Gleich vorweg, Pandemie ist übertrieben, aber es macht einen guten Titel. Es geht momentan in Pedro Carbo eine Krankheit um, die „Patada china“ genannt wird, übersetzt heißt das so ungefähr „Chinesischer Fuß“. Hat aber so wenig mit Füßen zu tun wie ich mit Sport. Eigentlich ist das eine Augenkrankheit, bei der die Augen brennen und die Betroffenen wegen der erhöhten Lichtempfindlichkeit ihrer Augen mit Sonnenbrillen herumlaufen. Vor einigen Wochen war Yadira betroffen, zu Beginn dieser Woche Joffre und am Dienstagabend hat es Manuel erwischt, der jetzt immer mit seiner Gletscherbrille unterwegs ist. Bis jetzt hat es mich nicht erwischt, die Krankheit ist aber angeblich ziemlich ansteckend.
Am Mittwoch hat das CAAM einen Bus gemietet und wir sind nach Taura, nahe Guayaquil gefahren. Finanziert wurde der Ausflug neben den kleinen Beiträgen der Mitfahrenden von der UNO, die, wie schon vor einigen Wochen erwähnt, ein 50.000 Dollar-Projekt des CAAMs finanziert. Mit diesen Mitteln wurde unter anderem am Dienstag ein nagelneuer Computer gekauft. Am Mittwoch fuhren wir also auf eine Bio-Bananen-Plantage in Taura. Der Plantagenbesitzer empfing uns persönlich und erklärte uns die Vorgänge in seinem Unternehmen. Er hat sehr motivierend gewirkt auf die Bauern, redete viel von biologischen Mitteln und dass die Pflanzen und der Boden gesund sein müssen und die Pflanzen sich so gegen die ärgsten Krankheiten verteidigen können und dass der selbst hergestellte Biodünger „Biol“ wesentlich billiger und effektiver ist. In großen Dimensionen selbst hergestellt kostet ihn der Liter Biol zwölf Cent, in Geschäften wird der industriell hergestellte um bis zu acht Dollar verkauft. Natürlich kann man nicht all seine Strategien für die kleinen Bauern, die zB mit einem Hektar Mais, einem Hektar Reis und einem Hektar Papaya arbeiten, umlegen, er hat acht „Haciendas“ mit durchschnittlich 80 Hektar, rechnerisch eine Gesamtanbaufläche von 640 Hektar, doch finde ich es sehr gut, dass er die kleinen Bauern für biologische Landwirtschaft begeistern zu versucht. Er hat auch eine eigene Kompostieranlage, der Kompost ist allerdings nicht so geeignet, da er als zertifizierter Biobetrieb keine Dünger mit zu hohem Stickstoffanteil verwenden darf und der Kompost in dieser Hinsicht einfach „zu gut“ ist. Man muss auch sagen, dass er leicht reden kann, wenn er seine 500 Hektar Bananen hat und auch das Kapital hatte, um beispielsweise in die Tanks für die Biolerzeugung zu investieren, trotzdem ein gutes Beispiel, wie auch die landwirtschaftliche Massenproduktion biologisch funktionieren kann. Ecuador ist weltweiter Exportführer in Bananen, nur Indien produziert mehr, exportiert aber weniger. Komisch ist allerdings, dass trotzdem Erdöl das wichtigste Exportgut ist. Der reichste Mann Ecuadors, Alvaro Noboa, wurde in österreichischen Medien vor der Präsidentenwahl, zu der er mit einem sehr kostspieligen Wahlkampf vergeblich antrat, als „Bananenkönig“ bezeichnet, er kontrolliert große Teile der Bananenindustrie in der „Bananenrepublik Nr. 1“.
Bei dem Besuch der Bananenplantage tat sich allerdings auch ein neuer Absatzmarkt für das CAAM und die Bauern auf: Ají (Chili) als Insektizid. In der biologischen Landwirtschaft sind verständlicherweise viele Insektizide verboten, eine billige und wirkungsvolle Alternative stellen ajo (Knoblauch) und ají dar, ein halbes Kilo ajo und 300 Gramm ají auf einen Hektar verteilt tötet sämtliche Schädlinge. Haben wir bisher den ají um 67 Cent pro Kilo an eine Zulieferfirma für „McIlhenny“ (Tabasco) in Los Angeles verkauft, so bieten uns die „Bananeros orgánicos“ (Biobananenanbauer) bis zu 1,20 $ pro Kilo, fast das Doppelte. Am Donnerstag betrat schon der erste Kunde, Kollege des von uns am Tag zuvor besuchten „Bananeros“, das CAAM und wollte drei Kübel voll ají haben. Wenig, dafür, dass er am Vortag am Telefon etwas von zehn Tonnen erwähnte. Die 57 kg ají um 68,40 $ hat der wahrscheinlich aus der Portokassa bezahlt. Ich habe ihm aus einem ají-Tank die Kübel angefüllt und hatte dann selbst den ají an den Händen und Armen (wirkt wie eine dieser Wärmecremes, die dann so heiß werden auf der Haut, aber es wird schon ein wenig zu heiß), den zweiten und dritten Kübel mussten wir erst aufbrechen, da es (fast) leere Ölkübel waren, die noch versiegelt waren, ein bisschen Motoröl war auch noch drinnen. Der Bananero meinte nur, sein Auto braucht eh Öl, und leerte die Reste in seinen Motor, sauber wurden sie dadurch nicht. Auf meine Frage hin, ob ich jetzt den ají in die dreckigen Kübel geben soll, sagte er nur: „No te preocupes, no lo voy a comer“ (Besorg dich nicht, ich werde es nicht essen). Mit den Worten meiner Mutter („Ein Tropfen Öl verschmutzt 1000 Liter Grundwasser“), die ich vor vielen Jahren einmal vernommen hatte und irgendwie hängen geblieben waren, im Hinterkopf füllte ich den geschroteten ají in die Ölkübel. In geringerer Dosis wird in dem biologischen Insektizid dann also auch Motoröl sein. Ich wünsche guten Appetit bei den nächsten „Bio-Bananen“ aus Ecuador! Trotzdem, Manuel meinte einmal, Bananen in Österreich zu essen ist gesünder, als in Ecuador, aus dem Grund, weil die Exportbananen schon oft biologisch hergestellt werden und im Inland die billigeren, aus konventioneller Landwirtschaft stammenden. Nach dem Besuch des Bananeros am Donnerstag hatten wir noch eine kleine Reunion („Meeting“ auf „Deutsch“). Da waren Manuel, ich, Joffre (mein „Lehrling“ in Buchhaltung und sonstiger Verwaltungsarbeit), Jubian (Mitarbeiter im FEPP, der viel für das CAAM macht) und zwei weitere vom FEPP, die andere „Centros de Negocios“ betreuen. Ein „Centro de Negocios“ ist eine Einrichtung, wie es auch das CAAM zum Teil ist, in der Bauern einerseits gegenseitige Unterstützung erhalten, aber auch ihre Produkte gemeinsam vermarkten. Diebeiden wollen ein Netz dieser Zentren aufbauen, damit sie effektiver arbeiten und sich untereinander unterstützen können. Sie betreuen auch eines in San Isidro, weit weg von Pedro Carbo in Manabí, und suchen für dort einen „Gringo“, der, ähnlich wie der Flo den Kleinsparkassen, mit Buchhaltung und Verwaltung hilft. Dann haben die beiden mich ausgefragt, was meine Spezialitäten sind und was ich so genau mache und dann schlugen sie vor, dass ich einmal auf Kosten des FEPPs für eine Woche nach San Isidro fahre, und mir dort die Situation ansehe und eventuell was helfen könnte. Jubian meinte dann zu ihnen, dass sie es ausnützen sollen, solange ich noch da bin. Wow, ich war eigentlich ziemlich überwältigt von so viel „G´riss“ um mich. Ich würde schon gerne hinfahren, habe aber im CAAM meine 3 fixen Tage pro Woche, wo ich mit Joffre arbeite und ihm helfe, andererseits hat er auch in der Zeit meines Urlaubs im März alleine sehr gut gearbeitet und mich sehr angenehm überrascht. Wahrscheinlich muss man seine „Schüler“ oft einfach alleine lassen und was sie sich dann alleine erarbeiten, dauert vielleicht etwas länger, hält aber viel besser danach. Also wir werden sehen, vielleicht wird es ja was mit meiner einwöchigen Dienstreise nach San Isidro.
2 Kommentare:
Wenn'st mich fragst kannst dir die, nehme an, Augenentzündung, sparen nach deiner intensiven "Darmreinigung"!
Man muss nicht immer hierher schreien :)
Wenn das so weitergeht mit dir fürcht ich schön langsam du kommst möglicherweise gar nimmer nach Österreich zurück
Lg, AOD
vielleicht warst du mit deiner "deospray-aktion" der ausgangspunkt dieser "pandemie" ;)
freut mich für dich, dass sich dort untn alle um deine wertvolle arbeitskraft reißen, aber bei uns erobn wär auch a Griss (ohne ') um di ;)
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