Donnerstag, 7. Mai 2009

Vilcabamba y la moto

Wie angekündigt haben wir (diesmal Flo2, Simon und ich) das Wochenende in Vilcabamba verbracht. Vilcabamba ist ein kleines Dorf im Süden von Ecuador, per Bus über 12 Stunden Fahrt von Pedro Carbo entfernt. Bei der Hinfahrt am Donnerstag mussten wir zuerst nach Guayaquil, von dort nach Cuenca, con Cuenca nach Loja und von Loja nach Vilcabamba. Es gab nämlich keine direkte Verbindung mehr von Guayaquil nach Loja, so mussten wir den kleinen Umweg über Cuenca auf uns nehmen und dort um fünf Uhr Früh umsteigen. Zu Mittag waren wir endlich in Vilcabamba. Als wir nach dem Mittagessen noch einen Kaffee tranken, kamen wir mit zwei Männern, die am Nachbartisch mit einem Kind saßen, ins Gespräch. Sie erzählten uns Einiges über Vilcabamba, und dass sie von Loja sind und einer der beiden, Vater des Kindes, ist Anwalt und beschäftigt sich vor allem mit Visumsangelegenheiten für Ausländer in Ecuador. Sie wollten uns dann noch einige Orte rund um Vilcabamba zeigen und holten ihr Auto. Wir staunten schon nicht schlecht, als wir vor einem nagelneuen VW-Jetta standen, absolut kein billiges Auto in Ecuador. Wir zwängten uns alle sechs in das Auto und dann fuhren wir los, zuerst zu einem kleinen Tiergarten mit Straußen (oder Sträuße?), Papageien und sonstigem Kleinvieh, danach zeigte er uns noch einen Fluss, wo man sich im eiskalten Wasser baden könnte. Auf dem Weg dort hin kaufte der Anwalt noch für jeden ein Bier und dann standen wir da, und schauten dem Fluss zu. Ich bin nicht hineingegangen, die anderen haben auch nur die Füße hineingehalten, das habe ich deshalb nicht getan, weil neben dem Fluss ein Schild war, wo ganz groß stand „Wasserverschmutzen verboten!“. In Vilcabamba soll man angeblich ganz gesund leben, das Klima ist mild und beständig, das Wasser ist sauber, die Leute leben entspannt und nicht wenige sollen schon weit über 100 Jahre alt sein. Auch ich kann nur gutes über die heilende Wirkung von Vilcabamba berichten, mehr dazu später. Am Samstag machten wir eine Wanderung auf den Mandango, so etwa der Hausberg von Vilcabamba, auf dem ganz oben die „Nariz del Niño“ (Nase des Kindes) zu finden ist, weil der Bergrücken von unten so aussieht, wie das Gesicht eines liegenden Kindes im Profil oder eigentlich erkennt man nur die Nase gut. Jedenfalls glaubt man nie, dass man bis ganz auf die Nasenspitze gehen kann, weil man von unten rundherum nur Felsen sieht. Wir haben es aber trotzdem geschafft, über schmale Wege, und steile Kletterpfade, ich glaube, so gefährlich war ich in Österreich noch nie wandern. Was mich schockiert hat, war, dass man für den Berg Eintritt zahlen musste, einen Dollar, weil der ganze Berg in Privatbesitz ist und der „Mandango irgendwas Group Ltda.“ gehört. Wahrscheinlich gehört er einem derer, die sich rund um Vilcabamba riesige Grundstücke kaufen und mitten in die Einöde gigantische Luxusanwesen aufstellen. Ich hätte gerne eine Antwort auf die Frage, warum es in diesem Land Leute gibt, die über die Abwässer ihrer eigenen Toiletten, wenn sie überhaupt welche haben, steigen müssen, wenn sie aus ihren Hütten gehen und gleichzeitig andere, die sich Paläste mitten in den Wald stellen können. Aber dieses Problem ist sowieso global und auf die einfache Frage, warum es so ist, findet man keine Antwort, was einem bewusst werden lässt, wie viel einfach so falsch läuft auf dieser Welt. Zurück zum Berg, ich war froh, als ich heil oben angekommen war, noch froher war ich, dass ich auch den Abstieg geschafft habe. Am Gipfel aßen wir eine Babaco (irgend so eine Frucht) und ich habe mich glaube ich mit der Schale in die Lippe geschnitten. Ja, ich weiß, ich bin kein Spezialist im Obstessen, aber das kann ja jedem passieren. Beim Mittagessen in Vilcabamba brannte mir die Oberlippe auch ziemlich und schwoll an, danach gingen wir in eine Bar, wo wir wussten, dass es einen Wuzler (Tischfußballtisch falls man das so auf „Hochdeutsch“ übersetzen kann) gab. Als ich ein Bier getrunken hatte, war meine Lippe geheilt und ich merkte rein gar nichts mehr von der Verletzung. Nach dem Duschen nach der Wanderung habe ich mir irrtümlich mit dem Deospray ins linke Auge gesprüht, bitte fragt mich nicht, wie ich das geschafft hab, aber ich habe es eben irgendwie gemacht. Ein bisschen hat es schon gebrannt, aber danach merkte ich, dass ich plötzlich auf dem einen Auge so gut sah, als hätte ich meine Brille auf, die ich nebenbei erwähnt in den neun Monaten Ecuador vielleicht drei oder viermal für ein oder zwei Stunden aufhatte. Das waren meine zwei Wunderheilungen von Vilcabamba. Einige Stunden später war ich aber wieder kurzsichtig wie zuvor, aber um eine medizinische Erkenntnis reicher. Also man kann sich die Laseroperation sparen, man braucht nur immer ein bisschen Deospray mithaben.
In der vergangen Woche war aber noch mehr los. Am Mittwoch wollten wir schon das Motorrad für das CAAM kaufen, konnten aber nicht, da einige Dokumente fehlten, so musste ich am Donnerstag noch einmal nach Guayaquil fahren, da es mir wichtig war, dass die Rechnung noch im April ausgestellt wird, das hat einfach steuertechnische Gründe, weil wir im April die bezahlte Vorsteuer noch zurückbekommen. Das funktioniert in Ecuador nämlich nicht immer für Unternehmer, es gibt einen Proportionalitätsfaktor der den Anteil seines monatlichen Umsatzes mit Steuer am Gesamtumsatz darstellt und in diesem Verhältnis kann man auch die bezahlte Vorsteuer von der zu bezahlenden Umsatzsteuer absetzen. Fakturieren wir also viele Mieterträge mit Umsatzsteuer bekommen wir mehr Vorsteuer zurück als wie wenn wir große Mengen Früchte, die als Rohstoffe umsatzsteuerbefreit sind, fakturieren. Ein dummes System, aber man muss sich damit abfinden und das Beste daraus machen. Im Falle des Motorrades sind das über 150 Dollar die wir uns ersparen, das sind zehn Arbeitstage, die wir unserem Installateur, Elektriker, Maurer und Fliesenleger in einer Person (manchmal auch mit Helfer, dann kosten sie aber 25 Dollar pro Tag) zahlen können. Jedenfalls schaffte ich es am Donnerstag noch, ich verbrachte über zwei Stunden in dem Auto- und Motorradhaus, die Verkäuferin war auch sehr gesprächig und sie zeigte mir Familienfotos, erzählte mir unter anderem, dass sie am Vortag mit ihrem Freund Schluss gemacht hatte, bat mir Kaffee an (schaute auch ganz schockiert als ich ihn ohne Zucker wollte), wollte meine Handynummer und schenkte mir Schokolade. Zum Glück bekam ich auch, weswegen ich eigentlich dort war: Die Rechnung und den offiziellen Kaufvertrag. Das alles dauerte eigentlich einen ganzen Tag, weil ich schon am Morgen dort gewesen war und den Scheck überbracht hatte, den sie aber im Laufe des Tages noch zur Bank schickten, um ihn „zertifizieren“ (wenn die Bank bestätigt, dass er gedeckt ist) zu lassen und ich dann von halb drei bis fünf Uhr Nachmittags noch einmal kommen musste.
So dass war jetzt wieder mal vom Umfang her eine ca. 1,2-fache Maturarbeit von mir.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

willst du mit dem letzten satz auf irgendetwas anspielen ;-)
lg ausn fritzlkeller

christian hat gesagt…

über cuenca seids gfahrn? war des da auch so a coole busfahrt über de gebirgspässe im nebel? ;)
"Wuzla - Tischfußballautomat, fia olle de des ned vastehn" - Prof. Flicker ;)
was mi interessiert: gibts eigentlich den hahn no?!? wenn ja muss der ja scho so groß wie a kuh sein, wenn der so weitergwachsn is...
glg aus einem kaff in österreich

christian hat gesagt…

ps. du bist aber nicht der erste, der über die schmerzstillende und heilende wirkung von bier berichtet :P

maria hat gesagt…

oiso ... ich versteh auch net, was du mit deiner matura hast. was is matura schon?? jedes zweite meiner mails an dich is länger als meine deutsch-matura!
deospray ins auge ... hm, vlt liegts auch nich am deospray sondern daran dass du dir dann (hoffentlich) das auge ausgwaschen hast..? also was du anstellst, ich hoff du bist noch ganz wenn ich dich wieder zu gesicht bekomme.

Anonym hat gesagt…

So viele Kommentare nach so kurzer Zeit! Der Blog wurde offensichtlich schon sehnsüchtig erwartet. Ja - i gebs e zu - auch von mir!
lg m