Antwort: Einen nächtlichen Polizeieinsatz in Pedro Carbo auslösen. Aber alles der Reihe nach.
Gestern, Samstag, war die Abschiedsfeier von Flo1 und zugleich die Geburtstagsfeier von Simon. Gefeiert wurde im CAAM, mit Musik, Tanz, Getränken und Torte, wie immer. Yadira, die für das FEPP arbeitet und in Pedro Carbo sozusagen die Vorgesetzte von Flo1 war, kam auch zur Fiesta und brachte eine Flasche Wein mit. Irgendwer hat dann im Laufe des Festes ganz provokant die Flasche genommen und gesagt „So einen Wein trink ich doch nicht.“ und einfach die mehr als halb volle Flasche weggeleert. Ja, also der Wein ist ja, verglichen mit unserem im Weinviertel, wirklich nicht gut, aber wesentlich besser, als das, was man sonst so im Plastikpackerl bekommt. Und die Yadira hat für die Flasche sicher zwei oder drei Dollar ausgegeben, was angesichts ihres Gehalts im FEPP und ihrem Status als alleinerziehende Mutter von drei Kindern, schon was wert ist. Verständlicherweise hat sie darauf sehr emotional reagiert und für mich unverständlicherweise die Polizei gerufen, die dann, was für mich noch unverständlicher ist, wirklich gekommen ist. Mit kugelsicheren Westen und voll bewaffnet, wie sie immer herumstehen haben sie dann noch kurz mit dem Übeltäter gesprochen und nach fünf Minuten waren sie so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Aus meiner Sicht waren beide Aktionen, Weinwegleeren und Polizeirufen, absolut unnötig, so schnell kann man auch die lustigste Fiesta zerstören. Als wir dann schon weniger waren, besserte sich auch die Stimmung.
Heute, Sonntag, nachdem wir zusammengeräumt hatten, borgten wir uns das Auto vom Herbert aus, um aus Estacada die Sachen vom Flo1 zu holen. Er hat nämlich einige Zeit dort in einem Haus gewohnt, das dem CRESEM gehört und sonst nicht genutzt wird. Jetzt hatte er schon lange nicht mehr dort geschlafen, weil es um halb sieben abends finster wird und der Weg in der Nacht sehr gefährlich ist und er oft länger arbeitet. Jedenfalls ist er ja jetzt nicht mehr Zivi, wird zwar im Land bleiben, aber er muss seine Sachen aus dem Haus und aus seinem Zimmer im CRESEM entfernen. So fuhren wir (Flo1, Flo2, Andi und ich) also im beginnenden Regen nach Estacada, das Haus liegt etwas außerhalb, man erreicht es über eine nicht asphaltierte Straße, die schon durch die Regenfälle der letzten Wochen stark mitgenommen ist. Davor allerdings mussten wir noch tanken, bei der Tankstelle angekommen fragt der Chauffeur (Flo1) seinen Beifahrer (Ich) „Weißt du überhaupt, was wir da reinfülln müssen?“. Ich weiß das natürlich auch nicht, der Motor klingt so komisch, könnte Diesel oder Benzin sein. Der Tankwart (in Ecuador wird man auf allen Tankstellen bedient) fragt „Gasolina o Diesel?“, wir sagen, wir wissens nicht, der Tankwart ruft einen anderen, sie schauen in den Tank, sind sich aber nicht sicher und rufen einen Dritten. Der kommt, sagt, wir sollen den Motor starten, das tut der Flo auch, gibt ein bisschen Gas und die Tankwarte sind sich einig „Gasolina“. Um drei Dollar tankten wir ungefähr zwei Gallonen Benzin (ca 7,5 Liter) und ab gings nach Estacada. Der Weg hin zum Haus war fast kein Problem, als wir die Sachen ins Auto luden und noch ein bisschen saubermachten, regnete es ungefähr eine Stunde sehr stark. Und als wir dann wegfahren wollten, wollte das Auto weder vor noch zurück; wir hatten uns 15 cm im Schlamm eingegraben. Don Sixto, der dort im Nachbarhaus wohnt, am Grundstück des CRESEMs auf dessen Schafe aufpasst und eine kleine Landwirtschaft betreibt, half uns, das Auto zu befreien, dann blieb es noch einmal, zwei Meter weiter stecken und er rannte mit der Schaufel, grub das Auto aus, legte Steine unter und schob gemeinsam mit uns wieder an. Ein Wahnsinn, wie uns der geholfen hat, vollkommen selbstlos und ohne zu überlegen hat er alles gegeben, damit wir, wo wir uns einbilden, mit einem alten Kleinbus durch den Schlamm fahren zu müssen, wieder rauskommen. Gut, man muss auch zugeben, dass der Bus denkbar ungeeignet für diesen Weg war, Motor vorne, Antrieb hinten, kein Gewicht auf der Hinterachse, da passiert so etwas noch leichter. Den Weg bis zum Dorf meisterte der alte Toyota relativ gut, durchnässt bangten wir, dass Flo1 den Wagen irgendwie durchbringt, leider aber, bei den ersten Häusern blieben wir in einer riesigen Schlammlacke wieder stecken. Ich stieg aus, und bin gleich mit meinen Füßen zehn cm in den Schlamm eingesunken, das Auto wollte wieder weder vor noch zurück und wieder kam gleich jemand im Regenmantel aus einem Haus und half uns, zwar nicht so engagiert wie Don Sixto davor mit Schaufel und Steinen, aber er half uns anschieben, was ja auch wichtig ist. Irgendwie schafften wir es, das Auto mit vereinten Kräften (Benzin und Schweiß) im Retourgang aus der Lacke zu bekommen. Blöderweise hatten wir die Schiebetüre offengelassen und die durchdrehenden Hinterreifen haben im Retourgang den Schlamm durch die Türe bis an die Windschutzscheibe geworfen. Danach gab es eine kurze Beratung, wir kamen zu dem Schluss, dass es vielleicht am besten wäre einfach mit Vollgas durch die Lacke zu rasen und gleichzeitig anzuschieben. Gesagt, getan, und es funktionierte, das Auto wurde zwar wie wild durchgerüttelt und wir wurden auch noch einmal ordentlich dreckig, aber das war schon egal. Danach war der Weg asphaltiert und der Rückkehr nach Pedro Carbo stand nichts mehr im Wege.
Jetzt gerade sitze ich hier, vor meinem Computer, in einer nassen Hose, weil meine zweite Hose immer noch beim Wäschemann ist. Die Wäsche habe ich ihm gestern gebracht, dazu meine Bettwäsche, er hat sie aber bis jetzt noch nicht waschen können, weil er kein Wasser hat, jetzt werde ich heute, die zweite Nacht auf meinem Badetuch verbringen.
Trotzdem war der „Ausflug“ sehr lustig und auch eine kleine Entschädigung für die jährlichen und angeblich so schlimmen „Schneechaos“ (Was ist die Mehrzahl von Chaos? – Chaose? Chaoten? Chaen? Chai? Meldet euch, wer es weiß, es würde mich interessieren!).
In weniger als zwölf Stunden sollten Michi und Christian, wenn alles gut geht, schon angekommen sein. Die Vorfreude steigt von Minute zu Minute. Es ist auch immer interessant, wenn neue Österreicher ankommen, welche Sachen ihnen auffallen, an die ich mich schon gewöhnt habe, und manchmal auch lustig zuzusehen, wenn manche den einen oder anderen, kleineren oder größeren, Kulturschock erleben.
Liebe Grüße
9 Kommentare:
alos ich glaub es heißt chaose.
da lukas würd warscheinlich chaoten sagen ^_^. das mit dem schlammbad is echt lustig.
glg georg
ermunternd, dass dich der schock anderer belustigt.
deine geschichte errinert mich an das buch "die weisse massai". kennst du das zufällig?
und von chaos gibts keine mehrzahl - sorry.
erinnert
braucht man im juli auch noch gummistiefel? ich geh gleich ins lagerhaus u kauf mir welche.
bbbm
eigentlich hab ich ja schon auf dem georg seine dumme anspielung gleich danach geantwortet aber das hat der blechtrottel ned genommen. es gibt von chaos genauso wie von milch keine mehrzahl...hab wo gelesen, dass es ein zustand ist und deshalb geht es nicht...
ahahahaahaaa da war wer auf der selben seite nachschaun wie ich .... hihi :D
Wie sich da beim Chaos alle zu Wort melden, am besten, dieser Zustand trifft nicht zu oft auf! Dies wünscht Euch für eure gemeinsamen Unternehmungen, mit den besten Wünschen für eine erlebnisreiche schöne gute Zeit! Omer
eine milch - meherere milchpackerln???
aber milch is ja kein zustand, oder?
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