Lange her seit dem letzten Eintrag. Zu Beginn zur Beantwortung der Fragen: Die 3 Tage und 4 Naechte Zugfahrt waren schon immer wieder mit kleinen 2-30 minuetigen Aufenthalten in den Bahnhoefen, wo man auch kurz rausgehen kann und sich (leider nicht ueberall) mit Wasser und sonstigem Proviant versorgen kann. Also fuer uns waren es auch 3 Tage ohne Waschen - wenigstens haben wir aber auch nicht viel geschwitzt, sodass sich die Geruchsbelastung in Grenzen hielt. Die Waggons der Transsib und der russischen Eisenbahn sind generell rauchfrei, nur in den Durchgaengen zum naechsten Waggon hin ist eine Raucherzone.
So, jetzt aber zu dem Aktuelleren: Am Mittwoch wurden wir nach Listvianka, einem Dorf an der Kueste des Baikalsees gebracht. Der See ist fuer uns definitiv zu kalt zum Baden, was aber einige Russen, vielleicht auch des Vodkas wegen, nicht abhielt, trotzdem zumindest eine Runde zu schwimmen. Bis ich selbst in Russland war, glaubte ich uebrigens, dass das Klischee, dass Russen viel Vodka trinken uebertrieben ist. Ich kann nur sagen: Das ist es nicht, die trinken echt gerne und viel Vodka. Aber zurueck zum See. Das Dorf hatte eigentlich relativ wenig zu bieten, viele Hochzeitspaare kommen aber anscheinend dennoch zum Feiern dort hin. Wir gingen dann in ein Lokal am "Hafen" essen, wieder mal russische Kueche, sehr fett... Danach trafen wir auf der Suche nach irgendwelchen Sehenswuerdigkeiten wieder den Hollaender mit seiner ukrainischen Freundin, die wir schon vom Zug kannten. Da es wirklich nicht viel zu tun gibt in dem Dorf, haben wir dann mit ihnen noch ein paar Bier getrunken und sind schliesslich heimgegangen um uns den Sonnenuntergang vom Hostelbalkon anzusehen und den gemuetlichen, aber auch immer kaelter werdenen Abend, mit einer kleinen Kostprobe des dortigen Vodkas ausklingen zu lassen. Am naechsten Tag gab es schon um 9 Fruehstueck im Hostel, die Chefin selbst hat uns aufgeweckt, weil wir sonst verschlafen haetten - in Rekordtempo hatten wir die Palatschinken zum Fruehstueck verdrueckt und gingen wieder aufs Zimmer, wo wir leider alle wieder einschliefen und erst 2 oder 3 Stunden spaeter aufwachten und uns wieder auf den Weg ins "Zentrum" des Dorfes zu machen, wo wir sogleich wieder was zu essen suchten - und fanden! Am Abend ging es dann wieder per Kleinbus mit eigenem Chauffeur nach Irkutsk, wo wir am Bahnhof aber noch fast 4 Stunden auf unseren Zug warten mussten, Zeit, die wir wieder mit - richtig - Nahrungssuche und -aufnahme verbrachten. Leider fanden wir zum schnell was Essen nur so ein russisches Fast Food Lokal, wo man sich zwar irgendwas aussuchen kann und mit Gesten zu verstehen geben kann, was man will, allerdings war mir davor nicht bewusst, dass das alles kalt ist und die Angestellte dort den gesamten Plastikteller mit dem wenigen essen fuer geschaetzte 20 Sekunden in eine Mikrowelle gibt... Nun, es gibt auch gutes russisches Essen, zum Beispiel, dass sie gerne Petersilie oder Dill verwenden finde ich eigentlich ziemlich lecker, aber, im Grossen und Ganzen muss ich sagen, dass ich mich kulinarisch schon wieder auf Oesterreich freue. Gut, jetzt zu den unwichtigeren Dingen ;-) Am Bahnhof sprach uns dann ein Russe in gutem Englisch an und wir plauderten eine Weile mit ihm, bis er uns auf ein Bier einladen wollte. Da war es auch schon fast Zeit, auf den Bahnsteig zu gehen, aber er bestand darauf, deshalb tranken wir schnell eine Dose mit ihm. Dann wollte er noch eine und hat auch noch Bier gekauft und gemeint, er muesse eh auch in unsere Richtung und faehrt einfach auch mit unserem Zug, er wolle in Ulan-Ude Freunde besuchen und er versuchte an der strengen Schaffnerin reinzukommen. Zuerst meinte er, er ist Eisenbahnpolizist und kann deswegen gratis mit der Bahn mitfahren, aber dann stellte sich heraus, dass im Kurswagen nach Ulanbaatar nur Touristen waren und als wir dann unser Abteil bezogen hatten, kam auch er ploetzlich herein und setzte sich einfach herein. Na gut, er war vorher auch schon aufdringlich, aber das war uns dann doch ein bisschen zu viel. Als er dann irgendwann mal ins Nachbarabteil ging, um dort die Chilenen anzuquatschen, schlossen wir kurzerhand die Tuer und loesten die Situation elegant, indem wir sagten, wir wollen jetzt schlafen gehen. Danach haben wir ihn auch nicht mehr gesehen. In Ulan-Ude bekamen wir dann doch noch einen 4. in unser Abteil, einen Italiener, der aber mit seiner Frau in Madrid lebt. Da war ich auch wieder froh, dass ich mit ihm, seiner Frau und den Chilenen ein bisschen Spanisch ueben konnte. Die Grenzformalitaeten zwischen Russland und der Mongolei kosteten uns gestern den gesamten Nachmittag, zuerst an der russischen Grenze 3 Stunden warten, dann in den Waggon, Waggon wird zugesperrt, 2 Stunden drinnen s(chw)itzen und immer wieder brav den Pass hergeben, dann endlich mit einer Rangierlok ueber die Grenze gezogen werden, wieder fast eine Stunde im Waggon kontrolliert werden und nochmal eine Stunde warten, weil die Kurswagen an einen anderen Zug angehaengt werden mussten. Die mongolische Zollbeamtin kam in unser Abteil und fragte "Luggage?" (Gepaeck). Wir deudeten ihr an, dass das unter den Sitzen ist, bzw. mein Rucksack oben war. Sie schaut rauf und fragt, wem das gehoert, ich sage, mir und sie fragt mich "Any prohibited items in there?" (also ob ich etwas verbotenes drinnen habe). Und fuer Bruchteile einer Sekunde hat es mich so gereizt, irgendwas dummes drauf zu sagen, weil ich schon alleine wegen der Frage grinsen musste. Gott sei Dank besann ich mich im richtigen Moment eines besseren und antwortete wahrheitsgemaess mit "No". Wenn mich die Chinesen das dann auch fragen, werd ich einfach sagen "No, my tank is in the luggage waggon."
So und heute morgen kamen wir endlich in Ulanbaatar an, die Hauptstadt der Mongolei. Bei der Einfahrt sahen wir bereits die Vorstaedte, die hauptsaechlich aus Zelten bestanden, sind ja ein altes Nomadenvolk die Mongolen, das Nomadentum hat sich bis in die Gegenwart bei aller Modernisierung scheinbar auch gut erhalten. Sehenswuerdigkeiten sind auch eher rar hier, aber es gab ein gutes Museum ueber die Geschichte der Mongolei, dass fuer uns als Studenten nur etwas mehr als einen Euro gekostet hat. Leider ist es mir dann beim Mittagessen nicht so gut gegangen, weshalb ich erstmals eine Mahlzeit auslassen musste. Anscheinend hat mich die Hitze und der wenige Schlaf der letzten Zugnacht doch sehr mitgenommen. Deswegen lasse ich jetzt am Nachmittag auch die Tour zu irgendeinem Nationalpark aus und habe Chritstian und Christa alleine weitergeschickt.Und scheinbar kommen meine Kraefte schon wieder, sonst wuerde ich nicht so einen langen Eintrag schreiben. Gerade merke ich auch, dass der Hunger wieder kommt, also niemand braucht sich Sorgen zu machen um mich.
Und jetzt? Lasst es mich mit den Schlussworten des ehemaligen Vizekanzlers bei seiner Ruecktrittsansprache formulieren: "Jetzt geh i wos essn!"
1 Kommentar:
der englisch-sprachige Russe wollte sicherlich nur eure Organe ;-)
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