Donnerstag, 28. Mai 2009

Nach langer Blogasbtinenz...

Das letzte Wochenende bin ich meinen Bloglesern etwas schuldig geblieben, das möchte ich jetzt auch gern nachholen. Also letztes Wochenende war am Samstag der letzte Arbeitstag der Maestros, die im CAAM zwei Zimmer und eine Küche für die zukünftigen Zivis herrichteten, gleichzeitig begannen wir mit dem Ausmalen. Das klingt nach Arbeit, war aber meiner Ansicht nach ziemlich witzig, weil wir die künftige Küche so gestalten konnten wie wir wollen. Das begann schon, dass ich für die Anrichte rund um das Waschbecken blaue und gelbe Fliesen aussuchte, schaut ziemlich witzig aus und auch beim Malen ließen wir unserer Kreativität freien Lauf. Am Sonntag gab es dann am späten Nachmittag eine Fahrstunde am Motorrad für die Zivis. War sehr interessant, ich hätte ja nicht geglaubt, dass ich jemals ein Motorrad fahren werde. Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten, für die ich gemeinsam mit der Kupplung verantwortlich war, schaffte ich es doch, das Motorrad, auf der Straße zwischen Pedro Carbo und Estacada zum Fahren zu bringen, sogar mit dem Manuel auf dem Rücksitz, der mir nach 100 Metern den wertvollen Tip gab: „Jetzt kannst dann bald in die Zweite schalten.“, und ich habe das dann sogar geschafft, eigentlich nicht so schwer, wenn man mal fährt. Das Beste am Motorrad ist aber die Hupe, man darf in Ecuador ja jeden immer und überall anhupen, überhaupt wenn es sich um Frauen am Wegesrand handelt. Also meine Motorradkarriere beschränkt sich auf 10 Minuten Fahren, diese 10 Minuten machten aber Lust auf mehr. Noch bevor wir das Motorrad probierten machten wir einen kleinen Abstecher mit den Fahrrädern zu der halben Brücke. Die ist wirklich schön, da wurde vor 20 Jahren mit dem Bau einer Brücke für eine geplante Umfahrung von Pedro Carbo begonnen, während des Baus wurde allerdings bemerkt, dass das andere Ufer des Flusses, sich immer weiter weg bewegt weil der Fluss an dieser Stelle eine Kurve macht, somit wurde wieder mit dem Bau aufgehört, das hat zur Folge, dass jetzt mitten in der Landschaft der Beginn einer Riesenbrücke steht. Die tiefstehende Sonne taucht bei klarem Wetter die ganze Landschaft in einen angenehmen Rotton und von der Brücke sieht man sehr weit, hat mir echt Leid getan, dass ich die Kamera nicht dabei hatte.
Am Donnerstag kam Jorge ins CAAM. Er floh vor einigen Monaten aus Estacada, weil er in irgendeinem Kampf jemanden verletzte, der nach Rache suchte. Früher hat er viel für das CAAM gearbeitet, weil er in Estacada gleich neben dem botanischen Garten wohnte. Er war ziemlich betrunken, wie leider so oft, und meinte, er fährt jetzt nach Estacada und stellt sich seinen Feinden, er hätte genug Munition und eine Waffe mit. Manuel redete mit ihm und versuchte, es ihm auszureden. Sie trafen irgendeine Abmachung und Jorge ging wieder. Wohin, wissen wir bis heute nicht. Am selben Tag starb auch eine meiner Gänse, wir merkten erst am Mittwoch Abend, dass sie sehr schwach war, anscheinend haben der Hahn und die andere Gans ihr das ganze Futter weggefressen, oder sie war krank. Mit Futter und Wasser, dass wir ihr direkt in den Schnabel einflößen mussten, versuchten wir sie am Donnerstagvormittag wieder aufzupäppeln, die Gans war aber zu schwach, um ihren Kopf zu heben und konnte auch das Essen nicht schlucken, wenige Minuten später war sie tot. Wir schaufelten ein Grab, begruben sie und legten einen schweren Stein darauf, damit nicht der Hund auf die Idee kommt, das Grab zu plündern. Am Nachmittag bekam das Grab auch noch ein Kreuz aus Caña. Auch der Hahn ist mittlerweile schon tot.
Am Sonntag wurde nämlich in Estacada das zukünftige Museum im botanischen Garten mit Holzschutzmitteln gestrichen, für die freiwilligen Helfern gab es natürlich ein Essen, den Hahn und zwei gekaufte Hühner, im selbstgebauten Lehmofen gebraten. Der Hahn war doppelt so groß wie eines der gekauften Hühner. Geschlachtet hat ihn Darwin, schon am Samstag, damit am Sonntag alles schneller geht. Unter den Freiwilligen war auch Placido, der Tischler, der mit seinen Söhnen und seinen Arbeitern für den Teich im botanischen Garten ein Floß gebaut hatte. Finanziert wurde das von CPR, einer Organisation, die viele Gelder aus Spanien erhält und das CAAM immer wieder mit Sachspenden vor allem für den botanischen Garten unterstützt. Das Floß erlebte einen „Stapellauf“, von der Camioneta des Tischlers in den Teich. Mein Hund wollte unbedingt mit und folgte uns auch in das Trici, das uns bis an den Stadtrand von Pedro Carbo, von wo aus es nicht mehr weit bis zum botanischen Garten ist, brachte. Danach musste er natürlich auch noch mit. Im Garten angekommen, stellte sich aber heraus, dass dieser das absolute Paradies für meinen Hund ist. Er lief wie wild umher, sprang gleich beim Ankommen zum ersten Mal in den Teich und schwamm eine Runde, danach kam er heraus und wälzte sich im Gras und sprang herum, als wäre er verrückt, wieder ins Wasser, wieder heraus, herumspringen, herumwälzen, also der Hund war, bin ich mir sicher, absolut glücklich in diesen Momenten. Als dann der Manuel am Floß stand und zum ersten Mal vom Ufer wegtrieb, wollte der Hund natürlich auch auf das Floß, sprang vom schlammigen Ufer weg und – platsch – landete im Wasser. Unter dem Gelächter aller Anwesenden schwamm er ans Ufer zurück, das Lachen verstummte aber, als er sich schüttelte und das Wasser auf alle Umherstehenden verteilte. Später versuchte auch ich mich, gemeinsam mit Jakob, als Floßsteuermann, in unsere komplizierten Manöver vertieft, rief man uns plötzlich zu: „Schauts, wer euch besuchen kommt“, mein „Hier“ schwamm vom Ufer direkt zum Floß, mit unsere Hilfe kam er auch aufs Floß hinauf und machte uns zuerst einmal ordentlich nass. Aber egal, das ist doch ein Wahnsinn, der Hund kommt mir sogar nach, wenn ich auf einem Floß mitten in einem trüben Teich steh und er 15 Meter schwimmen muss. Außerdem war der Hier danach auch schön sauber, die Zecken sind alle ertrunken und er staubt auch nicht mehr so, wenn man ihn streichelt. Ich weiß jetzt, was ich früher nicht wirklich verstanden habe, wie man einen bestimmten Hund so gern haben kann, ich weiß aber auch, dass mein Hund zum Beispiel nicht glücklich wäre, wenn ich ihn mir nach Österreich mitnehmen würde. Ein Hund ist kein Haustier. Auch, wenn er sich an bestimmte Menschen bindet, ein Hund gehört nicht ins Haus, ein Hund ist glücklich, wenn er in Wiesen herumspringt, mit anderen Hunden streunt, sich dreckig machen kann, in Teichen schwimmen kann und Knochen und anderen menschlichen Essensabfall frisst. Kein teures Hundefutter, keine Mundhygiene, keine Pullover für Hunde. Aber das ist mir schon immer pervers vorgekommen in Österreich.
Ich hoffe, der nächste Blogeintrag kommt pünktlich, und verabschiede mich mit den Klängen von Bach, die ich gerade von meinem Laptop höre.
PS: Tut mir leid wegen der langen Wartezeit, unsere Telefonleitung war jetzt einige Tage gekappt und Windows hat meinen Laptop noch dazu lahm gelegt.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

klingt recht lustig mitn hund und so. und ich kann mir dich überhaupt nicht auf einem motorrad vorstellen. muss lustig ausschauen:)
glg georg

Anonym hat gesagt…

Schön, von dir und deinen Viechereien zu hören!Übrigens in der missio-Zeitung alle welt ist ein Bericht von Jakob Winkler über seine Arbeit im CRESEM, Padre Herbert und Ärzteeinsatz.glg omer