Als wir letzten Sonntag abend vom Strand heimkamen nach Pedro Carbo ist mir aufgefallen, wie vertraut und heimatlich mir diese Stadt schon vorkommt. Man kennt schon einige Leute, die einem auf der Straße begegnen zumindest vom Sehen, andere auch näher und irgendwie ist es nach einer Reise immer ein Heimkommen nach Pedro Carbo, an einen Ort, wo man sich schon fast wie zu Hause fühlt.
Jakob und David haben jetzt Schulferien und werden heute Abend aufbrechen auf eine Reise nach Kolumbien. Ich würde auch so gern mitfahren, aber ich habe halt keine Ferien und werde das dann im August/September nachholen. Ich freue mich dafür schon auf die erste Rundreise in vier Wochen mit Michi und Christian.
Und eben, weil die zwei heute nach Kolumbien fahren, waren wir gestern alle gemeinsam noch mal in Pedro Carbo feiern (alle, außer die beiden Flos, weil die in San Isidro ganz weit weg arbeiten mussten). Zuerst waren der Jakob und ich auf ein Bier bei der Florcita (unser Stammkiosko, habe ich glaub ich schon ein mal geschrieben, oder?) und da ist auf einmal daneben ein Auto vom „Transito“ (das ist die Verkehrspolizei) stehen geblieben und die zwei „Vigilantes“ (so heißen dann die Polizisten vom Transito) sind ausgestiegen und haben Bier gekauft. Zwei Flaschen Heineken, also zwei mal ein viertel Liter um jeweils einen Dollar und 25 Cent, insgesamt zwei Dollar und 50 Cent für einen Halben Liter Bier und noch dazu für das grausliche Heineken-Gesöff. Da kostet das ecuadorianische Pilsener weniger als ein Drittel und ist mehr als doppelt so gut. Naja, Polizisten und Vigilantes verdienen gut und wer weiß, wie die sonst noch so zu Geld kommen. Und wer Geld hat, muss das natürlich alle sehen lassen. Wie sie dann weg waren, hat der Jakob die Florcita (die Kiosko-Frau) gefragt „Son corruptos?“ (Sind die korrupt?) und sie hat nur gesagt „Son vigilantes!“ (Sie sind Vigilantes!), also, so auf die Art, warum fragst du überhaupt, wenn du eh siehst, dass sie Vigilantes sind? Aber es sind nicht alle korrupt, das muss man schon sagen, es gibt in den Reihen der Polizei und Transito auch einige „weiße Schafe“. Und dann, vom Kiosko sind wir im Regen weitergegangen zu der Fiesta, wo die Cousine von der Dally, der ehemaligen Sekretärin vom CRESEM, ihre Graduación gefeiert hat, also so eine Art ecuadorianische Maturafeier, nur halt im privateren Rahmen, mit Familie, Freunden, Torte, Essen, Musik, Tanz und Alkohol. Wie wir hingekommen sind, hat gerade die Mutter der „Graduana“ (oder so irgendwie heißt halt die, die ihre Graduacion hat) durchs Mikrofon eine Rede gehalten, hat dann aber zu weinen begonnen und war so emotional und hat ins Mikrofon hineingeheult „Danke lieber Gott, dass du meine Tochter so intelligent gemacht hast“ und so Sachen, eh ganz nett eigentlich, aber wenn du neben der 3000-Watt-Box gestanden wärst, die das bis ins Unaushaltbare verstärkt hat, hättest dir auch gewünscht, dass es bald aus ist. Dann haben sie noch zwei oder drei mal ihre „amigos austriacos“ begrüßt, auch wenn wir außer der Dally und der Graduana selbst niemanden dort gekannt haben, trotzdem nett von ihnen. Und dann gab es Musik und Tanzen war eine gute Möglichkeit, sich von den überdimensionierten Lautsprechern wenigstens ein bisschen zu entfernen. Dafür hat man dann geschwitzt, weil es noch immer recht warm war und der Regen das ganze noch ziemlich schwül gemacht hat. Ich hab dann schon absichtlich unter dem Loch in der Decke getanzt, wo es wenigstens alle halben Minuten mal ein paar Tropfen reingeregnet hat. Nach einer halben Stunde Salsa und Tecno haben wir uns freiwillig in den Regen gestellt, ja, das CAAM ist ja nebenbei erwähnt schon wieder ohne Wasser aus der Leitung, deswegen hab ich das gleich als Duschen gerechnet. Dann sind wir noch in die Disco gegangen, wo irgendwer auch irgendwas gefeiert hat, war eigentlich geschlossene Gesellschaft oder so, aber über die Bekanntschaften der Bekanntschaften kommt man halt doch immer wieder rein. Dort war es dann aber eh nicht so besonders, mir war kalt, weil ich nass und die Disco klimatisiert war. Die Musik konnte mich auch nicht aufwärmen – Salsa romantica fällt eher unter die Kategorie „Lamourhatscher“ (Falls jemand das Wort nicht kennt, oder ich es falsch geschrieben hab, unter Lamourhatscher versteht man langsame und romantische Stücke, die für Menschen, die ohne Partner in einer Disco sind jegliche Stimmung zerstören). Der ganzen Fiesta muss man allerdings zugute halten, dass es Freibier gab. Das wars dann aber auch schon wieder.
Momentan ist es sehr drückend schwül heiß und ich war auf den Regen, der mir meinen Kübel anfüllt, damit ich mit dem gewonnenen Wasser wieder zwei Mal aufs Klo gehen kann. Gut, das wird jetzt schon uninteressant, ich hör auf.
Bis zum nächsten Mal
4 Kommentare:
Hallo Klaus!
Lese jede Woche deine Berichte mit den interessanten Informationen aus einer für uns hier eigentlich fremden Welt und freue mich auf weitere Berichte.
Alles Gute für den Rest deiner Dienstzeit.
A.O D.
danke.
aber wer ist a o d ?
danke.
aber wer ist a o d ?
Hi Klaus!
Des Rätsels Lösung: Alex Ostheim-Dzerowycz - alles klar??
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