Donnerstag, 23. Juli 2009

Urwald, Affen und Erdöl

Ich melde mich aus Coca, einer Stadt im ecuadorianischen Regenwald. Wir kommen gerade von einer 3-taegigen Tour durch den Dschungel zurueck, in der wir aber in einer relativ einfachen aber komfortablen Lodge genaechtigt haben. Unsere zwei Fuehrer, Edison und José waren einfach super, sie koennen wahnsinnig gut kochen, den Aussenbordmotor des Kanus reparieren, Froesche in Tarnfarben am feuchten Urwaldboden im Vorbeigehen erkennen, Pirañas fischen und gut zubereiten und José hat gestern in der Nacht, quasi ohne Licht im Ufergebuesch einfach so mit den Haenden einen kleinen Cayman (wie schreibt man die?) gefangen, das sind so kleinere Krokodile, und das Jungtier war vielleicht ein bisschen laenger als einen halben Meter, aber die Zaehne waren trotzdem furcheinfloessend. Der Flug nach Coca war nicht sehr toll, vor allem, weil wir gar nicht nach Coca flogen, Guayaquil - Quito war kein Problem, alles puenktlich, alles perfekt, sogar mit kleinem Snack im Flugzeug, dann in Quito der Anschlussflug nach Coca, an Bord des Flugzeugs werden wir zum Flug nach "Lago Agrio" begruesst. Das war ein kleiner Schreck, doch dann musste das Flugzeug umdrehen, da ueber Lago Agrio gerade ein Gewitter tobte und wir nicht landen konnten. Also wieder zurueck nach Quito und eine halbe Stunde spaeter noch einmal in den Flieger nach Lago Agrio und diesmal konnten wir dort landen. Lago Agrio war, so sah ich schon beim Landeanflug, ziemlich so, wie ich von der Stadt gehoert hatte; vor etwa 40 Jahren wurde sie fuer die Oelfoerderung aus dem Urwaldboden gestampft, es gibt ueberall Tanks, Rohrleitungen und viele Haeuser in einem schlecht erhaltenen 60er-Jahre Stil. Bei der Landung sahen wir rundherum praktisch nur Wald, das Flugzeug kehrte noch auf der Landebahn um und liess uns vor einem Haus aussteigen, dass in anderen Staedten nicht einmal als Busterminal seinen Sinn erfuellen wuerde. In einem Traktoranhaenger kam das Gepaeck nach. Nach Coca brachte man uns dann per Bus, weil der Flughafen in Coca seit zwei Monaten gesperrt ist und so quasi "Luftersatzverkehr" per Bus herrscht. Nur hatte man uns davon weder in Guayaquil noch in Quito bei keiner Gelegenheit auch nur irgendetwas davon gesagt, der Flug war immer mit "Coca" bezeichnet, ich habe mich dann auch bei der Fluglinie beschwert, weil ich noch in Guayaquil gefragt habe, ob der Flug von Quito direkt in die Stadt geht oder ausserhalb der Stadt, weil der Kontaktmann mit den Dschungelfuehrern am Telefon kurz davor davon was erwaehnt hatte, aber die Dame am Schalter meinte, "Nein, der geht direkt in die Stadt". Schon komisch. Aber ich will mich gar nicht mehr darueber aufregen, schlussendlich ist doch alles gut gegangen und wir verbrachten herrliche Tage im Urwald.
Was mir auch aufgefallen ist, ist die viele Oelindustrie, schon auf dem Weg von Lago Agrio nach Coca fiel mir die verrostete Pipeline neben der Strasse auf, ich wollte nicht wahrhaben, dass das verrostete Rohr, dass da so einfach im Gras liegt Oel fuehrt, aber es stand einige Male eindeutig lesbar "Oleducto" drauf und wer weiss, was ein "Aquädukt" oder ein "Viadukt" ist, kann sich denken was "Oleducto" heisst. Von Coca aus fuhren wir im Kanu ueber den Rio Napo, einem Hauptzufluss zum Amazonas, entlang dieses Flusses sahen wir auch eine Riesenflamme, offensichtlich von einer Oelfoerderanlage und rund um Coca haben alle Oelfirmen ihre "Parks" aufgebaut, das sind ihre Firmensitze mit Hallen und Wohnungen fuer die Mitarbeiter, alles sehr schoen und rundherum eingezaeunt und alles ganz amerikanisch gebaut. Es wird ja auch schon in Nationalparks und Naturreservaten Erdoel gefoerdert. Wenn man eine Ecuador-Karte ansieht und im Osten die Nationalparks oder Reservate der Einheimischen sieht koennte man sich denken, dass dort noch alles in Ordnung ist, aber in Wirklichkeit sind die Oelfirmen tief in den Nationalparks drinnen. Unsere Fuehrer, die von Pañacocha sind, meinten, dass das zwar ein geschuetzter Wald sei, aber wenn die Regierung ihr Einverstaendnis gibt, wird auch im "Bloque 15" Oel gefoerdert, voellig egal, ob es ein geschuetzter Wald ist oder nicht. Traurig aber wahr. Ein anderer meinte, dass vielleicht in 20 Jahren der Tourismus im "Oriente" so weit entwickelt sein wird, dass er die Oelindustrie ersetzten koennte. Man kann es nur hoffen.
Heute Nacht geht es per Bus weiter nach Quito.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Urlauber!
Wiedermal ein interessanter Reisebericht von dir.
Zu deiner Frage eine - hoffentlich gescheite- Antwort.

Kaimane kommen ausschließlich in Südamerika vor, mit Ausnahme des Krokodilkaiman, dessen Verbreitungsgebiet bis nach Mittelamerika reicht. ...

LG, AOD