Samstag, 28. Februar 2009

Milagro - un bebé

Gestern, Freitag, ist das Kind von Manuel und Katty geboren, zwar drei Wochen zu früh, aber – so weit ich weiß – geht es ihm, dem Samuel Gschweitl Pluas, gut. Natürlich große Freude jetzt unter den Zivis und allen Freunden, so ein neuer Austro-Ecuadorianer ist schon etwas Schönes.
Weil der Manuel Donnerstag und Freitag nicht da war, fuhr ich am Donnerstag mit den Agricultores (Bauern) nach Milagro, eine Stadt, eine Stunde östlich von Guayaquil auf das Versuchsgelände der „Universidad Agraria del Ecuador“. Einer der Professoren, der dort für die praktischen Übungen der Studenten zuständig ist, war schon öfter in Pedro Carbo und Umgebung und hat Vorträge für die Bauern gehalten und dieser hat uns eingeladen, das Gelände im Rahmen eines „Dia de campo“ zu besuchen. So fuhren wir also in einem gemieteten Pedro-Carbo-Bus, in den es von allen Seiten reinregnete, nach Milagro. Ich hatte das „Glück“, vorne zu sitzen, und das Wasser sammelte sich in der Gepäckablage über den Köpfen der Passagiere, somit schoss es bei jedem Bremsvorgang nach vorne und ein paar dicke Tropfen tröpfelten mir auf die Schulter. Nach den ersten 20 km musste ich dem Busfahrer schon eine Anzahlung von 20 Dollar geben, damit wir tanken können, in Milagro angekommen noch einmal 20 Dollar, weil der Bus kaputt war und er irgendwas reparieren lassen musste. Auf dem Universitätsgelände wurden wir vom Rektor und seinen Mitarbeitern begrüßt, danach teilten wir uns in Gruppen auf und besuchten die einzelnen Stationen auf dem Gelände, jeweils bei den betreffenden Pflanzen erklärten uns die Studenten den Umgang mit Mango-, Guayaba- und Guanabanabäumen, sowie mit Zitrusfrüchten, wie Limonen oder Orangen, und den Weintraubenanbau. Die Studenten haben das echt nicht schlecht gemacht, leider war die Zeit knapp und ich hätte gerne gehabt, dass die Bauern noch viel mehr gefragt hätten, weil aus dem bisschen, was sie gefragt haben und von ihren Problemen mit den einzelnen Pflanzen erzählt haben, habe ich schon herausgehört, dass sie noch viele ungelöste Anliegen mehr haben. Auf diesen Versuchsanbaufeldern wird nur mit biologischen Mitteln gearbeitet. So haben es uns die Studenten erzählt, einer hat dann aber doch zugegeben, dass sie, wenn sie mit Bio nicht mehr weiterwissen, auch chemische Mittel anwenden, aber nur „sello verde“ hat er gemeint (sello verde heißt grünes Siegel oder Zeichen, das ist die Klassifizierung für Pestizide, die von grün - relativ ungefährlich - über blau und gelb bis rot - hochgiftig und gefährlich – geht). Danach wurde uns der vivero (eine Art Gärtnerei, wo die Pflanzen vom Samen bis zu einer gewissen Größe gezüchtet werden, bevor sie ausgesetzt werden) ein bisschen vorgeführt und danach gab es ein kleines Mittagessen, Arroz con Pollo (Reis mit Huhn), eigentlich ein sehr gutes Essen, auch wenn es relativ einfach ist, einfach Reis mit Stücken von Hendl vermischt und ein bisschen Gemüse und Rosinen dabei. Sie hatten eh alle Mitleid mit mir, weil es so wenig war, aber es war wirklich so wenig, dass auch sonst niemand etwas übergelassen hat. Pech für mich. Bei der Heimfahrt habe ich mir dafür zwei Brote gekauft, die haben das wieder ausgeglichen.
Gestern, Freitag, war noch die Reunión (Manuel sagt immer, auf „Deutsch“ heißt es „Meeting“) der Artesanas (die Frauen, die Artesanía, also Kunsthandwerk herstellen). Zuerst habe ich nicht gewusst, wie ich das ohne Manuel machen soll, dann habe ich gemerkt, dass, wenn er nicht da ist, plötzlich auch die Frauen selbst Initiative ergreifen und wenn man sie ein bisschen unterstützt dabei, machen sie die reunión fast alleine. Natürlich war ich trotzdem dabei und es wurde diesmal die neue Regel angewandt, die bei der letzten reunión von den Artesanas selbst beschlossen wurde, nämlich, dass, wenn eine der 14 Artesanas zu spät kommt, bekommt sie nur die Hälfte der Arbeit, wenn sie später als eine halbe Stunde nach Beginn kommt, gar keine Arbeit. In den monatlichen reuniones wird nämlich immer die Arbeit an die Artesanas verteilt, seit kurzer Zeit, gibt es zwei von ihnen, die das übernehmen und sie machen sich selbst aus, wer welche Produkte herstellen wird. Dieses neue System, dass diejenigen, die zu spät weniger oder keine Aufträge bekommen, klingt hart, aber ist – so glaube ich – fair. Weil es gibt echt einige, die schon um vier Uhr Früh aufstehen, für ihre Familie vorkochen und dann eine Stunde unterwegs nach Pedro Carbo sind, und es auch schaffen, pünktlich hier zu sein. Einige kommen gar nicht und wollen aber trotzdem, dass wir sie bezahlen, das wäre dann unfair denen gegenüber, die immer kommen und teilnehmen. Somit hängt jetzt an der Tür des CAAMs ein Zettel, auf dem steht, dass wir von den sechs Artesanas, die pünktlich waren jeweils fünf Exemplare von drei verschiedenen Produkten entgegennehmen. Die anderen, die zu spät kamen, sind zwar nicht glücklich darüber und haben gemeint, sie können nicht früher, weil sie kochen mussten und mit ihren Kindern, aber das müssen auch die, die pünktlich da waren. Bei der nächsten Reunion in vier Wochen werden die Aufträge, die bis dahin nicht eingegangen sind, neu verteilt, wieder an die Artesanas die rechtzeitig kommen. Leider gibt es auch innerhalb der Gruppe der Artesanas Konkurrenz und wenig Zusammenhalt, da muss man immer auch ein bisschen aufpassen, dass sie sich nicht zu sehr gegeneinander ausspielen.
Ja, dann war diese kurze Woche auch schon wieder vorbei. Jetzt heißt es für mich erst mal: Zwei Wochen Urlaub!
Vielleicht melde ich mich in dieser Zeit einmal kurz im Blog, wenn nicht, hört ihr an dieser Stelle in zwei Wochen wieder von mir.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Otavalo

Mit einem Tag Verspätung fuhren wir (Simon, Flo2 und ich) am Samstag Abend von Pedro Carbo nach Guayaquil, von dort nach Quito und von Quito am Sonntag Morgens weiter nach Otavalo, nördlich von Quito. Otavalo ist bekannt für seine Indigenas, die mit ihren Webwaren schon eine eigene Touristenattraktion darstellen. Die Otavaleños sind sehr geschäftstüchtig, ihnen gehören Hotels, sie handeln längst nicht nur mehr Souvenirs für Touristen sondern auch Autos, Elektrowaren und alles mögliche. Das hat sie zu einem der reichsten „Stämme“ Südamerikas gemacht. Ihre Webwaren lassen sie oft schon von anderen Indigenas herstellen und verkaufen sie in die ganze Welt.
Also wir waren eben in Otavalo, die Busfahrt war schon anstrengend, weil wegen der Regenfälle die normale Route Guayaquil – Quito nicht befahrbar ist und der Bus eine Umleitung fahren musste, dauerte sie statt den normalen sieben oder acht Stunden zehn Stunden. Aber Otavalo ist eine gemütliche Stadt (wenn nicht Karneval gewesen wäre). Wir machten auch einen Ausflug zu einem Wasserfall, auf dem Weg hin und zurück wurden wir aber ziemlich nass, weil zu Karneval sich alle Leute gegenseitig mit Wasser beschütten oder sich mit Schaum aus speziellen Spraydosen besprühen. Auch wenn die Sonne in 2500 Höhenmetern unvorstellbar stark herunterbrennt, wird es doch nicht all zu warm und im nassen Gewand friert man leicht. In der Stadt muss man auch immer aufpassen, weil von allen Balkonen Wasserbomben fliegen oder einem das kalte Wasser gleich aus Kübeln über den Kopf geleert wird. Am Dienstag besuchten wir noch den „Parque Condor“, eine Auffangstation für verletzte oder nicht artgerecht gehaltene Condore, Falken, Eulen und Adler. In einer kurzen Vorführung konnte man die riesigen Vögel auch fliegen sehen, sehr eindrucksvoll. Der Condor ist ja der größte flugfähige Vogel der Welt und eine Art Nationalsymbol für Ecuador, aber sehr stark vom Aussterben bedroht.
Die Rückreise war etwas angenehmer, ich weiß nicht warum, aber der Bus war zwei Stunden schneller als beim Hinfahren, obwohl er natürlich auch die Umleitung fahren musste.
Und heute beim Mittagessen in Pedro Carbo denke ich mir, dass die Leute am Tisch neben mir komisch aussehen, dann höre ich, dass sie Deutsch reden. Nicht mal in Pedro Carbo ist man sicher. Wie der Flo auf der Reise so weise gesprochen hat: „Zwei Sachen gibts überall auf der Welt: Luft und Deutsche.“
In dem Hostal, wo wir in Otavalo wohnten, begegnete uns eine Amerikanerin, die der Tochter der Hausherrin Englischunterricht gab. Sie wollte, dass wir mit ihr übungshalber Englisch reden, weil die Hausherrin anscheinend gesagt hat, dass sie Australier als Gäste hat. Als wir dann Englisch reden versuchten, hat die Amerikanerin gemeint: „You have a funny accent“, also wir haben einen lustigen Akzent. Naja, was soll man sich erwarten, wenn ein Weinviertler und ein Tiroler Englisch reden?
So, das war ein (kurzer) Bericht der Reise.

Liebe Grüße

Samstag, 21. Februar 2009

Estoy enfermo...

Ich bin noch nicht wie angekündigt in der Sierra, sondern noch in Pedro Carbo, weil ich gestern überraschend 38 Grad Fieber und danach gleich eine Spritze und viele Medikamente in der Clinica bekommen hab. So überraschend war es eigentlich nicht, es sind viele krank momentan, auch hier gehen Grippeviren oder sonstige Krankheiten um. Ich hoffe halt, dass ich heute (Samstag) Abend aufbrechen kann, Zeit bleibt noch genug bis Dienstag, erst am Mittwoch wird wieder gearbeitet, dann drei Tage Arbeit und danach begebe ich mich in einen zweiwöchigen Urlaub mit Michi und Christian. Darauf freu ich mich schon ganz besonders.
Jetzt muss ich noch schnell meine Jacke zur Wäsche bringen, als wir vor zwei Wochen von Quito heimkamen bin ich mit der Jacke durch den Regen gegangen, ich hab sie extra auf einem Kleiderhaken aufgehängt, damit sie gut trocknet, das war ihr aber egal, heute hab ich bemerkt, dass sie es vorzieht, zu schimmeln.
Von Freitag auf Samstag hat es in zwölf Stunden über 74 mm geregnet, wie viel genau, weiß ich nicht, weil der Regenmesser „bumvoll“ war. Der Fluss ist angeblich um zwei bis drei Meter gestiegen. In unserem Ají-Lager, das blöderweise bei beiden Ausgängen unter dem Nivea von draußen liegt kommt jetzt bei starken Regenfällen immer aus dem Boden Wasser, heute steht das Wasser drei oder vier Zentimeter hoch, ich habe kurz probiert, es auszuschaufeln, aber das gibt man bald auf, weil es so aussichtslos ist, überhaupt in Erwartung des nächsten Regens.
War ein kurzer Eintrag, Mittwoch oder Donnerstag wird voraussichtlich ein Bericht über die bevorstehende Reise folgen.

Sonntag, 15. Februar 2009

Hinrichtung verschoben - Babydusche

Eigentlich wieder eine ganz normale Woche. Oder genauso „unnormal“ wie jede Woche Pedro Carbo. Am Dienstag kamen Ernst und Doris an, ein Pensionistenehepaar aus Österreich, die jetzt bis Juni dableiben werden und mithelfen, wo sie halt gebraucht werden.
Gestern, Samstag, wollten wir den Hahn schlachten und ihn im neu erbauten Lehmofen in Estacada grillen. Den Lehmofen hätten wir aber vorher noch ordentlich ausbrennen müssen, damit er trocknet, was dann wegen des Regens nicht möglich war. Somit hat es auch der Hahn noch einmal überlebt. Als wir in Estacada ankamen, Placido der Tischler hat uns mit seinem Auto hingebracht, haben wir mal alle Sachen vom Auto abgeladen, wir haben auch einige Pflanzen mitgehabt, die wir dort im botanischen Garten pflanzen werden. Auf jeden Fall habe ich schon am Vormittag am Markt Salat und Gemüse eingekauft als Beilage für den Hahn. Als ich dann den Hahn aus dem Auto nehme, kommt plötzlich der Hund, der dort in Estacada wohnt und ziemlich verspielt ist her und springt in Richtung Hahn. Einen Hahn so hoch zu halten, dass ihn ein Hund springend nicht erreich ist ganz schön schwer. Einmal kurz nicht aufgepasst, schreit Manuel „Klaus, pass auf!“ und ich reiß den Hahn in die Höhe, gerade noch rechtzeitig, der Hund landet neben mir, den Mund voller Federn. Ein harter Verteilungskampf ums Essen. Naja, jedenfalls sind wir dann „waschelnass“ geworden und sind mit lebendem Hahn und Gemüse wieder nach Pedro Carbo zurückgefahren. Im CAAM habe ich mir dann gemeinsam mit Flo2 einen Salat aus gemacht, mit Mozzarella und Kürbiskernöl, das der Manuel noch gehabt hat. Wir hatten ja Hunger, weil wir in Erwartung des Hahnes kein Mittagessen zu uns genommen hatten.
Am Abend waren wir wieder kurz bei der Florcita auf ein Bier, da war auch die Frau ihres Enkels dort und sie hat gesagt, dass ihr Mann mit seinen Freunden fortgegangen ist und sie hat mit ihrer Schwiegergroßmutter ein Packerl Wein getrunken. Sie ist ja noch sehr jung, also so 23 oder 24, und ich habe sie gefragt, ob sie nicht mit uns mitkommen will, weil wir vielleicht noch in die Disco gehen. Dann haben mich die zwei Frauen gleich ganz verwundert angeschaut und gemeint, das geht auf keinen Fall, sie kann nicht ohne ihren Mann fortgehen, er kann das, er darf mit jedem fortgehen, aber sie, auf keinen Fall, da reden die Leute dann, wenn sie sie sehen. Naja, an so etwas habe ich halt nicht gedacht und ich hätte halt geglaubt, dass das bei jungen Leuten vielleicht nicht mehr so streng ist, aber anscheinend doch. Wir sind dann weiter zum Haus von der Ivana, der Freundin vom David, der gerade in Kolumbien ist. Dort waren wieder einige Leute versammelt und ihr Vater, der einer der wenigen in Pedro Carbo ist, die Klassik hören, dreht für uns Österreicher immer gern Mozart oder Beethoven auf (Wir erzählen ja immer gern, dass Beethoven Österreicher, dafür Hitler Deutscher war …). Gestern hat er aber eine CD vom Andre Rieu oder wieder heißt aufgedreht, ich mag ja diesen Viertelprofi mit dem Schmalzblick überhaupt nicht, aber hat mich trotzdem gefreut, dass ich irgendeinen ungarischen Tanz oder so von Brahms gehört hab. Er hat uns dann auch noch Bier und Wein serviert, weil irgendwer von seiner Familie im Nachbarhaus Geburtstag gefeiert hat. Und auch wieder: chilenischer Wein aus dem Packerl, ist zwar nichts im Vergleich zu einem DAC vom Mitterhauser Pepi, aber trotzdem ein Genuss, wenn man nichts Besseres hat.
Schön langsam glaube ich, dass es in Pedro Carbo einige Todesfälle geben würde, wenn man allen alle Salsa-, Cumbia-, Vallenato- oder Merengue-CDs wegnehmen würde. Irgendwie brauchen die das alle, der Salsa-Rhythmus ist so etwas wie ein Herzschrittmacher, der die Seelen am Leben erhält und mir gefällt er auch immer besser, jetzt hör ich selbst schon Salsa wenn ich Blog schreibe.
Heute am Rückweg vom Mittagessen sehe ich auf der Straße so teure Autos langsam fahren, eines spielt laute Musik, davor geht einer und trommelt, mir kommen Frauen in gelben T-Shirts entgegen und eine gibt mir ein Poster von irgendeinem Politiker in die Hand – Wahlwerbung für die Präsidentenwahl im April (der amtierende Präsident hat im September per Volksabstimmung eine neue Verfassung für Ecuador durchgebracht, jetzt muss er aber nach den neuen Gesetzen noch einmal gewählt werden, weil er ja noch nach der alten Verfassung gewählt wurde). Ich schaue mir das Poster kurz an, der Politiker darauf sieht nach einer Mischung aus Gangsterrapper und Mafia-Boss aus, als ich von dem Bild aufschaue, steht selbiger vor mir, ein Klischeebild von einem südamerikanischen Politiker: Hut, Sonnenbrille, fettes Grinsen, Goldketten umgehängt grinst mich an, sagt irgendwas und drückt mir die Hand, geht weiter und gibt der ganzen Hauptstraße seine mit goldenen Ringen besetzte Hand. Ein Stück weiter auf der Hauptstraße sehe ich wieder Autos, von einem Lastwagen winken mir Leute zu und zeigen mir zehn Finger, klar, sie machen Werbung für die Liste Zehn. Ich schaue kurz auf mein Poster vom Mafiaboss und sehe, dass er aber von der Liste Sieben ist. Ich mache mir den Spaß und halte mein Liste-Sieben-Poster im A2 Format in Richtung Lastwagen der Liste Zehn. Das war vielleicht lustig „Eso no“ haben sie geschrien „Vota diez“ (also „Das nicht, wähle zehn“).
Heute ist noch „Baby-Shower“, ein „zutiefst ecuadorianischer Brauch“, wie es Manuel so treffend beschrieben hat. Das ist also, weil die Katty, seine Freundin, ihr erstes Kind bekommen wird im März organisieren ihre Schwestern und Kolleginnen so eine kleine Feier, wo alle ein bisschen was an Geld springen lassen, um der künftigen Mutter und ihrem Kind etwas zu kaufen, eine Wiege oder irgendwas. Warum es „Baby-Shower“ heißt und woher der Brauch kommt, weiß anscheinend niemand. Bin schon gespannt, was uns dort erwartet.

Auf den Fotos bin ich mit der Katze und ich beim Zubereiten des Salates (Maria – hat nicht so gut wie deiner geschmeckt, aber ich habe es probiert, mit Mozzarella, Paradeiser und Kürbiskernöl) zu sehen. In der Küche habe ich in Ermangelung einer Kochhaube einfach ein weisses Plastiksackerl aufgesetzt.

Das nächste Wochenende ist ja angeblich Fasching, ganz wichtig in Ecuador, Faschingmontag und –dienstag sind auch Feiertage, deswegen werden wir die Möglichkeit nutzen und irgendwohin fahren. Ich möchte ja eher nicht an den Strand, weil halb Ecuador in dieser Zeit nicht zu hause sondern am Strand sauft.

 



__________ Información de ESET NOD32 Antivirus, versión de la base de firmas de virus 3852 (20090213) __________

ESET NOD32 Antivirus ha comprobado este mensaje.

http://www.eset.com

Dienstag, 10. Februar 2009

Quito, die Zweite - mit viel Glück

Ja, was ist in der vergangenen Woche oder besser gesagt seit dem letzten Blogeintrag alles passiert? – Viel. Aber alles der Reihe nach: Am Wochenende waren wir ja auf zwei Feiern und bei der zweiten gab es so viel zu essen, dass selbst bei mir die Hälfte überblieb. Ich habe mir aber die Reste eingepackt und mitgenommen, für das nächste Mittagessen oder wenn nicht, dann zur weiteren Verwendung als Tierfutter. Am Heimweg habe ich dann aber das ganze Essen der Florcita (die Besitzerin vom Stammkiosko) geschenkt, eigentlich hab ich sie nur zum Spaß gefragt, ob sie das Essen will, sie hat es aber gleich genommen und sich gefreut. Am Montag, als ich am Abend noch auf einem Erholungsbier bei ihr war hat sie mir dann um halb elf in der Nacht noch einen Riesenteller Essen gegeben, sozusagen als Revanche, aber das Essen war so gut, wirklich, so ein Stück Fleisch mit echt gutem Salat und auch ein guter Reis, weil da so Maiskörner drinnen waren. Ich wollte es eh nicht annehmen, bis sie schon fast beleidigt war, ich hab aber keinen Hunger mehr gehabt, habe es aber dann trotzdem gegessen, weil es einfach zu gut war. Dafür konnte ich danach nicht gut schlafen und hatte lauter absurde Träume.
Am Freitag zu Mittag kam dann die spontane Entscheidung: Wir fahren übers Wochenende nach Quito. Wir, das waren Flo1, Flo2 und ich, in Guayaquil ist dann noch der Andi, ein ecuadorianischer Freund von uns, dazugekommen. Schon auf dem Weg nach Guayaquil hatten wir irrsinniges Glück, dazu muss man sagen, dass es auf der Strecke zwischen Portoviejo oder Manta und Guayaquil eine Buslinie gibt, die fast alle zehn Minuten einen Bus auf die Strecke schickt. Diese Linie heißt COACTUR und ihre Busse bzw deren Fahrer sind für die gefährliche rasante Fahrweise und ihre nicht selten tödlich endenden Unfälle berühmt. Wenn man am Abend aber fahren will, fährt fast nur mehr diese Linie, so nahmen auch wir einen Bus der besagten Linie, weil wir aber auf den Flo2 am vereinbarten Treffpunkt ein bisschen warten mussten, kamen wir erst ein bisschen später weg, als wir wollten. Ungefähr auf halber Strecke nach Guayaquil ist die Stadt Nobol, die schnelleren Busse fahren dort aber nicht direkt hinein, sondern über die Umfahrung die Richtung Guayaquil in einem zweispurigen Kreisverkehr endet. Bei diesem Kreisverkehr angekommen hielt der Bus an und draußen sahen wir ein paar blinkende Einsatzfahrzeuge und einen COACTUR-Bus, der auf einer Seite total gatschig war. Es steigen Leute ein, die total verwirrt und dreckig ausschauen und die erzählen, dass ihr COACTUR-Bus auf der Fahrt nach Guayaquil sich ein Rennen mit einem anderen Bus geliefert hatte und der Busfahrer im starken Regen bei voller Fahrt im Kreisverkehr einfach die Kontrolle verloren hatte und sie mit dem ganzen Bus in ein Reisfeld gekracht sind. Totales Glück, dass es nur ein Reisfeld war, diesmal ist auch keiner gestorben, auch wenn die Frau, die sich neben mich gesetzt hat, so Blutspritzer am Gewand hatte. Vor mir saß schon seit Pedro Carbo ein Mann, der sich danach über die Fahrweise und Verantwortungslosigkeit der Busfahrer so äußerte, dass es der Busfahrer vielleicht auch gehört hätte, wenn er nicht 50 Meter nach der Unfallstelle wieder Vollgas gegeben hätte. Dieser Mann hat auch erzählt, dass angeblich vor ein oder zwei Wochen erst in der Nähe von Pedro Carbo ein Unfall passiert sei, bei dem ein COACTUR-Busfahrer, sein Oficial (das ist so ein Art Schaffner, der immer das Geld einkassiert und Musik auflegt) und ein Passagier gestorben sind, weil sie bei einem Überholmanöver frontal in einen LKW gefahren sind.
Die Vorstellung, dass wir auch in dem Unfallsbus hätten sein können, wenn wir ein bisschen früher von Pedro Carbo aufgebrochen wären geisterte mir noch länger im Kopf herum. Die Fahrt nach Quito verlief dann zum Glück sehr ruhig, von den acht Stunden habe ich die meiste Zeit geschlafen, nur ein paar mal kurz zum Fenster hinausgeschaut und einmal gesehen, dass der Bus, der vor unserem gefahren ist, am Straßenrand mit einer Panne stand. Das war das zweite aber nicht das letzte Mal Glück gehabt an diesem Wochenende.
Am Samstag in Quito besuchten wir Stefan, einen ehemaligen Pedro Carbo Zivi, der jetzt in Quito studiert, danach besichtigten wir die neugotische (1985 eingeweihte) Kathedrale von Quito, in der man um einen Dollar (für Touristen zwei, wir haben nur einen bezahlen müssen), ganz hinauf gehen kann. Ganz hinauf heißt auch ganz hinauf. Also teilweise muss man dann wirklich so Hühnerleitern rauf über die Fassade laufen, schaut sehr gefährlich aus, ist es wahrscheinlich auch, aber man hat einen schönen Ausblick und es ist den einen Dollar auf jeden Fall wert gewesen. Ich gebe ehrlich dazu, dass die letzten Stücke auf die Türme hinauf ausgelassen habe.
Am Abend trafen wir uns dann mit Lukas, auch ein ehemaliger Pedro Carbo Zivi, der bis Ende 2008 14 Monate in Bogota in einem Theater gearbeitet hatte und die Zeit bis zu seinem Heimflug, der bald sein wird, noch in Quito verbringt. Mit ihm waren wir dann noch in der „Neustadt“ von Quito in einigen Lokalen, war ganz gemütlich, es gibt viele Discos dort, aber auch gemütlichere Lokale, wo man Canelazo (so ein heißes Getränk, ziemlich gut) trinken und auch reden kann. Weil Flo2 und ich schon müde waren, sind wir schon um halb eins zum Hostal aufgebrochen, die anderen, Flo1, Lukas und Andi blieben noch, weil sie sich aber irgendwie dann an den Straßenrand setzten sind sie ausgeraubt worden. Das war jetzt das dritte Mal, wo ich Glück gehabt habe, dieses Wochenende. Man muss aber sagen, dass die „Räuber“, was ich so erzählt bekommen habe, sehr „freundlich“ waren; sie haben zwar die Handys gestohlen, aber freundlicherweise die SIM-Karten den Erstbesitzern überlassen. Immerhin etwas.
Der Sonntag verlief relativ ruhig. Ein bisschen spazierten wir durch die Altstadt und weil alle Museen am Sonntag geschlossen haben, haben wir dann eine Ausstellung in der Nationalbank über „Münzen und Banknoten von Ecuador und Costa Rica“ angeschaut. War gratis und nebenbei eigentlich auch ganz interessant.
Die Heimfahrt war nicht so angenehm wie die Hinfahrt, weil wir in der ersten Reihe saßen und unsere Füße nicht so gut ausstrecken konnten wie weiter hinten und weil es einen Film spielte, der „Death Race“ oder so geheißen hatte, da ist mir gleich wieder die COACTUR eingefallen.
Trotzdem habe ich den montäglichen Arbeitstag relativ gut überstanden.
Ja, und viel mehr gibt es kaum noch zu erzählen.
Vielleicht noch, dass ich auf der Reise zwei Mal unabhängig voneinander für einen Chilenen gehalten worden bin. Müssen wohl hübsch sein, diese Chilenen.