Samstag, 28. März 2009

Eine ganz normale Woche

Ich wünschte fast, ich könnte euch einmal von einer Woche berichten, in der nichts passierte oder in der es nichts Nennenswertes zu erzählen gäbe. Natürlich war auch diese Woche nicht so. Ich glaube, seit ich da bin habe ich keine Woche so wenig Zeit vor dem Computer verbracht wie in der vergangenen. Bis Mittwoch wurde der Zaun im hinteren „Garten“ des CAAMs fertig gebaut. Seit der vorigen Woche werden auch im Nebengebäude des CAAMs drei Zimmer für zukünftige Zivildiener gebaut. Dort arbeiten zwei Arbeiter, die am Tag gemeinsam 25 Dollar verdienen. Diese beiden haben die Angewohnheit, im Laufe des Tages immer wieder irgendwelche Materialien zu brauchen, mit deren Besorgung alleine ein Zivi beschäftigt werden könnte. Simon und ich haben uns diese Aufgabe geteilt. Alleine in dieser Woche war ich ungefähr fünf Mal Zement kaufen. Daran sind aber auch wir Schuld, weil wir immer wieder auf andere Sachen kommen, die noch gemacht werden sollten, da müssen wir die Anwesenheit des „Maestros“, der gleichzeitig Elektriker, Maurer und sehr geschickt ist, schon nützen. Am Mittwoch durfte ich auch die Camioneta (Pick-up auf „Deutsch“, auf Altdeutsch ist das ein Geländewagen mit Ladefläche) des FEPPs, mit der Yadira normalerweise unterwegs ist nutzen. Das hat mir schon gefallen, endlich wieder Autofahren, auch wenn es nur für ein paar Säcke Zement und Ziegel war. Dann kam der Maestro auch noch drauf, dass er für den Beton auch noch Sand braucht. Sand ist ja eigentlich einfach zu bekommen in Pedro Carbo: Man holt ihn sich einfach aus dem Flussbett. Während der Trockenzeit fahren sogar Bagger im ausgetrockneten Flussbett und holen den Sand heraus. Man kann sich den Sand auch bringen lassen und zahlt nur für die Arbeiter, die ihn auf den Lastwagen schaufeln oder einfach selbst hinfahren und ihn holen. Kurzfristig entschlossen fuhr ich also mit der Camioneta und den zwei Arbeitern auf der Ladefläche hinunter zum Fluss, der ja gleich neben dem CAAM ist. Die Straße hinunter ist aber nicht asphaltiert und wie alle unasphaltierten in der Regenzeit schwer bis gar nicht passierbar. Als es dann zu gatschig wurde blieb ich stehen weil ich Angst hatte, mit einem Auto, das nicht annähernd mir gehört, stecken zu bleiben. Gleich darauf kam ein Mann zu mir und meinte, ich kann da locker durch mit meinem tollen Auto. Ich äußerte meine Zweifel, darauf sagte er, er sei ein „Chofer profesional“ (Berufsfahrer) und er könne das. Kurz überlegt entschied ich mich, ihm das Auto anzuvertrauen und er führte es locker durch den Dreck und bis zum größten Sandhaufen. Dann schaufelte er souverän in weniger als einer Minute unsere vier Säcke voll mit Sand. Er war also ein Arbeiter, der dort gemeinsam mit seinen Kollegen auf die Ankunft eines größeren Lastwagens gewartet hatte. Gut, dann wollten wir wegfahren, aber das Auto startete nicht mehr. Er hatte sich auch selbstverständlich wieder auf den Fahrersitz gesetzt und ich hab ja auch gewusst, dass das Auto eine schwache Batterie hat und durch meine Kurzstreckenfahrten davor, zwischen denen ich ganz unecuadorianisch den Motor abstellte, war wohl die Batterie erschöpft. Keine Chance, das Auto steht im Flussbett, wenn es zu regnen begonnen hätte, wäre der Fluss innerhalb von Minuten vielleicht um Meter angestiegen. Unser Helfer ruft aber seine Kollegen, gemeinsam mit meinen zwei Arbeitern versuchen sie, anzuschieben, aber im Sand ist das schwer. Er ruft noch mehr, erst als ungefähr fünf oder sechs Leute anschieben, bewegt sich das Auto mit mir auf dem Fahrersitz. Er hat mir vorher schon gesagt, ich soll die Dritte reingeben und dann, wenn er schreit, starten. Da war ich ganz schön nervös, weil ich so etwas noch nie gemacht hab, keine Ahnung, wie man so einen Automotor dann zum Laufen bringt. Beim ersten Versuch hat der Motor nur ein paar mal geruckt, aber mehr nicht. Ich habe halt instinktiv dann die Kupplung ausgelassen, aber hat nicht funktioniert, dann beim zweiten Versuch habe ich schon sehr geschwitzt, mir schieben sechs Leute ein Auto an, das nicht mir gehört und dort ist, wo es nicht sein sollte, und ich weiß nicht, wie man es anstartet, wenn es rollt, doch dann hat der Motor zu rucken begonnen als ich die Kupplung ausließ, ich stieg aufs Gas und kurz danach auf die Kupplung und die große Erleichterung: Der Motor startete. Und dann fuhr ich selbst über die kaputte Straße wieder hinauf und wir waren auch gleich wieder im CAAM. Aber faszinierend, wie die uns alle geholfen haben, unentgeltlich, schnell und effektiv.
Am Donnerstag dann kam endlich der Lastwagen von ProAjí, der die vollen Fässer mitnehmen und leere Fässer und Salz brachte. Zuerst ludern wir 150 kg Salz ab, der Lastwagen schob dafür verkehrt ins CAAM rein, damit wir vollen Fässer aufladen können, die alle zwischen 160 und 180 kg haben, wollte ich, dass der Fahrer noch etwas zurückschiebt, dafür musste er erst aber kurz vorfahren, weil er sonst an das Dach gefahren wäre. Der Fahrer hat aber irgendwie zu viel Gas gegeben und die Hinterreifen haben sich im Schotter und danach in der Erde ziemlich weit eingegraben, bei jedem Versuch, wegzufahren rutschte der Lastwagen weiter zum Dach hin. Anschieben zwecklos, der hatte über eine Tonne Salz geladen. Wir versuchten, ihn auszuschaufeln, auch zwecklos. Danach baten wir den Nachbarn, der auch einen Lastwagen hat, den von ProAjí herauszuziehen. Mit Anziehen von vorne und Anschieben von hinten haben wir es dann doch geschafft, hinterlassen hat uns der Lastwagen im Hof vom CAAM ein riesiges Loch und viel Dreck. Die vollen Fässer mussten wir dann hinausrollen auf die Straße, wo der LKW stand.
Am Freitag durfte ich sogar noch einmal mit dem Auto fahren, als wir wieder einkauften und Sessel holten vom CRESEM und vom Municipio (Gemeindeamt oder Bezirkshauptmannschaft in einem), bei der letzten Fuhre allerdings fiel ein Stoß Sessel von der Ladefläche, als ich über die Schwelle in den Hinterhof vom CAAM fuhr und die Lehne des obersten Sessels brach. Naja, muss ich jetzt vielleicht den Plastiksessel zahlen. Die Sessel brauchen wir für den Sonntag, wenn die Kandidaten für die bevorstehende Wahl, bei der es auch um die Bürgermeister geht, zu einer öffentlichen Diskussions- und Fragerunde ins CAAM kommen.
Am Montag kam Niklas an. Er war drei Monate in Kolumbien, wo er David und Jakob kennenlernte und ist jetzt bei uns auf Besuch. Nebenbei ist er Bayer, hat einen lustigen Dialekt und ist auch selbst ganz ein Lustiger. Als gelernter Landschaftsgärtner kommt er uns auch für unseren neu geschaffenen „Garten“ im CAAM ganz gelegen.
Mein Hund, Hier, hatte letzten Freitag, also schon vor einer Woche, einen kleinen Unfall: Er wurde von einem Auto überfahren und danach eine Schürfwunde am Kopf und hinkte. Die Wunde wurde aber gleich mit dem Spray, bei dessen Anblick er instinktiv schon das Weite sucht, desinfiziert. Es gibt aber Tricks, wie man es trotzdem Schafft, das blaue Zeug aufzutragen. Er hat halt doch auch mit mir etwas gemeinsam und wenn es Essen gibt, kommt er immer nach „Hier“. Jedenfalls geht es ihm schon wieder blendend, die Wunde ist schnell verkrustet und er hinkt auch nicht mehr, er hat Glück, dass er zwischen die Reifen des Autos gekommen ist und „nur“ über den Boden geschleift wurde und dass er mich und die anderen Zivis hat, die ihn immer wieder rausreißen. Seit ich da bin hatte er jetzt schon drei Unfälle, einen Biss von einem anderen Hund und zwei Mal war er krank. Ein „Sorgenkind“ und eine gewisse Kostenstelle im Zivi-Budget aber er ist ja auch ein liebes Viecherl. Genauso lieb wie die Katze, die jetzt endlich ihre erste Maus getötet hat, nebenbei hat sie schon kleine Iguanas, Kolibris und alles mögliche an Insekten gefressen. Wie es sich für eine brave Katze eben gehört.
Mit Ende März muss ich meinen zweiten Tätigkeitsbericht an das Innenministerium schicken, das heißt so viel wie, dass jetzt zwei Drittel meines Zivilersatzdienstes vergangen sind. Erschreckend fast, wenn ich dran denke, dass ich eigentlich gerade erst angekommen bin und dass viele Sachen erst jetzt wirklich möglich werden.
Bis zum nächsten Eintrag „si Dios permite“, wie die Ecuadorianer so gerne sagen (wenn Gott es erlaubt), eigentlich gar nicht so blöd, weil man weiß ja nie, wie es weiter geht und genau genommen könnte jeder Tag der letzte sein und so sollte man ihn auch leben! Ich möchte jetzt auch nicht pessimistisch sein, aber ein bisschen über so etwas nachzudenken schadet glaube ich nicht.


Die Katze putzt sich

4 Kommentare:

maria hat gesagt…

ich mag eure katze haben...!! ich find des foto voll schön

Anonym hat gesagt…

Maria hätte sagen können: ich möcht eure Katze sein, der geht es echt gut,
liebe Grüße om

Anonym hat gesagt…

Eine richtige Model-Katze: sie braucht nur die Nikon D40 sehen und legt sich gleich in Pose ...
LG - dein Nikon-Erbe

Anonym hat gesagt…

Lebt der hahn eigentlich noch?
Und selber schuld wennst den motor abstellst, du kannst in dem land wirkli no vü lernen ;)

Glg christian