Sonntag, 21. Juni 2009

Hochzeit und weg

Die Woche war relativ stressig, da der Manuel am Freitag nach Österreich auf „Heimaturlaub“ flog und bis 31. Juli nicht zurückkommen wird. Somit ging es in dieser Woche darum, die anstehenden Tätigkeiten für die kommende Zeit abzuklären und unter denjenigen aufzuteilen, die hier bleiben. Manuel hat jetzt ein neues Visum für Ecuador, weil er das „Missionarsvisum“ nicht mehr verlängern konnte da er einen RUC (Steuernummer) hat, damit er dem CAAM für seinen kleinen Gehalt Rechnungen stellen kann, und somit nicht mehr als Freiwilliger gilt. Das neue Visum bekam er als Vater eines ecuadorianischen Kindes und berechtigt ihn auch zu einem ecuadorianischem Personalausweis, dem Cedula. Das Cedula bekam er am Dienstag, am Mittwoch war noch Generalversammlung (Asamblea) des CAAMs und am Donnerstag heirateten er und seine Katty am Registro Civil (Standesamt) in Guayaquil. Zu Mittag fuhren wir von Pedro Carbo weg, um zwei Uhr waren wir alle im Zentrum angelangt. Das neue Registro Civil in einer der besten Bürogegenden Guayaquils gibt es erst seit wenigen Monaten und funktioniert sehr modern. Über grosse Flatscreen-Monitore werden im ersten Stock die anstehenden Hochzeiten aufgerufen, da kam dann auch „Gschweitl Pluas“; in Ecuador behält man bei der Hochzeit seine üblicherweise zwei Nachnamen, die Kinder bekommen als ersten Nachnamen den ersten des Vaters und als zweiten den ersten der Mutter. Gegen drei Uhr wurden wir unerwartet pünktlich in einen kleinen Saal gebeten, drinnen warteten schon zwei Männer, beide dunkle Hautfarbe, Glatze und einer der beiden hat sicher 150 kg oder mehr gehabt. Die beiden hätten auch Türsteher in irgendeiner Disco von Guayaquil sein können. Noch vor der offiziellen Zeremonie nam einer der beiden die Ausweise von Manuel und Katty in die eine und einen Locher in die andere Hand. Und ganz feierlich machte er in jeden Ausweis ein Loch ins Foto. Auf denen steht nämlich, dass sie ledig sind, ein Loch im Ausweis heisst, dass man geheiratet hat und wenn man sich dann den nächsten ausstellen lässt, steht dann drauf, dass sie verheiratet sind. Die Zeremonie war dann relativ kurz, die meiste Zeit wurde nur unterschrieben, Flo1 kam extra aus Quito zur Hochzeit und unterschrieb als einer der zwei Trauzeugen. Nach der Hochzeit machten wir noch schnell ein paar Fotos am Malecon2000, der Uferpromenade am Rio Guayas und fuhren danach eine Stunde mit einem kleinen überfüllten Stadtbus zum Haus von Kattys Schwester, wo es noch ein kleines Essen gab. Am Abend fuhren wir dann noch mit einem bumvollen Pedro-Carbo-Bus nach Pedro Carbo. Am nächsten Tag begleitete ich auch noch Manuel und Katty zum Flughafen, aber nicht nur ich, Kattys ganze Familie kam mit, ihr Vater übernahm das Steuer des Kleinbusses, den uns der Herbert geborgt hatte. Der Vater, Verkehrspolizist und in der Freizeit Busfahrer, fürchtet natürlich nichts auf den Straßen zwischen Pedro Carbo und Guayaquil und somit brauchte er sich auch nicht anschnallen, wobei es aber in Ecuador sogar das Gesetz gibt, dass zumindest der Fahrer wenn nicht auch der Beifahrer angeschnallt sein müssen. Trotzdem, wenn einen dann die Polizei deswegen aufhalten würde ginge es denen wohl eher um das zu kassierende Bestechungsgeld als um die Verkehrssicherheit. So fuhren wir also im voll besetzten Kleinbus zum Flughafen. Irgendwie hatte ich geglaubt, ich könnte auf der Fahrt schlafen, war ein Irrtum, Kattys drei Geschwister haben alle ihre Kinder mitgebracht, von Ruhe war da keine Spur, aber wie so oft in Ecuador, die Gesellschaft ist einfach jünger, einerseits, weil die Lebenserwartung geringer ist und andererseits, weil es kaum Nachwuchsprobleme gibt, überall sieht man Mütter mit Kindern, Kinder spielen in der Straße und immer ist etwas los. Jedenfalls war der Abschied am Flughafen schon auch ziemlich emotional, aber viele aus Pedro Carbo gehen ja doch nicht auf so eine weite Reise. Beim Einchecken erklärten wir abwechselnd Manuels Schwiegervater oder seinen Enkeln, wie das alles funktioniert, warum man sich da jetzt anstellen muss und nicht einfach hingeht und einsteigt wie beim Bus. Kurz überlegte ich mir, wie es wohl wäre, wenn der internationale Flugverkehr so funktionieren würde wie der Busverkehr in Ecuador, aber besser, man denkt gar nicht daran. Danach fuhr ich noch aufs INAR (Instituto Nacional de Riego, also nationales Bewässerungsinstitut), da das CAAM dort einen Antrag auf Förderung von 11 Brunnen, die jeweils für einige Bauern gemeinsam nutzbar sein sollten, stellte. Ich holte nur einen kleinen Zwischenbericht ab, da ja immer alle Unterlagen nach Quito geschickt werden müssen und dann gibt es darüber viel zu viele Berichte. Und dann fuhr ich noch auf Gobierno de Litoral, die Vertretung des Staates in Guayaquil, da ich die Heiratsurkunde von Manuel und Katty und die Geburtsurkunde von Samuel irgendwie „apostilieren“ lassen musste. Manuel meinte, das geht ganz einfach, einfach hingehen, fragen, dann daneben zum Bankschalter, das Geld dafür depositieren und dann den Stempel abholen. So war es aber nicht, der am Schalter meint, auf den Dokumenten fehlt die Unterschrift eines Beamten im Registro Civil del Sur, also nicht einmal in dem Registro Civil, wo sie geheiratet haben, sondern in einem anderen. Komisch. In das andere werde ich wahrscheinlich nächste Woche fahren, damit ich die fertigen Dokumente am Donnerstag mit den Tirolern nach Österreich schicken kann, da sie Manuel dort braucht.
Am Samstag machten wir einen kleinen Ausflug nach Estacada zum Schwimmen und ein bisschen Erholen, danach gingen wir noch zur halben Brücke. War ein netter Ausflug, auch um Pedro Carbo gibt es ein paar schöne Flecken, die sich lohnen, besucht zu werden.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Klaus, während du von einem Amt zum anderen rennst und Hochzeiten und Abflüge miterlebst, tut sich in Breitenwaida allerhand. Diesmal hast du wirklich etwas versäumt: die Aufführung des Musicals über den Pankraz. Man kann allen Breitenwaidingern nur gratulieren. So etwas Großartiges!! Wir sind begeistert. Kannst stolz sein auf deine Familie daheim! Sie werden dir ja erzählen! Und auch du mach so weiter! Alles Gute. Omer

Anonym hat gesagt…

Wie die Omer schon ihren Kommentar abgegeben hat, sind wir noch beim Poldi in der 2. ausgeräumten Halle gesessen und der Elternverein hat Geld gezählt, weggeräumt und dann ein Glas gehoben auf das gute Gelingen. Es ist voll anstrengend. Den Leuten gefällt es total gut. Und es gibt für die letzte Vorstellung keine Karten mehr.Nur mehr am Schwarzmarkt.
Bloß für die Schulvorstellung am Mittwoch gibt es noch Plätze.
Jedenfalls freuen wir uns auf dich, auf ein planloseres Leben, auf einen ganz anderen Tagesablauf und ganz neue Eindrücke.
M

Anonym hat gesagt…

Hallo Klaus!
Ich möchte mir den internatinalen Flugvekehr lieber nicht wie den Busverkehr in Ecuador vorstellen wenn dann die Flugzeuge im gleichen technischen Zustand - oder besser Missstand - sind wie die üblichen Busse mit denen du derzeit verkehrst!
:)AOD

Kerstin hat gesagt…

ich fürcht mich jetzt schon auf den Flug von Guayaquill nach Bogota...

lg kerstin