Ja, was ist in der vergangenen Woche oder besser gesagt seit dem letzten Blogeintrag alles passiert? – Viel. Aber alles der Reihe nach: Am Wochenende waren wir ja auf zwei Feiern und bei der zweiten gab es so viel zu essen, dass selbst bei mir die Hälfte überblieb. Ich habe mir aber die Reste eingepackt und mitgenommen, für das nächste Mittagessen oder wenn nicht, dann zur weiteren Verwendung als Tierfutter. Am Heimweg habe ich dann aber das ganze Essen der Florcita (die Besitzerin vom Stammkiosko) geschenkt, eigentlich hab ich sie nur zum Spaß gefragt, ob sie das Essen will, sie hat es aber gleich genommen und sich gefreut. Am Montag, als ich am Abend noch auf einem Erholungsbier bei ihr war hat sie mir dann um halb elf in der Nacht noch einen Riesenteller Essen gegeben, sozusagen als Revanche, aber das Essen war so gut, wirklich, so ein Stück Fleisch mit echt gutem Salat und auch ein guter Reis, weil da so Maiskörner drinnen waren. Ich wollte es eh nicht annehmen, bis sie schon fast beleidigt war, ich hab aber keinen Hunger mehr gehabt, habe es aber dann trotzdem gegessen, weil es einfach zu gut war. Dafür konnte ich danach nicht gut schlafen und hatte lauter absurde Träume.
Am Freitag zu Mittag kam dann die spontane Entscheidung: Wir fahren übers Wochenende nach Quito. Wir, das waren Flo1, Flo2 und ich, in Guayaquil ist dann noch der Andi, ein ecuadorianischer Freund von uns, dazugekommen. Schon auf dem Weg nach Guayaquil hatten wir irrsinniges Glück, dazu muss man sagen, dass es auf der Strecke zwischen Portoviejo oder Manta und Guayaquil eine Buslinie gibt, die fast alle zehn Minuten einen Bus auf die Strecke schickt. Diese Linie heißt COACTUR und ihre Busse bzw deren Fahrer sind für die gefährliche rasante Fahrweise und ihre nicht selten tödlich endenden Unfälle berühmt. Wenn man am Abend aber fahren will, fährt fast nur mehr diese Linie, so nahmen auch wir einen Bus der besagten Linie, weil wir aber auf den Flo2 am vereinbarten Treffpunkt ein bisschen warten mussten, kamen wir erst ein bisschen später weg, als wir wollten. Ungefähr auf halber Strecke nach Guayaquil ist die Stadt Nobol, die schnelleren Busse fahren dort aber nicht direkt hinein, sondern über die Umfahrung die Richtung Guayaquil in einem zweispurigen Kreisverkehr endet. Bei diesem Kreisverkehr angekommen hielt der Bus an und draußen sahen wir ein paar blinkende Einsatzfahrzeuge und einen COACTUR-Bus, der auf einer Seite total gatschig war. Es steigen Leute ein, die total verwirrt und dreckig ausschauen und die erzählen, dass ihr COACTUR-Bus auf der Fahrt nach Guayaquil sich ein Rennen mit einem anderen Bus geliefert hatte und der Busfahrer im starken Regen bei voller Fahrt im Kreisverkehr einfach die Kontrolle verloren hatte und sie mit dem ganzen Bus in ein Reisfeld gekracht sind. Totales Glück, dass es nur ein Reisfeld war, diesmal ist auch keiner gestorben, auch wenn die Frau, die sich neben mich gesetzt hat, so Blutspritzer am Gewand hatte. Vor mir saß schon seit Pedro Carbo ein Mann, der sich danach über die Fahrweise und Verantwortungslosigkeit der Busfahrer so äußerte, dass es der Busfahrer vielleicht auch gehört hätte, wenn er nicht
Die Vorstellung, dass wir auch in dem Unfallsbus hätten sein können, wenn wir ein bisschen früher von Pedro Carbo aufgebrochen wären geisterte mir noch länger im Kopf herum. Die Fahrt nach Quito verlief dann zum Glück sehr ruhig, von den acht Stunden habe ich die meiste Zeit geschlafen, nur ein paar mal kurz zum Fenster hinausgeschaut und einmal gesehen, dass der Bus, der vor unserem gefahren ist, am Straßenrand mit einer Panne stand. Das war das zweite aber nicht das letzte Mal Glück gehabt an diesem Wochenende.
Am Samstag in Quito besuchten wir Stefan, einen ehemaligen Pedro Carbo Zivi, der jetzt in Quito studiert, danach besichtigten wir die neugotische (1985 eingeweihte) Kathedrale von Quito, in der man um einen Dollar (für Touristen zwei, wir haben nur einen bezahlen müssen), ganz hinauf gehen kann. Ganz hinauf heißt auch ganz hinauf. Also teilweise muss man dann wirklich so Hühnerleitern rauf über die Fassade laufen, schaut sehr gefährlich aus, ist es wahrscheinlich auch, aber man hat einen schönen Ausblick und es ist den einen Dollar auf jeden Fall wert gewesen. Ich gebe ehrlich dazu, dass die letzten Stücke auf die Türme hinauf ausgelassen habe.
Am Abend trafen wir uns dann mit Lukas, auch ein ehemaliger Pedro Carbo Zivi, der bis Ende 2008 14 Monate in Bogota in einem Theater gearbeitet hatte und die Zeit bis zu seinem Heimflug, der bald sein wird, noch in Quito verbringt. Mit ihm waren wir dann noch in der „Neustadt“ von Quito in einigen Lokalen, war ganz gemütlich, es gibt viele Discos dort, aber auch gemütlichere Lokale, wo man Canelazo (so ein heißes Getränk, ziemlich gut) trinken und auch reden kann. Weil Flo2 und ich schon müde waren, sind wir schon um halb eins zum Hostal aufgebrochen, die anderen, Flo1, Lukas und Andi blieben noch, weil sie sich aber irgendwie dann an den Straßenrand setzten sind sie ausgeraubt worden. Das war jetzt das dritte Mal, wo ich Glück gehabt habe, dieses Wochenende. Man muss aber sagen, dass die „Räuber“, was ich so erzählt bekommen habe, sehr „freundlich“ waren; sie haben zwar die Handys gestohlen, aber freundlicherweise die SIM-Karten den Erstbesitzern überlassen. Immerhin etwas.
Der Sonntag verlief relativ ruhig. Ein bisschen spazierten wir durch die Altstadt und weil alle Museen am Sonntag geschlossen haben, haben wir dann eine Ausstellung in der Nationalbank über „Münzen und Banknoten von Ecuador und Costa Rica“ angeschaut. War gratis und nebenbei eigentlich auch ganz interessant.
Die Heimfahrt war nicht so angenehm wie die Hinfahrt, weil wir in der ersten Reihe saßen und unsere Füße nicht so gut ausstrecken konnten wie weiter hinten und weil es einen Film spielte, der „Death Race“ oder so geheißen hatte, da ist mir gleich wieder die COACTUR eingefallen.
Trotzdem habe ich den montäglichen Arbeitstag relativ gut überstanden.
Ja, und viel mehr gibt es kaum noch zu erzählen.
Vielleicht noch, dass ich auf der Reise zwei Mal unabhängig voneinander für einen Chilenen gehalten worden bin. Müssen wohl hübsch sein, diese Chilenen.
Artikel über den Aufenthalt in Ecuador 2008-2009 und die Reise durch Russland, die Mongolei und China 2011
Dienstag, 10. Februar 2009
Quito, die Zweite - mit viel Glück
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2 Kommentare:
Ganz schön eingebildet bist du auch geworden, aber vielleicht ist es gut, wenn sie dich nicht als Gringo einstufen, so bist du vielleicht weniger gefährdet.Auf dem letzten Skyp-foto hast du ja wirklich ganz exotisch ausgeschaut.
Und dein Hier samt Leguan waren Spitze! Weiterhin viel Glück auf allen Fahrten! wwwom
bei uns sagt ma kukuruz und ned mais ;)
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