Mittwoch, 7. Januar 2009

Playas

Unser geplanter Ausflug an den Strand am Morgen von Neujahr ist ja nichts geworden. Hat uns gar nicht viel ausgemacht, weil wir am 2. Jänner auch noch frei hatten, deswegen machten wir uns auf den Weg nach Playas, einer Stadt am Strand, wo ein Freund einer Freundin ein Haus hat, wo wir auch wohnen konnten. Schon die Hinreise mit Umsteigen in Guayaquil gestaltete sich relativ schwierig, weil wir nicht die einzigen wahren, die es über den Fenstertag und das Wochenende ans Meer zog. Nach 3 Stunden Schlangestehen für das Ticket und weiteren eineinhalb Stunden in der Schlange vor dem Busbahnsteig saßen wir endlich in einem Bus, der die „Vía a la Costa“ gefahren ist. Nach zweieinhalb Stunden Busfahrt, die ich mir mit einem „Maduro“ (reife Kochbanane in Teig herausgebacken, kostet 30 Centavos) versüßt habe kamen wir in Playas an. Den „Maduro“ konnte ich in Anbetracht meines Imodium-Vorrates im Rucksack bedenkenlos genießen. Trotzdem ist nichts passiert. In dem Haus in Playas angekommen, stellten wir schnell fest, dass es sich um etwas wohlhabenderes handelt, neues Haus, die oberen Stockwerke noch gar nicht fertig gebaut, keine zwei Minuten zu Fuß zum Strand. Derjenige, der uns eingeladen hat (seinen Eltern gehört glaub ich das Haus) hat uns auch immer mit seinem Auto herumkutschiert, auch wenn es gar nicht notwendig gewesen wäre. Es ist auch Gewohnheit für die Ecuadorianer, dass sie die Motoren immer laufen lassen, so hat auch unser Juan Carlos am Abend sein Auto als Musikbox zur Verfügung gestellt, das heißt: Motor an, Musik auf Vollgas, die Klimaanlage vom Auto rennt auf Automatikmodus im Vollbetrieb und die Türen sind natürlich offen, damit jeder auch den tollen Reggaeton hört. Und das ein bis zwei Stunden jeden Tag. Da kommt man schon in Versuchung, den Schlüssel einfach mal kurz umzudrehen. Aber was solls. Er war sehr nett und hat uns immer reichlich mit Essen und Trinken versorgt. Der Strand war nicht weit weg, man konnte die zwei Meter hohen Wellen bis zum Haus rauschen hören und weil diese Gegend eher für reichere Leute war, die ihre Privathäuser oder Privatwohnungen in der Nähe haben, war der Strand fast leer. Also leer ist übertrieben, aber es waren wenig Leute und man hatte locker Platz. Die Wellen waren, wie schon gesagt, echt riesig und die Strömung hat eine gewaltige Kraft. So auch die Sonne. Ich habe mich drei Mal mit 50er-Sonnencreme eingeschmiert, trotzdem habe ich auf den Teilen, die ich beim zweiten und dritten Mal vergessen habe einen ziemlichen Sonnenbrand. Zum Mittagessen gab es dann ein Fischfilet für mich, weil mir das ganze andere mit Camarones und Muscheln nicht so zugesagt hätte. Das Essen direkt am Strand mit Blick aufs Meer hat ohne Suppe ungeheure drei Dollar gekostet. In Pedro Carbo bekommt man gleichwertiges mit Suppe um einen Dollar und fünfzig Centavos. Der Floh hat am Strand 10 Dollar gefunden, damit haben wir einen Teil des Essens gezahlt. Natürlich hätten wir auch am Strand fragen können, wem sie gehören, aber da wären wir nicht weit gekommen, weil der Schein dann jedem gehört hätte.
Am Sonntag sind wir dann zurückgereist, in der halben Zeit wie beim Hinfahren. In Pedro Carbo trafen wir dann endlich auch wieder den Jakob, der die letzten zweieinhalb Wochen mit seinen Eltern gereist ist, und seine Eltern. Am Sonntag Abend gab es das traditionelle Österreicher-Treffen mit Abendesse, diesmal aufgrund der großen Beteiligung in der Clinica. Am Montag kochten Jakobs Eltern zum Abschied noch Gröstl für alle. Wahnsinn, das war gut, mit Stücken von Schweinsbraten und dürrer Wurst drinnen. Und dazu gab es Salat, der anders als sonst in Ecuador, nicht mit Limone, was wir auch zu schätzen wussten. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie – entschuldigt den Ausdruck – geil so ein Essen schmeckt, wenn man Reis gewöhnt ist.

In der Arbeit wird mich der Jahresabschluss wohl noch, optimistisch gesehen, bis Ende Jänner beschäftigen, gemeinsam mit Carlos, dem eigentlichen Buchhalter, glaube ich aber doch, dass wir es schaffen werden. Bis 14. April haben wir Zeit, die Bilanz und die Deklarationen beim SRI (Servicio de Rentas Internas – Finanzamt) einzureichen.

Jetzt wird mir immer klarer, dass mit Ende dieses Monats die Hälfte meines Zivildienstes vorbei sein wird. Schrecklich, der Gedanke, wenn ich immer noch das Gefühl habe, als Tourist hier zu sein, noch immer fühle ich mich oft so fremd, unverstanden und unverstehend, sprachlich und kulturell. Wobei kulturell nicht ganz passt, weil es für mich nicht als „andere Kultur“ gilt, wenn man im Bus auf den Boden spuckt oder seinen Müll überall hinhaut, wenn ein Mann seiner Frau fremdgeht, sie dann schlägt, wenn man regelmäßig Mädchen weit unter 18 mit Babybäuchen sieht weil sie sowas von keiner Ahnung von Sexualität und Verhütung haben, manches, das muss man bei allem Kulturverständnis und aller Toleranz sagen, ist pure Ignoranz der Leute. Genauso wie in Österreich genug Ignoranz herrscht, nur eben in anderen Gebieten. Also bitte nicht falsch verstehen, ich will nicht sagen, dass die Leute hier dumm sind, ganz im Gegenteil, es gibt sicher nicht mehr oder weniger Dumme als in Österreich (eher weniger, anders kann ich mir das Ergebnis der NR-Wahl 08 nicht erklären). Sicher gibt es oft Situationen, wo mir sehr unschöne Gedanken kommen, wenn ich zb sehe, wie Leute ihren Müll aus dem Bus werfen oder sich mit aller Gewalt irgendwo vordrängen. Bald danach, wenn man darüber nachdenkt, sieht man es eh nicht mehr so tragisch, ob jetzt einer den Müll aus dem Fenster wirft oder nicht, die Verschmutzung ist so und so schon genug und mir ist es egal, wenn sich wer vordrängt, weil ich es fast nie eilig hab. Aber momentan wird man halt sehr wütend und dann können einem auch Worte auskommen, die hier zum Glück niemand versteht. Vielleicht sind wir Zivis auch deswegen da, damit wir ein bisschen was verändern können, auch weil wir vielleicht ein kleines Vorbild sind für die Leute. Wenn sie sehen, dass die reichen Europäer ihren Müll in die Mistkübel werfen, vielleicht machen sie es dann auch. Ich weiß nicht, aber mir kommt vor, dass die Ecuadorianer so ziemlich alle Unsitten und die Dekadenz der USA kopieren wollen (Plastikbesteck, Plastikteller, Verschwendung, ...)

Danke für die vielen Kommentare. Geht ja ;) Weiter so!

 

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hey!

Um so eine gewisse Reglmäßigkeit reinzubringen, werd ich dir jetzt jedes Mal auf deinen Blog antworten! *hehe*

Dein Bericht von dem Wochenende ist super! Aber was noch toller wäre, wenn du uns auch teilhaben lassen würdest an dem schönen Strand zum Beispiel... wir vermissen Fotos!!!!! :-)))

Freu mich, bald wieder was von dir zu lesen!

LG Doris

Anonym hat gesagt…

was die fotos anbelangt, bin ich ganz Doris ihrer Meinung! I'm suffering from visual deprivation!
sonst, toller bericht wie immer, was soll ich sagen ;o)
vermiss dich, maria

Anonym hat gesagt…

Vermissen werden dich auf eine andere Weise viele Leute, aber wenn du dort nützlich bist, ist es so besser. Und woher bekämen wir die interessanten Berichte. Also weitermachen. Alles Gute!Omer