Gestern, Freitag, ist das Kind von Manuel und Katty geboren, zwar drei Wochen zu früh, aber – so weit ich weiß – geht es ihm, dem Samuel Gschweitl Pluas, gut. Natürlich große Freude jetzt unter den Zivis und allen Freunden, so ein neuer Austro-Ecuadorianer ist schon etwas Schönes.
Weil der Manuel Donnerstag und Freitag nicht da war, fuhr ich am Donnerstag mit den Agricultores (Bauern) nach Milagro, eine Stadt, eine Stunde östlich von Guayaquil auf das Versuchsgelände der „Universidad Agraria del Ecuador“. Einer der Professoren, der dort für die praktischen Übungen der Studenten zuständig ist, war schon öfter in Pedro Carbo und Umgebung und hat Vorträge für die Bauern gehalten und dieser hat uns eingeladen, das Gelände im Rahmen eines „Dia de campo“ zu besuchen. So fuhren wir also in einem gemieteten Pedro-Carbo-Bus, in den es von allen Seiten reinregnete, nach Milagro. Ich hatte das „Glück“, vorne zu sitzen, und das Wasser sammelte sich in der Gepäckablage über den Köpfen der Passagiere, somit schoss es bei jedem Bremsvorgang nach vorne und ein paar dicke Tropfen tröpfelten mir auf die Schulter. Nach den ersten 20 km musste ich dem Busfahrer schon eine Anzahlung von 20 Dollar geben, damit wir tanken können, in Milagro angekommen noch einmal 20 Dollar, weil der Bus kaputt war und er irgendwas reparieren lassen musste. Auf dem Universitätsgelände wurden wir vom Rektor und seinen Mitarbeitern begrüßt, danach teilten wir uns in Gruppen auf und besuchten die einzelnen Stationen auf dem Gelände, jeweils bei den betreffenden Pflanzen erklärten uns die Studenten den Umgang mit Mango-, Guayaba- und Guanabanabäumen, sowie mit Zitrusfrüchten, wie Limonen oder Orangen, und den Weintraubenanbau. Die Studenten haben das echt nicht schlecht gemacht, leider war die Zeit knapp und ich hätte gerne gehabt, dass die Bauern noch viel mehr gefragt hätten, weil aus dem bisschen, was sie gefragt haben und von ihren Problemen mit den einzelnen Pflanzen erzählt haben, habe ich schon herausgehört, dass sie noch viele ungelöste Anliegen mehr haben. Auf diesen Versuchsanbaufeldern wird nur mit biologischen Mitteln gearbeitet. So haben es uns die Studenten erzählt, einer hat dann aber doch zugegeben, dass sie, wenn sie mit Bio nicht mehr weiterwissen, auch chemische Mittel anwenden, aber nur „sello verde“ hat er gemeint (sello verde heißt grünes Siegel oder Zeichen, das ist die Klassifizierung für Pestizide, die von grün - relativ ungefährlich - über blau und gelb bis rot - hochgiftig und gefährlich – geht). Danach wurde uns der vivero (eine Art Gärtnerei, wo die Pflanzen vom Samen bis zu einer gewissen Größe gezüchtet werden, bevor sie ausgesetzt werden) ein bisschen vorgeführt und danach gab es ein kleines Mittagessen, Arroz con Pollo (Reis mit Huhn), eigentlich ein sehr gutes Essen, auch wenn es relativ einfach ist, einfach Reis mit Stücken von Hendl vermischt und ein bisschen Gemüse und Rosinen dabei. Sie hatten eh alle Mitleid mit mir, weil es so wenig war, aber es war wirklich so wenig, dass auch sonst niemand etwas übergelassen hat. Pech für mich. Bei der Heimfahrt habe ich mir dafür zwei Brote gekauft, die haben das wieder ausgeglichen.
Gestern, Freitag, war noch die Reunión (Manuel sagt immer, auf „Deutsch“ heißt es „Meeting“) der Artesanas (die Frauen, die Artesanía, also Kunsthandwerk herstellen). Zuerst habe ich nicht gewusst, wie ich das ohne Manuel machen soll, dann habe ich gemerkt, dass, wenn er nicht da ist, plötzlich auch die Frauen selbst Initiative ergreifen und wenn man sie ein bisschen unterstützt dabei, machen sie die reunión fast alleine. Natürlich war ich trotzdem dabei und es wurde diesmal die neue Regel angewandt, die bei der letzten reunión von den Artesanas selbst beschlossen wurde, nämlich, dass, wenn eine der 14 Artesanas zu spät kommt, bekommt sie nur die Hälfte der Arbeit, wenn sie später als eine halbe Stunde nach Beginn kommt, gar keine Arbeit. In den monatlichen reuniones wird nämlich immer die Arbeit an die Artesanas verteilt, seit kurzer Zeit, gibt es zwei von ihnen, die das übernehmen und sie machen sich selbst aus, wer welche Produkte herstellen wird. Dieses neue System, dass diejenigen, die zu spät weniger oder keine Aufträge bekommen, klingt hart, aber ist – so glaube ich – fair. Weil es gibt echt einige, die schon um vier Uhr Früh aufstehen, für ihre Familie vorkochen und dann eine Stunde unterwegs nach Pedro Carbo sind, und es auch schaffen, pünktlich hier zu sein. Einige kommen gar nicht und wollen aber trotzdem, dass wir sie bezahlen, das wäre dann unfair denen gegenüber, die immer kommen und teilnehmen. Somit hängt jetzt an der Tür des CAAMs ein Zettel, auf dem steht, dass wir von den sechs Artesanas, die pünktlich waren jeweils fünf Exemplare von drei verschiedenen Produkten entgegennehmen. Die anderen, die zu spät kamen, sind zwar nicht glücklich darüber und haben gemeint, sie können nicht früher, weil sie kochen mussten und mit ihren Kindern, aber das müssen auch die, die pünktlich da waren. Bei der nächsten Reunion in vier Wochen werden die Aufträge, die bis dahin nicht eingegangen sind, neu verteilt, wieder an die Artesanas die rechtzeitig kommen. Leider gibt es auch innerhalb der Gruppe der Artesanas Konkurrenz und wenig Zusammenhalt, da muss man immer auch ein bisschen aufpassen, dass sie sich nicht zu sehr gegeneinander ausspielen.
Ja, dann war diese kurze Woche auch schon wieder vorbei. Jetzt heißt es für mich erst mal: Zwei Wochen Urlaub!
Vielleicht melde ich mich in dieser Zeit einmal kurz im Blog, wenn nicht, hört ihr an dieser Stelle in zwei Wochen wieder von mir.
Artikel über den Aufenthalt in Ecuador 2008-2009 und die Reise durch Russland, die Mongolei und China 2011
Samstag, 28. Februar 2009
Milagro - un bebé
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