Eigentlich wieder eine ganz normale Woche. Oder genauso „unnormal“ wie jede Woche Pedro Carbo. Am Dienstag kamen Ernst und Doris an, ein Pensionistenehepaar aus Österreich, die jetzt bis Juni dableiben werden und mithelfen, wo sie halt gebraucht werden.
Gestern, Samstag, wollten wir den Hahn schlachten und ihn im neu erbauten Lehmofen in Estacada grillen. Den Lehmofen hätten wir aber vorher noch ordentlich ausbrennen müssen, damit er trocknet, was dann wegen des Regens nicht möglich war. Somit hat es auch der Hahn noch einmal überlebt. Als wir in Estacada ankamen, Placido der Tischler hat uns mit seinem Auto hingebracht, haben wir mal alle Sachen vom Auto abgeladen, wir haben auch einige Pflanzen mitgehabt, die wir dort im botanischen Garten pflanzen werden. Auf jeden Fall habe ich schon am Vormittag am Markt Salat und Gemüse eingekauft als Beilage für den Hahn. Als ich dann den Hahn aus dem Auto nehme, kommt plötzlich der Hund, der dort in Estacada wohnt und ziemlich verspielt ist her und springt in Richtung Hahn. Einen Hahn so hoch zu halten, dass ihn ein Hund springend nicht erreich ist ganz schön schwer. Einmal kurz nicht aufgepasst, schreit Manuel „Klaus, pass auf!“ und ich reiß den Hahn in die Höhe, gerade noch rechtzeitig, der Hund landet neben mir, den Mund voller Federn. Ein harter Verteilungskampf ums Essen. Naja, jedenfalls sind wir dann „waschelnass“ geworden und sind mit lebendem Hahn und Gemüse wieder nach Pedro Carbo zurückgefahren. Im CAAM habe ich mir dann gemeinsam mit Flo2 einen Salat aus gemacht, mit Mozzarella und Kürbiskernöl, das der Manuel noch gehabt hat. Wir hatten ja Hunger, weil wir in Erwartung des Hahnes kein Mittagessen zu uns genommen hatten.
Am Abend waren wir wieder kurz bei der Florcita auf ein Bier, da war auch die Frau ihres Enkels dort und sie hat gesagt, dass ihr Mann mit seinen Freunden fortgegangen ist und sie hat mit ihrer Schwiegergroßmutter ein Packerl Wein getrunken. Sie ist ja noch sehr jung, also so 23 oder 24, und ich habe sie gefragt, ob sie nicht mit uns mitkommen will, weil wir vielleicht noch in die Disco gehen. Dann haben mich die zwei Frauen gleich ganz verwundert angeschaut und gemeint, das geht auf keinen Fall, sie kann nicht ohne ihren Mann fortgehen, er kann das, er darf mit jedem fortgehen, aber sie, auf keinen Fall, da reden die Leute dann, wenn sie sie sehen. Naja, an so etwas habe ich halt nicht gedacht und ich hätte halt geglaubt, dass das bei jungen Leuten vielleicht nicht mehr so streng ist, aber anscheinend doch. Wir sind dann weiter zum Haus von der Ivana, der Freundin vom David, der gerade in Kolumbien ist. Dort waren wieder einige Leute versammelt und ihr Vater, der einer der wenigen in Pedro Carbo ist, die Klassik hören, dreht für uns Österreicher immer gern Mozart oder Beethoven auf (Wir erzählen ja immer gern, dass Beethoven Österreicher, dafür Hitler Deutscher war …). Gestern hat er aber eine CD vom Andre Rieu oder wieder heißt aufgedreht, ich mag ja diesen Viertelprofi mit dem Schmalzblick überhaupt nicht, aber hat mich trotzdem gefreut, dass ich irgendeinen ungarischen Tanz oder so von Brahms gehört hab. Er hat uns dann auch noch Bier und Wein serviert, weil irgendwer von seiner Familie im Nachbarhaus Geburtstag gefeiert hat. Und auch wieder: chilenischer Wein aus dem Packerl, ist zwar nichts im Vergleich zu einem DAC vom Mitterhauser Pepi, aber trotzdem ein Genuss, wenn man nichts Besseres hat.
Schön langsam glaube ich, dass es in Pedro Carbo einige Todesfälle geben würde, wenn man allen alle Salsa-, Cumbia-, Vallenato- oder Merengue-CDs wegnehmen würde. Irgendwie brauchen die das alle, der Salsa-Rhythmus ist so etwas wie ein Herzschrittmacher, der die Seelen am Leben erhält und mir gefällt er auch immer besser, jetzt hör ich selbst schon Salsa wenn ich Blog schreibe.
Heute am Rückweg vom Mittagessen sehe ich auf der Straße so teure Autos langsam fahren, eines spielt laute Musik, davor geht einer und trommelt, mir kommen Frauen in gelben T-Shirts entgegen und eine gibt mir ein Poster von irgendeinem Politiker in die Hand – Wahlwerbung für die Präsidentenwahl im April (der amtierende Präsident hat im September per Volksabstimmung eine neue Verfassung für Ecuador durchgebracht, jetzt muss er aber nach den neuen Gesetzen noch einmal gewählt werden, weil er ja noch nach der alten Verfassung gewählt wurde). Ich schaue mir das Poster kurz an, der Politiker darauf sieht nach einer Mischung aus Gangsterrapper und Mafia-Boss aus, als ich von dem Bild aufschaue, steht selbiger vor mir, ein Klischeebild von einem südamerikanischen Politiker: Hut, Sonnenbrille, fettes Grinsen, Goldketten umgehängt grinst mich an, sagt irgendwas und drückt mir die Hand, geht weiter und gibt der ganzen Hauptstraße seine mit goldenen Ringen besetzte Hand. Ein Stück weiter auf der Hauptstraße sehe ich wieder Autos, von einem Lastwagen winken mir Leute zu und zeigen mir zehn Finger, klar, sie machen Werbung für die Liste Zehn. Ich schaue kurz auf mein Poster vom Mafiaboss und sehe, dass er aber von der Liste Sieben ist. Ich mache mir den Spaß und halte mein Liste-Sieben-Poster im A2 Format in Richtung Lastwagen der Liste Zehn. Das war vielleicht lustig „Eso no“ haben sie geschrien „Vota diez“ (also „Das nicht, wähle zehn“).
Heute ist noch „Baby-Shower“, ein „zutiefst ecuadorianischer Brauch“, wie es Manuel so treffend beschrieben hat. Das ist also, weil die Katty, seine Freundin, ihr erstes Kind bekommen wird im März organisieren ihre Schwestern und Kolleginnen so eine kleine Feier, wo alle ein bisschen was an Geld springen lassen, um der künftigen Mutter und ihrem Kind etwas zu kaufen, eine Wiege oder irgendwas. Warum es „Baby-Shower“ heißt und woher der Brauch kommt, weiß anscheinend niemand. Bin schon gespannt, was uns dort erwartet.
Auf den Fotos bin ich mit der Katze und ich beim Zubereiten des Salates (Maria – hat nicht so gut wie deiner geschmeckt, aber ich habe es probiert, mit Mozzarella, Paradeiser und Kürbiskernöl) zu sehen. In der Küche habe ich in Ermangelung einer Kochhaube einfach ein weisses Plastiksackerl aufgesetzt.
Das nächste Wochenende ist ja angeblich Fasching, ganz wichtig in Ecuador, Faschingmontag und –dienstag sind auch Feiertage, deswegen werden wir die Möglichkeit nutzen und irgendwohin fahren. Ich möchte ja eher nicht an den Strand, weil halb Ecuador in dieser Zeit nicht zu hause sondern am Strand sauft.
__________ Información de ESET NOD32 Antivirus, versión de la base de firmas de virus 3852 (20090213) __________
ESET NOD32 Antivirus ha comprobado este mensaje.
http://www.eset.com
4 Kommentare:
Your cat is cute cute cute!!!!!!
sonst haben immer Hexen die Katzen auf der Schulter...
Lunes ist immer gleich dünn, du scheinst aber nicht dünner geworden zu sein.....
Na seawas, der Hahn wird zach sein, wenn er endlich geschlachtet sein wird. Wer hätte ihn denn gerupft und vorher geschlachtet?
wwwmam
:o)
klausi,
da tut sich ja einiges ... vermiss p.c. irgendwe schon. erlebt ja viel.
verbringt karneval sehr gut und viel spass.
bis bald.
bab mi vida
tu amor :P
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