Wieder eine ereignisreiche Woche. Am Mittwoch Nachmittag machte ich mich auf den Weg nach Saquisili, einer kleinen Stadt in den Anden, in der Nähe von Latacunga, etwa eine Stunde südlich von Quito. Dorthin fuhren nämlich schon davor die zwei Gäste aus Tirol sowie Jakob, Barbara und Lisa. Ich kam erst am Mittwoch nach, da ich im CAAM noch viel Arbeit hatte, vor allem, weil es jetzt darum geht, alles wichtige zu erledigen, da Manuel ab 19. Juni bis 31. Juli, also bis zum Ende meines Zivildienstes, nach Österreich fliegt. So kam ich gegen halb drei von Pedro Carbo weg und kam in Guayaquil um halb vier an. Dort kaufte ich ein Busticket nach Latacunga, sieben Dollar kostete das für etwa sieben Stunden Fahrt, das ist immer sehr leicht zu bemessen, eine Stunde Fahrt kostet in der Regel immer einen Dollar, somit kann man nachvollziehen, ob der angebotene Preis gut ist, oder ob man als Ausländer betrogen wird. Um dreiviertel vier fuhr der Bus auch schon los, auf dem Bus stand aber, dass er nur bis Ambato (nicht einmal eine Stunde südlich von Latacunga) fährt. Während der Fahrt schlief ich und bekam im Fernsehen nur Teile des 2:0 Sieges von Ecuador über Argentinien mit. Dazu muss man sagen, dass das Match in Quito war und in Quito, auf 2800 Metern Seehöhe laufen die Ecuadorianer, die es gewöhnt sind, den Top-Mannschaften von Brasilien oder Argentinien einfach davon. Jedenfalls wachte ich nur bei einem Elfmeter, den der ecuadorianische Tormann verursacht und gehalten hat und bei den zwei Toren der Ecuadorianer auf, da der ganze Bus lautstark mitfieberte. Um elf waren wir dann in Ambato, Endstation, ich war schon fast ein bisschen sauer, weil man mir das Ticket bis Latacunga verkauft hatte, beim Aussteigen aber gibt mir der Oficial (Art Schaffner vom Bus) einen Dollar in die Hand und sagt, dass das das Geld ist, mit dem ich jetzt nach Latacunga fahren soll. Ich war ziemlich überrascht von dieser Ehrlichkeit und eine Frau, die nach Quito weiterfahren wollte und ich gehen die Straße hinauf und suchen Busse, die um diese Uhrzeit noch nach Latacunga und weiter fahren. Auf dem Weg erzählt sie mir, wie gefährlich es in Ambato um diese Uhrzeit rund um das Terminal ist und dass sie froh ist, dass sie einen Mann als „Deckung“ mit hat, ich glaube, sie hat in der Finsternis nicht ganz begriffen, dass ich Ausländer bin und dass sie mit mir eigentlich noch gefährdeter ist. Wir fanden auch einen Bus, der uns mitnahm und gegen Mitternacht war ich in Latacunga. Natürlich fährt um diese Uhrzeit kein Bus mehr ins kleine Städtchen Saquisili, somit fragte ich ein Taxi, wie viel es kostet bis Saquisili. Der Fahrer wollte dann fünf Dollar für eine Viertel Stunde Fahrt und ich habe mir gedacht, das leiste ich mir, weil in Latacunga noch etwas zum Übernachten zu suchen, hätte vielleicht mehr gekostet. Am Hauptplatz von Saquisili fand ich auch gleich das einzige Hotel der Stadt, wo ich mir dann gemeinsam mit Jakob, Barbara und Lisa, die mit Andreas und Waltraud, den zwei Tirolern, und Simon und seinem Vater, schon seit dem Nachmittag dort waren, ein Zimmer, das zusammen 15 Dollar kostete teilte. Das Hotel war auch für ecuadorianische Verhältnisse schlecht, aber für eine Nacht hat es gereicht. Ich habe ja noch gar nicht geschrieben, warum wir eigentlich nach Saquisili wollten; dort gibt es angeblich acht Märkte, von denen wir am nächsten Tag ab halb sieben drei oder vier besuchten, darunter ein riesiger Tiermarkt, wo Kühe, Schweine, Hühner, Hasen, Meerschweinchen, Schafe und alles mögliche gehandelt werden. Nachdem wir dann in der ganzen Stadt keine anständigen Kaffee fanden, verließen wir sie in Richtung Quito. Simon und sein Vater aber fuhren zurück Richtung Guayaquil und Pedro Carbo, da am Freitag der Rückflug des Letzteren anstand. In Quito wohnten wir in einem sehr guten Hotel mitten in der Altstadt und besichtigten in der kurzen Zeit bis Freitag Mittag einige Kirchen und historische Stätten. Am Donnerstagabend besuchten wir auch eine Vorstellung der Theatergruppe, in der Flo1 jetzt arbeitet. Am Freitag fuhren wir über Tag nach Guayaquil und dann nach Pedro Carbo zurück. Ich weiß jetzt, dass ich sicher nie mehr am Tag von Quito nach Guayaquil fahre, weil es viel zu lange dauert und man nicht gut schlafen kann im Bus, aber die Erfahrung war es wert. Am Samstag stand dann das „Cena Solidaria“ („Solidaritätsabendessen“) des INESEM (früher CRESEM) an. Bei dieser Veranstaltung kommen Leute, zahlen fünf Dollar Eintritt, bekommen dafür ein Abendessen und gleichzeitig eine „Show“ geboten, der Reinerlös ist für die Erhaltung des INESEMs. Die Show bestand aus Tänzen der gehörlosen Schüler des INESEMs, wirklich eine tolle Leistung, wie die tanzen, einer Tae-kwon-do (ich hoffe, das schreibt man so ähnlich) Vorführung von Koreanern und Ecuadorianern aus Guayaquil, vier Stücken von David solo auf der Geige, mehrere Gesangseinlagen von Leuten aus der Umgebung, ein Gitarrenstück von mir, einem chaotischen Polkatanz von uns Österreichern, danach haben wir auch noch „Weil der Mensch zählt“ von Alf Poier gesungen. Das ist recht gut angekommen beim pedrocarbensischem Publikum, obwohl sie kein Wort verstanden haben. Auch die Polka haben wir am Nachmittag zu proben begonnen, dementsprechend chaotisch war es, aber den Zusehern hat es voll gefallen und sie schrien sogar nach einer Zugabe, die wir aber nicht mehr bringen konnten, da wir einfach schon komplett fertig waren nach zwei Minuten Attwenger-Polka tanzen.
Am Sonntag zeigte ich den beiden Tirolern noch das „schöne Guayaquil“, damit sie diese Stadt auch einmal gesehen haben.
Letztens habe ich wieder einmal im Internet Nachrichten aus Österreich gelesen, auf der Seite des ORF las ich da „Rollende Bombe aus dem Verkehr gezogen“, ich klickte diese Meldung an, dachte an Autobomben oder Sprengstofflieferungen und las aber nur von einem Reisebus, dessen Achse gerostet waren und der es dadurch auf die Titelseite des ORFs geschafft hatte. Ich muss noch immer darüber lachen, ich glaube in Ecuador fahre ich dann ständig nur mit „Rollenden Bomben“. Oder „Licht am Tag“ ist ja auch etwas Lustiges, in Ecuador müsste man die Kampagne „Licht bei Nacht hat noch keinen umgebracht“ oder „Licht einbaun zum besser schaun“ starten. Dafür fahren auch manche am Tag mit Fernlicht. Wer hat, der hat. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal.
1 Kommentar:
musst ja schon ganz schön gut spanisch können, wenn dich die frau nicht als ausländer identifiziert hat. vom aussehen scheinst ja doch was südamerikanisches angenommen zu haben. wir freuen uns schon
mum
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