Sonntag, 19. April 2009

Bald ist‘s geschafft…

… und wir haben Ruhe vom Wahlkampf. Nächsten Sonntag wird gewählt in Ecuador. Und zwar alles vom Gemeinderat bis zum Präsidenten. Der amtierende Präsident, Rafael Correa, hat die von ihm initiierte neue Verfassung mit einer Volksabstimmung am 28. September 2008 durchgebracht. Da er noch nach der alten Verfassung gewählt wurde, muss also jetzt ein Präsident nach der neuen Verfassung gewählt werden. Mit 2009 endet aber auch die bis jetzt vier- und in Zukunft fünfjährige Amtszeit der Alcaldes (wie Bürgermeister, gibt es jeweils einen pro Kanton), Concejales (Gemeinderäte) und ich glaube auch der Präfekten (so wie Landeshauptmänner für die einzelnen Provinzen) und der Asambleistas (Abgeordnete). Somit wird also am Sonntag dem 26. April eine Riesenwahl sein. Auf den Riesenwahlzetteln kann man auch für verschiedene Parteien wählen, da alles sehr personenbezogen ist und man vom Präsidenten bis zum Gemeinderat seine Wahl sicher über vier oder mehr Parteien verteilen kann. In Pedro Carbo wird schon seit Wochen Werbung gemacht, das heißt, alle Parteien schicken ihre Lautsprecherwagen durch die Straßen und veranstalten Umzüge und sonstige Kundgebungen. Der amtierende Alcalde von Pedro Carbo, Xavier Gomez von der Liste 24, hat angeblich jeden bezahlt, der an seinem Umzug teilgenommen hatte. Seit einigen Wochen stehen jetzt immer Baumaschinen vor dem Municipio (Gemeindeamt, Bezirkshauptmannschaft für das Kanton Pedro Carbo), damit will der Alcalde allen mitteilen, wie viel er für den lange fälligen Straßenbau getan hat. Nach den Aussagen seiner Gegner allerdings gehören die Maschinen der Regierung, also wurden in keinster Weise vom Alcalde beschafft. Auch sonst lassen sie kein gutes Haar am noch amtierenden Alcalde, dass er korrupt ist, glaubt sowieso jeder. Sein stärkster Gegenkandidat, Ignacio Figueroa von der Liste 32, verspricht, mit der Korruption aufzuräumen, die Bauern zu unterstützen, Straßen zu bauen, die Wasserversorgung zu verbessern und vieles mehr. Er hat auch viel Zulauf und bei seinen Umzügen muss und kann er wahrscheinlich auch gar keine Teilnehmer bezahlen. Ein bisschen sympathischer als der Xavier Gomez wirkt er schon auch, aber ich weiß nicht, was ich von dem Enthusiasmus der Leute für ihn halten soll. Ich meine, es gab doch schon so viele Kandidaten für politische Ämter, die deshalb gewählt wurden, weil sie ähnliches versprachen. Wo enden viele von ihnen? In Korruption und Misswirtschaft. Gut, ich will keinen im Vorhinein abstempeln und wie er sich als Alcalde macht, falls er gewählt wird, wird er schon noch beweisen. Interessant ist auch, dass Lucio Gutierrez von der Liste 3 wieder als Präsident kandidiert. Er war doch der, der vor drei oder vier Jahren mit dem Hubschrauber von Quito ins Exil geflüchtet ist. Und auch er findet wieder Anhänger, vielleicht auch unter denen, die ihn damals vertrieben haben. Schon komisch. Er lässt auch kleine Kalender austeilen, wo dann drauf steht „Con Lucio todo era más barato.“ (Mit Lucio war alles billiger). Stimmt, vor fünf Jahren war auf der ganzen Welt noch alles billiger. Dass man sich mit so etwas rühmt, das ist schon nicht ganz nachvollziehbar. Aber die Leute steigen drauf ein, ich hab mit einigen geredet und die sagen nur „Ja, das stimmt ja, damals war alles billiger und das ist schon auch die Schuld des Präsidenten, dass letztes Jahr der Reis und alle Lebensmittel teurer wurden“. Ich fürchte ja auch, dass viele ihre Stimme danach vergeben, von wem sie die meisten Geschenke bekommen. Nach dieser Theorie wäre Noboa von der Liste 7 ein heißer Kandidat. Einer der reichsten Ecuadorianer, dem viele Firmen gehören, lässt per Lautsprecher verkünden, dass man sich im Park von Pedro Carbo beim Stand seiner Partei gratis ein Packerl Haferflocken, produziert von einer seiner Firmen, abholen kann. Naja, die „Demokratie“ produziert hier schon komische Auswüchse.
Heute, Samstag, waren wir beim Manuel Mittagessen, wir kochten Suppe und so eine Erdäpfel-Fisolen-Speck-Pfanne, war ziemlich gut. Weil der Manuel am anderen Ende von Pedro Carbo wohnt und wir beim Hinweg die ganze Strecke zu Fuß zurücklegten kamen wir auch bei der Zentrale der Liste 24 vorbei und man schenkte uns so eine Schirmkappe (ich glaub, das heißt so, wie ein Kapperl, aber das bindet man sich nur so um den Kopf und man hat dann nur den Schirm vorne). Auf dem Rückweg hängte ich dieses Kapperl mit der simplen Aufschrift „Xavier 24“ (Xavier Gomez, Lista 24) einfach meinem Hund um. Dem passt das auch sehr gut und er läuft noch immer damit herum. Auf der Hauptstraße ernteten wir dann auch viele lachende Gesichter und das alleine war es schon wert.
Letztens wurde uns Zivis von einem Österreicher gesagt, dass wir es alle mal schwer haben werden, einen Job zu finden. Weil wir nämlich ein Jahr „Auszeit“ nehmen. Und Großbetriebe wollen keine selbstständig denkenden Mitarbeiter haben, und das viele Reisen zeugt nicht so von Arbeitswillen und so. Hab ich schon ein bisschen grinsen müssen, wie ich das gehört habe. Schließlich arbeiten wir hier auch und in einer Firma, die so denkt, will ich sicher nie arbeiten.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für die Einschätzung der politischen Lage! Wie wär's mit einer Karriere als Südamerika-Korrespondent für Die Presse oder den Standard? LG - alle Langers aus Brtw.

Anonym hat gesagt…

Na- so weit muasst net furtfoahn. Du kannst von Ö aus auch sehr viel in Richtung gerechter Verteilung der Güter tun, wenn du was Passendes studierst. Also nicht alle Langers sind bez. deiner weiteren Berufslaufbahn ganz derselben Meinung. Aber das wirst du wohl selber entscheiden.Wir Europäer müssen immer alles planen und messen und einschätzen. Du schon fast Südamerikaner, du bist wohl ein wenig offener. (Wir wollen dich ja wieder zurückhaben:-))