteil der ca 70 000 Zuseher in dem Stadion, das 90 000 Leute fasst, kam erst später. Das Match war eigentlich nicht so toll, eher die Stimmung unter den Fans, das ist schon irgendwie mitreißend. Überhaupt wie dann Barcelona durch einen Elfer das 1:0 gegen Deportivo Quito geschossen hat. Leider hat Quito dann in der zweiten Hälfte (oder wann wars, ich kann mich nicht mehr erinnern…) den Ausgleich gemacht und somit ging es unentschieden aus. Schade, denn hätte Barcelona gewonnen, wären sie kurz vor Ende der Meisterschaft schon praktisch uneinholbar vorangelegen. Auch ohne Sieg durften wir bei der Rückfahrt Teil eines unvergleichlich südländischen und ausgelassenen Verkehrschaos sein. Morgen Sonntag ist das nächste Match und ich glaube fest, dass "wir" Meister werden.

Die Arbeitswoche war davon geprägt, dass wir für ein Monat 4 Praktikanten aus dem größten "Colegio" (höhere Schule) von Pedro Carbo haben. Die sind zwar im dortigen Computerzweig, die Schule hat aber angeblich nur 2 Computer für über 1000 Schüler. Wie gut die Informatik- und Maschinschreibkenntnisse der Praktikanten demnach sind, kann man sich vorstellen.

Freitagabend waren wir wieder einmal bei unserem Stamm-Kiosk "Florcita", nach seiner Besitzerin, die auf den klingenden Namen "Flor Maria Guevara" hört. Deswegen ist sie für uns unser "Che" (Che heißt nicht mehr als Kumpel oder Genosse oder sowas). Als der Nachbarskiosk um 11 Uhr zusperrte und unsere Florcita auch schön langsam begann, zusammenzuräumen, torkelte auf einmal mein Nachbar mit einem anderen zu uns herüber. Naja, dass er betrunken war, brauch ich jetzt nicht mehr erwähnen, trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, mit uns noch 2 Bier zu trinken. Wobei das Biertrinken hier ja ganz anders funktioniert als in Österreich. In Österreich hat jeder seine Flasche oder sein Krügerl. Hier in Ecuador bestellt man eine Flasche und teilt sie dann auf mehrere ziemlich kleine Plastikbecher auf. Manchmal gibt es auch nur einen Plastikbecher, aus dem trinken halt alle mal der Reihe nach. Wir haben dann mit ihm noch ein bisschen geredet, es hat sich herausgestellt, dass der andere Mann sein Bruder ist, der jetzt bei ihm arbeitet. Er ist nämlich "Vulcanizadora", von denen gibt es sehr viele in Ecuador. Und dafür gibt es auf Deutsch keine bessere Bezeichnung als "Rafnschuasta" oder Reifenschuster auf Hochdeutsch. Bei dem stehen immer die richtig großen LKWs und Busse Schlange, weil sie anscheinend aufgrund der schlechten Straßen oder der Schlechten Qualität der Reifen sehr oft Reifenpannen haben. Manchmal wuchtet er auch die Reifen, das macht er dann mit einem riesigen Vorschlaghammer, er haut einfach auf den Reifen, so dass ich davon aufwache, wenn er es in der Früh macht, aber anscheinend, funktioniert das. Naja zurück zu unserem Kiosk. Die Florcita will dann auch schon gehen und lässt den Rollladen runter. Mein "Vecino" (Nachbar) will aber nicht wahrhaben, dass der Abend schon vorbei ist und fragt mich, wo wir jetzt weitertrinken können. Ich sag ihm, dass ich eigentlich nicht will, weil ich schon 2 Bier getrunken habe und keines mehr mag. Aber leicht schräg gegenüber hat noch was offen und wir einigen uns halt, dass wir noch ein einziges Bier gemeinsam dort trinken gehen. Er freut sich und schwingt sich auf sein Motorrad, fährt mit dem Motorrad über die Straße, wir waren zu Fuß fast schneller, aber er hat dafür nicht gehen müssen. Dort war es dann eigentlich ganz lustig. Wir haben auch noch getanzt, am Gehsteig von Pedro Carbo, aber als er dann immer weiter Bier bestellt hat, haben wir die "Notbremse" gezogen und haben uns verabschiedet. Trotzdem, heute in der Früh um 9 (bisschen später als sonst) hat mein Nachbar gearbeitet. Was aber heute gefehlt hat, was er sonst jeden Samstag hat, war die Musik. Wie ich vom Mittagessen heimgekommen bin, hab ich auch erfahren warum: Der Vecino, sein Bruder und seine zwei Kinder, die immer ins CAAM zum Spielen und Hund-und-Katz-Ärgern kommen, haben mich freudig begrüßt und er redet ganz ungeniert vor seinen Kindern mit mir, wies mir geht, ob ich auch einen "Chuchaqui" (weiß nicht, wie mans schreibt, heißt Kater, das Wort kommt angeblich aus den Quichua, das die Inka glaub ich gesprochen haben) hab, weil er hat schon den ganzen Tag Kopf weh. Ach, wie müssen die Kinder doch stolz sein auf ihren Papa.

Na gut, mein Blogeintrag erreicht schon bald wieder die Länge meiner Deutschmatura, jetzt sollte ich aufhören.

Lasst mir den Schnee schön grüßen und wenn euch kalt ist, denkt daran, dass bei 30 Grad schwitzen auch nicht immer angenehm ist.

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