Der Tod ohne Musik gilt nicht oder ist nichts wert, so könnte man das übersetzen. So hat es mir ein Oficial eines Pedro Carbo-Busses am Mittwoch Abend nach seinen von mir gezählten elf Bier erzählt, als er wollte, dass die Florcita die Musik noch lauter dreht, weil ja nichts ohne Musik geht, wie man hier in Ecuador nach einigen Tagen feststellt. Und am nächsten Tag sah ich auf dem Weg zum Mittagessen einen Begräbniszug die Hauptstraße blockieren, ganz vorne, vor dem Sarg und den Leuten fuhren zwei Camionetas (kleine Lastwagen oder Pick-ups), auf jedem der beiden mindestens zwei Meter hohe Lautsprecher aufgebaut, die mit Benzinaggretaten betrieben wurden, die man aber aufgrund der Lautstärke der Musik, die wie aus irgendeinem dramatischen Film klang, von der einen Camioneta und der Gebete und Ansagen aus der anderen Camioneta kaum wahrnam. Viel mehr Lärm machen momentan allerdings die Camionetas der Kandidaten der einzelnen Parteien für die Präsidentenwahl am 28. April. Mir scheint, dass jeder Bürgermeister- und sonstiger Kandidat für irgendeinen Beamtenjob seine eigenen Leute, Camionetas und Lautsprecher hat. Und es gibt viele Parteien in Ecuador. Bleibt nur zu hoffen, dass die Wahlberechtigten nicht den mit der lautesten Musik, sondern den mit dem besten Programm wählen werden. Deswegen haben wir vom CAAM aus auch für nächsten Sonntag die regionalen Vertreter der einzelnen Parteien zu einer Diskussion geladen. Diese Diskussion wird aber unter strengen Regeln erfolgen, damit nicht jeder Kanditat seine Leute mitbringt, die dann für ihn klatschen. Die Zuseherzahl wird limitiert und Applaudieren verboten sein. Trotzdem sollen die Zuseher Fragen stellen und den einen oder anderen Kandidaten vielleicht auch bloßstellen, weil ich nicht weiß, ob jetzt jeder ein sinnvolles Programm präsentieren wird können. Jedenfalls muss man bei Diskussionen vorsichtig sein, da die hitzigen Gemüter der Ecuadorianer schon gern mal hochgehen können.
Meine erste Arbeitswoche seit dem Urlaub habe ich auch gut überstanden, auch wenn ich letzten Sonntag fast in ein kleines Loch gefallen bin, wie Christian und Michi plötzlich nicht mehr da waren, die zwei Wochen mit ihnen waren schon toll, wie früher, als wir uns noch praktisch jeden Tag sahen.
Am Montag kamen Flo1, seine Schwester und Lisa an, die drei sorgten auch wieder für Aufheiterung. Am Mittwoch musste ich in der Asamblea (Generalversammlung) des CAAMs die Jahresbilanz von 2008 präsentieren. Zum Glück machte der Manuel eine kleine Einleitung, und versuchte, mit einem guten Beispiel den Bauern, von denen einige nicht gut lesen und schreiben können, Aktiv, Passiv und Patrimonio (In Ecuador wird die rechte Seite der Bilanz, die in Österreich nur Passiv heißt noch mal in Passiv und Patrimonio unterteilt – Passiv könnte man sagen ist Fremdkapital und Rückstellungen, Patrimonio ist Eigenkapital und Gewinn- bzw Verlustkonten. War jetzt nur, für die, die es interessiert...) zu erklären versucht. Danach war ich dran und habe erklären dürfen, was die einzelnen Werte bedeuten. Einige sind inzwischen aufs WC gegangen, andere haben mir überaschenderweise gespannt zugehört, darunter der Präsident, der selbst einmal Buchhaltung gelernt hat. Auch wenn ich davor fast nervös war, hat es mir doch Spaß gemacht, den Socios (Mitglieder) des CAAMs etwas zu präsentieren, wo auch viel Arbeit von mir drinsteckt. Außerdem habe ich das Gefühl gehabt, jetzt nicht nicht mehr über jedes Wort, das ich auf Spanisch sage, nachdenken zu müssen, sondern habe teilweise einfach drauf los geredet, sicher mit Fehlern, aber ich glaube, wenn es nicht um die Bilanz gegangen wäre, hätten mich alle verstanden.
In der vergangen Woche wurde auch mit dem Bau des Zaunes im hinteren “Garten” des CAAMs begonnen. Dafür mähten Simon und Darwin (ja, der heißt Darwin, so wie der Charles Darwin, aber er heißt so im Vornamen, in Ecuador ist das normal, dass man den Kindern fremdländische Nachnamen als Vornamen geben kann, er ist aber nebenbei schon erwachsen, die extremsten Vornamen, die ich bis jetzt kenne sind glaube ich: Stalin, Lenin, Rommel, weiters kenne ich auch noch einen Washington, einen Kennedy und einen Presley) mit ihren Macheten alles nieder, was in zwei Monaten Regenzeit dort gewachsen ist. Am Samstag konnten wir dann schon die Steher in die Erde betonieren und die Querverbindungen annageln. Danach sägten und spalteten wir die Cana, alles händisch, da wir keine Maschinen hatten. Simon und ich waren nach einmal Cana durchsägen schon fertig, Darwin, dem wir 12 Dollar pro Tag bezahlen (das ist normaler Lohn, wir beuten ihn nicht aus... Anm. d. Red.), schnitt eine nach der anderen. Der ist schon ein ziemliches Viech, wie man in Österreich sagen könnte, gemeinsam haben wir die Cana-Vierteln dann an die Latten genagelt, jetzt steht schon eine Seite vom Zaun und wenn alles gut geht, werden wir nächste Woche sicher fertig. Viel Planung steht nicht hinter dem Projekt, muss ich zugeben, aber in Ecuador wird da einfach drauf los gearbeitet, erst nach zwei Meter Zaun merkten wir, dass von den Cana-Stäben keine zwei gleich lang waren, naja, der Untergrund ist ja auch nicht gerade eben. Nach meiner Schätzung werden wir mit 200 Dollar die 40 Meter Zaun fertig machen können. Um den Rest der Spendengelder wurde schon um 48,45 Dollar Werkzeug gekauft und wird vielleicht noch das eine oder andere angeschafft.
Eine normale Arbeitswoche, die trotzdem einen umfassenden Blogbericht erfordert, das ist das schöne hier.
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