Dienstag, 9. August 2011

ungefaehr 5100 km oder 3 Tage, 2 Stunden und 45 Minuten Zugfahrt spaeter:

Den letzten Tag in Moskau verbrachten wir am Freitag essend und durch die Stadt schlendernd eher gemuetlich. Am Abend legten wir uns zum Sonnenuntergang in einen Park nahe des Kremls, wo ich meine erste Schnapsen-Trainingseinheit mit Christian absolvierte. Gegen 10 Uhr abends trafen wir beim Jaroslaver Bahnhof ein, wo wir noch bis dreiviertel 12 warten mussten. Die Wartezeit wurde kurzerhand mit zwei Bier und Hotdogs verkuerzt. Die Hotdogs waren sehr interessant, ein Weckerl, innen drin sowas wie Faschiertes aber von Konsistenz und Geschmack her eher wie ein laenglicher Leberknoedel, dazu noch Ketchup und Petersilie - interessant ungewohnt im Geschmack. Dann betraten wir den Bahnsteig 4, wo der Zug Nr. 2 von Moskau nach Wladiwostok schon bereitstand. Der Schaffner unserers Waggons empfing uns schon und pruefte ganz sorgfaeltig unsere Karten ehe er uns zu unserem Abteil fuehrte, das wir auch die ersten 3 Naechte fuer uns alleine hatten. Anscheinend haben wir einen eher neueren 2. Klasse Waggon erwischt, der in Sauberkeit und Komfort so manchen OEBB Waggon locker uebertraf. Jeder Waggon hat 2 Schaffner, die sich im Dienst abwechseln, die aber auch taeglich Staubsaugen und die WCs sauber halten. Generell haben wir Russland bis jetzt als sehr sauber empfunden, zumindest in Moskau sieht man auf den Strassen kaum Mist herumliegen, was wahrscheinlich einerseits an den vielen Strassenkehrern und andererseits auf der Disziplin der Moskauer liegt. Aber zurueck zum Zug: Nachdem wir die erste Nacht (auch Dank der selbst mitgebrachten Vodka Kostprobe) gut schliefen machten wir uns am Tag darauf auf Erkundungstour durch den Zug. Nun - weit kamen wir nicht, da bereits der naechste Waggon der Speisewagen war, wo uns eine aeltere Dame, die ganz offensichtlich die Chefin dort war empfing. Sie hatte in ihrem Gebiss, wohl mehr goldene als echte Zaehne, was Christian und mich zur Vermutung hinriss, dass sie diese vielleicht auch als Flaschenoeffner verwenden koennte. Einige Besuche spaeter fragte sie uns immer schon beim Betreten ihres Reiches, ob wir wohl wieder des Bieres wegen bei ihr einkehrten. Irgendwann probierten wir bei ihr auch die russische Bordkueche und stellten fest, dass man nach echtem russischem Essen wirklich einen (oder mehrere) Vodka zur Verdauung noetig hat - der Salat als Vorspeise mit einem Riesenpatzen Mayonaisse und auch auf dem Fleisch war nochmal ein solcher Haufen, dazu frittierte Erdaepfel. Ausserdem lernten wir im Zug noch einen Hollaender und eine Ukrainerin kennen, mit denen wir den dritten Abend in ihrem Abteil bei Bier und netten Gespraechen verbrachten. Die gedanklichen Austausche mit russischen Mitreisenden beschraenkten sich auf wild gestikulierende Konversationen mangels Russischkenntnissen unsererseits und Englischkenntnissen ihrerseits. Ansonsten haben wir im Zug viel gelesen und viel geschlafen, das Schlafen fand aber leider immer zu spaet statt, sodass wir jetzt in der Irkutsker Zeitzone Probleme mit der Umstellung haben, da die immerhin, nochmals 5 Stunden der Moskauer Zeit vorauseilt.
Heute morgen kamen wir schlussendlich in Irkutsk an, wo uns schon ein Fahrer erwartete, der uns zum Baikalhostel brachte, das eigentlich nur eine adaptierte Wohnung mit zwei Mehrbettzimmern ist. In relativ kurzer Zeit hatten wir die wenigen Sehenswuerdigkeiten der Stadt gesehen. Wahrscheinlich gibt der Baikalsee, zu dem wir morgen fahren, mehr her als diese Stadt, die mich mit ihrem lauten, stinkenden Verkehr und den alten, kaputten Bussen sehr an Suedamerika erinnert.
Also der Plan fuer die naechsten Tage: Morgen mit dem Chauffeur nach Listvianka ans Baikalseeufer, wo wir die Nacht auf Uebermorgen in einem Hostel verbringen werden und dann uebermorgen wieder zurueck nach Irkutsk um dann am Abend mit der Transmongolischen Eisenbahn Richtung Ulanbaatar, Mongolei aufzubrechen.
Bis zum naechsten Eintrag!

Klaus, Christa & Christian

3 Kommentare:

Christian hat gesagt…

zur Ehrenrettung für Irkutsk:
es ist eine (in meinen Augen) wirklich schöne Stadt, die vielleicht noch etwas aufpoliert werden müsste, aber mit der man sich wirklich auch etwas länger als nur einen halben Tag beschäftigen könnte ;)

lg ch

georg hat gesagt…

klingt sehr cool. beneide euch !

Lg
georg

Anonym hat gesagt…

3 tage zugfahrt ohne oder mit aufenthalten? sind die waggons eigentlich alle nichtraucher?
habts ihr eigentlich in den 3 tagen duschen überbewertet? :P

lg
davincho