
Michi und ich vor dem Quadfahren

Historisches Zusammentreffen: Simón Bolívar und José de San Martín sowie Klaus Langer und Christian Sigl

Am Strand in Puerto López
Am 2. März war es so weit: Michi und Christian kamen pünktlich am Flughafen in Guayaquil an. Dazu muss ich gleich sagen, dass ich es bewundere und es mich sehr gefreut hat, welche Strapazen sie auf sich nahmen, dass sie mich besuchen konnten. Wirklich toll. Sie kamen mit einem eigenen Gepäckstück voll mit „Mitnehmsachen“, davon fast alles für mich. Danke an die vielen „Spender“. Am Flughafen musste ich noch Geld für die bevorstehende Reise vom Bankomaten abheben und in meiner Wiedersehensfreude habe ich irgendwie nicht bemerkt, dass ich zwar das Geld, aber nicht die Karte aus dem Automaten genommen habe, wir gehen zurück zum Lift, der uns zu den Taxis bringen sollte und kurz vor dem Einsteigen schreit jemand von hinten „Amigo“ und gibt mir meine Karte und den Beleg in die Hand. Ich war ganz baff und hab nur kurz „Gracias“ sagen können, dann war er schon weg. Glück gehabt, dass gerade in Ecuador jemand meine Karte mir nachträgt, auch in einem Land, wo viel Kriminalität herrscht und normal alles gestohlen wird, was nicht ganz fest irgendwo angeschraubt ist, gestohlen wird, gibt es natürlich auch ehrliche und nette Leute, keine Frage, aber dass genau so einer meine Karte findet ist großes Glück. Leicht schockiert aber doch erleichtert finden wir schließlich ein Taxi, dass uns um zwei Dollar zum Busterminal bringt. Ja, billig ist das auch nicht und das Taxi war so ein ganz kleines Auto, wo maximal vier Passagiere hineinpassen, der Kofferraum vernachlässigbar. Wie das ausgesehen hat, wir drei mit drei großen und zwei kleinen Rucksäcken in dem kleinen Hupferl, könnt ihr euch vorstellen. Zum Glück ist die Fahrt zum Terminal nicht lang. Von dort mit einem Bus nach Pedro Carbo und in Pedro Carbo gleich mal Frühstück mit Kaffee und Salami. Danach Mittagessen und ein ruhiger Nachmittag im CAAM. Ich glaube, das beste Mittel gegen Jetlag ist Bier, mit Christian bin ich bis Mitternacht bei Bier und interessanten Gesprächen, wie früher, gesessen, danach hatte er, glaube ich, weniger Probleme mit der Umstellung.
Am Dienstag fuhren wir schon am Morgen nach Guayaquil, die Sehenswürdigkeiten der Hafen- und Wirtschaftsmetropole mit über zwei Millionen Einwohnern, der Großteil davon in den Slums, halten sich natürlich in Grenzen, mein persönliches Highlight dieser Stadt ist immer noch die Bahia, ein riesiger Markt, in dem vor allem mit billigem Gewand, billigen Elektronikprodukten und Raubkopien von Filmen, Musik-CDs und Computerprogrammen gehandelt wird. Weiters haben wir die Strandpromenade am Río Guayas (Malecón) besichtigt. Am Abend wieder zurück nach Pedro Carbo, die Rucksäcke packen und um halb zehn nach Guayaquil, von dort um elf in einem Bus elf Stunden lang nach Quito, anscheinend sind die Straßen noch immer nicht repariert, sonst würde es nur sieben bis acht Stunden gedauert haben. In Quito trafen wir uns am Mittwoch mit Flo1, seiner Schwester und einer Freundin, die er am Dienstag dort vom Flughafen abgeholt hatte. Zu sechst schlenderten wir durch die Innenstadt und wohnten in einem tollen Quartier, wo wir sechs eine gemeinsame Küche hatten, in der wir auch einmal kochten, nebenbei hatten wir beim Essen eine tolle Aussicht über Teile von Quito, über ganz Quito kann man fast nicht sehen, weil Quito 50 km lang ist. Am Donnerstag ging es mit dem Teleferiqo, einer Seilbahn, auf den Pichincha, der Hausberg von Quito, vergleichbar mit dem Bergisl in Innsbruck, nur dass in Quito in der Schlacht am Pichincha nicht Andreas Hofer gegen die Franzosen sondern Sucre gegen die Spanier gekämpft hat und das mit Erfolg. Die Bergstation liegt auf 4100 Höhenmetern und wir sind dann noch geschätzte 200 Höhenmeter raufgegangen, in der doch schon dünnen und kalten Luft gar nicht so einfach. Zurück in der Bergstation leisteten wir uns einen teuren Kaffee um 1,50 und dann hatten wir alle einen leichten Schock, als wir plötzlich im Fernsehen den DJ Ötzi „Hey Baby“ grölen sahen. Ich hab den Schwachsinnigen mit seinen Drei-Promille-Liedern schon fast verdrängt gehabt, aber dass er mir am Pichincha in Quito begegnet, das war nicht zu erwarten. Am nächsten Tag fuhren wir über eine Stunde mit verschieden Bussen durch Quito, um die „Mitad del Mundo“ (Mitte der Welt) zu erreichen, so eine Anlage, die angeblich am Äquator liegt und verschiedene Museen und Lokale beherbergt. Durch moderne Messmethoden ist aber erwiesen, dass das ganze so ca 150 m vom Äquator entfernt ist, für lustige Fotos reicht es aber noch immer. Danach fuhren wir auf der Ladefläche eines Pick-ups zum Pululahua, das ist ein Vulkankrater, wo man vom Kraterrand, der in den Wolken liegt in den Krater absteigt, in dem unten Menschen leben und in dem ein eigenes Mikroklima herrscht. Erreichbar sind die Häuser im Krater aber nur per Fuß- bzw Pferdeweg. Der Ab- und Aufstieg war sehr anstrengend, Respekt vor den Menschen, die diesen Weg jeden Tag zurücklegen müssen. Am Abend des selben Tages (Freitag) fuhren wir noch nach Baños am Fuße des Vulkans Tungurahua. Wir kamen noch gegen zehn oder halb elf am Abend an und quartierten uns in einem gemütlichen Hostal ein. Am nächsten Tag machten wir eine Rundfahrt mit einem Bus, von der ich allerdings ein bisschen enttäuscht war, weil man uns nur durchschob und weil die immer so schnell wieder weiter wollten, ganz anders als bei der letzten Tour bei meinem ersten Besuch in Baños, wo sich der Führer wirklich viel Zeit nahm und alles gut erklärte. Am Sonntag besuchten wir eine der vielen Vormittagsmessen in der überfüllten Wallfahrtskirche von Baños, zum Mittagessen, aßen wir in einem kleinen billigen Lokal, Michi wollte unbedingt die Nationalspezialität von Ecuador, eine Portion Meerschweinchen essen, er hat es auch getan und ich habe es auch zum ersten Mal gekostet, schmeckt gut, nach einer Mischung aus Schwein und Huhn. Aber an dem ganzen Tier ist halt nicht so viel Fleisch dran. Danach kam, das kann man gut behaupten, ein Höhepunkt der Reise für uns drei: wir borgten uns um 18 Dollar pro Person für drei Stunden drei Quads aus. Mit denen düsten wir auf einen Berg hinauf, von dem wir wunderbare Aussicht auf den Vulkan hatten und kurz ließen uns die Wolken sogar auf den Kraterrand blicken. Das Quadfahren machte uns einen Riesenspaß, Flo und die zwei Mädls wollten zu Fuß hinauf, ein großes Stück haben wir sie auf den Quads mitgenommen und dann auch hinunter. Wir hatten noch eine halbe Stunden Zeit und beschlossen, noch mal ein Stück hinaufzufahren. Beim Runterfahren allerdings hatte der Michi fast einen Unfall mit einem entgegenkommenden Auto, dass ihn in einer Serpentine fast gegen den Berghang gedrückt hätte und mein Quad, bei dem nur eine von zwei Bremsen funktioniert hatte, wollte in einer leichten Kurve weder der Kurve folgend nach links, noch ließ er sich bremsen, so kam ich in den Straßengraben und ich wurde samt Quad umgehaut. Naja, die Quads waren schon vorher zerkratzt und nicht im besten Zustand und es war kein sichtbarer Schaden, und ich war auch gleich danach unten, wo ich dann aber merkte, dass der Reichte Vorderreifen einen „Patschn“ hat. Ob der jetzt vom Unfall kommt oder ob ich den Unfall deswegen hatte, weiß ich bis jetzt nicht. Der Christian ist dann mit meinem Quad dort geblieben, ich bin mit seinem und dem Michi zurück in die Stadt, wir waren auf die Minute genau beim Vermieter, dem ich erzählt habe, dass ein Quad noch dort steht mit einem „Patschn“. Der hat auch gar nicht weitergefragt, warum, sondern einfach einen Mitarbeiter mit einem anderen Quad hingeschickt und der Christian war 15 Minuten später auch zurück. Am selben Tag sind wir in der Nacht noch nach Cuenca aufgebrochen, über Ambato war es eine anstrengende Fahrt mit schlechtem Schlaf. In der Früh in Cuenca angekommen wollten wir gleich die Fahrkarten für die Fahrt nach Guayaquil, die wir am selben Tag am Abend noch machen wollten kaufen, es wollten aber alle Transportfirmen acht Dollar für die vierstündige Fahrt. Ist ja eigentlich komplett überteuert, wir fanden dann auch einen, der uns für fünf Dollar Karten ausstellte, im Lager der Firma konnten wir auch unsere großen Rucksäcke lassen, sodass wir mit leichtem Gepäck durch Cuenca marschierten und die Stadt ein wenig zu Gesicht bekamen. Pünktlich um vier waren wir wieder am Busterminal und der Busfahrer erwartete uns schon dort, wo wir das Gepäck abholten und sagte, dass auf unserer Karte nicht Guayaquil draufsteht, ja, das war mir schon davor aufgefallen. Er sagte, er nimmt uns schon mit, wenn wir im fünf Dollar geben. Ich antwortete, dass wir Karten nach Guayaquil um fünf Dollar pro Person gekauft hätten, er meinte, ja, der „normale“ Preis für drei Personen wäre ja 24 Dollar, wenn wir noch fünf draufzahlen sind wir ja noch immer billiger dran. Schlussendlich haben wir ihm jeder noch einen Dollar gegeben, die er sich noch vor unseren Augen in seine Tasche eingesteckt hat und wir sind losgefahren. Bei den Bussen fahren immer zwei Angestellte mit, der Chauffeur und der „Oficial“ (so eine Art Schaffner, der das Fahrtgeld kassiert bzw Fahrkarten absammelt und sich um die Passagiere kümmern sollte), nach einer dreiviertel Stunde Fahrt, als wir bei einer Baustelle den Gegenverkehr abwarten müssen, sehen wir, weil wir in der ersten Reihen sitzen, dass sich der Oficial auf den Fahrersitz setzt und der Chauffeur nach hinten geht und sich ins „Publikum“ setzt. Zuerst habe ich gedacht, das ist ein Scherz, aber dann sind wir wirklich bis Guayaquil über sehr schlechte, kurvige und gefährliche Straßen im dichtesten Nebel durch alle Schlaglöcher mit Vollgas gefahren. Oft ist es besser, man sitzt nicht vorne und sieht nicht, wie die „Chauffeure“, wenn sie überhaupt welche sind, fahren. Die folgende Nacht verbrachten wir in Pedro Carbo, am Dienstagmorgen fuhren wir schon um sieben mit einem Bus über Jipijapa nach Puerto López an den Strand. Den ersten Nachmittag verbrachten wir direkt in Puerto López, wo der Strand schon dreckig und voll mit Müll ist, trotzdem waren wir Baden und zwei streunende Hunde gesellten sich zu uns und schwammen durch die starken Wellen, das war lustig anzusehen, wie die zwei von den Wellen durchgeschüttelt wurden. Zum Mittag- und Abendessen gab es jeweils Fisch, ziemlich gut in einer Stadt, wo viele vom Fischfang und –verkauf leben. Am Nachmittag waren wir noch in einer Strandbar, wo sich Michi und Christian während des Sonnenuntergangs ein Bummerl ausgespielt haben. Am Mittwoch ließen wir uns von einem Mototaxi (Trici) in den Nationalpark „Los Frailes“ bringen, wo wir auf einem extrem schönen Strand den Nachmittag bis zur Heimfahrt verbrachten. Wir fanden einen Baum, in dessen Schatten Hängematten aufgehängt waren, dort blieben wir, war urgemütlich, in der Hängematte liegen, auf den Strand schauen, Wellen hören, eine süße Ananas essen, kaum Leute am Strand, ein echter Traumurlaub könnte man sagen. Am Abend sind wir eben wieder zurück nach Pedro Carbo um am Donnerstag noch einmal nach Guayaquil zu fahren. Dort ließen wir unsere „Postkarten“ drucken und verschickten sie. Bei der Hinfahrt stiegen wir in einen Bus ein, bekamen aber keinen Sitzplatz, schon wie wir einstiegen hat der Oficial mit irgendwem wegen des Geldes gestritten und irgendwer wollte was nicht zahlen, kurz vor Sabanilla blieb der Bus stehen, weil Vigilantes (Polizisten der Verkehrspolizei) standen und der Oficial holte einen zu Hilfe, der aber wurde von allen Seiten angeschrien, Chaos pur und wir drei mitten drin. Das war uns zu blöd und wir stiegen aus, bezahlt hatten wir ja noch nichts, und wollten auf den nächsten Bus warten. Gleich danach fuhr aber der erste Bus auch schon weiter und wir versuchten in einen der darauffolgenden zu kommen, was aber unmöglich war, weil wir direkt vor den Augen der Vigilantes standen und uns niemand mitnehmen wollte. Also wollten wir weiter nach Sabanilla gehen, weil es dort leichter wäre, einen Bus zu bekommen, die Polizei aber ruft mich hin und fragt, wo wir hin wollen, ich sage wahrheitshalber „nach Guayaquil“, er meint, wir solln einsteigen, er bringt uns in die Stadt, dass wir einen Bus bekommen, gut, wir setzen uns auf die Ladefläche des Polizei-Pick-ups und ich habe halt geglaubt, er führt uns zurück nach Pedro Carbo, aber nein, er fährt mit uns durch Sabanilla bis Isidro Ayora dürfen wir hinten am Polizeiauto mitfahren, dort steigen wir ab, das Polizeiauto fährt zurück, wir steigen in den nächsten Bus, sparen uns 25 Cent, dafür habe ich glaube ich in dem Bus mein Handy verloren (Habe schon ein neues, nebenbei). Einen Tag später, als wir beim Mittagessen sitzen fährt ein Polizeiauto vorbei, hupt und die Polizisten winken uns, ich hab ein bisschen gebraucht, bis ich gemerkt hab, dass das wahrscheinlich die zwei waren, die uns mitgenommen haben. Von Guayaquil heim sind wir um halb zehn mit einem der letzten Busse, kurz vor der Mautstation (die Straße ist auf diesem Teil wie auf vielen anderen privatisiert, deswegen ist sie relativ gut) hält der Bus schon, draußen sehe ich schwer bewaffnete Polizisten stehen, einer steigt ein, stellt sich als Herr Soundso von der Policia Nacional vor, sagt uns, je schneller wir aussteigen und kooperieren, desto schneller können wir weiterfahren, Frauen und Kinder dürfen im Bus bleiben. Wir, keines von beiden, steigen aus, Hände auf den Bus, und wir werden, wenn auch nur oberflächlich, durchsucht. Nicht einmal die Ausweise haben sie kontrolliert, hätten sie aber tun können, zum Glück hätten wir aber alles mitgehabt. Am Freitag haben wir noch einen gemütlichen Tag in Pedro Carbo verbracht und am Samstag mussten wir uns schon wieder voneinander verabschieden, für das nächste halbe Jahr.
So mein Bericht hat jetzt mit über 2200 Wörtern alles bisher Da gewesene vom Umfang her in den Schatten gestellt. Aber man erlebt so viel hier, und alles ist erzählenswert.
Der nächste Eintrag wird kürzer, versprochen!
8 Kommentare:
Kann ruhig genauso lang werden :) ist immer schön zu lesen!
Lg Carina
are you serious? des soll ich jetz alles lesen? coole photos aber...
Gott sei Dank, alles gut gegangen und viel erlebt, das ist schon großartig, und auch für uns sehr interessant zu lesen. Also zurück zum Alltag mit Hund und Katz!
lg.omer
Also ich hab schon alle Fotos gesehen ;) und manche sind echt witzig *gg*
ma sieht dass ihr drei viel gesehen und a viel Spaß ghabt habts !!! ;)
Liebe Grüße,
Dési
sensationelles bildmaterial und ausführliche schilderungen, das gfallt ma, da brauch i nur den text ausdrucken und allen zum lesen geben, da brauch i selba nix mehr erzähln ;)
i hoff du hast di gut wieder in de arbeitswelt eingelebt, mir is es ned so leicht gfalln...
gruß
deine theorie gegen jetlag werden wir dann ja ausprobieren :-) ich hoff, sie funktoniert
glg lukas
War wieder mal toll und interessant zu lesen. Mit der Länge hab ich persönlich kein Problem - soviel Zeit hab ich schon. Übrigens sollten alle Stricke reissen kannst dich möglicherweise als Reiseschriftsteller versuchen :)
Lg, AOD
Oje oje, wenn das die Peruaner lesen würden, dass du (oder die Ecuadorianer) Meerschweinchen als ecuadorianische Nationalspeise bezeichnest (bezeichnen)...
Google mal "Nationalspeise Meerschweinchen". Eindeutig peruanisch!!! (Z.B. http://diepresse.com/home/leben/reise/304990/index.do?_vl_backlink=/home/leben/index.do - sag das mal den Ecuadorianern, dann lieben sie die Peruaner noch mehr ;-)
Ja und echt, Danke noch einmal für deine vielen Berichte! Ist voll super, mit dir "live" in Ecuador zu sein!
Lieben Gruß nach Lateinamerika!
Maria-Elisabeth
Kommentar veröffentlichen