Artikel über den Aufenthalt in Ecuador 2008-2009 und die Reise durch Russland, die Mongolei und China 2011
Montag, 6. April 2009
Montañita
Wenn der Blogeintrag erst nach dem Wochenende kommt, werden sich manche vielleicht schon denken, dass ich am Wochenende unterwegs war. Stimmt; wir waren in Montañita. Wir, das waren diesmal David, Flo2, ich und Niklas, der Bayer, der uns seit zwei Wochen besucht. Montañita ist ein Ort am Meer (Luftlinie von Pedro Carbo vielleicht 50 oder 60 km entfernt, erfordert aber trotzdem eine fast fünfstündige Anreise, weil es keine direkte Straße zur Küste gibt) der neben Baños, als das Backpacker- und Tramperparadies von Ecuador gilt. Das heißt, es gibt viele Touristen, vor allem Amerikaner und Deutsche und Montañita ist vor allem für seine Diskotheken, Bars und Feste bekannt. Nebenbei ist es natürlich am Meer gelegen auch ein idealer Platz zum Surfen. Der Strand ist nicht schlecht, wenn ich auch schon bessere in Ecuador erlebt habe. Da gerade die Badesaison ist, haben wir kein Hostal unter acht Dollar pro Nacht und Person gefunden und dort, als wir so am Abend im „Vorgarten“ saßen und die Zeit bis zum Fortgehen totschlugen kam ein Mann von der Straße zu uns her und fragte uns, woher wir sind, wie uns Montañita gefällt und dann hat er gefragt, wo wir am Abend fortgehen wollen, ich hab ihm geantwortet, dass es wir noch nicht wissen und mal sehen werden. Er hat mir dann irgendeine Disco empfohlen mit der Begründung, dass dort viele Amerikaner und Europäer auch hingehen. Dann hab ich aber geantwortet, dass ich eigentlich nicht da bin um Amis oder Deutsche zu treffen. Er hat das so gedeutet, dass ich die „chicas ecuatorianas“ will und hat gemeint, es gibt auch Ecuadorianerinnen dort. Dann fragt er uns noch, ob wir irgendwelche Drogen wollen, Marihuana oder Kokain, alles da. Wir lehnten dankend ab, er hat aber dann gemeint, ja, das ist ja so toll an Montañita, es gibt da „sexo, drogas y rock’n’roll“. Ja, hab ich mir gedacht, das ist ja toll, wenn man da so drauf stolz ist, dass der Ort für seine Drogen berühmt ist und die Touristen für billiges Gras, Koks und Alkohol herkommen. Danach gingen wir ins Stadtzentrum und wir wollten halt auch ein bisschen fortgehen, also in irgendeine Disco oder eine Bar, aber auf dem Weg sind schon so viele Touristen und so pseudoalternative Hippies herumgelungert und ihre Rauschzustände waren offensichtlich nicht nur vom Alkohol. Mir war das alles zu viel irgendwie. Dann sind wir etwas abseits zu einem Geschäft gegangen, dort haben wir ein paar Bier getrunken und das war auch ziemlich gemütlich und ein bisschen ruhiger dort, damit war es der Abend auch schon wieder. Aber irgendwie ekeln mich diese Touristen schon ziemlich an, die sich in Montañita das Hirn wegkiffen, -saufen und –koksen. Es hat so etwas Arrogantes und Überhebliches an sich, in ein ärmeres Land zu fahren und sich dort billig zu betrinken und dann zu randalieren, völlig respektlos. Sicher nützt es der Wirtschaft dort lokal, aber aus meiner persönlichen Sicht ist vieles, was dort passiert, einfach nur unmoralisch oder zutiefst verachtenswert. Aber vielleicht bin ich ja auch nicht viel anders, bin auch in einem armen Land und leiste mir hier manchmal Sachen, die sich normal Berufstätige hier oft nicht leisten können. Naja, jetzt hab ich aber viel Negatives geschrieben, jetzt sollte ich schön langsam auch wieder ein bisschen positiver werden. Also wir haben schon auch unseren Spaß gehabt, weil das Meer mit den gewohnten Wellen ist natürlich immer „cool“ und auch wir vier hatten unseren Spaß. Beim Heimfahren am Sonntag erwischten wir dann von Montañita nach Jipijapa einen „Kampfbus“, wie er unter Zivis genannt wird. Also Kampfbus ist ein Bus, dessen Fahrer einfach Vollgas gibt, Schlaglöcher außer Acht lässt und prinzipiell nur an solchen Stellen überholt, die man aus der Führerschein-Computerprüfung von den Fragen kennt, wo die einzige richtige Antwort „Ich darf auf keinen Fall überholen.“ ist, es gibt auch die sogenannten „Viechbusse“, also die sind halt so viech, weil sie ganz neu sind und klimatisiert und einfach „viech“ aussehen. Also kann ein Viechbus auch gleichzeitig Kampfbus sein, muss aber nicht, es gibt auch reine Viech- oder Kampfbusse… Ja, egal, unter uns Zivis, so weit weg von zuhause entwickelt sich so ein eigener Jugendslang, das muss man jetzt nicht unbedingt verstanden haben. Jedenfalls war unser Kampfbus ziemlich voll, wie wir eingestiegen sind, also habe ich den Platz neben dem Fahrer bekommen. Den Fahrer habe ich mir gleich mal angesehen, das sind meistens irgendwie interessante Typen und mich beschäftigt es immer, was in so einem ecuadorianischen Busfahrerhirn wohl so vorgehen könnte. Dieser Busfahrer aber sah irgendwie anders aus: kurzer Vollbart und eine Brille, deren Gläser ziemlich dick waren, naja ich war beruhigt, dass er wenigstens gut sieht, weil mit so einer Brille muss man ja gut sehen. Den Mund hatte er immer offen und er wirkte irgendwie fast hypnotisiert, aber trotzdem fuhr er immer Vollgas. Als dann hinten Plätze frei wurden, setzte ich mich in den hinteren Teil des Busses, weil es meistens besser ist, wenn man nicht mitbekommt, wie der Fahrer fährt. Kurz darauf hielten wir an, der Oficial öffnete die Motorhaube, die sich mitten im Bus befindet und füllte bei laufendem Motor Kühlwasser nach, da der Fahrer, wie alle anderen auch, immer mit viel zu hohen Drehzahlen fuhr, irgendwas an der Maschine schon ziemlich heiß geworden war. Bei der Weiterfahrt wurde es immer staubiger im Bus, mein Sitznachbar fragte den Oficial, warum es da so raucht, der Oficial meinte darauf: „Das ist nur der Reifen“. Beruhigend zu hören, dass es „nur“ der Reifen ist. Trotzdem geht’s mit Vollgas entlang der Küste über die Hügel bis der Bus plötzlich stehen bleibt. Und der Motor ist aus, was sehr ungewöhnlich ist, weil der normalerweise nur einmal am Tag abgestellt wird und das ist nach der letzten Fahrt bis zum nächsten Tag. Die Leute steigen alle aus, wir auch, der Busfahrer bleibt emotionslos wie eh und je sitzen. Wir glauben zuerst, dass es sich bei unserem Bus auch um einen sogenannten „Katastrophenbus“ handelt. Was das bedeutet, brauche ich, glaube ich, nicht lange erklären; das ist einfach ein Bus, der in schlechtem bis miserablem Zustand ist. In diesem Fall wäre wahrscheinlich einfach eines der gefälschten chinesischen Ersatzteile kaputt gegangen. Aber wir merkten dann, wie ein Passagier sich aufregte „ Wir sind an tausend Tankstellen vorbeigefahren, warum das jetzt?“ und dann war mir klar, der Busfahrer hat seinen Diesel durch seinen Fahrstil einfach viel zu schnell verbraucht und „se acabó“, ist einfach aus. Der Oficial hat dann aus dem Bus einen Kübel geholt und wollte Autos aufhalten, von denen ich ihm schon vom Hören her sagen hätte können, dass sie keinen Tropfen Diesel mitführen, weil sie schlicht und einfach mit Benzin fahren. Dann kam ein Bus aus der Gegenrichtung, dem der Oficial ein paar Gallonen Diesel abkaufen wollte, der Bus ist aber, nachdem der Fahrer das Gesuch unseres Oficials gehört hatte, einfach weitergefahren. Emotional, wie die Ecuadorianer nun mal sein können, wurde der Fahrer gleich als „hijo de puta“ bezeichnet, was das heißt, will ich jetzt nicht übersetzen, vielleicht wissen es einige von euch… Danach kam ein Dieselauto vorbei, von denen es hier nicht so viele gibt, aber irgendwie schafften sie es nicht, Diesel aus dem Tank zu bekommen. Gleich darauf kam auch ein Bus der selben Firma und nahm uns mit. Der Bus war aber auch schon voll und wir mussten die restlichen 20 Minuten stehen. Was viel schlimmer war, war dass die Passagiere, die schon vorher in dem Bus waren, als wir einstiegen riefen, dass der Bus schon voll ist und dass der Fahrer weiterfahren und uns draußen lassen soll. Wir habens locker genommen und der David hat dann sogar mit ihnen mitgeschrien. Aber das war schon irgendwie schockierend, wo ist da plötzlich dieses freundliche, immer lächelnde Volk? Solche Aktionen, die einem die Ecuadorianer immer wieder liefern können, sind schon ziemlich asozial. Also diese ganze Mentalität und mehr oder weniger Kultur ist nicht leicht zu durchschauen. Schlussendlich sind wir doch noch bis Pedro Carbo gekommen.
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3 Kommentare:
Und was heißt se acabo ?
Brauchst aber keine Schuldgefühle haben, weil du dort Urlaub machst. Du bemühst dich ja in kleinen Schritten, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und die Ecuadorianer zu verstehen.M
puhhhh-muessen wir auch so einen bus nehmen?ich fahre taxi-oder zug? ist das besser?lbgr goli
jaja klaus, immer wieder witzig, von solchen busfahrten zu hören, da werd i richtig wehmütig und denk an die diversen "interessanten" fahrten, die wir in den 2 wochen gmacht ham :) im nachhinein kann ma ja scho drüber lachen :D
mögest du in zukunft von katastrophenbusse verschont bleiben und mögen dir viele viechbusse beschert sein ;)
glg christian
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