Wieder einmal ein „ungerader“ Blogeintrag, der statt am Wochenende am Wochenbeginn kommt. Das hat den einfachen Grund, dass wir am Wochenende in Crucita waren, das ist ein kleiner Ort nördlich von Portoviejo, der Hauptstadt der Nachbarprovinz Manabí. Der Strand in Playas hat mir zwar besser gefallen weil dort nur ganz wenige Leute waren, aber Crucita war auch schön und die Wellen dort waren auch ziemlich heftig, am Sonntag hat uns dann einer, der am Strand auf und ab gegangen ist vor den Strömungen gewarnt, angeblich gibt es immer wieder Leute, die das unterschätzen. Die Wellen haben wirklich eine enorme Kraft, das ist zwar lustig, wenn man sich hineinstürzt und ein bisschen an den Strand zurücktreiben lässt, man muss aber immer auch aufpassen, dass man dann nicht weiter hinaus gezogen wird. Am Strand gibt es so kleine Zelte, die man sich mieten kann, dafür besetzt man einfach eines und nach einer Zeit kommt jemand, der dann 2 Dollar kassiert und man kann das Zelt den ganzen Tag haben, was sehr angenehm ist, wenn die Sonne herunterbrennt und auch wenn man sie nicht sieht, ist sie noch immer dermaßen stark, dass ich wieder einen Sonnenbrand bekommen habe trotz Einschmieren mit 50er-Sonnencreme. Na gut auf jeden Fall nehmen wir uns am Samstag so ein Zelt und dann kommt auch bald ein alter Mann mit wenigen Zähnen und bei dem zahlen wir. Er sieht, dass wir eine kleine Gitarre mithaben und glaubt zuerst, dass es irgendein anderes Instrument ist, von dem ich jetzt leider den Namen vergessen habe. Er kann aber ein bisschen spielen und spielt und singt uns Lieder vor, in denen es um Frauen, Tod und Alkohol geht, so wie in allen Liedern. Wir haben uns dann noch mit ihm unterhalten und er erzählt uns ganz ungeniert, dass er heute noch ins „Chongo“ (Bordell oder Puff oder wie sagt man da auf Hochdeutsch?) gehen wird und ob wir nicht auch mitwollen, weil die Frauen dort so schön sind. Wir haben ihn dann noch ein bisschen über das Chongo ausgequetscht, haben erfahren, dass er sich in seinen besten Jahren dreimal täglich diesen Service leisten konnte, weil es damals nur einen Dollar gekostet hatte, jetzt kostet es fünf. Wir natürlich gar nicht neugierig und fragen weiter, ob er Kondome verwendet, er lacht und sagt so auf die Art „Nein, natürlich nicht…“ und vor AIDS hat er auch keine Angst, so wie er gesagt hat ist es ihm lieber an AIDS zu sterben als Kondome zu verwenden.
Machismo pur könnte man sagen.
Am Sonntag war der Strand dann auch ziemlich voll, weil in Portoviejo und in anderen Städten jeder der es sich halbwegs leisten kann am Wochenende an den Strand fährt. An der Strandpromenade findet man auch ziemliche Luxusanwesen und teure Autos, gleich daneben verkaufen kleine Kinder Essen an die Strandgäste, während andere gleichaltrige mit ihren Eltern im Meer baden und Spaß haben. Nicht schwer zu merken, dass in diesem Land irgendwas nicht stimmt. Und egal, wie man den Kindern, die einem was verkaufen wollen, gegenübertritt, man hat danach ein schlechtes Gewissen, oder ich zumindest, weil wenn man ihnen was abkauft, verdienen sie zwar ein bisschen was damit, andererseits werden sie dann weiterhin auf der Straße arbeiten. Und wenn man die Kinder, die mit ihren Eltern eine glückliche Zeit am Strand verbringen und die Kinder, die zum fünften Mal auf und ablaufen, um wenigstens ein bisschen was zu verkaufen, nebeneinander sieht, stellt sich zwanghaft die Frage, was denn der Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Kind ist. Warum darf das eine glücklich mit seinen Eltern spielen, während das andere arbeiten muss? Wer entscheidet das? Nicht, dass ich dem einen Kind den Urlaub und die Freude nicht vergönnen würde, aber irgendwie ist es doch nicht fair, oder?
Leider kann ich euch von dem ganzen Ausflug keine Fotos präsentieren, da meine geliebte Kamera nicht mehr funktioniert. Sehr bitter das ganze für mich, ich glaube die nächste Servicestelle ist in Argentinien oder Brasilien, aber Lösungswege sind schon in Sicht.
Gerade eben habe ich ein Rindsgulasch gegessen, ein Danke der Familie Brandl aus Breitenwaida dafür, ich habe die erste Dose soeben unter neidischen Blicken meiner Kollegen und Tiere verzehrt.
Mein Hund ist wieder gesund, der Kater auch obwohl ich ihn die letzten zwei Wochen nur mehr nach dem von mir entwickelten System der „Passivfütterung“ ernährt habe. Die „Passivfütterung nach Dr. Klaus Langer“ funktioniert einfach so, indem ich auf den Einsatz von Gift gegen jegliches Ungeziefer verzichte und die Katze auch in regelmäßigen Abständen in mein Zimmer lasse, damit sie alle Insekten frisst. Mittlerweile geht das ganz gut und sie lernt sehr langsam zu verstehen, dass ich, wenn ich zum Kühlschrank gehe, nicht für sie sondern für mich Futter hole. Die Gänse ernähren sich auch fast von selbst, aus ihrem Dreck wächst jetzt in der Regenzeit Gras, das sie fressen können, und der Regen füllt das Wasserbecken sozusagen ein in sich geschlossenes Ökosystem.
Wie schon vorige Woche geschrieben gibt es einen neuen Zivi, Florian II wird Florian I ablösen. Meine Kollegen David und Jakob werden ab nächster Woche in Kolumbien sein, da Februar und März Schulferien sind und die Lehrer nur im zweiten Ferienmonat in der Schule anwesend sein müssen zur Vorbereitung. Jakobs Zivildienst endet so wie der von Flo I Ende Februar, deswegen kann er länger in Kolumbien bleiben, wird aber danach vielleicht wieder nach Pedro Carbo zurückkommen, um im CRESEM zu helfen. Aber was weiß man, in diesem Land ist nichts wirklich sicher. Jedenfalls habe ich auch schon bald die Halbzeit, sechs Monate in Ecuador, meine Eindrücke und was ich schon alles gelernt und was ich noch nicht verstanden habe hier zu schildern würde ein bisschen zu lang dauern und euch wahrscheinlich auch nicht interessieren, deswegen mach ich es kurz:
Sachen, an die ich mich gewöhnt habe…
- Reis essen
- Lärm auf der Straße
- Staub und Dreck
- ecuadorianisches Bier
Sachen, die mir gar nicht gefallen…
- die Leute lassen während des Mittagessens den Motor ihres Autos/Motorrads/LKWs laufen, am liebsten wenn der Auspuff Richtung „Schanigarten“ bläst (Katalysator oder Partikelfilter gibt’s natürlich nicht)
- jeden Blödsinn, den man kauft bekommt man in Plastiksackerl
- alle werfen ihren Müll aus dem Auto-/Busfenster
- Bier wird nicht aus der Flasche getrunken, sondern es wird immer eine Flasche bestellt und ein oder mehrere kleine Plastikbecher und die werden dann immer „auf ex“ (auf einen Zug…) getrunken, das hat für mich keinen Genussfaktor mehr
Ja, ich könnte noch einiges mehr aufzählen, aber das waren die „Highlights“.
Bis zum nächsten Mal!
2 Kommentare:
Gratulation zur Halbzeit! Dein Tätigkeitsbericht ist sehr informativ und übersichtlich, dass er für viele interessant wäre.
Während du einen Sonnenbrand erleidest, schneit es bei uns, traumhaft schön das viele Weiß auf den Sträuchern und Bäumen. Aber in einem Jahr macht der Schnee dir auch wieder Lust zum Schifahren.Alles Gute weiterhin.wwwom
Super dass schon bald die Halbzeit is oder schon war ;)
Jedenfalls zu der Fütterung a la Klaus Langer. Diese Art könnten wir zurzeit nicht praktizieren ;) Die armen Tiere würden nur verhungern..... soo viel schnee und es schneit schon wieder ...
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