Prosit Neujahr.
Silvester war eigentlich weniger schlimm als erwartet.
Zuerst arbeiteten wir wieder bis Mittag, am Vormittag brachten wir einen Kasten, den sich das CAAM ausgeborgt hat, zu Manuels Schwiegermutter auf die andere Seite des derzeit ausgetrockneten Río Pedro Carbo (Fluss). Zu diesem Zweck borgten wir uns das Auto vom FEPP aus. Bei der Rückfahrt fuhren wir über die Brücke hintere einem Bus, der immer langsamer wurde und dann sahen wir, wie plötzlich große Mengen von Müll vom Bus aus auf die Böschung des Flusses geworfen wurde. Es war nicht nur Müll, es war ein ganzer Sack, der ausgeleert wurde. Pervers, wenn man bedenkt, dass sie den Sack 100m weiter auf die Straße legen hätten können, wo er wahrscheinlich noch am selben Tag oder einen Tag später von der relativ gut funktionierenden „Müllabfuhr“ mitgenommen worden wäre. Die Müllabfuhr ist nämlich gleichzeitig auch Straßenkehrer. Und da die meisten Leute ihren Mist einfach irgendwo hinhauen, sind die Männer eher mit zusammenkehren beschäftigt, man kann ihnen aber auch den gesamten Hausmüll einfach vor die Tür stellen oder sie pfeifen und schreien „La basura“ (der Müll!), wenn nichts vor dem Haus steht und dann bringt man schnell den Mist raus. Eigentlich ein tolles Service und die kommen fast jeden Tag. Gut, das CAAM liegt auch an der Hauptstraße, irgendwo im hintersten Winkel der Stadt funktioniert das sicher weniger gut.
Na gut, und danach kam der Nachmittag und dann der Abend. In Ecuador ist Silvester ein Familienfest, fast ähnlich wie Weihnachten. Auch zu Silvester wird ordentlich gegessen und noch viel mehr gesoffen als zu Weihnachten. Am späten Nachmittag habe ich mir schon die Silvesterfolge vom „Mundl“ auf DVD angeschaut, das hat einfach sein müssen. Gegen neun oder zehn am Abend bin ich dann eingeschlafen, aber um halb zwölf wieder aufgewacht, weil ich ja zum Essen bei den Eltern von Davids Freundin, Ivana, eingeladen war. Überall hörte man schon die Kracher und Raketen. Wer mich kennt, weiß, wie ich auf den Lärm steh. Bei deren Haus angekommen, war es dann bald Mitternacht und das Verbrennen des „Año viejo“ (altes Jahr) war angesagt. Fast jedes Haus in Pedro Carbo hat in den Tagen vor Silvester eine mehr oder weniger selbstgebastelte (man kann sie auch kaufen) Puppe aus Karton, Plastik und Unmengen von Knallkörpern drinnen vor dem Haus stehen. Eigentlich habe ich gehört, dass diese Puppen was schlechtes aus dem alten Jahr symbolisieren, aber ich glaube, das nehmen sie nicht so genau. Vom Präsidenten über den Bürgermeister, Padre Hrusa, bis zu Bart Simpson, Kung-Fu Panda, Spiderman wurden alle möglichen Persönlichkeiten verbrannt, oder einfach nur der mehr oder weniger geliebte Nachbar (die Puppe, die so ausschaut wie er natürlich...) Na gut, zu Mitternacht hat es dann auch überall ordentlich gekracht, der „Wäschemann“ (siehe Weihnachtsgeschichte) hatte anscheinend die ärgsten Raketen, unweit vom Haus entfernt war seine Startbasis und diese Dinger sind in den Himmel geschossen und dort wie Granaten explodiert, hat ausgeschaut wie ein professionelles Feuerwerk, die Raketen hatte er angeblich von seinem Sohn, der in der Bahía (auch siehe letzter Eintrag) arbeitet. Na gut, nachdem wir alles verbrannt und verschossen hatten (David hat mit meiner Kamera fotografiert, da ich mir die Ohren zuhalten musste) und alle Verwandten beglückwünscht waren, setzten wir uns zum Essen. Welch Zufall, es gab endlich wieder einmal – Hendl. Aber diesmal wäre es wirklich gut gewesen, wäre es nicht schon kalt gewesen, weil es so lange gedauert hatte, bis sich endlich alle niedergesetzt hatten. Zur Nachspeise habe ich noch irgendeine Frucht, von der ich den Namen vergessen habe, gegessen, die war ziemlich gut, dazu ein Glas Rotwein und dann sind wir Jungen (obwohl wir auch schon alt werden...) noch durch die Straße gezogen. Zu meiner Erfreunis durfte ich feststellen, dass um diese Zeit, zwei Uhr in der Nacht, anscheinend alle schon so stockbetrunken sind, dass keiner mehr Kracher schießen kann. So haben wir auf der Straße und vor den Häusern viele Leute getroffen, beglückwünscht, einen Schluck mit ihnen getrunken, das war eigentlich ganz nett. Ja und danach, es hätte die Möglichkeit bestanden, dass wir mit anderen 20 Leuten an den Strand nach Montanita fahren. Ich hatte da kein gutes Gefühl dabei, um vier Uhr morgens in der betrunkensten aller ecuadorianischen Nächte mit einem gemieteten Kleinbus vier Stunden mitzufahren, auch wenn unser Fahrer nüchtern ist, es fahren so viele Betrunkene, nicht nur Autos, auch Busse oder LKWs, denen ich nicht begegnen will und die regelmäßig tödliche Unfälle verursachen. Aber dann wurde ausgemacht, dass wir uns um fünf Uhr ecuadorianischer Zeit und halb sieben österreichischer bei der Ivana treffen und dann wegfahren. Mich hat es auch nicht wirklich gefreut, weil ich schon müde war und dann habe ich von vier bis sechs geschlafen und bin um halb sieben zu dem Haus gegangen. Schlafen konnte ich in dieser Zeit nicht viel, weil noch überall Salsa gelaufen ist, die Leute sitzen vor ihren Häusern oder vor Bars und trinken und hören viel zu laut Musik. Dann die Erlösung: Stromausfall gegen fünf Uhr früh. Gleich darauf die Ernüchterung: Stromaggregate und der Salsa geht weiter... Na gut, um halb sieben war ich bei dem Haus von der Ivana, es waren noch nicht viele Leute da und der Kleinbus war nicht viel größer als das Auto, mit dem ich Autofahren lernte und in dem meiner Kenntnis nach allerhöchstens 7 Leute inklusive Chauffeur halbwegs erträglich reisen können. Dieses Auto hat zwar 3 enge Bankreihen hinter dem Fahrer gehabt, in meiner ersten Reihe allerdings mussten sich die Füße den Platz mit dem Benzinkanister, der der Tank war, teilen. Nein, in dieser Rostkiste wollte ich nicht vier Stunden eingeklemmt sein und nach Montanita fahren. David und ich waren fast froh, dass das Auto dann nicht angesprungen ist – Batterie kaputt – anschieben war leider auch nicht möglich, da der alte FORD ein Automatikgetriebe hat und, ich kenn mich nicht aus, aber der Fahrer hat gemeint, das geht nicht. Die Ivana hat dann für den David und mich ein Frühstück gemacht: Hendl vom Silvesteressen mit Salat, dazu Brot, Tee und Melonensaft. Sogleich hat sich auch ein schon besiegt geglaubter Durchfall zurückgemeldet, schnell war ich wieder daheim, jetzt habe ich ein Imodium genommen, das habe ich in einer Lade in meinem Zimmer gefunden und ist angeblich gegen Durchfall. Stimmt das? Egal, mir geht es jetzt besser, nachdem ich zwischen acht und halb drei nachmittags noch einmal geschlafen habe.
Der Freitag, Fenstertag, ist frei, deswegen will ich vielleicht noch heute, oder morgen irgendwo hinfahren. Vielleicht wird es ja noch was mit dem Strand. Wäre schon Zeit, bin ich schon 5 Monate da und war noch immer nicht im Pazifik baden.
Übrigens: Für alle die es nicht wissen; wo unter meinen Blog-Berichten immer „0 Antworten“ steht, wenn man da draufklickt, kann man Kommentare schreiben. Würde mich freuen, wenn das mehr Leute tun würden, falls wer Fragen hat, oder einfach nur so, ich würde halt gerne wissen, wer so aller meinen Blog liest. Und wenn das viele tun, steht dann nicht mehr „0 Antworten“ sondern „10 Antworten“ oder „20 Antworten“... Mhm... So is das...
Na gut.
Ich hoffe, ihr habt den Jahreswechsel alle gut überstanden, ohne Leberschäden oder abgesprengte Gliedmaßen...
9 Kommentare:
Natürlich verschlingen wir deine höchst interessanten Wochenberichte und machen auch viele Freunde darauf aufmerksam!
Keep on writing!
Ja, Klausi, also deine Berichtesind immer spannend und wir lesen sie immer gern.
Mfg Kruftl
Omer und Oper warten mit Spannung auf deine Berichte von jenseits des Äquators. Auf weitere spannende und auch beruhigende Nachrichten freuen wir uns. Alles Gute im Neuen Jahr!
ich les da natürlich weiter im norden auch deinen blog, hoff du auch meinen ;)
see ya!
Hey Klausi!
Ich les deine Berichte immer total gern...schau auch seeeehr oft rein, ob was neues drin steht und freu mich echt immer wieder was von dir zu lesen.
Bin froh, dass ich auf diese Weise mitbekomm, was du so treibst.
Wünsch dir auf jeden Fall fürs neue Jahr alles Gute, Gesundheit u. Glück!
LG Doris
hallo kleiner!
nicht nur ich,auch einige meiner kolleginnen lesen deinen blog.(obwohl sie dich gar nicht kennen)aber deine geschichten sind echt abwechslungsreich und interessant.gvdg (grüße vo da goli)
Hallo Klaus
Versuche nun ein zweites Mal zu schreiben, da meine Computer-kenntnisse nicht so gut sind und daher nicht weiß, ob der erste Kommentar angekommen ist.
Ich schaue regelmässig nach, ob pünktlich am Wochenende du wieder etwas Neues geschrieben hast. Über den nicht so schreibfleißigen Simon bin ich auf deine Seite gestoßen. Wenn ich dann deinen und Davids Eintrag lese, weiß ich dann in etwa wie es meinen Sohn David geht. Ich freue mich immer von euch zu hören und hoffe euch im Sommer noch immer voller Tatendrang zu erleben.
Hola Klaus
finde deine blogs immer super... bin ein treuer leser von dir und anderen blogs der zivis.. sind echt immer interessante geschichten... so kann ich mir das leben und den alltag schon recht gut vorstellen.... aber wir sehn uns dann ehh schon in 10 tagen...;-)
lg flo (2)
hallo klaus
hab ab und zu in deinem blog geschmökert und mich vorige woche gewundert, dass du schon fast bei der halbzeit angelangt bist. die zeit vergeht ziemlich schnell...
auf jeden fall stichwort halbzeit: wir haben ja kurz vor deiner abreise eine NÖN-story gemacht und ich hab mir überlegt ob du interesse hast an einem interview, zum thema halbzeitbilanz? also ich würds spannend finden.
bitte um ja oder nein, dann machen wir uns aus wie wir das am besten durchführen können...
lg
ps: hab dir auch ein mail an die gmx-adresse geschrieben - zur sicherheit.
Kommentar veröffentlichen